Fussball im „Corona“-Zeitalter: Eine andere Form der Relativität

(causasportnews / red. / 29. August 2020). Dass die „Corona“-Pandemie und deren Bekämpfung nationale Phänomene sind, liegt auf der Hand. Noch nie ist den Befürwortern grenzüberschreitender Lösungen und Massnahmen aller Art derart drastisch vor Augen geführt worden, dass die Bedeutung der Nationalstaaten trotz flächendeckender Europa-Euphorie alles andere als marginal geworden ist. So wird der Kampf gegen die unberechenbare Seuche national geführt, das wurde offenkundig, als die einzelnen Ländern anfingen, vor allem Schutzmasken nur noch für sich selber zu beschaffen. Die Bekämpfung von COVID-19 erfolgt rund um den Globus national. Diese Situation hat auch Auswirkungen auf den Sport. Beispielsweise auf den organisierten, professionellen Fussball. Soeben ist bekannt geworden, dass eine der besten Fussball-Ligen der Welt, die Deutsche Fussball-Bundesliga, ihre Spiele bis Ende Oktober grundsätzlich ohne Zuschauer/innen austragen wird (das gilt auch für die 2. Bundesliga). Anders die Schweiz: Es kann gemäss behördlichen Ankündigungen gemutmasst werden, dass die Stadien bereits ab 1. Oktober bis zu zwei Dritteln gefüllt werden dürfen. Eine verkehre Welt ohne jegliche internationale Harmonisierung also? Dieser Schluss liesse sich aufdrängen, wenn die Fallzahlen in Deutschland und in der Schweiz betrachtet und verglichen werden. Diese liegen im Durchschnitt in der Schweiz weit höher als in Deutschland. Doch die Deutsche Bundesliga weist einen ganz anderen Stellenwert auf als der Fussball in der Schweiz; immerhin sind doch einige, wichtige Schweizer Fussballspieler bei deutschen Klubs unter Vertrag. Viele Rückschlüsse lassen die Zuschauerzahlen zu. Die Öffnung dieser Sportveranstaltungen für das Publikum dürfte jedenfalls unter dem Damoklesschwert von COVID-19 relativiert zu betrachten sein. Immerhin leben 83 Millionen Menschen in Deutschland, in der Schweiz sind es lediglich 8,5 Millionen, davon rund eine Million eingewanderte und eingebürgerte Deutsche. Die „Allianz-Arena“ in München mit rund 75 000 Zuschauern wäre bei einer 2/3-Auslastung immer noch eine gewaltige Massenveranstaltung mit 50 000 Besuchern. Von solchen Zahlen kann in der Schweiz (im Rahmen ordentlicher Verhältnisse) generell nur geträumt werden. Im Stadion des Meisters BSC Young Boys Bern kann etwas mehr als 30 000 Zuschauern Einlass geboten werden. Bei einer Stadion-Frequentierung von zwei Dritteln sind dies erst 20 000 Zuschauer. Die Verhältnisse und die Dimensionen in den beiden Ländern sind schlicht nicht vergleichbar. Deshalb entspricht es einer gewissen Logik, dass in Deutschland aufgrund der Pandemie-Lage die Stadien erst Ende Oktober wieder grosszügiger geöffnet werden sollen. Der Vergleich zwischen den beiden Ländern manifestiert eine andere Form der Relativität.

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