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Mehr „Recht + Sport“ statt Sport

(causasportnewss / red. / 20. Juni 2019) Der Sport-Medienkonsument stellt derzeit fest, dass das Thema „Recht + Sport“ die Szenerie mehr beherrscht als der Sport selber, obwohl etwa die Fussball-WM der Frauen in Frankreich ein dominierendes Element der Sportberichterstattung abgeben sollte. Aber der Funken i.S. Frauenfussball will nicht so richtig springen. In Deutschland sollte das ATP-Turnier in Halle die Menschen fesseln, in der Schweiz sollte die Tour de Suisse Menschenmassen mobilisieren. Diese Sportanlässe stossen aber nur auf geringe und nur insoweit auf Resonanz, als die Medien sich diesbezüglich teilweise mit der Vermittlung von Resultaten begnügen. Dass Mats Hummels zu Borussia Dortmund zurückkehr, ist der „Neuen Zürcher Zeitung“ fast eine ganze Seite wert. Das sagt eigentlich alles aus über die aktuellen Gewichtungen in der Sport-Berichterstattung.

Anders eben, wenn es um Recht im Zusammenhang mit Sport geht. Seit Tagen werden die Vorgänge in der Schweizerischen Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit den internationalen Sportverbänden, insbesondere der FIFA in Zürich, debattiert und kommentiert (vgl. auch causasportnews vom 19. Juni 2019). Und nun reichert ein weiterer Protagonist des internationalen Fussballs die Palette rechtlicher Vorgänge im Sport an: Michel Platini, der ehemalige Star-Fussballspieler und langjährige Sport-Funktionär, ist von seiner Vergangenheit eingeholt worden. Er soll massgeblich verantwortlich dafür sein, dass die Fussball-WM-Endrunde der Männer (!) 2022 in Katar auf zumindest unlautere Art und Weise zustande gekommen sein soll. Von „aktiver“ und „passiver“ Bestechung ist die Rede, und zu diesem Thema ist Michel Platini soeben ausgiebig von der französischen Polizei als Zeuge befragt worden. Dieser Umstand hat die Medien bewogen, den gesamten Rahmen der WM-Vergaben an Katar und an Russland (2018) ausgiebig abzustecken. Nüchtern betrachtet war die nun erfolgte Befragung des damaligen Kandidaten für die Nachfolge des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter nur eine Bagatelle. Im weitesten Sinne ging es um ein gemütliches Essen im Elysée-Palast kurz vor den besagten WM-Endrunden-Vergaben, in Anwesenheit des damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Vertretern aus Katar. Niemand glaubt allerdings noch ernsthaft daran, dass bald einmal Licht ins Dunkel der Zweifach-Vergabe der WM-Endrunden 2018 und 2019 am 2. Dezember 2010 in Zürich dringen könnte. Auch der Umstand, dass die Katari nur kurz nach der Vergabe, bei der Michel Platini mit seinen europäischen Funktionärs-Kollegen das Zünglein an der Waage spielte, mit Brimborium und wirtschaftlicher Potenz beim heutigen Top-Klub Paris Saint-Germain einstiegen, war selbstverständlich nur ein Zufall. Trotz dieser Umstände dürfte das Thema Recht im Sport die Medien und die Öffentlichkeit noch eine zeitlang beschäftigen. Es gibt in diesem Zusammenhang bekanntlich noch ein paar juristische Spielwiesen.

PS: Die von der FIFA verhängte Sperre gegen Michel Platini endet in diesem Herbst…

Bundesanwaltschaft: Aufhören! Aufhören!!

