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Weisser Rauch über der Säbener Strasse: «Heureka»! «Habemus Trainer»!

causasportnews / Nr. 1147/06/2024, 3. Juni 2024

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(causasportnes / red. / 3. Juni 2024) Endlich, endlich, ist die Sportwelt geneigt festzustellen. Der FC Bayern München hat einen neuen Trainer. Damit ist das Trauerspiel der letzten Monate beendet, als Thomas Tuchel in die Wüste geschickt wurde, es sich kein renommierter Übungsleiter antun wollte, auf dem Schleudersitz in München Platz zu nehmen, Thomas Tuchel seine Reintegration in den Münchner Verein abgelehnt hat und sich über Wochen kein Trainer fand, der diese sportliche und menschlich Strafaufgabe zu übernehmen bereit war. Unglaublich, wie sich die Zeiten ändern. Während Jahren setzte es ein gewaltiges Gerangel ab, wer den hoch-dotierten Job an der Säbener Strasse in München würde übernehmen dürfen. In den letzten Jahren wechselten die Übungsleiter praktisch im Jahrestakt, was Negativ-Spuren in jeder Hinsicht auf dem Trainermarkt hinterliess. Nach der Beendigung der Zusammenarbeit mit Thomas Tuchel war in der Führungsetage der Bayern Verzweiflung und Resignation spürbar, als Kandidat um Kandidat absagte. Bis vor ein paar Tagen verkündet werden konnte, dass der neue Cheftrainer des FC Bayern München Vincent Kompany heissen würde. Vincent Kompany who? In Fachkreisen verfügt der 38jährige Belgier, der sich in München drei Jahre vertraglich absichern liess, über einen gewissen Bekanntheitsgrad. In der Öffentlichkeit kennt man den ehemaligen belgischen Internationalen, der zwar erfolgreicher Spieler bei Manchester City war, kaum; zuletzt stieg er als Trainer in England mit dem Burnley FC in die höchste Spielklasse auf, um ein Jahr später wieder abzusteigen. Trotz dieser nicht gerade berauschenden sportlichen Trainer-Meriten wird der jetzt installierte Bayern-Coach als Hoffnungsträger und Fussball-Messias gefeiert, obwohl nicht anzunehmen ist, dass der neue-verpflichtete Mann die drei Vertragsjahre bis Juni 2027 an der Isar durchstehen wird. Die Ankündigung von Vincent Kompany erinnerte etwa an den überlieferten Ausspruch «Heureka», der im Zusammenhang mit dem Mathematiker Archimedes von Syrakus getätigt worden sein soll und frei übersetzt bedeutet: «Wir haben ihn (hier gemeint den Trainer), endlich gefunden»! Das Resultat von «Zangengeburten» also. Im katholischen Bayern werden aktuell allerding eher Analogien zur Papstwahl im Vordergrund gestanden haben, wenn nach der Beendigung eines Pontifikates (Amtszeit des Papstes) nach unter Umständen einem langen Konklave über dem Vatikan weisser Rauch aufsteigt und die geglückte Papstwahl angezeigt und entsprechend und freudig verkündet wird: «Habemus Papam» (wir haben einen Papst). An der Säbener Strasse darf nun ähnlich wie nach einer erfolgten Papstwahl jubiliert werden: «Habemus Trainer»!

Übrigens ist es ein Gerücht, dass im FC Bayern München mit einer gewissen Genugtuung der Champions League-Erfolg vom Wochenende von Real Madrid über Borussia Dortmund zur Kenntnis genommen worden sei. Wie auch unlängst der Final-Erfolg in der Europa League von Atalanta Bergamo, als das Italienische Team die beste Bundesliga-Mannschaft dieser Saison, Bayer Leverkusen, besiegte…

