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WM-«Vergabe» 2034 an Saudi-Arabien auch «dank» einer Verletzung des vereinsrechtlichen Gewaltenteilungs-Grundsatzes

causasportnews / 1211/12/2024, 15. Dezember 2024

Die Garanten für Ethik im Weltsport, aufgenommen anlässlich der WM-Endrunde 2028 in Russland,
von links: Kronprinz Mohammed bin Salman (Saudi Arabien), Gianni Infantino ( FIFA-Präsident) und
Wladimir Putin (Russland). (aus dem „Tages-Anzeiger“ vom 12. Dezember 2024 /AFP).

(causasportnews / red. / 15. Dezember 2024) Der Internationale Fussball-Verband (FIFA), ein Verein nach Schweizer Recht (Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches) mit Sitz in Zürich, ist immer für Überraschungen gut. Wichtig ist ihm jedoch vor allem ein durchwegs einwandfreies ethisches Verhalten, das sich in verschiedenster Weise manifestiert. Dabei zeigt es sich am Beispiel der FIFA, dass die Moral Werte und Regeln verkörpert, die von Personen oder Personengruppen als anerkannt gelten. Es geht also nicht um Rechtsnormen oder vorgegebene, objektive Massstäbe, an denen ein Verhalten in ethischer Hinsicht gemessen werden kann. Verstösse gegen anerkannte Werte und Regeln können allenfalls als verpönt gelten. In Vereinen und Verbänden lassen sich sowohl die Tatbestände unethischen Verhaltens und die Folgen von Ethikverstössen im Rahmen von Vereins- und Verbandsordnungen normieren und auch vereinsrechtlich sanktionieren.

Das war die Ausgangslage für die Behandlung der generellen Ethikthematik im internationalen Fussball, die noch in der «Ära Sepp Blatter» Fahrt aufnahm. Es ging nicht mehr anders. Innerhalb und ausserhalb der FIFA reihte sich Skandal an Skandal, es wurde Nepotismus betrieben und auch das hässliche Wort «Bestechung» grassierte immer mehr (wie sagte es jener Fussball-Funktionär so schön, als er anlässlich einer Befragung mit Bestechungsvorwürfen konfrontiert, wurde: «Bestechung», welch’ hässliches Wort. Haben wir doch einfach ein wenig Geld genommen». Kodifizierte Moral war das «Credo» nicht nur bei der Schaffung einer Ethiknormierung im Weltfussball; entscheidend war auch die Regelung der Rechtsfolgen bei Ethikverstössen durch Vereins-Sanktionen. Auch in der FIFA ist die einschneidendste Folge bei nachgewiesenem, unethischem Verhalten z.B. eines Fussball-Funktionärs, der Ausschluss (Art. 72 ZGB). Das Gesetz und konkret insbesondere das Vereinsrecht bilden Grundlagen für ethisches Verhalten für die Protagonisten des Fussballs. Ethisch motiviertes Verhalten gibt teils die Verbandsordnung selber vor. Im Rahmen der FIFA geschah dies so:

Die Vergabe des «Filetstücks» der FIFA, die WM-Endrunde der Männer (sorry, liebe Frauen, es interessieren sich noch immer mehr Menschen für den Männer- als den Frauenfussball) erfolgte über Jahre im Rahmen der Verbandsorganisation der FIFA durch die Exekutive (damals das Exekutivkomitee). Dadurch, dass ca. 20 Personen das wichtigste Turnier der Welt vergaben, wurde dieses übersichtliche Gremium immer manipulations- oder, um das unschöne Wort zu gebrauchen: korruptions-anfälliger. Mit den FIFA-Reformen, welche das ethisch einwandfreie Verhalten aller Protagonisten auch in WM-Endrunden-Vergaben garantieren sollten, wurde das Vergabe-Prozedere «moral»-sicher gemacht. So kam es, dass die Mitglieder der FIFA, die nationalen Verbände (derzeit 211) zum Vergabe-Körper mutierten. Seit kurzer Zeit erfolgen die WM-Vergaben durch das FIFA-Parlament «Kongress» (Legislative). Die Grund-Idee war: 211 nationale Verbände (zudem juristische Personen) sind schwieriger zu beeinflussen oder zu bestechen als 20 Exekutivkomitee-Mitglieder. Lief deshalb die Vergabe der WM-Endrunde 2034 an Saudi-Arabien derart glatt durch, obwohl eigentlich kaum ein rational denkender Mensch dies gut und moralisch (!) vertretbar qualifizieren kann? Es waren selbstverständlich verschiedene Faktoren, welche zu diesem Rückschritt ins unmoralische Vergabe-Zeitalter der FIFA ermöglichten. Der FIFA-Präsident, der höchste Exekutiv-Repräsentant der FIFA, ist ein gewaltiger Strippenzieher und im Rahmen des trägen, unengagierten Weltverbandes so etwas wie der Einäugige unter Blinden. Die Vergabe an Saudi-Arabien wurde behutsam und kontinuierlich vorbereitet und nicht nur ein Terrain hierfür geglättet. Selbstverständlich gab letztlich das Geld den Ausschlag für dieses Vergabe-Resultat. Davon gibt es in Saudi-Arabien bekanntlich nicht zu wenig. Für die Nationalverbände ist es entscheidend, dass sie mit den generierten WM-Geldern die Taschen immer praller füllen können. Sollen sich die Schweiz (SFV) oder Deutschland (DFB) also aus moralischen Gründen in die Opposition begeben und zumindest ihren Goodwill, der – menschlich fast verständlich – auch pekuniär-negative Folgen zeitigen könnte, beim Verband-Präsidenten verspielen? Hinzu kam, dass es der FIFA-Präsident durchdrückte, den FIFA-Kongress vom 11. Dezember 2024 online abzuhalten (so wurden auch Überraschungen verhindert, anders, wenn eine Vereinsversammlung mit physischer Präsenz der Versammlungs-Teilnehmer abgehalten worden wäre.