(causasportnews / red. / 19. Juni 2019) „Aufhören!“, „Aufhören!!“, skandieren oft die Zuschauer/innen auf Fussballplätzen, wenn das auf den Spielfeldern Gebotene nicht mehr zu ertragen ist. Dieselbe Aufforderung könnte der Schweizerischen Bundesanwaltschaft zugerufen werden, die seit Jahren im „Komplex FIFA und Fussball“ ermittelt. Die Aktivitäten der Behörde standen seit Beginn der Untersuchungen i.S. Fussball unter unguten Sternen; die Bundesanwaltschaft mit dem Bundesanwalt Michael Lauber an der Spitze agierte nicht nur glücklos, sondern machte wohl ziemlich alles falsch, was falsch gemacht werden konnte. Die Selbstdarstellungen und das Pfauengehabe der Exponenten dieser Behörde kannten keine Grenzen, und die Schwatzhaftigkeit der Protagonisten und deren Mediensprecher, der nun allerdings seit geraumer Zeit abgetaucht ist, liess die Behörde zur Schwatzbude von Selbstdarstellern unter öffentlicher Anteilnahme verkommen. Es wurde weitgehend geredet und sich in Szene gesetzt statt untersucht. Es kam hinzu, dass es für den Bundesanwalt und seine Adlaten der Behörden offensichtlich persönlich aufbauend war, sich etwa mit dem FIFA-Präsidenten in Spelunken und Hotels auszutauschen; an letzteres erinnert man sich allerdings hüben und drüben dann doch nicht mehr (genau) – weder an die Treffen, noch an das, was offenbar geredet worden ist. Die Vorschriften der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO) wurden ignoriert und verletzt, dass sich die Balken im morschen, juristischen Ermittlungs-Gebälk der Bundesbehörde bogen. Über Wochen wurde etwa diskutiert, ob Verfahrenshandlungen hätten protokolliert werden müssen, obwohl Art. 77 der StPO genau das vorschreibt. Was den Bundesanwalt allerdings nicht daran hinderte, die erfolgte Unterlassung auf krude Art und Weise zu rechtfertigen. Wahrscheinlich hat er den besagten Artikel einfach schlicht nicht gekannt.

Wie dem auch sei. Der „Komplex organisierter Fussballsport“ der Bundesanwaltschaft ist ein Scherbenhaufen, der gestern mit zwei bekannt gewordenen Beschlüssen noch manifester geworden ist: Bundesanwalt Lauber insbesondere ist vom Bundesstrafgericht in Bellinzona in „Sachen Fussball“ in den Ausstand versetzt worden. Der eine, 30 Seiten starke Beschluss der Beschwerdekammer liest sich wie eine eigentliche Anklageschrift in der „Causa Bundesanwaltschaft“ (Beschlüsse vom 17. Juni 2019; BB.2018.197 und BB.2018.190 und 198). Im Kreuzfeuer der richterlichen Schelte aus dem Tessin stehen natürlich nicht die an den Verfahren oder in die Abklärungen involvierten ehemaligen und aktuellen natürlichen und Organ-Personen des organisierten, internationalen Fussballs, insbesondere des Weltfussballverbandes FIFA. Diese „profitieren“ ohne Schuld vom Chaos in der Bundesanwaltschaft und sind Nutzniesser der gesetzeswidrigen Ermittlungstätigkeiten; sie sind natürlich von gegen die Behörde gerichteten Vorwürfen jedwelcher Art verschont und glückhafte Profiteure einer unhaltbaren Situation. Der Bundesanwalt hingegen habe den Anschein der Befangenheit erweckt, die Strafprozessordnung verletzt (insbesondere Art. 77 StPO, sodann vor allem Art. 3 StPO – eine Maxime des Strafverfahrensrechts), usw. Seit dem Bekanntwerden der Beschlüsse ist eigentlich klar, dass kaum je eine Person aus dem Fussballzirkel für allfällige Delikte irgendwann zur Rechenschaft gezogen werden dürfte. Es droht nicht nur die Verjährung, sondern es fehlt an strafbaren Handlungen, die nachgewiesen werden könnten. Die wichtigsten seit 2016 vorgenommenen Amtshandlungen müssen wiederholt werden. Nach den Entscheiden des Bundesstrafgerichts steht fest, dass es in diesem Komplex mit Ausnahme der betroffenen Fussball-Persönlichkeiten nur Verlierer gibt und der angerichtete Scherbenhaufen irgendwie zusammengekehrt werden muss. Allmählich dürft es auch der Wahlbehörde des Bundesanwaltes (Parlament) klar werden, dass die hauptverantwortliche Person in einem solchen Amt nicht (mehr) tragbar ist; auch einige Neben-Spieler dieser Behörden gehören ausgewechselt. Folgerichtig wäre es allerdings, diese Behörde gleich ganz aufzulösen und die Ermittlungs- und Anklagekompetenzen der Bundesanwaltschaft (Art. 23 ff. StPO) auf die Kantone zu übertragen. Es zeigt sich immer wieder, dass diese Behörde nicht mehr zeitgemäss aufgestellt ist und agiert und als Relikt eines immer noch praktizierten Partei-Filzes insbesondere in der Bundeshauptstadt Bern und darum herum auf die Müllhalde der Rechts-Geschichte gehört. Die Aktivitäten der Behörde schaden auch dem Ansehen der Schweiz, was der ehemalige Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), Dr. Theo Zwanziger, kürzlich mit Bezug auf die sonderbaren Gespräche zwischen der Bundesanwaltschaft und dem FIFA-Präsidenten zur Aussage bewogen hat, die rechtstaatliche Glaubwürdigkeit des Schweizer sei durch das Verhalten der Bundesanwaltschaft (gemeint waren eben diese Gespräche zwischen dem Bundesanwalt und dem FIFA-Präsidenten) in Gefahr. Das Bundesstrafgericht sieht das in etwa ähnlich. Verlierer bei der ganzen Angelegenheit sind auch die Steuerzahler, nicht nur, weil gemäss Gerichtsentscheidungen den Gesuchstellern nur für diese Verfahren am Bundesstrafgericht tausende von Franken an Entschädigungen aus der Kasse der Bundesanwaltschaft bezahlt werden müssen, sondern die erfolglose Behörde als Ganzes eine unsägliche Geldvernichtungsmaschine darstellt.

