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Das Wundenlecken in der Schweiz nach Emmanuel Macrons Olympia-Coup

causasportnews / Nr. 1098/01/2024, 7. Januar 2024

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(causasportnews / red. / 7. Januar 2024) Allmählich wird gewahr, wie der Französische Staatspräsident Emmanuel Macron der Schweiz die Olympischen Winterspiele 2030 wegschnappte – oder sich die Schweizer Sport-Funktionärskaste sowie die Sportministerin vom begnadeten Strippenzieher aus dem westlichen Nachbarland übertölpeln liessen (vgl. auch causasportnews vom 1. Dezember 2023).

Vorspiel I: Das Internationale Olympische Komitee (IOK), ein Schweizer Verein mit Sitz in Lausanne, bekundet immer grössere Mühe, um valable und unumstrittene Ausrichter-Destinationen für Olympische Sommer- und Winterspiele zu finden. Mit Blick auf die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2030 wurde der Sitzstaat des IOK, die Schweiz, vom IOK lange Zeit mit allen Mitteln umgarnt und bekniet, die Olympia-Wettkämpfe (dezentral) in der Schweiz auszutragen. Mit Hängen und Würgen erklärten sich die obersten helvetischen Sport-Funktionäre bereit, den Grossanlass 2030 hier durchzuführen. Auch die Schweizer Regierung schaltete die Olympia-Ampeln auf «grün». Die vereinigte Schweizer Sport- und Polit-Prominenz feierte sich und den Olympia-Zuschlag bereits ausgiebig, in Verkennung der Ereignisse, die sich am 15. November 2023 zutrugen und wie sie zum Jahresende 2023 von der Boulevard-Zeitung «Blick» (Sonntags-Blick vom 31. Dezember 2023) nachgezeichnet wurden.

Vorspiel II: An jenem Tag traf Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron zu einem Staatsbesuch in der Schweiz (!) ein. Die Schweiz fühlte sich ob des französischen Antichambrierens geehrt und huldigte dem Staatsoberhaupt. Man war beste Freunde; der Champagner floss in der Bundeshauptstadt Bern in Strömen. Doch Emmanuel Macrons Besuch hatte vor allem einen Zweck, nachdem die Gelüste der Franzosen auf Olympia auch im Winter nicht mehr verborgen blieben: Die Winterspiele 2030 nach Frankreich zu holen. Man ahnte es – nur die Schweiz glaubte weiterhin an das Gute in den Menschen; und an das Faktum, dass nach der Vergabe der Olympischen Sommerspiele in diesem Jahr an Paris alles in trockenen Tüchern sei.

Hauptakt I: Während Emmanuel Macron anlässlich seines Staatsbesuches vorwiegend in Bern hofiert wurde, begab sich seine Entourage zur gleichen Zeit nach Lausanne, um am Sitz des IOK für Frankreich 2030 zu lobbyieren. IOK-Präsident Thomas Bach und der Französische Staatspräsident waren sich schon vorher grundsätzlich einig geworden, dass die Olympischen Winterspiele 2030 in den französischen Alpen durchzuführen seien.

Hauptakt II: Als die Schweizer Sport- und Politelite auch an jenem 15. November 2023 immer noch vom Zuschlag der Spiele 2030 träumte und dieses Ereignis feierte, platzte am 29. November 2023, zwei Wochen nach dem Staatsbesuch von Emmanuel Macron in der Schweiz, die «Bombe». Aus Paris (!), nicht aus Lausanne, verkündete das IOK, dass Frankreich die Olympischen Winterspiele 2030 austragen könne. Die Schweiz, so das IOK, dürfe aber bezüglich der Winterspiele 2038 in einen «privilegierten Dialog» treten, was bedeutet, dass der Schweiz die Ehre zukommen wird, ernsthaft, gnädigst und beinahe konkurrenzlos mit dem IOK sprechen zu dürfen…

Fazit: Das IOK liess die Schweizer Sport- und Polit-Elite von Olympischen Winterspielen träumen, die eigentlich keine unumstrittene Destination austragen wollte – bis Frankreich, das in punkto Sport im globalen Kontext derzeit alles aufsaugt, was möglich ist, das IOK zu umgarnen begann. Aus welchen Gründen auch immer! Die Schweiz liess sich übertölpeln und erlitt in diesem Olympia-Poker eine schmähliche Niederlage. Die trägen Verbands-Funktionäre und insbesondere eine naive, unbedarfte und beratungs-immune Sportministerin ohne jegliches diplomatisches Geschick, die übrigens in diesem Jahr sogar als Bundespräsidentin amtet, waren den taktischen, ja hinterlistigen Spielen von Emmanuel Macron und Thomas Bach nicht gewachsen. Diesen IOK-Nackenschlag versuchen die geprügelten Verbands-Amateure der helvetischen Sportpolitik nun in einen Sieg umzudeuten, indem sie den «privileged dialogue» mit dem IOK als grosse Errungenschaft darzustellen versuchen. Dass Sport und Politik in der Schweiz trotz dieses «Privilegs» fähig sind, die Winterspiele 2038 in die Schweiz zu holen, glauben wohl lediglich diese selber. Nur weil sie dann in diesem Poker dem gewieften Gegner Emmanuel Macron nicht mehr gegenüberstehen werden, heisst das noch lange nicht, dass «es» mit der Vergabe 2038 klappen wird! Die Realität stirbt zuletzt: Eigentlich hat es die Schweiz aber auch nicht nötig, zum globalen Spielball der Sport-Politik zu werden. Doch diese Erkenntnis geht den federführenden Protagonistinnen und -en in der Schweiz ab. Im Moment ist trotz schönfärberischer Rhetorik insbesondere aus Bern und nach der Umdeutung der Vergabe-Niederlage in einen Sieg ein breitgefächertes Wundenlecken angesagt.