Als Saudi-Arabien in einer online-Abstimmung also den WM-Endrunden-Zuschlag für 2034 erhielt, war dies kein «Putsch» gegen die FIFA-Ordnung; am 11. Dezember 2024 wurde lediglich die normierte «Gewaltenteilung» (mit WM-Vergabeordnung) im Verband faktisch ausser Kraft gesetzt, im konkreten Fall der Kongress als Entscheidungs-Instanz ausgebootet und der Zustand vor den FIFA-Reformen wiederhergestellt. Wenn das Faktum die Norm ausser Kraft setzt, ist dies in der Regel allerdings moralisch höchst bedenklich. Der virtuelle FIFA-Kongress (Vereinsversammlung) vom 11. Dezember 2024 bestätigt allerdings wieder einmal den legendären Bertold Brecht (1898 – 1956): «Zuerst kommt das Fressen, dann kommt die Moral».

WM-Endrunden-Zuschlag an Saudi-Arabien – nur ein nichtiger «Bauchjuristen»-Entscheid»

causasportnews Nr. 1076/11/2023, 4. November 2023

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(causasportnewes / red. 4. November 2023) Vom ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter wurde dessen Aussage kolportiert, Juristen seien so notwendig wie ein Kropf. Ab und zu brauchte der Nicht-Jurist aus dem Wallis allerdings dann doch juristischen Beistand. Beim aktuellen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino präsentiert sich die Ausgangslage anders: Der Walliser ist gelernter Jurist, was er allerdings meist gekonnt kaschiert. Geht es um’s Recht, relativiert der 53jährige Chef des Weltfussballverbandes den juristischen Wert seiner Person gleich selber. So soll er immer wieder gesagt haben, Formal-Juristen seien ihm ein Graus. Er fühle sich vielmehr als «Büüüchjurist», was aus dem Walliser-Deutsch übersetzt «Bauchjurist» bedeutet; will sagen, ein Jurist, der die Klippen auch auf den juristischen Weltmeeren vornehmlich mit Gefühl, Cleverness und Schlauheit umschifft.

Das alles könnte sich nun nach dem faktisch erfolgten Zuschlag der Fussball-WM-Endrunde 2034 ändern. Triefend vor Selbstgefälligkeit hat der «Bauchjurist» Gianni Infantino der Welt verkündet, die WM-Endrunde2034 finde in Saudi-Arabien statt – auch mangels Bewerbungs-Alternativen. Die Welt ist bestürzt, Journalisten sprechen von einem Taschenspieler-Trick, der diese Vergabe möglich gemacht habe, doch weitgehend herrscht Resignation nach dem durchexerzierten «Bauchjuristentum». Doch hat Gianni Infantino seinen Vergabe-Entscheid zu früh kommuniziert und gefeiert? Ein Blick auf die formelle Rechtslage zeigt, dass die Vergabe des bedeutendsten Sportanlasses der Welt an Saudi-Arabien, das von vielen Beobachtern immerhin als «Schurkenstaat» bezeichnet wird, noch keineswegs besiegelt ist – wenn sich dann oder wann Opposition regt.

Wahrscheinlich hat der FIFA-Präsident die Statuten «seines» Verbandes zuwenig genau beachtet oder sich einfach darüber hinweggesetzt. Die Kompetenz zur Bestimmung (Beschlussfassung) des Austragungsortes der WM-Endrunde liegt klar und unmissverständlich beim FIFA-Kongress, der Vereinsversammlung der FIFA-Mitglieder (211 nationale Fussball-Verbände). So lautet Art. 28 Abs. 2 lit. s) der Vereinsstatuten wie folgt (zwingende Geschäfte des FIFA-Kongresses): «Abstimmung zur Bestimmung des Austragungsortes der Endrunde der Fussball-Weltmeisterschaft.» (ein weiterer, klarer Hinweise in den Statuten findet sich, in holpriger Sprache, in Art. 34 Abs. 10: «Dies gilt nicht für die Bestimmung des Austragungsortes der Endrunde der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft, der vom Kongress durch Abstimmung bestimmt wird). Diese zwingende Kompetenz(zu)ordnung wurde im Zuge der FIFA-Reformen festgelegt, nachdem sich das Vergabe-System, das die Bestimmung des WM-Endrunden-Austragungsortes durch die Exekutive (FIFA-Exekutivkomitee) vorsah, in der Vergangenheit als manipulations- und korruptionsanfällig erwiesen hatte (211 Nationalverbände, juristische Personen, sind weniger bestechungsanfällig als eine Handvoll Exekutivmitglieder, natürliche Personen). Nach dem aktuellen Vergabe-Verdikt des Präsidenten verletzt dieses die zwingend festgelegte, statutarische Kompetenzordnung des Verbandes; die kommunizierte Vergabe-Entscheidung ist zufolge der Verletzung der FIFA-Kompetenzordnung nichtig, und nicht nur anfechtbar.

Die Entscheidung des FIFA-Präsidenten präsentiert sich so, als wäre sie nicht geschehen, d.h, sie hat formell keinen Bestand. In der Konsequenz bedeutet dies, dass eine Vergabe eben nicht erfolgt ist. Diese Nichtigkeit könnte auf Antrag eines jeden FIFA-Mitglieds gerichtlich festgestellt werden. Gianni Infantino wäre allerdings nicht Gianni Infantino, wenn er diesen Entscheid früher oder später nicht vom FIFA-Kongress bestätigen lassen würde. Auf diesem Wege könnte er einen formell einwandfreien Kongress-Beschluss bezüglich der WM-Endrunden-Vergabe 2034 an Saudi-Arabien bewirken. Lediglich «Büüüchjuristerei» hilft ihm in dieser Causa im Moment aber nicht.

“And the winner is … Saudi-Arabia”

causasportnews / Nr. 1071/10/2023, 18. Oktober 2023

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(causasportnews / red. / 18. Oktober 2023) Unvergessen sind die Momente der Bekanntgaben des Weltfussball-Verbandes FIFA, als der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter als oberster Repräsentant der globalen Fussball-Weltgemeinschaft z.B. am 6. Juli 2000 den Ausrichter der WM-Endrunde 2006 verkündete: «And the winner is … Germany» (das war auch die Geburtsstunde des Deutschen «Sommermärchens»); oder am 2. Dezember 2010 der Schock, nicht nur für die Fussball-Welt: «And the winner is … Qatar» (der wohl umstrittenste Vergabeentscheid bezüglich einer WM-Endrunde im Winter im von vielen ungeliebten Wüstenstaat, 2022). Die Vergaben bezüglich der nächsten WM-Endrunden sind zwischenzeitlich klar geworden (2026: USA, Mexiko, Kanada), bzw. wurden sie vorgespurt (2030: Marokko, Portugal, Spanien als Gastgeber, und andere).