Auf dem Fussballplatz würde nun (hier an die Adresse von Parlament und Politik) der Ruf erschallen: „Aufhören!“, „Aufhören!!“.

„Akklamation“ – ein Begriff als Evergreen

(causasportnews / red. / 6. Juni 2019) „Der Fifa-Präsident wurde am Mittwoch von den Kongress-Delegierten per Akklamation im Amt bestätigt, auf eine Abstimmung wurde verzichtet“, schreibt heute die „Neue Zürcher Zeitung“.- Seit gestern geistert das Wort „Akklamation“ wieder durch den Blätterwald und durch die Welt. „Akklamiert“ wurde zur Zeit der Hochblüte des Römischen Reiches vor allem dann, wenn Kaiser wohlwollend installiert wurden; gleich verhält es sich heute, wenn Despoten in einem Amt akustisch wahrnehmbar vollumfängliche Legitimation seitens der Basis erfahren sollen. Im Nationalen Volkskongress in China werden beispielsweise vor allem personelle Entscheide mit „Akklamation“ besiegelt. Der Terminus bedeutet zustimmender Beifall in einer Versammlung und ersetzt ein formelles Abstimmungsprozedere mit mehreren Varianten. So gesehen ist „Akklamation“ ein uniformer Ersatz für formell demokratische Beschlussfassung. Weil Personalentscheide schon vor Jahrhunderten mit „Akklamation“ besiegelt wurden, stammt das Wort selbstverständlich aus dem Lateinischen und bedeutet „ausrufen“, z.B. jemanden zum Kaiser „ausrufen“.

So erging es am gestrigen Wahltag auch dem alten und neuen Präsidenten des Welt-Fussballverbandes FIFA in Paris. Wie sein Vorgänger, Joseph Blatter, legt auch Gianni Infantino Wert darauf, vom Stimmvolk nicht gewählt, sondern zum höchsten Würdenträger des Verbandes ausgerufen zu werden. Das geht vor allem immer dann, wenn eine Person ohne Gegenkandidat(in) in einem Amt bestätigt werden und in einem solchen Fall zur unumstösslichen Macht-Installierung eine widerspruchsfreie Zustimmungsbezeugung erreicht werden soll. Wer durch „Akklamation“ bestätigt werden will, erwartet eine geschlossene, gleichförmige störungsfreie Huldigung des „Demos“, des Volkes – ein bis heute gängiger Begriff aus dem Altgriechischen (der sich im Wort „Demokratie“ als „Herrschaft des Volkes“ wiederfindet).