When Harry met Uli

causasportnews / Nr. 1047/08/2023, 13. August 2023

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(causasportnews / red. / 13. August 2023) Eine Sommer (nicht betreffend Yann Sommer) – Komödie im europäischen Fussball auf höchster Ebene, die nun einen vorläufigen Abschluss gefunden hat, ist final der sportlichen Realität gewichen. Die Rede ist von Harry Kane, dem englischen Top-Stürmer, der nach monatelangem Gezerre zwischen Engländern und Deutschen mit immer neuen Schlagzeilen und begleitet von Gerüchten am Wochenende vom englischen Klub Tottenham Hotspur zum FC Bayern München transferiert worden ist; so einschneidend können die Auswirkungen des «Brexit» also nicht sein. Endlich ein von den Protagonisten des Münchner Nobel-Klubs der so sehr herbeigesehnte Höhepunkt einer Kooperations-Anbahnung also, gleichsam wie in der Komödie «When Harry met Sally» (1989) – nur heisst es nun: «When Harry met Uli». Kein Zweifel besteht, dass der offenbar teuerste Transfer im Deutschen Fussball dem Über-Vater des Münchner Fussballs zuzuschreiben ist. An der Säbener Strasse erfolgte die fussballerische Schöpfungsvollendung durch den nach wie vor faktischen Machthaber im FC Bayern München, Uli Hoeness. Nun ist der Fussball-Messias aus England also in Deutschland angekommen. Die Euphorie an der Isar war riesengross nach bekanntgegebener Verpflichtung des Captains der Englischen Nationalmannschaft, der in München das seit dem Abgang von Robert Lewandowski offenkundig gewordene Stürmerproblem lösen soll. Was den Amerikanern Prinz Harry und Herzogin Meghan nach deren Übersiedlung in die USA bedeutete, soll nun der Fussball-Prinz Harry von der Insel für die Bayern nachhaltig verkörpern: Die Garantie für Erfolg und Fussball-Hollywood; in München mit Bezug auf die Bayern auch gerne «Bollywood» genannt. Eine Entwicklungs-Parallelität zwischen dem Blaublüter Harry und dem Fussball-Harry wünscht sich nun wohl allerdings niemand, auch wenn dem Prinzenpaar zu Beginn der US-Übersiedlung die Herzen zuflogen. Der Fussball-Messias kam also in München an, um gleich auf dem harten Boden der Realität aufzuprallen. Der Niedergang von Prinz Harry und Herzogin Meghan dauerte bekanntlich etwas länger und hält immer noch an.

Nach dem Transfercoup die Ernüchterung, als der gleichentags nach der definitiven Verpflichtung im Deutschen Supercup eingesetzte Harry Kane die Blamage der Bayern gegen die Red Bull-Mannschaft aus Leipzig auch nicht abwenden konnte. 0 : 3 für RB Leipzig hiess es nach 90 Minuten in der «Allianz»-Arena zu München. Eine Schmach für Uli & Co (trotz «Mia San Mia»). Was Harry Kane den Münchnern Wert sein wird, dürfte sich bald weisen. Zeit wird man dem Fussball-Prinzen von der Insel kaum einräumen; er hat aus dem Stand heraus zu funktionieren.

Immerhin soll dem FC Bayern München die Verpflichtung von Harry Kane mehr als 200 Millionen Euro Wert sein. Es ist dies kein konventioneller Fussball-Transfer, sondern ein sog. «Vertrags-Auskauf», weil der Rekord-Torschütze des Englischen Nationalteams aus einem laufenden Arbeitsvertrag mit Tottenham Hotspur herausgekauft werden musste. Mit seinen mehr als 30 Jahren wäre der zweifelsfrei begnadete Stürmer bei Beendigung seines Vertrags in England ablösefrei zu haben gewesen. Indem Tottenham Hotspur für Harry Kane eine Auskaufszahlung von mehr als 100 Millionen Euro einstreicht, dürfte der unspektakuläre Klub aus dem Norden Londons das Geschäft der Klubgeschichte getätigt haben: Für einen Stürmer in diesem Alter derart viel Geld zu vereinnahmen, ist ein sport-wirtschaftliches Meisterstück!