Demnächst steht die Vergabe der WM-Endrunde 2034 an. Bis zum 31. Oktober können Bewerbungen angekündigt werden, jedoch scheint es sicher, dass Saudiarabien den Zuschlag erhalten wird (Anmerkung: die Vergabe erfolgt immer an einen Nationalverband oder an mehrere Verbände zugleich, wie erstmals 2002 an Japan und Südkorea). Das Land, das nicht nur wegen der derzeitigen politischen Lage von einigen Seiten als «Schurkenstaat» qualifiziert wird, hat jedenfalls, bisher einzig, die Bewerbung für 2034 angekündigt. Es wird sich wohl bei dieser Faktenlage und aufgrund der Affinitäten der FIFA-Führung gegenüber Saudiarabien kaum noch ein anderes Land bewerben. Der vergebende Weltfussball-Verband FIFA hat die Bewerbung Saudiarabiens vor ein paar Tagen bekannt gegeben. Es war dies eine «Quasi-Vergabe», weil der Vergabeentscheid von der Gesamtheit aller FIFA-Nationalverbände, dem sog. «FIFA-Kongress», getroffen werden muss. Eingefädelt hat diese Ausgangslage, unter Aushöhlung der statutarisch festgelegten Vergabe-Kompetenzordnung, FIFA-Präsident Gianni Infantino, der, sobald ihm nach diesem Fait accompli der «Quasi-Vergabe» der FIFA-Kongress grünes Licht gegeben hat, mit stolzgeschwellter Brust offiziell verkünden wird: «And the winner is … Saudi-Arabia». Oder könnte es doch noch anders kommen? Nachdem sich die Lage im nahen Osten in absehbarer Zeit kaum mehr beruhigen lassen dürfte und sich Saudiarabien, das Land, in das derzeit auch Top-Fussballspieler en masse ziehen, derzeit an Palästina (!) annähert, kann alles möglich werden, auch was die sport-politischen Auswirkungen – und wohl leider auch Ausweitungen – des Krieges zwischen Israel und Palästina anbelangt. Schaun wir mal, würde die Fussball-Ikone Franz Beckenbauer wohl sagen.

Der Fussball-WM-Vergabepoker mit Zerstörungspotential

causasportnews / Nr. 1067/10/2023, 8. Oktober 2023

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(causasportnews / red. / 8. Oktober 2023) Seit Geld und Geist im Sport um die Vorherrschaft kämpfen, dabei der Geist oft willig, das Fleisch aber schwach ist, wird alles versucht, um die Sport-Geldmaschinerie am Laufen zu halten, will heissen, noch rasanter an der pekuniären Spirale zu drehen. Dabei wird mit Blick auf Gewinnmaximierungen einiges in Kauf genommen. Das Sport-Marketing ist die Disziplin im Sport, welche dazu berufen ist, die wirtschaftliche Seite der Körper- und Geistesbewegung im Sport adäquat und immer intensiver zu gewichten. Wenn die Kasse stimmt, wird auch die Gefährdungswirkung mit Blick auf den Sport in Kauf genommen. Was im empirischen Marketing bedeutet: Jedes Produkt ist letztlich geeignet, sich selbst vernichten zu können.

Ein schönes, besser ein geradezu traumatisches Bild, wie das weltweit beste Sport-Produkt, die WM-Endrunde der Fussballer (sorry, liebe Frauen, es sind hier die Männer gemeint!), der Selbstzerstörung entgegenschlittert. Der Welt-Fussballverband FIFA macht es möglich. Die WM-Endrunde, die künftig noch aufgeblähter abgehalten wird, soll nicht mehr nur von einem Nationalverband und zudem in Schurken-Staaten (z.B. 2018 in Russland) durchgeführt werden, sondern in mehreren Ländern (ähnlich wie 2002 in Südkorea und Japan). Wie demnächst, 2026, wenn die Erzfeinde Amerika und Mexiko sowie Kanada die Fussballwelt willkommen heissen. Da kündigte US-Präsident Joe Biden auf wackligen Beinen und mit zittrigem Stimmchen soeben ziemlich kleinlaut an, an der von Donald Trump initiierten Mauer zwischen den USA und Mexiko werde weitergebaut. Mauern und Zäune können bekanntlich auch völkerverbindend sein, nicht nur der Sport und seine Schokoladenseiten. Apropos USA: Die FIFA als Organisatorin der Männer-WM gab kürzlich bekannt, 100 Arbeitsplätze von Zürich nach Amerika zu verlegen. Ein bisschen Opportunismus darf schliesslich auch sein. Das auch stets über der FIFA hängende US-Damoklesschwert darf den globalen Fussball schliesslich weder gefährden noch zerstören. Die Drei-Länder-WM 2026 wird nun von der Interkontinental-Weltmeisterschaft 2030 noch in den Schatten gestellt. Über drei Kontinente soll sich das grösste Fest des Sportes erstrecken, in Portugal, Spanien, Marokko, Argentinien, Uruguay und Paraguay wird gespielt werden. Nicht nur die anlässlich der WM-Endrunde herumreisenden Mannschaften werden einen «einzigartigen weltweiten Fussabdruck» hinterlassen, wie sich FIFA-Präsident Gianni Infantino, der «es» wohl richtig gedacht hat, zitieren liess (womit der Walliser natürlich nicht den ökologischen Fussabdruck gemeint hat), sondern auch für die global zirkulierenden Fans sind die 104 Spiele, die 2030 ausgetragen werden, eine Herausforderung. Danach wird 2034 der Weg frei sein für Saudiarabien, das Land, in das derzeit nicht nur abgehalfterte Kicker-Stars ziehen. Der Golfstaat pumpt seit geraumer Zeit Milliarden welcher Währung auch immer in den Sport, und er wird sich die Gastgeberrolle für den wichtigsten Sportanlass der Welt kaum mit anderen Ausrichtern teilen.

Selbstverständlich bedeuten diese Entwicklungen sowie der damit zusammenhängende WM-Austragungspoker nicht den Tod des von der Welt geliebten Fussballsportes. Sie könnten aber zum Mahnmal dafür werden, wie Geld den sportlichen Geist allmählich zu zerstören in der Lage ist. Der aktuelle und künftige WM-Vergabepoker, ein permanenter Prozess im Weltfussball, ist ein reales Beispiel dafür, wie die Fussball-WM-Endrunde, das weltweit beste Marketing-Produkt, allmählich dem «Gott Mammon» geopfert wird.

