Archiv der Kategorie: Allgemein

Ski-Kommerz gegen die res natura: 0 : 2 bei Veranstaltungsabbruch

causasportnews / Nr. 1124/03/2024, 26. März 2024

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(causasportnews / red. / 26. März 2024) Von einem «Knall im Skizirkus» berichten die Medien (so etwa der Zürcher «Tages – Anzeiger»). In der Tat geht es in diese Richtung, wenn man die Skisport-News aus dem Mattertal reflektiert. Seit geraumer Zeit liefern die Speed-Weltcup-Rennen der Frauen und Männer vor der Kulisse des Matterhorns Schlagzeilen in vielerlei Hinsicht, allerdings mehr negative als positive. Tatsache ist nun, dass der Internationale Skiverband (FIS) mit Sitz in Oberhofen am Thunersee sowie die Ski-Landesverbände der Schweiz und Italiens übereingekommen sind, das Weltcup-Ski-Experiment am Matterhorn nach zwei Jahren und nach acht abgesagten Speed-Rennen per sofort und mit Blick auf die kommende Ski-Saison abzubrechen. Wind, Wetter und volatile Schneeverhältnisse führten zum an sich folgerichtigen Entschluss. Allerdings ist auch festzuhalten, dass eine an sich gute (Marketing-)Idee von Anfang unter einem ungünstigen Stern stand. Die Organisatoren im hintersten Mattertal bekleckerten sich seit Beginn der Realisierung dieser Projekt-Vision, das Matterhorn im Rahmen des Ski-Weltcups als Marketing-Vehikel zu nutzen, nicht mit Ruhm. Die Durchführung der Rennen wurden allgemein als Zwängerei und als Würgegriff zum Nachteil der Natur wahrgenommen, auch wenn Zermatt letztlich ein Opfer des volatilen Rennkalenders der FIS wurde; wobei überdies zu sagen ist, dass die äusseren Bedingungen auch nie prädestiniert waren, die geplanten Rennen auf idealen Pisten und bei entsprechenden Witterungsverhältnissen auszutragen. Als sich zudem noch Bagger am Theodulgletscher zu schaffen machten und entsprechende Schock-Bilder dieser «Pistenpräparierung» um die Welt gingen, war das im Zuge dieses Frevels an der Natur zumindest ein Eigentor der Weltcup-Macher aus dem Wallis. Sie hatten so nicht nur die Umweltschützer und Klimaaktivisten gegen sich aufgebracht. Nach acht erfolglosen Anläufen, und als Zank und Querelen an allen Ecken und Enden Überhand nahmen und an einen geordneten Rennkalender so oder so nicht mehr zu denken war, setzte es nun den Todesstoss für die Rennen im Umfeld des berühmtesten Berges der Welt ab. Es war so etwas wie das zweite, zumindest indirekt von den Naturschützern erzielte Tor zugunsten der res natura (die Sache der Natur), auch wenn alle Ampeln bezüglich der Weiterführung des Projektes sinnigerweise auf «grün» (und nicht etwa auf «weiss») standen, wie die Organisatoren betonten. Buchstäblich auf der Strecke bleibt nun der Kommerz, obwohl die Vermarktung der Rennen vor der Matterhornkulisse mehr als nur ein Vollerfolg geworden wäre.

Selbstverständlich ist in der Causa «Speedrennen in Zermatt» mit Blick auf die Zukunft das letzte Wort noch nicht gesprochen, auch wenn in absehbarer Zeit kaum mehr konkret eine Neuauflage der Rennen zu realisieren sein dürfte. Der Handtuch-Wurf in Zermatt und der undiskutable Sieg der Natur über den Kommerz könnte allerdings noch zu einem juristischen Nachspiel führen. Der Walliser Nobel-Ort, bzw. der Veranstalter der Matterhorn-Rennen, besitzt nämlich einen einzigartigen Vertragsrechts-Status. Vom Internationalen Verband ist den Organisatoren per Kontrakt ein Austragungsrecht der Matterhorn-Rennen im Rahmen des Weltcups bis 2027 zugesichert worden. Dieser Vertrag wird nun zur reinen Makulatur. Es dürfte nun in diesem Zusammenhang wohl noch zu einer Auseinandersetzung um viel Geld kommen. «Entgangener Gewinn» könnte im Vordergrund der Vertragsbeendigung nun als juristische Anspruchsgrundlage stehen.

IOK-Politik: Ein bisschen schwanger in Paris

causasportnews / Nr. 1123/03/2024, 20. März 2024

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(causasportnews / red. / 20. März 2024) So, wie das weltweite Interesse, trotz anderslautender Beteuerungen im Westen, an eine Erfolg der Ukraine gegen Russland nachlässt und dieser Sieg wohl auch trotz Achtungserfolgen der wehrhaften Ukrainerinnen und Ukrainer immer in weitere Ferne rückt, so hat auch eines der brisantesten Themen in der aktuellen Sportpolitik an Bedeutung verloren. Nur noch bescheiden im Fokus, auch der Medien, steht die Thematik der Teilnahme russischer und weissrussischer Sportlerinnen an den nächsten Olympischen Spielen, die am 26. Juli 2024 in der Stadt der Liebe und Triebe beginnen und bis zum 11. August 2024 dauern werden.