Zurück zum Spiel der Bayern gegen die Bullen aus Leipzig: Man durfte natürlich am ersten Arbeitstag von Harry Kane keine Wunder vom Neu-Zuzug erwarten – oder doch? Dass die Bayern ohne Torerfolg blieben, lässt tief blicken. Yann Sommer, der zu Inter Mailand abgeschobene Schweizer Nationaltorhüter und anfangs Jahr von den Bayern als Ersatz des immer noch verletzten Manuel Neuer verpflichtet (auch dieser Transfer war ein «Vertrags-Auskauf»), dürfte nicht unglücklich sein, am Wochenende nicht im Bayern-Tor gestanden zu haben. Der von Uli Hoeness und seinen Claqueuren mit mässigem Fussball-Sachverstand gedemütigte Schweizer, dem in München von Anfang an die «Mia San Mia»-Welt verschlossen blieb, dürfte aus der Ferne miterlebt haben, dass die alte Fussball-Weisheit immer noch zutrifft: Wer ein Spiel gewinnen will, muss mindestens ein Tor mehr schiessen als der Gegner – und eines weniger kassieren als dieser. Ein 0 : 3 sagt nicht alles, aber doch einiges, auch mit Blick auf das derzeitige Torhüter-Kapitel beim FC Bayern-München.

Ein Hauen und Stechen im Münchner Nobelklub

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(causasportnes / red. / 26. November 2021) Gar nicht nobel ging es anlässlich der diesjährigen Hauptversammlung des FC Bayern München am Donnerstagabend dieser Woche zu und her. Statt Einigkeit und Frieden herrschte das Chaos, und es geschah das, was die graue Eminenz im Klub, Uli Hoeness, als «einmalig» im FC Bayern München bezeichnete. Vordergründig ging es um Katar,  «Corona» (Joshua Kimmich) sowie um Geld und Geist, unmittelbar aber um einen Aufstand der Fan-Basis gegen das Fussball-Establishments, der zu einem veritablen Hauen und Stechen ausartete. Das gab es in der Tat noch nie: Johlende und pöbelnde Mitglieder, niedergeschriene und verbal niedergemachte Klub-Funktionäre, wüste Beschimpfungen hüben und drüben. Die Versammlung des FC Bayern wurde zum Kampfplatz zweier unversöhnlicher Parteien im Revolutions-Modus. Es zeigte sich, dass in München das bisherige Zwei-Klassensystem in diesem kommerziellen Sport-Segment nicht mehr zu halten sein wird. Das Klub-Management musste in diesen Stunden die Realität akzeptieren und erkennen, dass es sich in den letzten Jahren zu stark von der Basis entfernt hatte – kommerziell und ideell. Die Erinnerungen an die letzten Tage der DDR kamen hoch, als eine künstlich am Leben gehaltene Organisation, geführt von einer dem Volk entrückten Funktionärs-Kaste, irreparabel zusammenkrachte. Die «Bornholmer Strasse» mutierte gleichsam zur Münchner «Säbener Strasse». Im FC Bayern München wird es nie mehr so sein, wie es einmal war («mia san mia»).

Das Fass zum Überlaufen brachte ein Antrag des Vereins-Mitglieds und Juristen Michael Ott, der die Behandlung des Streitthemas «Verlängerung des Sponsoring-Deals FC Bayern – Qatar Airways» gegenüber der renitenten Klub-Führung vor Gericht erzwingen wollte (causasportnews vom 23. November 2021). Dort scheiterte er allerdings zuletzt wenige Stunden vor Beginn der Versammlung auch am Landgericht München, entfesselte jedoch mit seinen Antragsbestrebungen die Revolutionskräfte im Klub und läutete damit den Untergang der bisherigen Führungskultur im Klub ein. Ungewollt zu Hilfe eilten ihm dabei die teils unsensiblen Top-Funktionäre des FC Bayern München, die immer noch nicht erkannt hatten, dass ihnen die Führung des Klubs nur anvertraut ist und dieser nicht als Individual-Spielwiese zu betrachten ist. Zum Begehren von Antragsteller Michael Ott meinte zwar das Landgericht München (und setzte den Klub formell ins Recht), dass zur Behandlung des Themas «Qatar Airways» die Hauptversammlung nicht zuständig sei (sondern das Klub-Präsidium), doch war das für die Mitglieder und Fans das Zeichen zum Sturm auf die Münchner Fussball-Götter. Die Normen sprachen nach den Entscheiden der von Michael Ott angerufenen Gerichte für den Klub, die Fakten letztlich für die Mitglieder.