Nach der WM-Endrunde ist vor der WM-Endrunde

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(causasportnews / red. / 22. Dezember 2022) Es ist im Nationalmannschafts-Fussball wie sonst im Sport im Allgemeinen: Nach der Fussball-WM-Endrunde in Katar schaut die (Fussball-)Welt auf ein durchwegs positives Sport-Event im Wüstenstaat zurück, blickt aber nun vor allem in die Zukunft. In Richtung USA, Mexiko und Kanada; in diesen drei Ländern wird die Fussball-WM-Endrunde 2026 ausgetragen werden. Nach der WM ist immer vor der WM.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Ausrichter-Länder der WM-Endrunde, 2026 erstmals mit 48 Nationalmannschaften (in Katar waren es 32), was fast ein Viertel aller FIFA-Mitgliedsverbände (211) ausmacht, nun in die Kritik geraten, wie dies bei Katar seit dem Vergabeevent im Dezember 2010 der Fall war. Die USA 2026 – das war ein Vergabeentscheid, der es (politisch) in sich hatte, gleichsam eine Hommage an die Vereinigten Staaten, welche die Wahl Katars 2010 nicht verdaut hatten. Die Todesstrafe in den USA, Rassendiskriminierungen sowie Grenzbauprojekte gegenüber dem Mit-Ausrichter Mexiko sind nichts Neues; die Gefahr, dass Donald Trump zusammen mit FIFA-Präsident Gianni Infantino im Juni 2026 die WM-Endrunde eröffnen wird, ist relativ gering, weil dann wohl nur der FIFA-Präsident im Amt sein wird (causasportnews vom 18. Dezember 2022). Bis jetzt ist von Empörung vor allem aus Europa wegen der Austragung der WM-Endrunde in den USA und den dort herrschenden Missständen nichts zu hören und nichts zu spüren. Das kann sich ja nun ändern, weil das Feindbild Katar definitiv ausgedient hat; wird es aber wohl nicht.

Von Wichtigkeit ist es trotzdem und auf jeden Fall, dass sich der Fussball in den Schlagzeilen hält, auch nach Katar 2022 und vor den USA, Mexiko und Kanada 2026. Dafür sorgt aktuell der FIFA-Präsident, der sich anlässlich der Pokalübergabe-Zeremonie an Weltmeister Argentinien hartnäckig im Vordergrund und im Fernsehbild hielt. Er und sein Freund, der Emir, konnten vor dem weltweiten TV-Publikum die Hände von Superstar Lionel Messi nicht lassen und zerrten ihn vor der Pokalübergabe herum, obwohl es dieser auch ohne Hilfe von Gianni Infantino und von Katars Emir geschafft hatte, Argentinien zum Weltmeistertitel zu führen. Wenigstens gelang es dem Duo Infantino/Emir, dem irritierten Argentinier im Wüstenstaat in skurriler Weise den WM-Mantel («Bischt») umzuhängen – ein Akt wider mehrere FIFA-Regeln; aber was soll’s. Nun versucht sich der FIFA-Präsident nur wenige Tage nach dem Abschluss der WM-Endrunde in Katar sport-politisch in den Schlagzeilen zu halten. Aber auch dieser Versuch hat sich bis jetzt als relativ untauglich erwiesen. «Präsident peinlich», wie er vor allem in Deutschland genannt wird, reiht Misstritt an Misstritt. Die Vorweihnachtszeit in den christlichen Ländern ist auch geradezu prädestiniert, um Unfug aller Art zu verbreiten. So will Gianni Infantino wieder einmal den WM-Zyklus verringern. WM-Endrunde nun alle zwei oder als Kompromiss (gegenüber Europa) alle drei Jahre? Mehr WM = mehr Erträge. So einfach wie unrealistisch ist diese Rechnung des FIFA-Oberhauptes. Aufgebläht wird auch die Klub-Weltmeisterschaft. 32 Klub-Mannschaften werden künftig diesen Wettbewerb bestreiten, obwohl dieses Turnier der besten und auserwählten Klubs auf der Welt noch nie in das FIFA-Sport-Konglomerat gepasst hat (die FIFA ist traditionell für Nationalmannschafts-Wettbewerbe zuständig). Mehr Spiele = mehr Erträge. Mehr Erträge = mehr Mittel, auch für die 211 Nationalverbände der FIFA, welche jeweils alle vier Jahre den Präsidenten des Weltverbandes wählen – und das möglichst lange, solange sich der schnöde Mammon über die «FIFA-Familie» regnen lässt. Allmählich gerät Gianni Infantino unter Zugzwang. Seit er 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt worden ist, hat er einige Aktivitäten im Fussball entfaltet, doch etwas Zählbares kann er bis heute nicht vorweisen. Was im Moment um den FIFA-Präsidenten geschieht, ereignet sich immer auf diese Art und Weise wohl auch künftig und traditionell alle vier Jahre nach einer WM-Endrunde. Das war schon unter Joseph Blatter so. Eben, nach der WM-Endrunde ist vor der WM-Endrunde.

Die definitive Ankunft des (Fussball-)Sports im globalen Öko-System

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(causasportnews / red. / 19. Dezember 2022) Das war sie also, die Fussball-WM-Endrunde in Katar. Was mit einem auch ausserhalb des Sportes speziellen Turnier in der Wüste begann, wurde am Finaltag zum absoluten Sport-Knaller der letzten Jahrzehnte. Kaum je war ein Fussballspiel in jeglicher Hinsicht derart herausragend wie die Finalissima zwischen Argentinien und Frankreich. Das Endspiel war der Abschluss einer grossen Party während rund eines Monats, zu der viele nicht hingehen wollten und dann doch gingen – und sich teils gezwungenermassen frühzeitig wieder verabschiedeten (Deutschland, die Schweiz, England, Spanien, Portugal, usw. Italien umging den moralischen Elchtest aus sportlichen Gründen). Hingehen, obwohl man nicht wollte. Auch im Sport ist Inkonsequenz ebenso erlaubt wie Scheinheiligkeit und das Setzen von Moralspritzen, wie die Endlos-Diskussionen von in Katar Beteiligten und Nicht-Beteiligten belegten. Am Schluss, am Finaltag, ging es nur noch um den Sport; und das war gut so. Und wie! Die Superlativen bezüglich der Qualität des Finalspiels überschlagen sich zu Recht. Was wäre gewesen, wenn sich Argentinien zum Weltmeister gemogelt hätte? Nein, Lionel Messi & Co. zeigten, dass ein Fussballspiel die höchste Potenz sportlicher Qualität erreichen kann, wenn man nur will; und wenn man es kann. Besser geht Fussball kaum mehr. War das so etwas wie Gerechtigkeit, die Katar und dem Weltfussball widerfahren ist, was sich in Doha zum Schluss der WM-Endrunde 2022 ereignet hat? Letztlich zählt eben doch der Sport, und an einer Fussball-WM-Endrunde soll letztlich der Sport prävalieren, obwohl in Katar unübersehbar war, dass die Fussball-Marketingmaschinerie den schlagenden Beweis erbracht hat: Der organisierte Sport auf diesem Niveau ist vollumfänglich im globalen Öko-System angekommen.

