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Tour de France – ob das noch Sport ist?

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(causasportnews / red. / 27. Juli 2022) Das härteste Radrennen der Welt, die Tour de France (TdF), wird bisweilen auch «Tour der Leiden» und ähnlich genannt. Kein Sportanlass brachte soviele Helden hervor und liess unzählige Hoffnungen scheitern, wie die «Grande Boucle» in der über 100jährigen Geschichte. Die TdF bildet auch die Historie unzähliger Dramen, persönlicher Abstürze, mirakulöser Erfolge und spektakulärer Ereignisse. Sie ging vor ein paar Tagen mit dem Gesamtsieg des Dänen Jonas Vingegaard zu Ende. Die Veranstaltung ist seit Jahren umstritten, nicht erst, seit das Teilnehmerfeld so richtig durchgedopt worden ist. Anlässlich der Ausgabe 2022 gedachte vor allem Deutschland des Heldenaktes von Jan Ullrich, der vor genau 25 Jahren das Radrennen für sich entschied – um bald danach abzustürzen. In diesen Tagen erzählt das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» das Sportler- und Privatleben der revitalisierten Sport-Legende nach, dies aktuell unter dem Generaltitel «Die Tragik eines Betrügers» («Der Spiegel», 23. Juli 2022). Es ist eine Geschichte, die an sich eher in die Rubrik «Helden-Recycling» passen würde. So ist es mit den Medien: Sie fahren mit den Helden, die es werden wollen oder es schon sind, hoch oder noch höher, im «Fall Jan Ullrich» bezüglich seiner Gewaltsleistungen an der TdF mitjubelnd bis zur Alpe d’Huez hinauf und bis nach Paris; sie sind dann auch dabei, wenn es, in welcher Hinsicht auch immer, wieder bergab geht. So, wie dies bei Jan Ullrich nach seinen grössten Triumphen geschah.

Grundsätzlich war die aktuelle Auflage 2022 der TdF sportlich nichts aussergewöhnlich Spektakuläres. Das Übliche halt: courant normal à la Tour de France eben. Zwar rollte die Veranstaltung unter dem Damoklesschwert der drei Krisen, welche die Welt derzeit beherrschen und die allgemein mehr als nur stimmungsdämpfend sind: «Corona-Krise», «Ukraine-Krise», «Klima-Krise». Die letztgenannte Krise bekam das TdF-Peloton heuer besonders zu spüren. Bei 40 Grad Luft- und 60 Grad Asphalttemperaturen kam zur sportlichen Härte noch die brutale Hitz dazu – permanent aufgezeigt in stundenlangen TV-Übertragungen, welche dem Leiden der Fahrer ein Gesicht gaben. Auch wenn die Organisatoren der Rundfahrt die aufgeheizten Strassen mit Sprühfahrzeugen kühlten (sinnigerweise aber nicht die Fahrer), war die 109. Auflage der Tour etwas Besonderes und verlieh der «Klima-Krise» eine spezielle und sportliche Ausdrucksweise. Weshalb letztlich nicht nur die Medien die unbeantwortbare Frage in den Raum stellten, ob das denn alles noch Sport sei.