Wenn es um derartigen, zustimmenden Beifall im Rahmen einer Versammlung geht, lassen sich Formalien relativieren. Brandet dem Herrscher Beifall entgegen, werden sie zur Makulatur. Wie gestern anlässlich des FIFA-Kongresses in Paris. Bis anhin fand sich in den Statuten des Verbandes keine an sich notwendige Grundlage für eine Zustimmung durch „Akklamation“. Das sollte der Verband an der selben Versammlung, an der auch die Präsidentenwahl erfolgte, korrigieren. Im Vereinsrecht ist es allerdings unumstritten, dass die Implementierung einer solchen Bestimmung bereits bei früherer Gelegenheit, anlässlich einer bereits abgehaltenen Versammlung (Kongress) hätte erfolgen müssen. Oder konkret wäre eine Präsidentenwahl durch „Akklamation“ vereinsrechtskonform erst nach Abschluss des gestrigen Kongresses möglich gewesen. Formalistisch gesehen hätte der FIFA-Präsident also gestern nicht rechtsgenüglich durch „Akklamation“ bestimmt, bzw. ausgerufen werden können. Die Wahrscheinlichkeit, dass die so erfolgte Präsidentenwahl von einem Mitgliedsverband der FIFA angefochten wird, ist natürlich gleich null. Gegen diese Form der Beschlussfassung hat sich dann auch niemand gestemmt – weshalb hätte das auch jemand tun sollen, bei soviel Einigkeit, Freude und materiellem Wohlstand? In der jetzigen Situation ist es letztlich auch irrelevant, wer Präsident der FIFA ist; der Fussball verkauft sich grundsätzlich automatisch. Die Mitglieder bekommen ihr Geld so oder so – derzeit viermal mehr als zur Zeit des Amtsantritts des alten und neuen Präsidenten. Das darf aber alles in allem schon mal mit „Akklamation“ gewürdigt werden.

Fussball-WM-Endrunde 2022: Wunsch und Wirklichkeit

(causasportnews / red. / 25. Mai 2019) Es war nicht einmal richtig gedacht; und nun hat sich wenigstens alles relativ rasch in Luft aufgelöst: Die Idee der FIFA-Spitze, das Format der Fussball-WM-Endrunde 2022 zu erweitern, ist so klammheimlich beerdigt worden, wie es der Öffentlichkeit vor einiger Zeit mit Brimborium aufgetischt worden ist. Nüchtern und knapp hat der Weltfussballverband kommuniziert, dass das eh schon umstrittene WM-Endrunden-Turnier in Katar wie geplant und vergeben definitiv mit 32 Mannschaften durchgeführt werden soll. Vor Monaten hat FIFA-Präsident Gianni Infantino darauf gedrückt, das Teilnehmer-Tableau in Katar auf 48 Mannschaften zu erweitern. Mehr Mannschaften, mehr Spiele, mehr Erträge – das war wohl das Leitmotiv der FIFA-Spitze, um die in dreieinhalb Jahren stattfindende WM-Endrunde kommerziell interessanter zu gestalten. Nun haben die Fussball-Strategen auf dem Zürcher „Sonnenberg“ resigniert und das Vorhaben, auch im Rahmen einer offiziellen Verlautbarung, begraben. Zweifellos war der Wunsch bei dieser Idee Vater des Gedankens. Schon als erstmals das Erweiterungsprojekt Katar 22 des FIFA-Präsidenten manifest wurde, war es klar, dass sich dieses Vorhaben schon aus juristischen Gründen nicht würde realisieren lassen. Die FIFA hat die WM-Endrunde zu klar definierten Konditionen dem Verband Katars zur Durchführung übertragen. An eine mit einer Aufstockung des Turniers einhergehende infrastrukturelle und organisatorische Erweiterung der WM-Endrunde im Zwergstaat Katar war nicht zu denken. Und eine Ausweitung der Austragungsmodalitäten auf die Nachbarstaaten von Katar wäre politisch nicht machbar gewesen; zu stark ist die arabische Welt, gelind ausgedrückt, uneins und unsolidarisch. „Übungsabbruch“ verlautete somit vor wenigen Tagen aus der FIFA-Zentrale in Zürich. Die FIFA-Spitze musste einsehen, dass Wunsch und Wirklichkeit einzig mit denselben, identischen Buchstaben beginnen, Ideen und Realitäten aber in diesem Fall diametral auseinanderklaffen. Erstmals wird also die WM-Endrunde 2026 in USA, Mexiko und in Kanada mit 48 Mannschaften durchgeführt. Platz für dieses Format gibt es in diesen drei Ländern schliesslich genug. Und eine allfällige Mauer zwischen den USA und Mexiko würde dann, falls sie doch noch gebaut werden sollte, im Rahmen des Turniers jeweils locker überflogen. Der internationale Fussball ist schliesslich in jedem Fall völkerverbindend – auch wenn ab und zu etwas Beton dazwischenkommt (vgl. weitere Beispiele aus der Geschichte…).