Der mit unverminderter Härte von Russland geführte Krieg stürzt das Internationale Olympische Komitee (IOK) in ein Dilemma. Zivilisierte Menschen auf der ganzen Welt sind sich einig, dass Kriegstreiber (Russen) und deren Steigbügelhalter (Weissrussen) an Olympischen Spielen nichts zu suchen haben. Die Diskussionen hierzu sind vor geraumer Zeit entfacht worden und dauern an, bzw. werden jetzt befeuert. Soeben hat das IOK nämlich bekanntgegeben, dass Russinnen und Russen sowie Athletinnen und Athleten aus Belarus an den Eröffnungsfeierlichkeiten am 26. Juli 2024 nicht teilnehmen dürfen; das heisst, die für Olympia qualifizierten Aktiven Russlands und Weissrusslands müssen das Eröffnungs-Spektakel mit 600 Boten auf der Seine am Bildschirm ansehen. Das ist in der Tat kein Verschreib; an den Spielen selber können Aktive aus den kriegstreibenden Ländern mitmachen, auch wenn sich bis jetzt nur 12 Russinnen und Russen sowie 5 Athletinnen und Athleten aus Weissrussland für Paris qualifiziert haben. Die Teilnahme geschieht allerdings unter Auflagen. Staatliche Symbole, National-Flaggen und -Zeichen sind verboten. Die Aktiven müssen in jeder Hinsicht neutral (nicht nur in punkto Bekleidung) auftreten und dürfen visuell keine Bezüge zu Russland und Weissrussland aufweisen. Es können auch keine Mannschaften teilnehmen, und jeder Bezug seitens der Sportlerinnen und Sportler zum Militär ist untersagt.

Diese Entscheidung des IOK ist mit Spannung erwartet worden. Selbstverständlich hat niemand daran geglaubt, dass die guten Menschen des IOK und der von einigen Russland-Sympathisanten durchsetzte Mitgliederkreis des Lausanner Komitees, ein Verein nach Schweizerischem Recht, die beiden Länder ganz von den Spielen ausschliessen würden. Dazu hat wohl auch beigetragen, dass der internationale Sport nach wie vor von einigen namhaften Funktionären aus Russland mitgelenkt, ja weiterhin mitbeherrscht wird. Nach wie vor ist das Russische Olympische Komitee (ROC) suspendiert, wie der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof (Tribunal Arbitral du Sport, TAS) entschieden hat. Grund dafür ist die sportliche Annexion der von den Russen besetzten ukrainischen Gebiete, so die Krim.

Mit mutigen Entscheiden hat sich das IOK noch nie hervorgetan. Deshalb verwundert dieser opportunistische Entscheid aus Lausanne nicht. Grundsätzlich und so ein bisschen dabei sein erinnert an das Phänomen, dass auch ein bisschen Schwangerschaft alles offenlässt. Klar war und ist, dass sich die in der Tat sonst nicht gerade mutlose Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo nicht gegen das IOK, das kartellistische «Politbüro» des internationalen Sportes, würde durchsetzen können. Die 64jährige Politikerin hat seit Monaten verkündet, dass sie keine Athletinnen und Athleten der kriegsführenden Länder an den Olympischen Spielen in Paris sehen wolle (vgl. auch causasportnews vom 10. Dezember 2023). Jetzt musste sie bezüglich ihrer Forderung «forfait» geben, was sie schmerzen wird. Aber auch hierfür gibt es schliesslich «Pillen danach», auch zur Regelung nur halber Schwangerschaften und ähnlicher Ereignisse.

Wurde Felipe Massa 2008 um den Formel 1-WM -Titel betrogen?

causasportnews / Nr. 1122/03/2024, 18. März 2024

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(causasportnews / red. / 18. März 2024) Im Formel 1-Rennzirkus ist am Schluss einer Saison ein Fahrer der grosse Held. Der Wettbewerb heisst den auch «Fahrer-Weltmeisterschaft», obwohl es in der Königsklasse des Motorsports auch eine Konstrukteurs-Wertung gibt. Sitzt der Fahrer allerdings im «Ferrari» und gewinnt, läuten in Maranello, wo sich das «Ferrari»-Werk befindet, die Glocken in der Stadtkirche. Wer in einem Auto mit dem springenden Pferd siegt, gewinnt für die Marke – es sei denn, er heisse Michael Schumacher, welcher der «Scuderia Ferrari» während Jahren Titel um Titel bescherte. Der verunglückte, heute 55jährige Deutsche, wird in Italien immer noch verehrt wie ein Held, weil er insbesondere die Marke «Ferrari» auf die Siegesstrasse zurückgeführt hat. Wichtig(er) war jedoch letztlich auch in der Ära von Michal Schumacher die Merke «Ferrari».

Zuvor gab es für die Italiener und Italien über Jahre Enttäuschungen, Pech und Pleiten. Eine derartige Pleite ereignete sich 2008, als Ferrari-Pilot Felipe Massa, heute 43jährig, zum Saisonende den WM-Titel nur um einen Punkt verpasste und den Titel dem damaligen Mc Laren-Piloten Lewis Hamilton überlassen musste; derselbe Sir Lewis Hamilton, der im kommenden Jahr von Mercedes zu «Ferrari» wechseln wird! Felipe Massa findet, dass ihn damals eine Trickserei im Renault-Rennstall anlässlich des Rennens in Singapur die Punkte zum WM-Titel gekostet hätte. Die Geschichte hat etwas für sich, denn involviert war federführend in dieser Sache der damalige Renault-Teamchef Flavio Briatore, u.a. Ex-Partner von Model Heidi Klum, ein Mischler und Mauschler nicht nur im Formel 1-Zirkus. Um damals dem Renault-Fahrer Fernando Alonso alle Titelchancen zu ermöglichen, wurde der andere Renault-Fahrer Nelson Piquet jun. angewiesen, zu crashen, also absichtlich in die Boxenmauer zu fahren. Das so provozierte Rennunterbruch im Chaos-Rennen führte dann dazu, dass der in Führung liegende Felipe Massa, im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Lewis Hamilton, in Singapur letztlich ohne Punkte blieb, und im dramatischen, letzten Rennen 2008 in Brasilien Lewis Hamilton mit einem einzigen Punkt Vorsprung Fahrer-Weltmeister wurde. Dem Brasilianer Felipe Massa fehlten vor allem die Punkte des Singapur-Rennens. Seither, und weil Formel 1-Impresario Bernie Ecclestone, heute bald 94jährig, vor kurzer Zeit praktisch offiziell und öffentlich eingestand, dass das Rennen von Singapur 2008 nicht reglementskonform verlief und der ehemalige «Ferrari»-Pilot quasi betrogen worden sei, hat Felipe Massa «Blut geleckt» und will nun vor Gericht um Gerechtigkeit und um den Formel 1-WM–Titel 2008 kämpfen. Die Vorkommnisse von Singapur waren allerdings längst bekannt.