IOK stützt Frankreich ins Olympia-Dilemma

causasportnews / Nr. 1089/12/2023, 10. Dezember 2023

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(causasportnews / red. / 10. Dezember 2023) Anne Hidalgo, seit 2014 Bürgermeisterin von Paris, ist nicht so leicht zu beeinflussen oder sogar zu verbiegen – dies im Gegensatz zu vielen ihrer männlichen Kollegen in der Politik. Anfangs Jahr hat die 64jährige Juristin mit Spezialgebiet «Sozialrecht» mit Blick auf den von Russland entfesselten Krieg gegen die Ukraine erklärt, dass sie an den Olympischen Spielen, die im kommenden Sommer in einer der schönsten Städte der Welt, eben in Paris an der Seine ausgetragen werden, keine Athletinnen und Athleten aus Russland und Weissrussland in «ihrer» Stadt dulden wolle, auch wenn diese als «neutrale Sportlerinnen und Sportler» dabei sein würden. Nun hat das Internationale Olympische Komitee (IOK) genau das ausgeblendet und soeben entschieden, dass russische und weissrussische Aktive als «neutrale Athleten» an den Olympischen Spielen in Paris grundsätzlich teilnehmen dürften, sofern sie die Qualifikationsvoraussetzungen erfüllen; die Teilnahme von Aktiven aus den beiden Ländern muss letztlich von den Sportverbänden beurteilt und entschieden werden. Damit hat das IOK, ein Verein nach Schweizerischem Recht mit Sitz in Lausanne, dem weitgehend bejahrte Funktionäre teils mit zweifelhaftem Ruf angehören, die heisse Olympia-Kartoffel den Verbänden weiter gereicht – und Paris sowie Frankreich in ein Dilemma gestürzt. Auch wenn die Gradlinigkeit und der Mut von Anne Hidalgo, der Bürgermeisterin von Paris, welche im kommenden Jahr dieses Amt zehn Jahre ausgeübt haben wird, bekannt ist, wird es für sie schwierig werden, den opportunistischen Wendehälsen im IOK, die nicht nur vor Russland kuschen, Paroli zu bieten. Ein Grund dafür, dass in Paris im Sommer sowohl russische als auch weissrussische Athletinnen und Athleten dabei sein werden, dürfte allgemein in Frankreich zu orten sein, vor allem beim Staatspräsidenten der Französischen Republik und dem Kofürst von Andorra in Personalunion persönlich. Emmanuel Macron gilt als Polit-Strippenzieher, der auch eifrig im internationalen Sport mitmischt und sich gerne mit den Grössen aus der Sport-Politik umgibt. So ist es ihm dank seiner besten Beziehungen zu seinen besten Freundinnen und Freunden im IOK gelungen, die Olympischen Winterspiele 2030 nicht in die Schweiz, sondern nach … Frankreich vergeben zu lassen (vgl. auch causasportnews vom 22. Juni 2023 und vom 1. Dezember 2023). Innerhalb von sechs Jahren wird Frankreich also Olympische Sommer (2024)- und Winterspiele (2030) austragen.

Zurück zu den ungeliebten Olympia-Teilnehmenden im kommenden Jahr in Paris aus Russland und aus Weissrussland: Es darf nur gemutmasst werden, was geschehen könnte, wenn dann die bisher 60 qualifizierten Sportlerinnen und Sportler aus der Ukraine auf acht Russinnen und Russen sowie drei Teilnehmende aus Weissrussland treffen werden – Zahlen Stand heute. Nicht nur aus diesem Grund hat Frankreich die Sicherheit als Hauptproblem des im kommenden Jahr stattfindenden Grossanlasses auf die To-do-Liste gesetzt. Jedenfalls ist es für die Betrachter des Sportgeschehens klar: Affaire à suivre…