Die „Causa FIFA“ als Stolperstein für den Bundesanwalt?

(causasportnews / red. / 16. Mai 2019) Der „Komplex Fussball“ wird zum Prüfstein für den amtierenden Bundesanwalt Michael Lauber. Der Mann, der sich nicht mehr (an Treffen mit dem FIFA-Präsidenten) erinnern kann, steht unter „Wahl-Druck“, doch dieser ist temporär gewichen, bleibt aber grundsätzlich dennoch bestehen. Die Gerichtskommission des Eidg. Parlaments hat jedenfalls entschieden, die auf den Juni vorgesehene, mögliche Wiederwahl des Bundesanwaltes in den Herbst zu verschieben. Die Kommission erhofft sich bis dann Erkenntnisse und entsprechende Entscheidgrundlagen bezüglich der möglichen Wiederwahl, die nach Abschluss eines Disziplinarverfahrens gegen den amtierenden Bundesanwalt zu gegebener Zeit vorliegen sollten (vgl. auch causasportnews vom 10. Mai 2019). Dreh- und Angelpunkt um den Bundesanwalt bilden nach wie vor die zwei (oder waren es drei?) Gespräche, die Michael Lauber mit FIFA-Präsident Gianni Infantino geführt hat – oder geführt haben soll. Zentral ist dabei das Erinnerungsvermögen der Protagonisten, die sich nicht mehr entsinnen können oder können wollen, ob ein drittes Gespräch geführt worden ist. An zwei Diskussionsrunden in Hotels (!) können sich Michael Lauber und Gianni Infantino offenbar doch erinnern. Dass solche Gespräche ausserhalb der Räumlichkeiten der Bundesanwaltschaft überhaupt stattfinden und zudem nicht schriftlich erfasst werden, mutet nicht nur eigenartig an, sondern bedeuten klare Gesetzesverletzungen. Diese werden aber im Moment bagatellisiert. Der Bundesanwalt verheddert sich in Widersprüche und übersieht, dass die Protokollierungspflicht, die er bis jetzt offensichtlich verletzt hat, geeignet wäre, jegliche Art von Vergesslichkeit zumindest zur Makulatur werden zu lassen. Lebensweisheit: Wer aufschreibt, was er sonst vergessen könnte, läuft kaum mehr Gefahr, zu vergessen…Oder: Was dem Senior der Rollator, ist dem vergesslichen Juristen das Protokoll oder die Aktennotiz.