In London hat Felipe Massa nun wegen Unregelmässigkeiten im «Crash-Rennen» 2008 in Singapur eben Bernie Ecclestone sowie das Formula One Management (FOM) eingeklagt. Beklagter ist auch der Automobil-Weltverband (FIA), dieser wegen Reglementsverletzungen, weil aus der Sicht des Klägers das Rennen in Singapur nicht hätte gewertet werden dürfen. Felipe Massa will den Titel 2008 nun also gerichtlich erstreiten. Falls er obsiegt, wird der WM-Titel Lewis Hamilton, der 2025 zu «Ferrari» wechselt, ab-, und dem damaligen «Ferrari»-Piloten Felipe Massa zuerkannt. Neben sportlichem Ruhm geht es natürlich bei dieser Klage auch um (viel) Geld. 82 Millionen US-Dollar lautet die Forderung von Felipa Massa im Moment – unter Vorbehalt des Nachklagerechts.

Objektiv ist der Klage eher keine grosse Chance einzuräumen, es sei denn, dass Felipe Massa auf diese Weise eine gute Vergleichsbasis schaffen will. Nicht gerade prozessual vorteilhaft für den Brasilianer dürfte sich der Umstand auswirken, dass mit der Anhebung des Prozesses derart lange zugewartet worden ist. In der Formel 1 ist es allerdings ähnlich wie in der katholischen Kirche: Unappetitliches wird jahrelang vertuscht, unter den Teppich gekehrt, ausgesessen oder erst unter Druck thematisiert und ernsthaft behandelt. Dass Felipe Massa ohne die Wertung des in der Tat unglaublichen «Chaos»-Rennens von Singapur Formel 1-Weltmeister geworden wäre, ist aus juristischer Sicht ein kaum zu erbringender, schlüssiger Beweis. Auch wenn allenfalls eine natürliche Kausalität anzunehmen wäre, würde es wohl an der für eine erfolgreiche Klage notwendigen Adäquanz (also an einem adäquaten Kausalzusammenhang) fehlen. Klar und notorisch ist auch: Von einem Gericht erhält man keine Gerechtigkeit, sondern eine Entscheidung. Oft decken sich Urteil und Gerechtigkeit eben nicht.

Eishockeyaner in der Markenschutz-«Falle»

causasportnews / Nr. 1121/03/2024, 14. März 2024

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(causasportnews / red. / 14. März 2024) Zu behaupten, es würde Spannenderes im Spannungsfeld von Sport und Recht geben als der Markenschutz, angewendet auf einen sportlichen Sachverhalt, wäre zweifelsfrei eine masslose Übertreibung. Es wäre wohl etwa so, wie wenn suggeriert würde, die Rechteverwertung bezüglich der Wettbewerbe im Sportfischen wären geeignet, zum Publikumsrenner zu werden. Dennoch gibt es immer wieder Konstellationen, welche das Markenschutz-Recht im Zusammenhang mit sportlichen Vorgängen und Sachverhalten zumindest interessant erscheinen lassen. So wie der soeben bekannt gewordene und in der Boulevard-Presse (so im Blick vom 13. März 2024) ausgebreitete Fall aus dem Eishockey.

Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft tritt seit Jahren mit dem Schweizer-Kreuz als Wappen auf der Wettkampf-Bekleidung an. Dieser Umstand hat nun die Gralshüter des Markenschutzrechts auf den Plan gerufen. Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum(IGE), fürwahr kein Amt mit exzessivem Sexappeal, soll dem Schweizerischen Eishockeyverband (Swiss Ice Hockey Federation, SIHF) verboten haben, weiterhin das Schweizer Wappen auf den Dresses der Nationalmannschafts-Spieler zu führen. Die Grundlage für diese Intervention bietet das Bundesgesetz über den Schutz des Schweizerwappens und anderer öffentlicher Zeichen, kurz «Wappenschutzgesetz», vom 21. Juni 2013 (!). Das Wappen darf allenfalls verwendet werden, wenn das EIG hierzu die Erlaubnis einräumt, also eine Lizenz erteilt. Dass diese Lizenz hätte beantragt werden können und müssen, haben die rührigen Eishockey-Macher mit dem schillernden Präsidenten und ehemaligen Handballer (!) Stefan Schärer an der Spitze, wohl einfach verschlafen. Auch wenn es um die Schweizer Nationalmannschaft geht, ist Eishockey grundsätzlich eine Sportart mit nationalem und auch internationalem Bezug. Da kann die nationale Rechtslage schon einmal unters Eis geraten.