Frankreich – Schweiz bald 2:0

causasportnews / Nr. 1086/11/2023, 1. Dezember 2023

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(causasportnews / red. / 1. Dezember2023) Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Am vergangen Wochenende sagte das Schweizer Sportparlament überwältigend Ja zu Olympischen Winterspielen 2030 in der Schweiz, drei Tage später die Ernüchterung: Das Internationale Olympische Komitee (IOK) vergibt die Spiele nach … Frankreich! Es tönte für die helvetische Sport-Funktionärs-Kaste an sich alles gut, und die Sport-Politiker, sekundiert von der Schweizerischen Sportministerin Viola Amherd, gaben sich siegessicher. Der Olympia-Zuschlag für 2030 wurde als gleichsam vollendete Tatsache dargestellt und medial entsprechend «verkauft». Denn offensichtlich wurde mit dem IOK alles vorbereinigt; dann kam der Hammer … aus Paris – nicht aus der IOK-Zentrale in Lausanne. Eine französische Alpen-Region wird 2030 die Olympischen Spiele durchführen. Die Meldung liess den Schweizer Traum vom dezentralen Sporterlebnis an verschiedenen Orten der Schweiz zum sport-politischen Albtraum (hier wäre wohl auch die Schreibweise Alptraum angebracht) werden. Innerhalb weniger Tage platzten Träume, Visionen und Hoffnungen. Feierte die Schweizer Sportelite den Entscheid des Schweizer Sportparlamentes vor nicht einmal einer Woche noch überschwänglich, und konnte sich die Sportministerin im Zustand grösster Erregung der grenzenlosen Freude hingeben («Diese Winterspiele in der Schweiz sind ein Riesen-Booster für unser Land»), herrscht nun bei Funktionären und der unbedarften Sportministerin dennoch Genugtuung und Hoffnung (Viola Amherd: «Es herrscht Freude»). Weshalb? Das IOK liess durchblicken, dass die Schweiz mit Blick auf die Olympischen Spiele 2038 in einen «privilegierten Dialog» mit den Gralshütern der Olympischen Idee in Lausanne, dem Sitz des IOK, treten dürfe. So viel Gnade versetzte die Sportministerin also trotz des erlebten sport-politischen Super-GAU in freudige Ekstase, während die rührigen Funktionäre, denen jegliches diplomatisches und Verhandlungs-Geschick abgeht, die Zuschlags-Schlappe wohl erst verdauen müssen. Sie gebärden sich diplomatisch vermeintlich klug und trösten sich über die vom IOK zugefügte Schmach des Nicht-Zuschlags bezüglich Olympia 2030 hinweg getreu dem Motto: «Wir sind immer oben, und wenn wir nicht oben sind, ist unten oben». Nüchtern betrachtet haben die Schweizer im weltpolitischen Sport-Pokerspiel wieder einmal versagt – so, wie das in der Globalpolitik längst zur Usanz geworden ist. Hier könnten sie von den Franzosen lernen, die sowohl in der Politik und in der globalen Sportpolitik geschickt(er) taktieren und letztlich immer wieder die Früchte ihrer cleveren Bemühungen ernten können, während die Schweizerinnen und Schweizer noch immer blauäugig an das Gute im Menschen glauben. Notfalls schicken die Gallier ihr bestes Pferd aus der Politik ins Rennen, wie derzeit Staatspräsident Emmanuel Macron, der sich als moderner Sonnenkönig gebärdet und die Olympia-Pläne Frankreichs zur Chefsache erklärte. Dem hatte die Schweiz mit ihrem unsäglichen Funktionärs-Filz und einer unbedarften Sportministerin im Gefolge nichts entgegenzusetzen. In der Welt hat sich die vom IOK übertölpelte Schweiz wieder einmal richtig blamiert. Mit dem IOK-Zuschlag von Olympia 2030 an Frankreich, der noch formalisiert werden muss, sind die Gallier gegen die Schweiz 1:0 in Führung gegangen.

Eigentlich steht der Wettkampf Frankreichs gegen die Schweiz schon fast 2:0. Frankreich (mit Emmanuel Macron) unternimmt derzeit vieles, um den Welt-Fussballverband (FIFA) von Zürich nach Paris zu lotsen. «Wetten, dass?» ist zwar Geschichte, aber die Wette gilt dennoch: Frankreich wird gegen die Schweiz früher oder später auch diesbezüglich gewinnen (vgl. auch causasportnews vom 21. November 2023).

Olympische Spiele – Wunschträume und Realitäten

causasportnews / Nr. 1079/11/2023, 12. November 2023

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(causasportnews / red. / 12. November 2023) In einer aus den Fugen geratenen Welt erscheinen Olympische Spiele mit den bekannt hehren Ideen wie Anachronismen. Ziemlich aktuell: In etwa acht Monaten messen sich im Rahmen von Olympia über 10 000 Athletinnen und Athleten in 32 Sportarten in 41 Wettkampfstätten. Erstmals seit 1924 wird Paris Austragungsort des Grossanlasses sein. Die Welt schaut skeptisch und teils besorgt auf die Stadt an der Seine. Geht es um die Spiele, die zwischen dem 26. Juli und dem 11. August 2024 ausgetragen werden sollen, schaudert es die Sicherheits-Verantwortlichen. Standen 1924 bezüglich dieses Grossanlasses Logistikthemen im Vordergrund, sind es 100 Jahre später vor allem die in den Vordergrund gerückte Sicherheit, die im Rahmen einer derartigen Grossveranstaltung gewährleistet sein muss. Das beginnt bereits bei der Teilnahme der Wettkämpferinnen und Wettkämpfer, wenn sich Staatsangehörige Russlands, Weissrusslands, der Ukraine, Israels, der USA, Palästinas, Libanons, Irans, Syriens, Afghanistans, Somalias, des Südsudans, Serbiens, Kroatiens, Chinas, Nord- und Südkoreas, usw. in natürlich friedlichen und freudvollen Wettkämpfen messen. Vielleicht sind es nicht einmal nur die Athletinnen und Athleten, die sich vor Ort ins Gehege kommen (das gemeinsames Duschen aller Teilnehmenden nach den Wettkämpfen ist längst abgeschafft), aber eventuell werden die Fans, die im Sport in vielerlei Hinsicht zu «Problem-Fans» geworden sind, zum Sicherheits-Generalthema. Die Stadt der Liebe könnte zur Kapitale der Hiebe werden. Frankreich ist seit Jahren extrem «Attentats-gefährdet»; vor allem die jüdische Gemeinde fühlt sich bedroht. Religions- und andere Kämpfe finden in der heutigen Zeit durchwegs exterritorial statt: Zwar nicht in Paris, aber in Brüssel hat vor einigen Wochen ein Tunesier, ein Anhänger des «Islamischen Staates», am Rande eines Fussballspiels zwischen Belgien und Schweden zwei schwedische Fans erschossen. Solches könnte sich auch in Frankreich ereignen. Schlechte Erinnerungen an das Olympia-Attentat von München 1972 werden wach.