Fussball, Fernsehen, Flaschenbier – das war einmal die Trias der modernen Sportvermarktung. Heute ist der Fussball global geworden, und Europa ist auch nicht mehr der Fussball-«Nabel» der Welt. Die Globalität prägt den Sport, ebenso bilden die Wirtschaft und die Medien aller Art Pfeiler des globalen Sport-Establishments. In Katar setzte sich diese neu aufgestellte Trilogie im organisierten Sport durch.

Nun steht der neue Weltmeister fest. Mittelmass und Peinlichkeiten ereigneten sich lediglich nach dem Elfmeterschiessen, in dem der Weltmeister ermittelt wurde, als es endlos dauerte, bis Argentinien mit dem herausragenden Lionel Messi die Trophäe in die Höhe stemmen konnte. Die WM-Pokalübergabe war seit jeher insbesondere die Inszenierungsplattform des jeweils amtierenden FIFA-Präsidenten. Aktuell durfte sich der Walliser Gianni Infantino in Szene setzen. Er war Hauptverantwortlicher für die zähflüssige, sich mühsam dahinziehende Siegerehrung, da sich der FIFA-Herrscher, wie ein Deutscher Kommentator meinte, einfach nicht aus dem Bild drängen lassen wollte. Bis der Emir von Katar und Gianni Infantino den Pokal (zusammen!) den neuen Weltmeistern überreichten, mussten die Fussballanhängerinnen und -anhänger im Stadion und auf der ganzen Welt endlos warten. Ein geradezu peinliche FIFA-Choreographie wurde, je länger sie dauerte, zum Ärgernis. Die geschlagenen Franzosen wurden auf einem Fussball-Laufsteg regelrecht vorgeführt, der bemitleidenswert Kylian Mbappé als ausgezeichneter Spieler öffentlich regelrecht gegrillt und Funktionärs-Kitsch killten zwischenzeitlich die tolle Stimmung im Stadion. In einem dümmlichen Harry Potter-Mäntelchen musste dann Lionel Messi, allerdings erst nach der Pokalübergabe, als zum Fussball-Messias gewordenen Neo-Weltmeister auftreten; nichts war der FIFA zu einfältig, um sich in und bei Katar anzubiedern.

Nach dem grandiosen Fussballfest war diese Präsidenten- und FIFA-Selbstinszenierung auch ein Beweis dafür, dass der Weltverband mit seinen Funktionärs-Apparatschiks aus vergangenen Sport-Zeiten die Interdependenzen im modernen Sports noch nicht verstanden haben. Nämlich, was sich aus dem globalisierten Fussball herausholen liesse, nicht nur mit Blick auf die moderne Fussball-Trilogie. «Football, for the game, for the world, for the future», lautete vor Jahren ähnlich ein Slogan des Weltfussballverbandes. Und jetzt?

“…and the winner is …Katar”

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(causasportnewsw / red. / 12. Dezember 2022) So, wie in der Überschrift wiedergegeben, verkündete der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter am 2. Dezember 2010 das Resultat der Fussball-WM-Endrundenvergabe 2022 an Katar. Er tat dies leicht angesäuert, denn die USA, die nun in vier Jahren (mit Kanada und Mexiko) zum Zuge kommen, sollten das Turnier ausrichten; doch Katar grätschte dazwischen. Auch sonst sass der Vergabe-Schock tief, so tief, dass in den letzten zwölf Jahren niemand das Vergabe-Steuer noch herumreissen konnte und wollte (vgl. dazu auch causasportnews vom 11. November 2022). Vor allem dank der Hilfe Frankreichs, an der Spitze mit der ehemaligen Fussball-Ikone Michel Platini, nahm der Siegeszug Katars global und in Europa seinen Anfang. Katar gewann 2010 die Vergabe, und wird nun auch auf den Spielfeldern im Wüstenstaat zum Sieger. Zwar nicht gerade, was die Aktivitäten der Mannschaft Katars auf dem Spielfeld anbelangt, aber Katar wird als globaler Sieger der WM-Endrunde hervorgehen. Wer derzeit auf die Franzosen als alte und neue Weltmeister tippt, könnte goldrichtig liegen. In jedem Fall steht ein Freund Katars im Endspiel: Frankreich oder Marokko; ohne die seit Jahren praktizierte Unterstützung Frankreichs durch Katar wäre der französische Fussball wohl nicht derart herausragend. Apropos Marokko: Der Aussenseiter beschert Afrika und dem arabischen Raum vor dem Halbfinale ein unvorstellbares Glücks- und Bestätigungsgefühl. Nur in den Ländern, in denen es in Vergessenheit geraten zu sein scheint, dass Erfolg und Wohlstand vor allem durch Arbeit und/oder dank Bodenschätzen zu realisieren sind, werden die Wunden der missglückten WM-Expeditionen nach Katar geleckt.