Im Rahmen des von der Aufsichtsbehörde durchgeführten Disziplinarverfahrens wird nun ein Heer von Juristen und Analysten versuchen abzuklären, wann sich Michael Lauber und Gianni Infantino getroffen haben. Nachdem sowohl bei der Bundesanwaltschaft als auch im Präsidentenbüro der FIFA die Führung von Agenden geradezu zelebriert wird und so wichtig ist wie das Tagesgeschäft, sollte es sich an sich in kurzer Zeit eruieren lassen, wer wann mit wem worüber gesprochen hat. Weshalb nicht einmal die Personen, welche dazu Auskunft geben können, schlicht und ergreifend formell befragen? Affaire à suivre einmal mehr auch in dieser Sache. Die geradezu grotesken Züge, welche die „Causa Bundesanwaltschaft/FIFA“ zwischenzeitlich angenommen hat, dürften letztlich einer erneuten Wahl von Michael Lauber nicht mehr im Wege stehen; zu stark ist der Bundesanwalt in den Berner Politzirkus eingebunden und kann von der an sich unbedeutenden, aber dennoch aussergewöhnlich starken Position der Christlich Demokratischen Volkspartei (CVP) insbesondere in der Bundesverwaltung sowie vom nicht rational erklärbaren Rückhalt im Parlament profitieren. Er wird also dank entsprechender Protektion in Verwaltung und im Parlament kaum über die „Causa FIFA“ stolpern, obwohl er bei nüchterner Betrachtung absolut untragbar geworden ist. Dieses Abbild massiver Verfilzung von Verwaltung, Parlament, Justiz und Medien, nicht zuletzt befeuert durch die kleinmassstäblichen Verhältnisse in der Schweiz, hat den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), Dr. Theo Zwanziger, in letzter Zeit zu lautstarken Protesten gegen die Usanzen von Schweizer Behörden bewogen: Man müsse an der so viel gepriesenen Rechtsstaatlichkeit in der Schweiz zweifeln, wenn etwa die Kumpanei zwischen der Bundesanwaltschaft und der FIFA betrachtet werde, sagte er in den Medien. Gegen den anerkannt brillanten, deutschen Juristen wird seit Jahren ermittelt – wegen der bekannten Risse im „Sommermärchen“ (WM-Endrunde 2006).

Fussball verrückt – auf und neben dem Rasen

(causasportnews / red. / 10. Mai 2019) Der Fussball auf höchster Ebene ist nun wieder dort angelangt, wo er herkommt: In England, dem „Mutterland“ des Fussballs. Die Engländer sind im Fussball das Mass aller Dinge. Mit den englischen Premier League-Klubs Liverpool, Tottenham, Chelsea und Arsenal küren vier Klubs von der Insel die Könige in der Champions League und in der Europa League. Diese Konstellation ist kein Zufall, denn unbestritten ist die Premier League in England der derzeit beste nationale Fussball-Hot Spot auf der Welt. Zwar gelangten die englischen Klubs teils spektakulär und nicht a priori kalkuliert in die Finals, doch Zufälle waren das alle nicht, sondern eine logische Folge dessen, was zu erwarten war. Ein bisschen „Fussball verrückt“ war in den Halbfinals der Champions League und der Europa League mit dabei. Das Scheitern der Gegner der englischen Klubs hat bei diesen zu verschiedenen Konsequenzen geführt: Die Aktien von Ajax Amsterdam beispielsweise sind nach dem Scheitern der Holländer gegen Tottenham regelrecht abgestürzt und haben am Tag nach der Niederlage mehr als 20% an Wert verloren.