In acht Monaten kann viel geschehen, jedoch lässt sich der Schirmherr über die Spiele, das Internationale Olympische Komitee (IOK), mehrheitlich von Träumereien treiben und blendet die Realitäten gekonnt oder gezwungenermassen aus. Nur schon muss die «Causa Russland» mit Blick auf Olympia 2024 geregelt und gelöst werden, weil Frankreich und die Bürgermeisterin von Paris sich gegen die Teilnahme von Sportlerinnen und Sportlern aus Russland und Weissrussland ausgesprochen haben. Anne Hidalgo will in ihrer Stadt auch keine Teilnehmenden aus diesen Ländern unter neutraler Flagge dulden (ein bewährter Taschenspieler-Trick des IOK, um Unmögliches doch möglich zu machen). Irgendwann wird in den nächsten Monaten eine Entscheidung in der Russlandfrage fallen müssen, denn das opportunistische IOK ist tendenziell pro Russland und pro Weissrussland eingestellt. Bemerkenswert ist die Position Deutschlands in dieser sport-politisch brisanten Frage. Seit Kriegsausbruch im Februar 2022 waren Deutsche Sportpolitiker und Funktionäre strikte gegen eine Teilnahme Russischer Athletinnen und Athleten in Paris. Diese unverrückbare Haltung bekommt nun Risse, und Deutschland muss wohl auf einen Schmusekurz mit dem IOK, das von einem angepassten und beugsamen Deutschen (Thomas Bach) angeführt wird, einschwenken, sonst verbauen sich die Deutschen Sommermärchen-Anhänger die Chance, den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2036 im eigenen Land zu bekommen. Wieder einmal bewahrheitet sich Bertold Brechts Feststellung: «Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral».

Die Olympischen Sommerspiele in Paris stehen also vor der Türe, und männiglich wäre wohl nicht unglücklich, es gäbe einen Knall, und das Kalenderblatt würde den 12. August 2024 anzeigen. Doch die weitsichtigen Franzosen schauen schon in die entferntere Zukunft und haben soeben verlauten lassen, im gallischen Raum 2030 Olympische Winterspiele organisieren zu wollen! Falls sich die Welt dann überhaupt noch (einigermassen vernünftig) dreht, dürfte das Thema «Sicherheit» auch dann zentrale Bedeutung erlangen. Schon längst vergessen ist selbstverständlich das Jahr 1992, als Olympische Spiele in Albertville ausgetragen wurden, in einem Jahr, als der Terminus «Nachhaltigkeit» weder bekannt war noch vielseitig verwendet wurde. Die Sportanlagen und Unterkünfte im Departement Savoyen sind längst nur noch Bauruinen. Doch in der Not frisst der Teufel Fliegen, so auch das IOK, dem die akzeptablen Austragungsstätten für Olympische Spiele wegbrechen. Deshalb werden für die Austragung der Winterspiele 2030 auch Salt Lake City, Stockholm und die Schweiz (!) genannt.

So schauen die Welt und die globale Sport-Gemeinde so gespannt wie unsicher in die Zukunft. Die zentrale Frage bleibt: Welche Wunschträume lassen sich in diesem universalen Chaos überhaupt (noch) realisieren?

Asienspiele ohne Russland und Weissrussland

causasportnews / Nr. 1056/09/2023, 7. September 2023

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(causasportnews / red. / 7. September 2023) Es entspricht einer notorischen Tatsache, dass sich das Internationale Olympische Komitee (IOK) schwer tut, Sportlerinnen und Sportler aus den Kriegstreiber-Ländern Russland und Weissrussland vom internationalen Sport fernzuhalten. Insbesondere der IOK-Präsident Thomas Bach (Deutschland) gilt als wankelmütiger Opportunist in der Frage, wie in sportlicher Hinsicht mit den Schurkenstaaten Russland und dem Russland-Steigbügelhalter Weissrussland umzugehen sei. Die Meldung, welche vor ein paar Tagen verbreitet wurde, erregte deshalb Aufsehen: Die Asienspiele, die vom 23. September 2023 bis zum 8. Oktober 2023 in der Chinesischen Stadt Hangzhou stattfinden werden, erfolgen ohne russische und weissrussisch Beteiligungen! Zuvor hatte der Olympische Rat Asiens (OCA) noch entschieden, Athletinnen und Athleten beider Länder als neutrale Teilnehmer des Multisport-Events antreten zu lassen. Nun verlautete aus Lausanne, dem Sitz des IOK, dass die Sportlerinnen und Sportler der beiden Länder in China nicht teilnehmen könnten. Wahrscheinlich fürchtet das IOK als oberster Schirmherr der Spiele, Nachteile, etwa mit Blick auf Sponsoringerträge und der Werbeindustrie. Viele Unternehmen und Weltkonzern wollen sich bei grossen Sportanlässen nicht in irgendeinem Zusammenhang mit Russland und Weissrussland positionieren. Zudem ist China als Austragungsort von Sportveranstaltungen alles andere als unproblematisch. Die Teilnahme-Entwicklung und der Ausschluss des russischen und des weissrussischen Sportes mit Bezug auf die diesjährigen Asienspiele lassen erahnen, in welche Zwickmühle das IOK etwa mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele im kommenden Jahr in Paris geraten könnte. Frankreich lehnt die Teilnahme russischer und weissrussischer Athletinnen und Athleten ab, das IOK gebärdet sich tendenziell wankelmütig und willfährig.

Nicht nur die ukrainische Propaganda befeuert die Bestrebungen mit Blick auf den Ausschluss Russlands und Weissrussland vom globalen Sport – aber auch. So sind Zahlen genannt worden, mit denen die Grausamkeit vor allem Russlands in diesem Krieg untermauert werden soll: Nicht zu erhärten ist selbstverständlich, wieviele Sportlerinnen und Sportler aus der Ukraine in dieser von den Russen angerichteten Tragödie bisher ums Leben gekommen sind. Im Frühjahr gab das Sportministerium der Ukraine bekannt, seit Beginn des Angriffskrieges seien 287 Sportlerinnen, Sportler und Trainer getötet worden. Viele von ihnen überlebten als Angehörige der ukrainischen Armee das Grauen nicht. Dass zudem gegen 350 Sportstätten in der Ukraine zerstört wurden, verschlimmert das Bild des Schreckens im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskriege noch mehr. Evident ist, dass diese Zahlen nicht dazu angetan sind, die Integration des russischen und des weissrussischen Sportes in den globalen Sport zu vereinfachen.