Olympia und Fussball: Von der Unmöglichkeit, das Rad der Zeit zurückzudrehen

Quelle: «Spiegel» 46/2021

(causasportnews / red. / 15. November 2021) Auch im Sport wünschte man sich ab und zu, die Zeit zurückdrehen zu können. Das gilt besonders für die beiden grossen Sportanlässe, die im Jahr 2022 stattfinden werden: Die Olympischen Winterspiele vom 4. – 20. Februar 2022 in Peking und die Fussball-WM-Endrunde vom 21. November – 18. Dezember 2022 in Katar. Je näher die grössten Sportveranstaltungen rücken, desto eher wird der Wunsch manifest, die entsprechenden Vergabeentscheide wären so nie gefallen. Weil eben das Rad der Zeit nicht zurückgedreht werden kann, wünschte sich nun ein Teil der Sportwelt, das Jahr 2022 ungeschehen machen zu können, frei nach dem Motto: «Wie schön wäre es, wenn 2022 bereits (Sport-)Geschichte wäre!».

Üblicherweise herrscht Vorfreude, wenn grosse Sportveranstaltungen anstehen. Nicht so bezüglich von Olympia in Peking. Im Zusammenhang mit China sind in der Welt nur Negativ-Meldungen zu registrieren, ganz zu schweigen von der katastrophalen Menschenrechtssituation und dem permanent auf die Bevölkerung niedersausenden Anti-Demokratie-Hammer des Regimes. Weil China für die Menschheit nicht nur ein wichtiger Handelspartner ist, wird trotz des von uns mitbefeuerten Klima-Desasters im Vielvölker-Staat und aufgrund des Umstandes, dass «Corona» wohl seinen Ursprung in diesem Land hat, über allem Unsäglichen der Mantel des Schweigens ausgebreitet. So werden im Februar 2022 die Olympischen Spiele eben regelrecht ertragen und durchgewürgt.

Unglücklich ist die Sternenkonstellation auch mit Blick auf die Fussball-WM-Endrunde in einem Jahr in Katar. Die Welt hofiert dem reichen Land auf dem Asiatischen Kontinent unentwegt, der schnöde Mammon bildet die oberste Maxime allen Handelns und Ertragens der Menschen ausserhalb des unsäglich reichen Zwergstaates. Katar kauft in der Welt alles zusammen, was sich zusammenkaufen lässt, seien es pekuniäre Assets, Fussball-Klubs, Fussballer-Beine oder Kunst im obersten Preissegment. Allmählich wird klar, welche Nationalmannschaften an der WM-Endrunde im Wüstenstaat teilnehmen werden, doch je näher der Anlass rückt, desto kritischer werden die Stimmen, teils auch aus Spielerkreisen; was verwundert. Die Millionäre in kurzen Hosen kümmern sich an sich hauptsächlich um sich, und es ist ihnen gleichgültig, was sich ausserhalb der Blase dieses  privilegierten Zirkels ereignet. In der aktuellen Ausgabe des Magazins «Der Spiegel» (46/2021) äussert der finnische Nationalmannschaft-Kapitän Tim Sparv sein Unbehagen, in einem Jahr in Katar spielen zu müssen – nicht zu «dürfen»… Im selben Heft befassen sich die «Spiegel»-Macher auch mit den Verbindungen des deutschen Vorzeige-Vereins «FC Bayern München». Dieser hält seit Jahren Trainingslager im Wüstenstaat ab und ist mit Katar auch anderweitig auf einigen Ebenen verflochten. Geradezu provokant, vor allem für die Fans, ist der langjährige Sponsoring-Deal der Münchner mit «Qatar Airways», der sinnigerweise bis 2023 Gültigkeit hat. Wenigstens eine Verlängerung der Kooperation will an der demnächst stattfindenden Hauptversammlung von Bayern München der 28jährige Michael Ott, Rechtsreferendar am Landgericht Mainz, verhindern. Er hat einen entsprechenden Antrag eingebracht, der die Exekutive des Vereins anhalten will, den Sponsoring-Vertrag, der dem Münchner Nobel-Klub jährlich 17 Millionen Euro in die Kasse spült, nicht mehr zu verlängern. Damit hat der Jung-Jurist einen Grossteil der Münchner Fans hinter sich, die sich schon mal in der «Allianz»-Arena in den Protest-Modus begeben haben: Die Top-Funktionäre Oliver Kahn und Herbert Hainer können sich schon einmal ausmalen, was in der Hauptversammlung auf sie zukommen wird. Allerdings rechnet letztlich niemand ernsthaft damit, dass der Antrag von Michael Ott durchkommen wird, auch wenn die polternde Stimme von Uli Hoeness, der die Fans zwischendurch in den Senkel zu stellen pflegte, fehlen wird. Aber das ganze Thema «Katar» wird sich eh entspannen, wenn die WM-Endrunde kurz vor Weihnachten im kommenden Jahr Sport-Geschichte sein wird.