Zum Beispiel in Deutschland: Die Deutschen machten keinen Hehl daraus, in Katar Weltmeister werden zu wollen. Der Abstecher in die Wüste misslang, und retrospektiv ist die Erkenntnis gereift, dass das, was gewollt und beabsichtigt war, eine «mission impossible» war (so der aktuelle «Spiegel» mit übergrossen Buchstaben). Wie hoffnungslos sich die Aufarbeitung der Tatsache gewordenen Verhältnisse in Deutschland präsentiert, belegt der Umstand, dass die Ursache am Scheitern Deutschlands immer noch vor allem in der «One Love»-Binde gesucht und gefunden wird. Dabei ist im Sport klar, dass solche Umwertungen aller Werte nur möglich sind, wenn die sportliche Leistung stimmt. Diese stimmt aktuell nur dann, wenn die Verschiebung der Machtverhältnisse im globalen Sport erkannt und anerkannt wird. Diese begann in punkto Katar akut an jenem 2. Dezember 2010, als es hiess: «an the winner is… Katar». Dass es auch im Rahmen der laufenden WM-Endrunde so bleiben wird, ist ein nicht mehr zu erschütterndes Faktum. Erkannt worden ist in Deutschland nun offensichtlich, dass die angestrebte, westliche Werteverschiebung in Richtung Katar und bezüglich des arabischen Raums gescheitert ist. Da hilft wohl nur noch eine Alternativbetätigung, sagte sich wohl Torhüter-Legende Manuel Neuer, der allerdings soeben auch im Skisport scheiterte. Wie sagten es die Marokkaner: «Unsere Erfolge sind die Frucht harter Arbeit». Ein zentraler Satz in einer Gesellschaft, welche Arbeit immer mehr als Sakrileg auffasst.

Zum Beispiel in der Schweiz: Auch die vom qualifizierten Sozialismus unterwanderte Gesellschaft in der Schweiz erlebte in Katar eine Enttäuschung. Dass Erfolge nur dann möglich ist, wenn man sich mit Akribie auf ein Ziel vorbereitet und dieses entsprechend anstrebt, steht ausser Diskussion. Obwohl die Schweiz so unnötig wie kläglich an Portugal gescheitert ist, beherrscht immer noch ein Thema die Diskussionen um die Schweizer Nationalmannschaft: Wie soll mit den gegenseitigen, unnötigen und dummen Provokationen im Zuge des Spiels Schweiz gegen Serbien (3:2) umgegangen werden? Im Moment beansprucht eine im Kosovo lebende Feministin Sicherheitsschutz, weil sie die Geste des Schweizer Captains Granit Xhaka (er fasste sich provokativ in den Schritt) öffentlich verurteilt hat. Auch die Schweiz hat nun im Zuge unüberwundener, ethnischer Konflikte auf und ausserhalb des Sportplatzes ihre «Binden»-Frage: Soll Granit Xhaka wegen seiner Unbeherrschtheit mit politischen Dimensionen weiterhin die Captain-Binde tragen dürfen oder nicht?- Auch das ist Vergangenheitsbewältigung, wenn auch keine zielführende; vgl. die sportlichen Ergebnisse.

Allenthalben wissen es nur die «Fussball-Götter», wie sich die Dinge im Sport oder nun eben in Katar entwickeln (können). Da half allerdings beim Englischen Trainer Gareth Southgate auch der Glaube, den er vor dem Frankreich-Spiel beschworen hatte, nicht mehr weiter (und der Fussball-Schutzpatron Luigi Scrosoppi war offensichtlich ebenfalls eher angetan vom Spiel der Franzosen; causasportnews vom 2. November 2022), als Harry Kane, der sonst todsichere Penalty-Schütze, den zweiten, zugesprochenen Elfmeter im Spiel gegen Frankreich in den Wüsten-Nachthimmel in Katar schlenzte. Sogar FIFA-Präsident Gianni Infantino dürfte sich nun auch noch «ungläubig», jedoch kaum unglücklich gefühlt haben.

Somit steht vor dem Finalspiel der Fussball-WM-Endrunde am 18. Dezember 2022 fest: The winner ist Katar! Da helfen auch letzte Nadelstiche aus dem untergegangenen Europa nicht mehr. Der Kontinent im Würgegriff des Überhand nehmenden Sozialismus’ reklamiert soeben einen neuen Skandal, diesmal um die EU-Parlamentsabgeordnete Eva Kaili. Geld soll sie von Katar bekommen und genommen haben. Ein Vorgang, der in der Schweiz und in Deutschland als simpler «Lobbyismus» bezeichnet wird, im Zusammenhang mit Katar jedoch unter den Begriff «Korruption» fällt. Dumm nur, dass eine Sozialistin von diesem «Skandal» (Weltpresse) betroffen ist; immerhin geben diese Kollektivisten vor, was moralisch und was unmoralisch ist und welche Werteordnung gut zu sein hat…

WM-Endrunde Katar: Schuld ist (fast) immer der Trainer

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(causasportnews / red. 7. Dezember 2022) Da soll noch jemand behaupten, die Fussball-WM-Endrunde in Katar sei langweilig! Es ist das Turnier der Überraschungen, Dramen und Enttäuschungen; die Proteste gegen Katar und die FIFA sind längst versiegt. Sie ist jetzt auch die WM-Endrunde, in der Europa nicht mehr der unbestrittene Nabel der Fussballwelt darstellt; was Fussball-Globalisierung genannt wird, die mit dem Austragungsort in der Wüste von Katar ihren Anfang genommen hat. Letztlich ist es auch die Endrunde der Trainer (nein, Trainerinnen gibt es keine), die, wenn es nicht läuft oder die Erwartungen von wem auch immer nicht erfüllt werden, (fast) immer die Schuldigen sind.

Zum Beispiel Hans-Dieter «Hansi» Flick: Der Deutsche Trainer hat seine Unschuld verloren, als er zu stark in Opportunismus machte, zum Verbandsfunktionär mutierte und zum nationalen Interessenvertreter etwa des FC Bayern-München wurde sowie letztlich das Wunschdenken den Realitäten unterzuordnen begann. Deutschland zerbrach letztlich an Japan, als die «Deutsche Nationalmannschaft» die von DFB-Management-Direktor Oliver Bierhoff verordnete Gehirnwäsche, welche die Nationalmannschaft zur «Mannschaft» werden liess, über sich ergehen liess und zur Fussball-Makulatur wurde. Nach dem Ausscheiden Deutschlands aus dem Turnier in Katar wurde die Schuld, wie (fast) immer, beim Trainer gesucht und gefunden. Hansi Flick zu entlassen geht natürlich im Moment politisch nicht, da der Kurzzeit-Bundestrainer in dieser Phase nicht geopfert werden kann. Der Volks-Zorn wurde jedoch mit der überfälligen Absetzung von Oliver Bierhoff beschwichtigt, der Mann, der in den letzten Jahren wesentlichen Anteil an den Irrungen und Wirrungen im Deutschen Nationalmannschafts-Fussball hatte.