Olympische Winterspiele 2030: In der Hitze geplant, in der Kälte gestorben?

causasportnews / Nr. 1049/08/2023, 20. August 2023

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(causasportnews / red. / 20. August 2023) In der aktuellen Hitzeperiode, die derzeit Europa fest im Griff hat, kommt es einem Anachronismus gleich, etwa an Olympische Winterspiele zu denken. Doch das geschieht derzeit in der Schweiz. In zeitlicher und thematischer Hinsicht ist dies allerdings kein Zufall. Dass im Moment Olympische Winterspiele in der Schweiz zum Thema werden, ist nachvollziehbar. Das Internationale Olympische Komitee (IOK), ein Verein nach Schweizerischem Recht mit Sitz in Lausanne am Genfersee, ist verzweifelt, und die Schweiz als IOK-Sitzstaatgeberin, ist bestrebt, den Olympioniken irgendwie aus der Patsche zu helfen. Die letzten drei Austragungsorte Olympischer Winterspiele waren Sotschi (Russland; 2014), Pyeongchang (Südkorea; 2018) und Peking (China; 2022), alles keine Wunsch-Austragungsorte – oder wenigstens zu zwei Dritteln Austragungsorte in Ländern, welche die sportlichen Ideale für ihre menschenverachtenden und kriegerischen Zwecke missbrauch(t)en. Die Spiele von 2014 bis 2022 wurden zwar abgearbeitet, jedoch waren die Ausrichter-Städte umstritten und bildeten geradezu Kick off-Veranstaltungen für Not, Elend und Kriege. Das IOK als Ausrichter der Olympischen Spiele ist sich bewusst, dass die Durchführung an derartigen, «speziellen» Destinationen den baldigen (wirtschaftlichen) Tod der Olympischen Winterspiel bedeuten können. Für 2026 wurde noch eine Doppel-Lösung zur Rettung der Wintersiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo gefunden: Gleich zwei Städte sollen Co-Austragsorte der Spiele werden. Doch was ist danach?

Nun sieht sich die Schweiz im Obligo oder seitens des IOK mit Sitz in der Schweiz unter Druck gesetzt. Nicht ganz unerwartet ist dieser Tage bekannt geworden, dass die Olympischen Winterspiele 2030 in … der Schweiz durchgeführt werden sollen! Bis jetzt hat das IOK noch keine genehme oder unumstrittene Ausrichter-Stadt für die Olympisch Winter-Wettbewerbe 2030 finden können. Städte aus Schurken- und Kriegstreiber-Staaten sollen jedenfalls künftig nicht mehr berücksichtigt werden. Vor allem der Schweizer Sport-Dachverband Swiss Olympic hängt sich derzeit in fast unschweizerisch-engagierter Art in das Projekt Olympische Winterspiele 2030 in der Schweiz rein. Die Schweiz ist offensichtlich ein passables Austragungsland, jedoch an sich zu klein zur Durchführung einer solchen Gross-Veranstaltung, weshalb das IOK offenbar Konzessionen an den Austragungsmodus in der Schweiz machen will und wohl auch muss. Über das ganze Land verteilt, von Lausanne (!), über Schaffhausen bis ins Bündnerland, sollen die Winterspiele 2030 in der Schweiz stattfinden. Das wäre ein Novum in der Geschichte dieser globalen Veranstaltung, weil diese seit jeher an Städte und nicht an Länder vergeben werden, die «Notlösung» mit Mailand und Cortina (2026) einmal ausgeklammert.

Spiele auszurichten ist eine Sache, die Finanzierung solcher Veranstaltungen eine andere. Die Treiber der Olympia-Idee 2030 sind sich bewusst, dass eine derartige Veranstaltung in der Schweiz nur rein privat, ohne staatlichen Finanz-Support, organisiert und durchgeführt werden kann. Gerade das IOK mit dem bald abtretenden opportunistischen Präsidenten Thomas Bach an der Spitze ist beim Volk längst in Ungnade gefallen; eine staatliche Mit-Finanzierung Olympischer Spiele ist undenkbar – auch in der Schweiz.

Das IOK muss im Moment recht verzweifelt sein, weil ihm die akzeptablen Austragungsorte für Olympische Winterspiele wegbrechen. Ob 2030 Olympische Winterspiel in der Schweiz (und nicht nur in einer Schweizer Stadt oder in zwei Schweizer Städten) durchgeführt werden können, wird sich bald weisen. Zuerst haben nun Arbeitsgruppen und Sport-Ausschüsse aller Art das Wort. Die Realisierung von (Machbarkeit-)Studien, Analysen und Beurteilungen sind angesagt. Vielleicht kehrt aber auch Vernunft ein und es wird die Erkenntnis zur wichtigsten Entscheidungsgrundlage, dass solche Spiele in der Schweiz, nur um dem IOK aus dem Elend zu helfen, eine Nummer zu gross und unnütz für das Land sind. Sobald die Hitzewelle über Europa abgeflacht ist, könnte also auch dieses Thema dem kühlen Realismus weichen.