Eine Geschichte, die «Corona» schrieb

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(causasportnews / red. / 15. Februar 2021) Nebst allem Negativem im Zusammenhang mit «Corona» gibt es durchaus auch Amüsantes am Rande der Pandemie zu vermelden. Etwa die Reisegeschichte des FC Bayern-München – fürwahr eine Menschenrechtsverletzung an den fussballerischen Aushängeschildern Deutschlands. Oder eine Geschichte zum Nachdenken?

Nach dem 1:0-Sieg bei Hertha BSC in der Bundeshauptstadt wollten die Bayern-Stars noch in der Nacht von Berlin nach Doha fliegen, um im Fussball-WM-Austragungsland 2022 den letzten Titel der Saison 2020 zu holen: Denjenigen eines Klub-Weltmeisters 2020. Das ist dann auch gelungen. In der neusten Ausgabe des «Spiegels» (7/2021) bringt es das Nachrichten-Magazin bezüglich des sportlichen Wertes des Klub-Turniers, das üblicherweise jeweils im Dezember stattfindet und heuer wegen «Corona» auf den Februar verschoben werden musste, auf den Punkt: Der sportliche Wert der Klub WM sei «mit der Stadtmeisterschaft von Elmshorn vergleichbar und deren alleiniger Reiz» seien die vielen Millionen, die der Trip einbringe (zur Erörterung: Elmshorn ist eine Stadt in Schleswig – Holstein mit knapp 50 000 Einwohnern). Trotzdem wollten die Bayern den Sieg an diesem Turnier, das vor Jahren vom ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter inszeniert worden war, um ihm in der Vorweihnachtszeit jeweils etwas Abwechslung zu verschaffen. Und die Bayern taten alles auch für diesen Sieg, ebenfalls in logistischer Hinsicht. Dass Planung und Realität zwei verschiedene Dinge sind, musste die Mannschaft aus München plus Staff am Berliner Flughafen BER erfahren. Nach dem Abend-Spiel gegen Hertha hatten es die Bayern offenbar nicht mehr so eilig und kamen (zu) spät am Flughafen an. Die Bitte um Starterlaubnis für den Flug nach Doha erfolgte drei Minuten nach der Deadline: Um 00:03 statt vor 00:00. Weil im grün-roten Deutschland Nachflugverbote so restriktiv gehandhabt wie Steuerdelikte bestraft werden, blieb der Rekordmeister in jener Nacht in der Hauptstadt am Boden. Die Behörden gaben sich unerbittlich. Auch die Erklärung, dass es sich hier schon nicht einfach um irgendwer handle, sondern um Millionäre in kurzen Hosen und um die wichtigsten Sport-Aushängeschilder Deutschlands, fruchtete nicht. So kam es, dass die Bayern erst nach knapp sieben Stunden auf dem Flugplatz in Berlin in Richtung Katar abhoben. Die Spieler schienen sich deswegen weniger enerviert zu haben als die Bayern-Exponenten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeness, die es eigentlich wissen sollten, dass Pünktlichkeit im Fluggeschäft genau so wichtig ist wie ein Torerfolg, über den schon auch einmal drei Zentimeter entscheiden können. Der nicht gerade als Meister der tiefschürfenden Denk-Analytik bekannte Funktionär Karl-Heinz Rummenigge und der an sich an formelle Genauigkeiten gewohnte Uli Hoeness wüteten wie die Berseker und suchten die Fehler für die selbstverschuldete Verspätung bei allen – nur nicht bei sich selber. Wieder einmal frei nach dem Motto: Lob der Schuldigen – Tadel der Unschuldigen. Es sei eine Zumutung für die Spieler, sich soviele Stunden nachts im Flughafengelände aufhalten zu müssen; ja eben, das sei an sich geradezu ein krasser Verstoss gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Die Spieler nahmen das alles relativ gelassen hin; ob sie wo an ihren Geräten herummachen, ist für sie eigentlich ziemlich irrelevant.- Aber die Schimpf-Tiraden der Bayern-Funktionäre brachten Deutschland in Aufruhr. In «Corona»-Zeiten Derartiges erleben zu müssen, war nun doch schlimmer als jedes Sakrileg. Trotz dieses Frevels am Fussball durch engstirnige Behörden konnte der Klub das gesteckte Ziel in Katar locker erreichen. Der letzte Pokal, den es im Fussballjahr 2020 noch zu erringen gab, wurde souverän gewonnen. Wenigstens verlief dann der Heimflug der siegreichen Helden problemlos. Auch der Solo-Flug von Weltmeister Thomas Müller: Von «Corona» befallen wurde er schon vor dem Spiel von der Mannschaft separiert, schaute sich das Finale der Klub-WM in Quarantäne an und reiste dann im Privatjet zwar einsam, aber sicher nach München zurück. Die Prioritäten in der «Corona»-Zeit waren wieder richtig gesetzt.

Eine Geschichte zum Schmunzeln – oder doch nicht ganz?