Zum Beispiel Murat Yakin: Der Schweizer Nationaltrainer genoss bis zum Abschluss der Gruppenspiele viel Kredit und machte (fast) alles richtig. Im Achtelfinale gegen Portugal kam es allerdings knüppeldick. Der ehemalige Top-Spieler vergeigte mit Organisations- und Coaching-Fehlern das Spiel gegen Portugal. Die Schweizer wollten nach dem Spiel gegen Serbien, bei dem sie offensichtlich alles für Sonderleistungen erforderliche Adrenalin ausgeschüttet hatten, die Fussball-Sterne vom Himmel holen und landeten krachend auf dem Fussballboden der Realitäten. Murat Yakin musste als Trainer-Novize eineinhalb Lehrstunden von seinem Portugiesischen Kollegen Fernando Santos über sich ergehen lassen, bis klar war, dass er gegen diesen Gegner, der sich im Achtelfinale gegen die Schweiz mit Cristiano Ronaldo den teuersten Bankdrücker der Welt leistete, nicht nur keine Chance hatte, sondern regelrecht deklassiert wurde. Die Schweizer spielten letztlich schlicht und ergreifend minimal, die Portugiesen maximal. Es war in Katar ein Freudentag für Portugal, zumal Spanien nach der Niederlage gegen Marokko Nordafrika in kollektive Ekstase versetzte. Schuld an dieser Niederlage war nicht einmal Spaniens Trainer Luis Enrique, der nach dem Ausscheiden natürlich dennoch unter Druck geriet. Primär für dieses Debakel verantwortlich waren vielmehr die Spieler selber.

Wo gewonnen wird, haben in der Regel die Trainer alles richtig gemacht, wo Niederlagen zu verkraften sind, gehört der Trainer (fast) immer zu den Schuldigen. Die Schuldzuweisungen sind im Fussball jedenfalls nie so einfach wie etwa in der Oper oder in der Operette, zum Beispiel in der «Fledermaus», wo es keine Zweifel gab, dass an allem nur der Champagner Schuld war…

Nach den Gruppenspielen in Katar: Fussball ist eben doch mehr als «ding»

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(causasportnews / red. / 4. Dezember 2022) Noch 16 Mannschaften bleiben nach den Gruppenspielen an der WM-Endrunde in Katar im Turnier; die besten 16 der Welt machen nun den WM-Titel 2022 unter sich aus. Wer es werden wird, steht derzeit nicht im Vordergrund. Die Spiele in den acht Gruppen hatten es in sich und rückten die Diskussionen um den Austragungsort Katar endlich in den Hintergrund. In diesem von Moral triefenden, wichtigsten Sportevent in diesem Jahr war das Tragen oder Nicht-Tragen der «Regenbogen-Binde» spätestens kein Thema mehr, als der mehrfache Weltmeister Deutschland krachend aus dem Turnier flog und, wie 2018, die Gruppenphase nicht überstand. Nun herrscht in Deutschland Heulen und Zähneknirschen, und die «Grande Nation» im Norden macht in Trauerbewältigung, wobei es sogar dem Leader dieser Sparte, dem rührigen Verfechter von Moral und Gutmenschentum im «Schloss Bellevue», Frank-Walter Steinmeier, die Sprache verschlagen hat; gar nicht zu sprechen vom hilflosen Bundeskanzler Olaf Scholz, der nur noch «Baustellen» anderer Art um sich sieht. Das war unter Angela Merkel schon noch anders. Ihr Engagement endete jeweils auch nicht vor der Kabinentüre.

Somit bietet die Empörungsgesellschaft, die sich für einmal in Schockstarre befindet, wenn das Nationalgut Nummer 1 vom Untergang bedroht ist, alles. Was, wenn ein derartiges, sportliches Debakel aufgearbeitet werden muss – und vor allem durch wen?, Das ist nun die Frage. Eine schwierige Situation also, vor allem deshalb, weil die Fakten (das WM-Aus) dem Wunschdenken (wir sind die Besten) diametral gegenüberstehen. Somit heisst es nun für’s Erste: Wer trägt Schuld? Klar, die Spieler hätten vielleicht mehr gekonnt – aber sie haben spielerisch mit ihren Mitteln die aktuelle Fussballrealitäten bestätigt. Klar, der Trainer, der nun in den Augen der 80 Millionen Bundestrainerinnen und -trainer in Deutschland alles falsch gemacht hat. Klar, der nicht gerade als intellektueller Höhenflieger bekannte Manager der Mannschaft, die nun wieder «Nationalmannschaft» heisst. Klar, der Präsident aus dem Amateur-Fussball, der den modernen Professional-Fussball nur aus den Medien kennt. Klar, die Funktionärs-Seilschaften im Deutschen Fussball, die den Interessen der Fussball-Hochburg aus München fast alles unterordnen. Klar, eine Bundesliga mit ausländischer Beteiligung (auch aus der Schweiz), bei der die zentrale Frage ist, mit wieviel Punkten Vorsprung der FC Bayern-München wieder nationaler Fussballmeister wird, usw. Also ist Frustbewältigung angesagt, die sich in Deutschland mit den Mitteln der modernen Empörungsgesellschaft manifestiert. Die Spieler, die in Katar in Einsatz waren, werden beschimpft und niedergemacht, unglaubliche Flegeleien erleben dank sozialer Netzwerke, deren Niveau so stark abgesunken ist, dass sie sich neben dem Fertigmachertum eines revitalisierten, flegelhaften Dieter Bohlen und anderer dümmlicher Komödiantinnen und Komödianten in schlechtester Gesellschaft befindet. Nicht besser ist es um die mehr oder weniger konventionellen Medien als immer noch beachtete Sprachrohre der modernen Empörungs- und Moralistengesellschaft bestellt. «Zu schlecht, zu lieb, zu blöd», titelt etwa «Bild», die Zeitung mit den grossen Buchstaben und dem geringen Sachverstand; der Anstand bleibt natürlich ausgeklammert. Das Elend von Katar wird in perfider Art personifiziert und gefordert, wer nun «weg» muss – vor allem gewisse Spieler, der Trainer, der Manager, der DFB-Präsident – und wer kommen muss – gewisse Spieler, ein Trainer als eierlegende Wollmilchsau, andere Funktionäre, und wohl auch andere Gegner in künftigen, internationalen Turnieren und Wettbewerben der Nationalmannschaften. Nur noch peinlich und unempathisch machten die Fernseh-Moderatorinnen und -Moderatoren ihrer Enttäuschung Luft. Die Frage des Abends, zehn Minuten nach dem WM-Aus an Hansi Flick: «Haben Sie eine Zukunft als Bundestrainer?». Und so weiter.