Eine neue Art von Olympia – Ernsthaft oder ein Fake?

causasportnews / Nr. 1040/07/2023, 26. Juli 2023

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(causasportnews / red. / 26. Juli 2023) «Enhanced Games”, so heisst ein Projekt, dass dieser Tage lanciert und bekannt gemacht worden ist und von dem man nicht so richtig weiss, was davon gehalten werden soll. Die «verbesserten Spiele» sollen jedenfalls eine Antwort auf die etablierten Olympischen Spiele und die angebliche Heuchelei des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) mit dem praktizierten Anti-Doping-System werden. Initiant der Spiele ist ein promovierter Jurist, Aron D’Souza. Der 38jährige Australier, der in Oxford studiert und in Melbourne doktoriert hat, ist felsenfest davon überzeugt, dass er sein Projekt zum «Fliegen» bringen wird. Er habe sein ganzes Leben damit verbracht, das Böse, insbesondere Korruption und Verfilzungen aller Art, zu bekämpfen. Alles also, was nach Auffassung von Aron D’Souza das IOK verkörpert. Auf diesen Verein nach Schweizerischem Recht hat sich der Australier eingeschossen, vor allem auf den IOK-Präsidenten Thomas Bach, der «zu den Feinden der Wissenschaft» zu zählen sei und nach Einschätzung des Sport-Revolutionärs die «Hall der Schande» im internationalen Sport anführt. Dem Deutschen wirft der Initiant der «Enhanced Games» vor, auf Kosten des organisierten Sportes ein Leben in Saus und Braus zu führen, statt real und effizient das «Böse im Sport» zu bekämpfen. Er möchte dem in seinen Augen heuchlerischen Sport-System den Riegel schieben. Beim Projekt von Aron D’Souza sind im Rahmen der geplanten Spiele Aufputschmittel, Anabolika und Epo frei, beziehungsweise dürfen diese von den an den Spielen teilnehmenden Sportlerinnen und Sportlern unter ärztlicher Kontrolle verinnerlicht werden. Die Grundidee sei, dass Athletinnen und Athleten leistungssteigernde Mittel eben (nur) kontrolliert konsumieren dürfen. Die ethisch fragwürdige IOK-Doping-Bekämpfungspraxis lehnt der Australier ab. Allerdings bleibt hier festzuhalten, dass auch dieses vorgesehene System nicht manipulationsfrei ist, weil selbstverständlich auch eine kontrollierte Verwendung leistungssteigernder Mittel hintertrieben werden kann. Der Projekt-Initiant vertritt die Meinung, dass das IOK mit seinem Anti-Doping-Regelierungssystem ungerechtfertigterweise Macht ausübe, weil die Organisation indirekt die Welt-Anti-Doping-Agentur beherrsche. Eine Überlegung, die nicht ganz abwegig ist.

Auch wenn die Idee von «Enhanced Games» nicht a priori nur als Phantasiegebilde oder Marketing-Gag in der aktuellen «Sauregurkenzeit» bezeichnet werden kann, wäre es verwunderlich, wenn das Projekt dereinst umgesetzt werden kann. Initiant Aron D’Souza betont zwar, er habe Anfragen von Athletinnen und Athleten in Hülle und Fülle, und auch TV-Stationen und potentielle Sponsoren seien am Thema interessiert. Es existiert aber auch Skurriles: In einem Werbeauftritt wird in sportlicher Hinsicht eine Sequenz vermittelt, welche den schnellsten Mensch der Welt zeigen soll, der jedoch nicht identifizierbar ist. Die 100 Meter will er in 9,49 Sekunden zurückgelegt haben und sei somit schneller als Weltrekordhalter Usain Bolt (9,58), wird suggeriert. Das qualifiziert die etablierte Sportwelt als «irreführend».

Ist die Idee solcher Spiele also ernsthaft oder ein Fake? Wie oft, dürfte auch hier die Wahrheit in der Mitte liegen. Tendenziell würde es allerdings verwundern, wenn «Enhanced Games» nur schon zu einem Äquivalent zu den Olympischen Spielen würden. Aber vielleicht gilt auch hier: Im Sport wird plötzlich Unmögliches möglich.

Nach dem Banken- das Sport-Chaos

causasportnews, Nr. 1002/03/2023, 30. März 2023

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(causasportnews / red. / 30. März 2023) Noch sitzt der Schock nach dem Desaster um die Schweizer Grossbank «Credit Suisse» vor rund zehn Tagen tief, und allmählich wird klar, dass der Kollaps des ehemals renommierten Geldhauses eine regelrechte Bankenkrise ausgelöst hat. Die Schweizer können offenbar nicht mehr «Banking», und die Hilflosigkeit, die den Finanzplatz Schweiz erfasst hat und offenkundig flächendeckend prägt, hat mit der Revitalisierung des ehemaligen UBS-Managers Sergio Ermotti, der nun nach der (vom Staat erzwungenen) Übernahme der «Credit Suisse» durch die UBS diese Bank, die vor 15 Jahren selber «pleite» war, leiten soll, den Gipfel der Hilflosigkeit in dieser Branche erreicht. Chaos pur also im «Banking».

Chaos pur aber auch im organisierten Sport, nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOK) in Lausanne soeben entschieden hat, allen Sportverbänden zu empfehlen, Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Weissrussland wieder an internationalen Wettbewerben zuzulassen. Die heuchlerische Begründung: Die Aktiven, welche zwar den Kriegstreiber-Nationen angehören, könnten schliesslich für das Geschehen nichts. Vor genau einem Jahr ist das Altfrauen- und Altherren-Gremium in der Westschweiz dafür eingetreten, Athletinnen und Athleten der beiden Schurken-Staaten nicht mehr am organisierten, globalen Sport teilnehmen zu lassen. Die damals vorgegebene, relativ stringente Linie hat in den letzten Monaten immer mehr Wirrungen und Irrungen erfahren. Der Verein IOK mit dem Deutschen Präsidenten Thomas Bach an der Spitze, der nicht gerade als Russen-Feind bekannt ist und dem persönliche Interessen bezüglich Russland nachgesagt werden, beugt sich jetzt den Gegebenheiten und den Sachzwängen nach über einem Jahr Ukraine-Krieg und verschreibt sich der beliebtesten, nicht-sportlichen Disziplin im Rahmen des Komitees und des organisierten Weltsportes, nämlich dem Sport-Opportunismus. Dabei prävaliert das Motto: Kommerz über alles, organisiert von Funktionären, meist mit Eigeninteressen, ohne «Cojones» (Eier), wie es vor allem auf den Sportplätzen jeweils so schön heisst (das gilt versinnbildlicht selbstverständlich auch für die Sport-Funktionärinnen aus aller Welt, welche ebenfalls im internationalen Sport mitmischen).