„Fussball verrückt“ ist derzeit auch neben dem grünen Rasen en vogue. Zum Beispiel im „Komplex Weltfussball“ bzw. Weltfussballverband FIFA: Hier ereignet sich derzeit ein Hauen und Stechen, wie es in der letzten Phase der Präsidentschaft von Joseph Blatter gang und gäbe war. Dieser Joseph Blatter verklagt den derzeitigen Präsidenten Gianni Infantino; dasselbe tut auch der ehemalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. Und der oberste FIFA-Exponent hilft derzeit (natürlich unbewusst) mit, den schweizerischen Bundesanwalt Michael Lauber zu demontieren. Wegen der „Causa FIFA“ und den (vermeintlichen) Erinnerungslücken (haben sich Michel Lauber und Gianni Infantino nun zweimal oder dreimal informell oder formell getroffen?) muss sich der oberste Ankläger der Schweiz einem Disziplinarverfahren stellen. Die Öffentlichkeit reibt sich verwundert die Augen, dass ein Bundesanwalt dann gleich nach der heute erfolgten Eröffnung eines Disziplinarverfahrens zwei Stunden lang den Medien erklären – und seine vorgesetzte Aufsichtsbehörde kritisieren darf. Womit er sich nach einem peinlichen Auftritt vor den Journalistinnen und Journalisten wohl endgültig die Wiederwahl im Sommer vermasselt hat.

Komplex Weltfussball: Ein Jahrmarkt der Peinlichkeiten

(causasportnews / red. / 30. April 2019) Der „Komplex Weltfussball“ ist Teil des soeben veröffentlichen Tätigkeitsberichtes 2018 der Schweizerischen Bundesanwaltschaft, der Untersuchungs- und Ermittlungsbehörde der Schweiz. In den brisanten Themenbereichen wird durch die sonst nicht gerade zurückhaltende Behörde kleinlaut nichts kommuniziert. Vielleicht gibt es in der Tat auch nichts zu sagen, zumal sich Untersuchungsergebnisse auch nach jahrelangen Ermittlungen und Abklärungen letztlich als dürftig herausstellen. So drehen sich die Ermittlungen in einem Hauptpunkt immer noch um die Zahlung von 6,7 Millionen rund um die Fussball-Weltmeisterschaftsendrunde 2006 in Deutschland. Für was wohin 6,7 Millionen Euro offenbar als Darlehensrückzahlung im April 2005 geflossen sind, scheint ein unentzifferbares Rätsel zu bleiben. Alle, von Lichtgestalten des deutschen und internationalen Fussballs bis zum damaligen Generalsekretär des Welt-Fussballverbandes FIFA, sind sie ratlos bzw. haben alles vergessen oder waren in die Vorgänge nicht involviert. In einem Jahr tritt die Verjährung für allfällige Delikte in diesem Zusammenhang ein. Es ist kaum zu glauben, doch zweifelt an sich niemand mehr daran, dass sich dieser Geldmittelfluss auch innerhalb des nun anbrechenden, letzten Verjährungsjahres nicht mehr wird erhellen lassen.- Sich an nichts mehr erinnern zu können scheint auch die Masche des amtierenden Bundesanwaltes Michael Lauber zu sein, der sich seiner Wiederwahl für weitere vier Jahre im Sommer trotz allem sicher sein dürfte. Seit geraumer Zeit ist eine Medienschlacht darüber im Gange, weswegen und wie oft sich der Bundesanwalt mit dem amtierenden FIFA-Präsidenten Gianni Infantino informell oder formell getroffen hat. Bundesanwalt Michael Lauber kann sich an zwei Gespräche erinnern; aber es waren wohl drei, wie sich immer mehr herauskristallisiert (vgl. auch causasportnews vom 26. April 2019). Einigermassen desavouiert und blossgestellt sieht sich die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft, die in der „Causa Lauber“ ein geradezu beschämendes Bild abgibt. Überhaupt ist das Verhältnis zwischen der Bundesanwaltschaft und der Aufsichtsbehörde einigermassen speziell: Die Exponenten beider Behörden sitzen zwar nicht im gleichen Boot, rudern aber auf demselben See. Aussitzen und manifestierte Vergesslichkeit scheinen die probaten Mittel nicht nur von in die Enge gedrängten Politikern, sondern neuerdings auch von Juristen im Bundesdienst auf beliebigen Stufen zu sein. Nicht auszumalen ist, was diese Ermittlungsposen, ein regelrechter Jahrmarkt der Peinlichkeiten in diesen dunklen, juristischen Gefilden, die Steuerzahler kostet. Vom Imageschaden, der durch diese Behördentätigkeiten der Schweiz zugefügt wird, ganz zu schweigen.