Uli Hoeness: Das war es dann doch

(causasportnews / red. / 5. November) Umbruch auf und neben dem Platz. So präsentiert sich die Lage derzeit beim FC Bayern München, einem der erfolgreichsten Fussballklubs der Welt. Die soeben vorgenommene Trainerentlassung ist eine Folge der derzeitigen Baisse, in der die erste Mannschaft steckt. Es gibt eine Fülle von Gründen, weshalb es beim Rekordmeister derzeit nicht „rund“ läuft. Jedenfalls wird sich der Klub sportlich neu aufstellen müssen, um an die Erfolg früherer Jahre anzuknüpfen. Irgendwie herrscht das Gefühl vor, dass dem FC Bayern der Sprung in Zukunft noch nicht gelungen ist. Die Sphäre, in der sich der Verein sieht, hat sich jedenfalls massiv verändert; das Fussballgeschäft in diesen Bereichen ist zumindest globaler geworden und hat sich an den Gepflogenheiten von Hochrisikogeschäften zu orientieren. „Mia san mia“ als Schlagwort ist nur noch ein Relikt vergangener Zeiten und eignet sich höchstens noch für kollektive, mentale Aufbauarbeit am Münchner Oktoberfest. Veränderungen tun not, soll der Klub auch international wieder auf Vordermann gebracht werden – auch in der Chefetage von Bayern München. Wenn Uli Hoeness in zehn Tagen als jahrzehntelanger, unumstösslicher Klub-Patriarch und Ligafürst abtreten wird, geht auch eine Fussball-Ära zu Ende. „Dieser Typ von Funktionär hat sich überholt“, sagte der Fussball-Insider und Journalist Thomas Kistner kürzlich an einem Symposium. Man muss im recht geben. Fussball gehört in der Sphäre, in der die Münchner mittun wollen, zu den grössten Unterhaltungssegementen der Welt. In einem stark gewandelten Markt mischen heute spezielle Investoren und Sponsoren aus dem arabischen und chinesischen Raum mit und machen den Fussball zum hochriskanten Geschäft. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat es gezeigt, als er mit „schrägen“ Investoren einen Vermarktungsdeal abschliessen wollte und wenigstens noch intern gebremst werden konnte. Hier hat „Mia san mia“ nur noch regionale und folkloristische Bedeutung. Der Fussball hat sich in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren (zu) stark gewandelt. Und auch die konventionellen TV-Vermarktungsmodelle, auf dem der kommerzielle Fussball immer noch massgeblich aufbaut, gehören allmählich in die Geschichtsbücher. Diese Entwicklungen haben auch die Verbände FIFA, UEFA sowie die bedeutenden