Das IOK wäre allerdings nicht das IOK, wenn die Verantwortung für die realen Entscheide nun nicht an die internationalen Sportfachverbände delegiert würde. Das IOK bestimmt, ausbaden müssen das Problem bezüglich der Zulassung russischer und weissrussischer Athletinnen und Athleten ab sofort die Fachverbände, von denen es, auch in den obersten Chargen, von Russinnen und Russen wimmelt. Die internationalen Fachverbände im Boxen und im Schach werden sogar von dubiosen Russen und sog. «Freunden» des Haupt-Kriegstreibers im Kreml präsidiert! Die «heisse Kartoffel» bezüglich der Entscheidungen mit Blick auf die Zulassungen von Aktiven aus den beiden Ländern an die Fachverbände weiterzureichen, ist also ein geschickter Schachzug des IOK, um sich von Verantwortung und Konsequenzen zu entlasten – oder sich davor zu drücken. Im Moment noch gradlinig zeigt sich der Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), Sebastian Coe, der erklärt hat, sich in der global einzuordnenden bedeutungsvollen Leichtathletik dafür einsetzen zu wollen, dass auch künftig im internationalen Sport russische und weissrussische Aktive ausgeschlossen werden und bleiben. Bis zu den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Paris wird noch einiges an Wasser die «Seine» herunterfliessen. Vor kurzer Zeit haben die Fechter, wen wundert’s, entschieden, dass Vertreterinnen und Vertreter der beiden Kriegstreibers-Staaten im internationalen Sport wieder mittun dürfen. Es ist selbstverständlich nur Zufall, dass der IOK-Präsident einmal selber Olympiasieger und Weltmeister im Fechten war…

Der Entscheid des IOK ist bei Menschen, die guten Willens sind und sich auch noch den wichtigsten, ethischen Grundsätzen verpflichtet fühlen, schlecht angekommen und hat teils eine Schockwirkung gezeitigt. Aus der Ukraine sind zwischenzeitlich Boykott-Bekräftigungen bekannt geworden. Dafür sollte die organisierte Sportwelt an sich Verständnis haben. Sollen sich ernsthaft Sportlerinnen und Sportler der drei Länder auf dem Sportfeld messen, bei den Siegerehrungen auf dem selben Podest stehen und sich am Schluss gemeinsam brüderlich und schwesterlich unter die Duschen stellen?

Dopingfall Kamila Walijewa wird in Lausanne entschieden

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(causasportnews / red. / 26. Februar 2023) Die bald 17jährige russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa blieb anlässlich der nationalen Eiskunstlauf-Meisterschaften Ende 2021 in den Fängen der Dopingfahnder hängen und wurde positiv auf das Mittel Trimetazidin (grundsätzlich ein Mittel gegen Angina pectoris) hängen. Eine vorläufige Sperre der damals 15jährigen Athletin wurde auf wundersame Art und Weise vor den Olympischen Spielen in Peking 2022 (vom 4. Bis 20. Februar), kurz bevor der russische Vernichtungskrieg gegen die Ukraine vor ziemlich genau einem Jahr, am 24. Februar 2022, seinen Anfang nahm, mit Blick auf die Eiskunstlauf-Wettbewerbe aufgehoben. Wohl zu Unrecht, wie sich demnächst herausstellen dürfte. Mit dem 15jährigen Mädchen aus dem Reiche der übelsten Kriegstreiber der Gegenwart und wohl mit entsprechendem Support der Russen-Freunde in China gewann Kamila Walijewa im Teamwettbewerb in Peking die Goldmedaille. Es steht nun allerdings die juristische Nagelprobe bevor, ob die Russen, welche wegen des flächendeckenden Staatsdopings in Peking als «ROC» (Russian Olympic Committee) antreten mussten oder durften, das Edelmetall behalten dürfen oder an die USA, welche in Peking vor Japan den zweiten Platz belegten, weiterreichen müssen.