Es wird sich zeigen, ob der SIHF nun «nachbessern» wird, damit die Nationalmannschafts-Spieler auch künftig mit dem Schweizer Wappen auf der Brust einlaufen können. Zumindest einmal und in diesem Fall ist es bei dieser Sach- und Ausgangslage ungerecht, die Schuld für dieses peinliche Versäumnis des Verbandes den Wappenschützern in Bern zuschieben zu wollen. Das Versagen liegt klar bei der Eishockey-Führung.

Wenn es peinlich wird, lassen sich die Peinlichkeiten auch noch perpetuieren. Da der Eishockeysport eine vielbeachtete Plattform abgibt, hat die Inaktivität des SIHF in dieser Angelegenheit natürlich sofort die Politiker auf den Plan gerufen. Für sie ist das Versäumnis des Verbandes ein Grund, um eine Gesetzesänderung des Wappenschutzgesetzes zu fordern. So soll der stets populistisch auftretende SP-Nationalrat und ehemalige TV-Mitarbeiter Matthias Aebischer bereits einen Vorstoss zur Anpassung des Wappenschutzgesetzes lanciert haben. Das kann versucht werden, und vielleicht bringt auch ein solcher Dilettantismus Wählerstimmen. Wahrscheinlich ist aber einfach der Umstand ignoriert worden, dass einfach eine Autorisation des IGE eingeholt werden müsste, um dieser Markenschutz-«Falle» zu entrinnen…

Eine weiteres Thema um das «Sommermärchen 2006»

causasportnews / Nr. 1120/03/2024, 12. März 2024

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(causasportnews / red. / 12. März 2024) Und wieder einmal ist das «Sommermärchen 2006» Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. Dabei geht es jedoch um ein Randthema, um einen Teilaspekt, der dennoch nicht ganz unbedeutend ist. Denn bis zum heutigen Tag ist es eigentlich nicht so ganz klar, wie und dank wem Deutschland, bzw. der Deutsche Fussball-Bund (DFB), am 6. Juli 2000 den Zuschlag für die WM-Endrunde im eigenen Land erhalten hat. War da alles lupenrein? Oder bestand das «Sommermärchen 2006» hauptsächlich darin, dass die Korrektheit der Vergabe an Deutschland eben nur ein Märchen war? Immer wieder ist von Bestechung der Mitglieder des Exekutivkomitees der FIFA, welche für die Vergabe an den DFB votiert oder nicht votiert hatten, die Rede. Die ganze Wahrheit wird, je länger es dauert, in dieser Causa wohl nie vollends ans Licht gelangen. Es werden dann auch nur immer Mosaiksteinchen zusammengefügt, wie jetzt im Verfahren am Frankfurter Landgericht, vor dem sich derzeit drei Protagonisten der WM-Endrunde 2006 in Deutschland verantworten müssen: Den früheren DFB-Funktionären Theo Zwanziger, Horst R. Schmidt und Wolfgang Niersbach werden Steuerdelikte, vor allem Steuerhinterziehung, vorgeworfen. Der Grund ist nachvollziehbar einfach: Der DFB hatte 2005 6,7 Millionen Euro, umgerechnet 10 Millionen Schweizer Franken, an den Weltfussballverband (FIFA) in Zürich überwiesen, diesen Betrag in der Rechnung des DFB als Betriebsausgabe verbucht und die Ausgabe beim Finanzamt steuerlich geltend gemacht. Einigermassen offiziell soll der Betrag vom DFB für die nicht-stattgefundene WM-Eröffnungsgala an die FIFA bezahlt worden sein, gleichsam als Schuldübernahme für die trotz der Absage angefallenen Kosten des geplanten, jedoch kurzfristig abgesagten Events. Die Anklagebehörde sieht in dieser Zahlung des DFB an die FIFA und die Weiterleitung des Geldes an den verstorbenen Adidas-Manager Robert Louis-Dreyfuss, Kreditschulden der Deutschen Fussball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer, damals Vorsitzender des OK der WM-Endrunde und verstorben anfangs dieses Jahres, die auf diesem Weg getilgt worden sein sollen. Für was Franz Beckenbauer damals das Geld hätte bekommen sollen, ist im Moment so unklar wie die Kernfrage: Für was wurden die 6,7 Millionen Euro letztlich vom DFB an wen und für was bezahlt? War es tatsächlich eine Betriebsausgabe des DFB, ist an der Zahlung des Deutschen Verbandes an die FIFA wohl nichts auszusetzen. Ist der Rechtsgrund aber allenfalls verschleiert worden, könnte das Frage- und Antwortspiel durchaus im Nirwana enden. Jedenfalls muss im laufenden Verfahren der Nachweis seitens der Strafverfolgungsbehörde erbracht werden, dass die Zahlung nicht als Betriebsaufwand qualifiziert werden kann. Dass dieser Beweis gelingt, glaubt wohl niemand, und auch dieser Teil des «Sommermärchens 2006» könnte zu einem Märchen innerhalb des Märchens werden. Es wird übrigens, wen wundert’s, in Frankfurt mit einer längeren Prozessdauer gerechnet.

(Hauptquelle: Der Spiegel, 11/2024, 88 f.)