Von Fussball, und wie er allenfalls besser, also erfolgreicher werden könnte, spricht in dieser Hexenjagd auf die Schuldigen am WM-Aus Deutschlands nach den Gruppenspielen niemand. Vielleicht würde es sich lohnen, sich wieder einmal der Worte von Trainer-Legende Giovanni Trapattoni, der es einst richtig dachte, zu erinnern: «Im Fussball gibt es nicht nur ‘ding’; Fussball ist ‘ding, dang, dong’». Der Auftritt der Deutschen in Katar war eben nur «ding». Ein Trost für die gebeutelte Fussballnation bildet die Schweiz (ein in den Augen der Deutschen merkwürdiges Bergvolk mit acht Millionen Bewohnerinnen und Bewohnern), welche nach heldenhaftem Kampf gegen die mehr als unbequemen Serben die Achtelfinal-Qualifikation schafften. Das war eben «ding, dang, dong», was die kleinen und kleingeredeten Eidgenossen in der Wüste ablieferten. Derweil freut sich Japan nach den glanzvollen Leistungen der eigenen Mannschaft, nämlich diszipliniert, respektvoll, würdig und anständig. Die Japaner, welche in Katar den Deutschen den Turnier-Todesstoss versetzt haben, verhalten sich allerdings auch nach Niederlagen so. Von ihnen könnte das morsche und entartete Europa lernen, nicht nur im Fussball.

Und endlich rollt der Ball…

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(causasportnews / red. / 21. November 2022) Nun hat sie also begonnen, die Fussball-WM-Endrunde 2022 in Katar. Es ist so etwas wie die Reinkarnation des Bösen, die am 2. Dezember 2010, als die WM-Endrunden an Russland (2018) und eben an Katar (2022) im FIFA-Hauptquartier in Zürich vergeben wurden, ihren Anfang genommen hat und sich nun die düsteren Prophezeiungen im Wüstenstaat erfüllen. Russland vor mehr als vier Jahren war selbstverständlich kein Problem, die WM-Endrunde war «die Beste aller Zeiten» (so sagte es der FIFA-Präsident damals zu seinem Freund Wladimir Putin); die Schergen im Kreml hatten die Krim 2014 lediglich elegant annektiert und auch sonst mit ihren menschenfreundlichen Aktivitäten rund um den Globus nicht viel Unfug in der Welt angerichtet. Aber nun Katar – das menschgewordene Feindbild der übrigen Welt! Was seit 12 Jahren bekannt ist und beschlossen wurde (und längst hätte korrigiert werden können: vgl. etwa causasportnews vom 11. November 2022), hat kurz vor dem Eröffnungsspiel und ein paar Wochen vorher zunehmend Argumente für die Empörungs- und Moralistengesellschaft abgegeben. Vor allem die modernen Schriftgelehrten (Journalistinnen und Journalisten) und Pharisäer auf der ganzen Welt können sich seit einiger Zeit kaum mehr erholen und triefen vor Selbstgerechtigkeit und moralisieren in unerträglicher Weise gegen den Wüstenstaat und diesen Teil der arabischen Welt. Fussball in Katar – geht gar nicht; das Geld der Katari einheimsen (nicht nur in Frankreich) – geht; um Energieressourcen betteln, wie insbesondere die Deutsche Regierung in Katar – geht; sich verlustieren im arabischen Luxus – geht; Urlaub in Dubai und Katar machen – geht; mit Blattgold überzogene Steaks essen wie Franck Ribéry in Dubai – geht natürlich; im Reichtum in Doha mitschwelgen – geht auch; nur Fussball soll nicht gehen.
Was nicht mehr abzuwenden ist, muss angenommen werden. So einfach ist das. Also wird jetzt in Katar Fussball gespielt. Man wünscht sich das Pharisäertum und die Doppelmoral um die WM-Endrunde in Katar nun einfach weg. So muss für den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino sogar Verständnis aufgebracht werden, wenn er sich wegen des mundialen Trommelfeuers gegen Katar enerviert. Bei einem solchen Fait accompli, wie wir es derzeit haben, bleibt in Gottes Namen nur noch die Gefühlsebene. Da ist der FIFA-Präsident nahe zu Lothar Matthäus gerückt, der die Welt einmal wissen liess, dass er vom Feeling her ein gutes Gefühl habe. Gianni Infantino hat es wohl richtig gedacht, als er sich kurz vor dem Katar-Event den Balanceakt mit den Gefühlen wagte und sich gemäss seinen Worten sogar als Homosexueller fühlte. Bizarr findet die Weltpresse, seien die Artikulationen des obersten Fussballers gewesen, Zweifel an der geistigen Fitness des Nachfolgers von Joseph Blatter auf dem FIFA-Thron wurden geäussert. Loriot hätte jedenfalls seine helle Freude am bemitleidenswerten Schweiz-Einwanderer aus Italien gehabt. Dass dem 52jährigen Walliser das ewige Genörgel der modernen Schriftgelehrten und Pharisäer (die aktuell perpetuieren, was der andere Matthäus in seinem Evangelium festhielt) um den Austragungsort Katar zuviel wurde, ist irgendwie verständlich. Nicht gut kommt es in der Empörungs- und Neidgesellschaft an, wenn an sich Evidentes von einem eh schon umstrittenen und unbeliebten Fussball-Präsidenten mit fliegenbeinschwacher Artikulation verbreitet wird.
Doch nun rollt der Ball – und nicht nur die Sport-Welt wird sich während vier Wochen mit dem abfinden (müssen), was unabänderlich ist, jedoch durchaus hätte abwenden können – auch nach dem Vergabeentscheid am 2. Dezember 2010 in Zürich. On verra. Eines hat das Gerangel um den WM-Endrunden-Austragungsort bewiesen und das ist ein Gütesiegel für diese Sportart: Der Fussball ist wohl das Wichtigste auf dem in letzter Zeit arg durchgeschüttelten Planeten.