Ende des vergangenen Jahres wäschte die Anti-Doping-Agentur Russlands («RUSADA») die junge Eiskunstläuferin aus den eigenen Reihen von Schuld und Strafe rein; eine vierjährige Sperre sowie die Aberkennung aller Resultate hätte wegen des offenbar klar belegten Dopingmissbrauchs die Folge sein müssen, berechnet ab dem Datum der genommenen Dopingprobe am 25. Dezember 2021. Eine andere Entscheidung als ein Freispruch im ausser Rand und Band geratenen Russland hatte die Sportwelt nicht erwartet. Glücklicherweise kann etwa die Welt-Doping-Agentur (WADA) gegen derartige Entscheide nationaler Anti-Doping-Behörden Einspruch einlegen, was die WADA nun getan hat (wie auch die Internationale Eislauf-Union ISU). Über den Freispruch vom Dopingvorwurf gegenüber Kamila Walijewa wird nun am Tribunal Arbitral du Sport (TAS) verhandelt werden; das Sport-Schiedsgericht in Lausanne, das allerdings weitgehend vom Russen-freundlichen Internationalen Olympischen Komitee (IOK) getragen und beeinflusst wird, dürfte in dieser sport-politisch initiierten Eiskunstlauf-Groteske in relativ kurzer Zeit als (vermeintlich) unabhängiges, internationales Sport-Schiedsgericht letztlich und indirekt auch darüber befinden, wem die Goldmedaille im Team-Wettbewerb von Peking 2022 zusteht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Russen-Gegner aus den Vereinigten Staaten «erben» werden. Eine Entscheidung des TAS könnte danach noch beim Schweizerischen Bundesgericht angefochten werden. Es ist sicher als sportlich-positiv zu werten, dass die höchste Gerichtsinstanz der Schweiz dann korrigierend eingreifen könnte, falls die TAS-Entscheidung in dieser Schmierenkomödie etwa unhaltbar, willkürlich «pro Russland» ausfallen würde; das TAS gilt seit jeher als opportunistisch-juristische «Wundertüte», im IOK gilt der Russen-Freund und Präsident Thomas Bach als einflussreicher, gewiefter Strippenzieher – auch bezüglich der Rechtsprechung am Lausanner Sport-Gerichtshof. Jedenfalls wird die Rechtsprechungs- Finalissima in der «Causa Kamila Walijewa» in jedem Fall in Lausanne /Schweiz über die Bühne gehen.

Olympische Spiele 2024 ohne Russland und Weissrussland?

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(causasportnews / red. / 15. Februar 2023) Seit bald einem Jahr wütet der russische Angriffskrieg unmittelbar gegen die Ukraine, mittelbar gegen die westliche Grund- und Werteordnung. Die Brutalität der Russen ist diabolisch, dem kriegerischen Wahn, der sich seit dem 24. Februar 2022 entlädt, versucht die Ukraine zwar heldenhaft entgegen zu halten, doch der Westen unternimmt zuwenig, damit Russland in die Schranken gewiesen werden kann. Das Fressen kommt auch in diesem Fall vor der Moral, würde Bertold Brecht die in der Dreigroschenoper getätigte Aussage erneuern, wenn er denn noch könnte (der Dramatiker lebte von 1898 – 1956). Die Isolation der Russen ist wegen deren Verstösse gegen die zivilisierte Welt global weitgehend im Gange; doch die Schlächter im Kreml und die russische Bevölkerung, die mehrheitlich hinter den Schandtaten steht, dürfen sich auf verbrecherischen Support aus vielen Teilen der Welt verlassen. Der internationale Sport isoliert Russland und den Ganoven-Staat Weissrussland nur halbherzig. Nun stehen im kommenden Jahr Olympische Sommerspiele in Paris an, und dieser grösste Sportanlass des kommenden Jahres wirft vor allem seine Schatten voraus, da nicht damit zu rechnen ist, dass der Vernichtungs- und Zerstörungsfeldzug der Russen gegen die Ukraine bis dann beendet sein wird.

Diese nächste, bedeutende Nagelprobe des internationalen Sportes gilt es in rund eineinhalb Jahren zu bestehen, wenn in Paris, zum dritten Mal nach 1900 und 1924, die Olympischen Spiele vom 26. Juli bis 11 August ausgetragen werden sollen. Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, hat sich, provoziert durch das Internationale Olympische Komitee (IOK) und unempathische Aussagen durch den tapsigen Präsidenten dieses Altherren-Vereins, den Deutschen Thomas Bach, zu einer klaren Stellungnahme mit Blick auf den Grossanlass in ihrer Stadt veranlasst gesehen. «Solange Russland den Angriffskrieg in der Ukraine fortsetzt, wollen wir Russland nicht an den Spielen, das wäre ungehörig», lässt sich die 63jährige Politikerin spanischer Herkunft zitieren. Die Ukraine kündigte zudem an, die Spiele in Frankreich zu boykottieren, falls Sportlerinnen und Sportler aus Russland und aus Weissrussland am Start wären, selbst wenn diese unter neutraler Flagge antreten würden. Dem bekannt opportunistischen IOK-Präsidenten fiel jedoch nichts besseres ein als mitzuteilen, ein Boykott der Spiele wäre ein Verstoss gegen die Olympische Charta und könnte einen Ausschluss der Ukraine von den Spielen zur Folge haben. Aus der Ukraine verlautete postwendend, der Angriffskrieg Russlands sei schon etwas mehr als ein Verstoss gegen die Olympische Charta, nämlich eine krasse Verletzung der Prinzipien einer zivilisierten Welt mit Zerstörung und Zehntausenden von Toten. Das führte im geknechteten Land zur Konklusion, dass das IOK vor Russland kusche. Nicht zum ersten Mal, wie die Folgen der Staatsdoping-Affäre nach den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi zeigten und immer noch zeigen: Russland wurde und wird vom IOK und dem juristischen Wurmfortsatz, dem Tribunal Arbitral du Sport( TAS), mit Samthandschuhen angefasst. Immer wieder wird ein Weg gefunden, um trotz des flächendeckenden, russischen Doping-Skandals im Zuge von Staatsdoping Athletinnen und Athleten unter welchen Deckmäntelchen auch immer am internationalen Sport teilnehmen zu lassen. Von einem deutlichen Zeichen, nämlich, dass Athletinnen und Athleten Russlands und Weissrusslands ihre Staatsangehörigkeit abgeben müssten, falls sie am internationalen Sportleben teilnehmen möchten, will in Lausanne, am Sitz des IOK, niemand etwas wissen.- So scheint es eine Option zu werden, dass Paris vom IOK letztlich in die Knie gezwungen wird und 2024 Russinnen und Russe, jedoch keine Ukrainerinnen und Ukrainer an den Olympischen Spielen teilnehmen werden…