nationalen Verbände noch nicht verstanden. Wie sollten sie auch; dort herrscht immer noch klassisches Funktionärswesen. So, wie bis jetzt bei Bayern München – noch für einige Tage mit dem Klubfürsten Uli Hoeness an der Spitze. Dieser Typ von Funktionär hat ausgedient. Ein Fussballklub ist kein „Baby“ oder ein „Spielzeug“ von Funktionären oder Funktionärskasten mehr. Nur modern aufgestellte Unternehmen können überleben und wirtschaftlich und sportlich reüssieren. Uli Hoeness hat vor dem Antritt seiner Haftstrafe erklärt, er komme zurück und wörtlich; „Das war es noch nicht“. Loslassen sieht anders aus. Doch das war es in der Tat. In jenem Moment war seine Zeit abgelaufen, als er auch den Widerstand in den eigenen Reihen zu spüren bekam und sich zwischendurch auch vehement mit Fans und Klubmitgliedern anzulegen begann. Uli Hoeness hat Gigantisches für den Fussball geleistet, hat alle Titel gewonnen und als junger Manager nach frühem Karrierenende den FC Bayern aus den roten Zahlen geführt und ihn allmählich zum Liga-Krösus gemacht. Er hätte nach Verbüssung seiner Haftstrafe nicht mehr an die Säbener Strasse in München zurückkehren dürfen; als Funktionär und Sport-Manager hat er selbstverständlich nicht alles falsch gemacht – aber auch nicht alles richtig. Doch das war eben Uli Hoeness, der nach verletzungsbedingtem Abbruch seiner Karriere als Fussballspieler mit Bayern München das Unmögliche möglich machte. Wer einen Flugzeugabsturz überlebt, fühlt sich vielleicht für den Rest des Lebens immer ein wenig unsterblich. Das ist unter Umständen auch die Welt der „Gambler“ und „Zocker“, der sich Uli Hoeness offensichtlich stets verbunden fühlte, auch wenn es um Fussball-Politik ging („Affäre Daum“). Erst allmählich wurde dem heute 68jährigen Top-Manager bewusst, dass seine Zeit abgelaufen war. Die Ära Uli Hoeness wird auch nach seinem Abgang als Klubpräsident und Vorstandsvorsitzender allerdings noch nachwirken. Der ehemalig „Adidas“-Manager und designierte Bayern-Chef Herbert Hainer hat mit Aussagen, wie, „Ich möchte Präsident von allen sein“, bewiesen, dass er von den modernen Entwicklungen im Fussball nicht viel mitbekommen hat; dass „Adidas“ im Fussball im Laufe der Jahrzehnte nicht nur für Glanzlichter sorgte, ist noch ein anderes Kapitel. Bis der moderne FC Bayern München in der Moderne angekommen ist, braucht es vielleicht noch etwas mehr Zeit.