Nun «bockt» der Schweizer Bundesrat bei der Frauen-EM 2025

causasportnews / Nr. 1119/03/2024, 8. März 2024

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(causasportnews / red. / 8. März 2024) Am vergangenen Wochenende erhob sich das Volk gegen die Widerwärtigkeiten und Ungerechtigkeiten im Staat Schweiz. Das Stimmvolk nahm eine Vorlage an, die es in sich hatte: Den Seniorinnen und Senioren soll künftig eine 13. AHV-Rente ausbezahlt werden! Mit diesem Resultat hatte fast niemand gerechnet, und das Wirtschafts-Establishment unterlag in diesem Klassenkampf den Gewerkschaften, welche die Initiative lanciert hatten. Seither herrscht bei den Bürgerlichen, welche die Initiative bekämpften und dabei kläglich Schiffbruch erlitten, mehr als nur Heulen und Zähneknirschen. Mit weitgehend unsinnigen Argumenten hatten die Rechte den Abstimmungskampf gegen diese pekuniäre Wohltat zugunsten der renten-berechtigten Bevölkerung geführt; doch alles half nichts. Fast 60% der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger versetzten die Rechts-, Gewerbe- und Wirtschaftskreise ins Unrecht. Im Volk herrschte derzeit ein krasses Misstrauen gegenüber der erweiterten «classe politique». Vor allem verfing das Abstimmungs-Argument der nicht gelösten Finanzierung dieser 13. AHV-Rente nicht: Was sind schon fünf Milliarden Franken pro Jahr, wenn Geld in der Corona-Zeit in Milliardenhöhe verschleudert wurde, Banken, von geldgierigen Managern ins Unglück gestürzt und in den Ruin getrieben wurden, und diese vom Staat mit horrenden Summen «gerettet» werden mussten? Dass für Asylanten aus allen Teilen der Welt und seit zwei Jahren für Flüchtlinge insbesondere aus der Ukraine Milliarden aufgeworfen wurden und werden, sorgte vor dem Urnengang für eine entsprechende Stimmung im Land. Dazu kam, dass ehemalige Bundesrätinnen und -räte, die heute völlig ungerechtfertigterweise von Höchst-Ruhegehältern profitieren, die Seniorinnen und Senioren der Schweiz brieflich aufforderten, den Rentnerinnen und Rentnern eine 13. AHV-Rente zufolge nicht in diesem Ausmass verfügbaren Mitteln (!) zu versagen; u.a. ignorierend, dass die Zahl der Armen in der reichen Schweiz im Steigen begriffen ist und die Altersarmut nicht mehr wegdiskutiert werden kann.

So kam es, dass nicht nur Linke für eine zusätzliche Rente für ältere und oft auch bedürftige Menschen votierten. Ein Teil des rechtsbürgerlichen Lagers, das den Seniorinnen und Senioren eine 13. AHV-Rente versagen wollte, hat bis heute nicht verstanden, weshalb sich das einfache Volk am Abstimmungs-Sonntag gegen die Macht- und Wirtschafts-Elite erhob. Seit dem klaren Verdikt an den Abstimmungs-Urnen wird nun im Rechts-Lager gejammert und räsoniert, wie die künftig jährlich erforderlichen fünf Milliarden Franken für die 13. AHV-Rente einbringlich gemacht werden könnten. Es ist ein geradezu unwürdiges Spiel, das im Nachgang zum letzten Abstimmungssonntag im Moment gespielt wird, weil in vielen anderen Bereichen das Geld mit vollen Händen ausgegeben und verschwendet wird.

Die aktuelle Landesregierung, ein Kollegium weitgehend überforderter Männer und Frauen mit nur noch wenig Peinlichkeitsspanne nach oben, setzt nun bereits die ersten Zeichen, um die Frustration nach der Renten-Abstimmung auszuleben. Obwohl gerade der Bundesrat dem Parlament durchwegs Ausgaben beantragt, für die jeder vernunftbegabte Mensch kaum Verständnis haben kann, soll nun im Kleinen gespart und selbstverständlich im Grossen weiter geklotzt werden: So möchte die Landesregierung nun ein sportliches Zeichen setzen und die im kommenden Jahr stattfindende Frauen-Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz (vom 2. bis zum 27. Juli 2025) mit einem Höchst-Bundesbeitrag von vier Millionen Schweizer Franken unterstützen; dies, nachdem sich der Ständerat kürzlich für einen Beitrag von 15 Millionen Franken stark gemacht hat (vgl. auch causasportnews vom 18. Februar 2024). Bei einem anderen Ausgang der Renten-Abstimmung wären die 15 Millionen Franken als Bundesbeitrag wohl kein ernsthaftes Thema gewesen. Nach dem desaströsen Abstimmungs-Sonntag für die Rechte schmollen nun Regierung und Parlament offensichtlich. Noch schlimmer, der Bundesrat «bockt» regelrecht!*

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*Das Wort «bocken» bedeutet (auch), sich widerspenstig, störrisch zu verhalten und meint damit durchwegs das Verhalten von Eseln.

Ein Sportwetten-Thema: Wer fliegt zuerst – Thomas Tuchel oder Christian Horner?

causasportnews / Nr. 1118/03/2024, 4. März 2024

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(causasportnews / red. / 4. März 2024) Die Sportwetten-Brache boomt, und bekanntlich werden in diesem Segment die wildesten Wett-Themen angeboten: Welcher Fussballspieler kassiert in einem bestimmten Match in welcher Minute eine «rote Karte»? Gibt es in der nächsten Skiabfahrt einen Renn-Unterbruch zufolge eines Sturzes? Welcher Trainer verliert in der Fussball-Bundesliga demnächst seinen Job?

