Olympia und Fussball: Von der Unmöglichkeit, das Rad der Zeit zurückzudrehen

Quelle: «Spiegel» 46/2021

(causasportnews / red. / 15. November 2021) Auch im Sport wünschte man sich ab und zu, die Zeit zurückdrehen zu können. Das gilt besonders für die beiden grossen Sportanlässe, die im Jahr 2022 stattfinden werden: Die Olympischen Winterspiele vom 4. – 20. Februar 2022 in Peking und die Fussball-WM-Endrunde vom 21. November – 18. Dezember 2022 in Katar. Je näher die grössten Sportveranstaltungen rücken, desto eher wird der Wunsch manifest, die entsprechenden Vergabeentscheide wären so nie gefallen. Weil eben das Rad der Zeit nicht zurückgedreht werden kann, wünschte sich nun ein Teil der Sportwelt, das Jahr 2022 ungeschehen machen zu können, frei nach dem Motto: «Wie schön wäre es, wenn 2022 bereits (Sport-)Geschichte wäre!».

Üblicherweise herrscht Vorfreude, wenn grosse Sportveranstaltungen anstehen. Nicht so bezüglich von Olympia in Peking. Im Zusammenhang mit China sind in der Welt nur Negativ-Meldungen zu registrieren, ganz zu schweigen von der katastrophalen Menschenrechtssituation und dem permanent auf die Bevölkerung niedersausenden Anti-Demokratie-Hammer des Regimes. Weil China für die Menschheit nicht nur ein wichtiger Handelspartner ist, wird trotz des von uns mitbefeuerten Klima-Desasters im Vielvölker-Staat und aufgrund des Umstandes, dass «Corona» wohl seinen Ursprung in diesem Land hat, über allem Unsäglichen der Mantel des Schweigens ausgebreitet. So werden im Februar 2022 die Olympischen Spiele eben regelrecht ertragen und durchgewürgt.

Unglücklich ist die Sternenkonstellation auch mit Blick auf die Fussball-WM-Endrunde in einem Jahr in Katar. Die Welt hofiert dem reichen Land auf dem Asiatischen Kontinent unentwegt, der schnöde Mammon bildet die oberste Maxime allen Handelns und Ertragens der Menschen ausserhalb des unsäglich reichen Zwergstaates. Katar kauft in der Welt alles zusammen, was sich zusammenkaufen lässt, seien es pekuniäre Assets, Fussball-Klubs, Fussballer-Beine oder Kunst im obersten Preissegment. Allmählich wird klar, welche Nationalmannschaften an der WM-Endrunde im Wüstenstaat teilnehmen werden, doch je näher der Anlass rückt, desto kritischer werden die Stimmen, teils auch aus Spielerkreisen; was verwundert. Die Millionäre in kurzen Hosen kümmern sich an sich hauptsächlich um sich, und es ist ihnen gleichgültig, was sich ausserhalb der Blase dieses  privilegierten Zirkels ereignet. In der aktuellen Ausgabe des Magazins «Der Spiegel» (46/2021) äussert der finnische Nationalmannschaft-Kapitän Tim Sparv sein Unbehagen, in einem Jahr in Katar spielen zu müssen – nicht zu «dürfen»… Im selben Heft befassen sich die «Spiegel»-Macher auch mit den Verbindungen des deutschen Vorzeige-Vereins «FC Bayern München». Dieser hält seit Jahren Trainingslager im Wüstenstaat ab und ist mit Katar auch anderweitig auf einigen Ebenen verflochten. Geradezu provokant, vor allem für die Fans, ist der langjährige Sponsoring-Deal der Münchner mit «Qatar Airways», der sinnigerweise bis 2023 Gültigkeit hat. Wenigstens eine Verlängerung der Kooperation will an der demnächst stattfindenden Hauptversammlung von Bayern München der 28jährige Michael Ott, Rechtsreferendar am Landgericht Mainz, verhindern. Er hat einen entsprechenden Antrag eingebracht, der die Exekutive des Vereins anhalten will, den Sponsoring-Vertrag, der dem Münchner Nobel-Klub jährlich 17 Millionen Euro in die Kasse spült, nicht mehr zu verlängern. Damit hat der Jung-Jurist einen Grossteil der Münchner Fans hinter sich, die sich schon mal in der «Allianz»-Arena in den Protest-Modus begeben haben: Die Top-Funktionäre Oliver Kahn und Herbert Hainer können sich schon einmal ausmalen, was in der Hauptversammlung auf sie zukommen wird. Allerdings rechnet letztlich niemand ernsthaft damit, dass der Antrag von Michael Ott durchkommen wird, auch wenn die polternde Stimme von Uli Hoeness, der die Fans zwischendurch in den Senkel zu stellen pflegte, fehlen wird. Aber das ganze Thema «Katar» wird sich eh entspannen, wenn die WM-Endrunde kurz vor Weihnachten im kommenden Jahr Sport-Geschichte sein wird.

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