Apropos Fussball-Trainer. Ein ganz heisses Wett-Thema dürfte der sich anbahnende, vorzeitige Abgang des Trainers des FC Bayern München, Thomas Tuchel sein. Obwohl die Zusammenarbeit zwischen dem Münchner Nobelklub und Thomas Tuchel zum 30. Juni 2024 offiziell und vorzeitig beendet sein wird, dürfte der Trainer in der aktuellen Situation kaum mehr lange überleben. In der Bundesliga lassen die Bayern permanent Federn, sprich Punkte (aktuell sind es 10 Punkte Rückstand auf Bayer Leverkusen), und die Saison kann nur noch auf europäischer Ebene gerettet werden. So lautet die aktuelle Frage, welche nicht nur die Wett-Industrie interessiert: «Wann fliegt Thomas Tuchel – noch vorzeitiger als vorzeitig»?

Etwas komplizierter präsentiert sich die «Causa Christian Horner» in der Formel 1: Nach dem Saisonstart in Bahrain und dem erwarteten Auftakt-Sieg von Weltmeister Max Verstappen interessiert vor allem das nicht so ganz transparente Thema um den Red Bull – Teamchef Christian Horner. Der Ehegatte von Ex-Spice-Girl Geri Halliwell sieht sich unappetitlichen Vorhalten ausgesetzt: Ist Kollege Christian Horner als Ober-Bulle einer Team-Kollegin an die Wäsche gegangen – oder noch mehr? Who knows?, wäre das interessierte Publikum geneigt zu fragen. Genaues weiss natürlich nur der erfolgreiche Teamchef von der britischen Insel selber, doch kürzlich hat ihn eine Anwaltskanzlei reingewaschen. Anwaltskanzleien werden heute zuhauf beigezogen und beauftragt mit «unabhängigen Untersuchungen», die natürlich alles andere als unabhängig sind. Wo geschmuddelt, betrogen, gelogen und betrogen wird, kommen heute Anwälte zum Zug, die sich mit «unabhängigen» Untersuchungen die Taschen füllen und ihren Auftraggebern moralische Feigenblätter verschaffen (sollen). So ist es in der katholischen Kirche, in der Politik, in Sportvereinen und Sportverbänden (wenn es um Übergriffe aller Art geht), wenn Missbräuche in Staat und Gesellschaft untersucht werden sollen, und natürlich in der Formel 1, wenn abgeklärt werden soll, ob die Moralkeule geschwungen werden kann oder darf. So kam es, dass sich auf Vermittlung des Ex- Formel 1- Machers Bernie Ecclestone (93) eine Anwaltskanzlei des Wirtschafts- und Sportfilzes daran machte, den «Fall Christian Horner» (völlig unabhängig natürlich) zu untersuchen, nachdem die betroffene Team-Kollegin entsprechende Vorwürfe deponiert hatte und der Vorgang einer Klärung bedurfte. Die plumpe, anwaltliche Reinwaschung gelang jedoch nicht. Die Vorwürfe gegen den Teamchef wurden noch lauter, als nun anonyme Nachrichten und Bilder, die offenbar einiges unter der Gürtellinie (von Christian Horner oder der Kollegin?) zu Tage förderten, die Runde machten. Nicht lustig findet dies alles der Internationale Automobil-Verband (FIA). Dieser sorgt sich wegen der angeblichen Verfehlungen des Red Bull-Managers um den moralischen Schaden, der dem Automobilsport durch diese Affäre zugefügt werden könnte. Die FIA spricht von Werten, um die es geht.

Klar, die «Grid-Girls», die leicht bekleideten Hostessen, die bis 2018 zu den Formel 1-Rennen gehörten wie heute immer noch die ebenfalls rarer gewordenen «Boxenluder», waren nicht mehr zeitgemäss opportun, vor allem deshalb nicht, weil immer mehr Araber in den Formel 1-«Zirkus» drängten und dies vor allem den Moralvorstellungen diesen Menschen guten Willens widersprach. Mit den «Grid-Girls» und der Wiederherstellung der Moral-Fassade im Motorsport verhält es sich wie 1992 mit den Drogensüchtigen auf dem «Platzspitz» in Zürich, die teils unmenschlich in den Untergrund gedrängt wurden, aber dennoch weiter dahinvegetierten.

Offenbar wird nun aber die Formel 1-«Luft» nach den jüngsten Enthüllungen für den Bullen-Teamchef immer dünner. Weshalb nun auch das Sportwetten-Thema in den Vordergrund rückt: «Wann fliegt Christian Horner»? So geht’s dann selbstverständlich leichter beim Fliegen: Red Bull verleiht schliesslich Flügel!

Paukenschlag in der Schweizer Sportpolitik: Ruth Metzler soll höchste Sportfunktionärin werden

causasportnews / Nr. 1117/03/2024, 2. März 2024

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(causasportnews / red. / 2. März 2024) Es ist schon seit langer Zeit bekannt, dass es Ende dieses Jahres an der Spitze des Schweizerischen Sport-Dachverbandes Swiss Olympic Association (zugleich das Nationale Olympische Komitee der Schweiz) zu einer personellen Rochade kommen wird. Der langjährige Präsident des als Verein (Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuches, ZGB) organisierten Sportverbandes, Jürg Stahl, muss die Führung zufolge der Amtszeitbeschränkung abgeben. Am 22. November wird der Nachfolger des umtriebigen SVP-Politikers gewählt – oder eben eine Nachfolgerin. Das ist nun ein sehr wahrscheinliches Szenarium, denn soeben ist bekannt geworden, dass der Leichtathletikverband (Swiss Athletics) Alt Bundesrätin Ruth Metzler zur Wahl als Präsidentin von Swiss Olympic Association vorschlagen wird. Auf den 56jährigen Jürg Stahl wird mit grosser Wahrscheinlichkeit die demnächst 60jährige, ehemalige Bundesrätin Ruth Metzler ins höchste Funktionärsamt im Schweizer Sport wechseln. Die im Kanton Luzern aufgewachsene Ruth Metzler gehört der rechts-konservativen CVP an. Vor ziemlich genau 20 Jahren hat sie der Politik den Rücken gekehrt und ist mehrheitlich aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Letztmals in die politischen Schlagzeilen geriet die Juristin am 10. Dezember 2003, als die junge Bundesrätin von der Vereinigten Bundesversammlung nach nur vier Amtsjahren nicht mehr gewählt wurde; eine Konstellation, die es seit mehr als 130 Jahren in der Schweizerischen Politik nicht mehr gegeben hatte. Ironie der Geschichte: Die damals noch nicht 40jährige CVP-Politikerin Ruth Metzler musste dem SVP-Übervater Christoph Blocher weichen, der 2007 in dieser Funktion ebenfalls nicht mehr bestätigt wurde. So wird es wohl gegen Ende dieses Jahres Tatsache, dass der SVP-Mann Jürg Stahl von der CVP-Politikerin Ruth Metzler beerbt wird (heute wird die «CVP» auch die «Mitte» genannt, wobei diese Bezeichnung natürlich nichts mit Mittelmass zu tun hat…).

Ruth Metzler ist heute in verschiedenen Funktionen und Chargen in der Wirtschaft tätig, so u.a. als Mitglied des Verwaltungsrates des Versicherers «Axa», als Angehörige des Universitätsrates der Universität St. Gallen und als Präsidentin des Stiftungsrates der Päpstlichen Schweizergarde. Im aktiven Sport war sie als Leichtathletin im STV Willisau tätig, ein Grund wohl, weshalb Swiss Athletics die bald 60jährige ehemalige Politikerin und Angehörige des helvetischen Wirtschafts-Establishments nun ins höchste Amt im Schweizer Sport wählen lassen möchte. Ganz unbedarft ist die ausgebildete Juristin im Funktionärs-Sport nicht: Während mehrerer Jahre präsidierte sie die Stiftung Schweizer Sporthilfe. Natürlich sieht sich die Kandidatin auch mit Erwartungen aller Art konfrontiert: Dank ihrer vielseitigen Fähigkeiten soll sie 2038 vor allem Olympische Winterspiele in die Schweiz holen.

Der Paukenschlag, der soeben mit der Bekanntgabe der Kandidatur von Ruth Metzler ertönte, wird nicht so rasch verhallen. Ihre Wahl-Wahrscheinlichkeit Ende November ist mehr als nur intakt. Den bis jetzt bekannten weiteren Kandidaten für das Präsidium von Swiss Olympic Association werden nun nach Bekanntgabe der Kandidatur der ehemaligen Star-Politikerin wenig Chancen auf einen Wahlerfolg eingeräumt. Vor allem der Präsident des Schweizerischen Skiverbandes (Swiss Ski) und ehemalige Ski-Abfahrtweltmeister, Urs Lehmann, wird gegen Ruth Metzler kaum reüssieren. Bis September können noch weitere Kandidaturen gemeldet werden. Dass an einem solchen Wahltag auch alles anders kommen kann, weiss natürlich Ruth Metzler am besten und aus eigener Erfahrung…

Nach den «goldenen Tagen von Sapporo» im Behörden-Dickicht gefangen

causasportnews / Nr. 1116/02/2024, 29. Februar 2024

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(causasportnews / red. / 29. Februar 2024) Der Schweizer Bobsport erlebte schon erfolgreichere Tage, als dies aktuell der Fall ist. So zum Beispiel an den Olympischen Winterspielen 1972 im japanischen Sapporo. Im Medaillenspiegel lag nach total 35 Entscheidungen die Sowjetunion, gefolgt von der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und … der Schweiz, an der Spitze. Das Sowjetreich ist längst zerbröselt, die DDR ist ebenfalls Geschichte; nur die Schweiz gibt es im Moment noch weiterhin in der traditionellen Form. Für den Schweizer Sport waren die Erfolge der Athletinnen und Athleten aus den Bergen Zentraleuropas mit zehn Medaillen auf der Insel Hokkaido durchschlagend. In den Medien wurde von den «goldenen Tagen von Sapporo» gesprochen. Immerhin eroberten die Schweizerinnen und Schweizer vier goldene Auszeichnungen (die DDR gewann vier Goldmedaillen, die übermächtigen Russinnen und Russen soviele wie die DDR und die Schweiz zusammen). Es waren auch die kecken Auftritte der unbeschwerten Marie-Theres Nadig, die sich mit ihren 17 Jahren Gold in der Abfahrt und im Riesenslalom einfuhr; und damit die favorisierte Österreicherin Annemarie Moser-Pröll in diesen Disziplinen geradezu gedemütigt auf die Silberplätze verwies. Die Spiele von Sapporo 72 waren so oder so nicht die Wettkämpfe der Österreicherinnen und Österreicher (gesamthaft vier Medaillen, darunter eine einzige «Goldene»), die mit dem legendären Karl Schranz schon vor den Wettkämpfen einen Medaillen-Trumpf verloren (dieser Ausnahmeathlet wurde der Sport-Amateur-Hysterie des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage geopfert). Die «goldenen Tage von Sapporo» liefen aus Schweizer Sicht auch unter dem Motto: «Ogis Leute siegen heute»! Der spätere Bundesrat Adolf Ogi war damals Direktor des Schweizerischen Skiverbandes.

Zum Goldregen in Japan, der über der Schweiz niederging, trugen auch die Bobfahrer bei. Jean Wicki als Pilot holte sich im Zweier-Schlitten mit dem Zweimeter-Leichtathleten Edy Hubacher die bronzene Auszeichnung, bevor er im Vierer-Bob, nochmals mit Edy Hubacher sowie mit Hans («Hausi») Leutenegger und Werner Camichel, zur Gold-Fahrt ansetzte. Nach dieser erfolgreichen Bob-Karriere mutierte Pilot Jean Wicki zu einem wohlhabenden Geschäftsmann. Dann ereilte ihn ein tragisches Schicksal. Der 1933 geborene Sympathieträger mit Westschweizer Charme litt in seiner letzten Lebensphase an starker Demenz. 2023 starb Jean Wicki 90jährig. Zwar wurde vor seinem Tod alles vorgekehrt, damit die Geschäfte und familiären Belange vor allem in die Hände der Ehefrau des Ex-Bobpiloten gelegt werden konnten. Doch die Regelung missriet, und die aktuelle Situation um Familiäres und Pekuniäres im Hause Wicki scheint derzeit desaströs, wie kürzlich Medienberichten zu entnehmen war. Dies, nachdem sich die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) einzumischen begann. Irrungen und Wirrungen mit dieser Behörde, welche der Ehefrau von Jean Wicki unter mysteriösen Umständen praktisch die Handlungsfähigkeit nahm und einen Vorsorgeauftrag, den Jean Wicki noch zugunsten seiner Ehefrau errichtet hatte, praktisch ausser Kraft setzte, nachdem man ihr weitgehend die Urteilsfähigkeit abgesprochen hatte. Anwälte, Treuhänder, Berater und Parasiten aller Art brachten, offenbar mit KESB-Unterstützung und in einem verwirrlichen Behörden-Dickicht, die Familie und die Hinterbliebenen von Jean Wicki um Vermögen und den (Familien-) Frieden auf Erden.

Man wünschte sich in dieser traurigen Geschichte, dass wenigstens das Sport-Idol Jean Wicki nach seinem Tod die verdiente, ewige Ruhe gefunden hat.

Führung der Fans im Klassenkampf gegen Fussball-Kapitalisten

causasportnews / Nr. 1115/02/2024, 26. Februar 2024

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(causasportnews / red. / 26. Februar 2024) Die DFL Deutsche Fussball-Liga GmbH (DFL) betreibt u.a. das operative Geschäft des Ligaverbandes, einschliesslich der Bundesliga und der 2. Bundesliga. Sie bildet so etwas wie der Inbegriff des Fussball-Kapitalismus’ im boomenden Deutschen Fussball-Geschäft. Somit ist die DFL auch das stete Opfer der Begierde von Investoren und anderen Menschen guten Willens, welche in diesem Milliarden-Business mitmischen wollen. Den Gegenpol zur DFL bilden die Fans, welche für das Fussball-Proletariat stehen. Mit wochenlangen Aktionen versuchten die Fans trotz eines Mehrheitsbeschlusses der 36 Klubs der beiden Bundesligen gegen Ende des letzten Jahres, den Einstieg eines Investors in die Fussball-GmbH zu verhindern, im Bestreben, dem Fussballsport nicht die sportliche Seele durch überschiessende Kommerzialisierung zu nehmen. Die Fans, welche das immer mehr ins Kommerzielle abgleitende Produkt Fussball hassen, protestierten mit Aktionen aller Art und militant gegen den Liga-Entscheid, etwa durch das Werfen von Tennisbällen auf die Spielfelder und dadurch provozierten Spielunterbrüchen, gegen den Einstieg des Grosskapitals in den Verbund. Sie rissen im Deutschen Fussball einen Klassenkampf von noch nie dagewesenem Ausmass vom Zaun. Wenigstens einstweilen heisst es im Spiel des Fussball-Proletariats gegen den Fussball-Kapitalismus 1:0. Der Einstieg eines milliarden-schweren Investors in den Deutschen Professional-Fussball konnte dank erzeugtem Druck seitens der Fans abgewendet werden. Der Fussball wird nach wie vor ein kommerzielles Produkt bleiben, aber nicht so, dass es noch mehr und nur noch den Gesetzen des Marktes folgen wird. Noch im Dezember letzten Jahres sagte die Mehrheit des Ligaverbandes Ja zum Investoren-Deal der DFL, doch dank und wegen der Fan-Proteste und dem entschlossenen Vorgehen gegen die Verkommerzialisierung des Fussballs und gegen den Fussball-Kapitalismus hat die DFL das Projekt nun abgeblasen.

Das Fussball-Fan-Proletariat hat mit diesem erzwungenen DFL-Beschluss auf Verzicht eines Investoren-Einstiegs bewiesen, dass es doch ein starker Teil im Fussball bildet. Die Zeiten sind vorbei, als Fussballfunktionäre die Fans nur als lästiges Übel im Fussball-Geschäft sahen. Wie damals der FC Bayer-Übervater Uli Hoeness, der nach Fan-Kritiken anlässlich der Bayern-Hauptversammlung 2007 zur legendären Publikums-Beschimpfung ansetzte und den «populistischen Scheiss» der murrenden Fans wegen hoher Eintrittspreise und mieser Stimmung geisselte. Im aktuellen Klassenkampf im Fussball sind die Fans zumindest momentan in Führung gegangen, wie die Investoren-Verhinderung in der DFL zeigt.