Europameisterschafts-Nachwehen und ein besonderes Sportler-«Coming-out»

causasportnews / Nr. 1162/07/2024, 18. Juli 2024

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(causasportnews / red. / 18. Juli 2024) Erst ein paar Tage sind vergangen, seit sich Spanien den Fussball-Europameisterschaftstitel 2024 glorios erspielt hat. Doch dieses Thema ist aus den Medien bereits verschwunden; daran, dass der Fokus bereits in Richtung der Olympischen Sommerspiele in Paris (26. Juli – 11. August) gerichtet ist, kann es nicht (alleine) liegen. Zumindest eine Nachlese aus sportlicher Sicht wäre angebracht. Doch wird alles relativiert, weil mit Spanien zweifellos die «richtige» Nationalmannschaft den Titel geholt hat. Spanien über alles, wäre man geneigt festzustellen. Das Endspiel zwischen Spanien und England war etwas vom Besten, was der Nationalmannschafts-Fussball in den letzten Jahren zu bieten hatte. Markant war, dass auf Spielerseite offensichtlich im Moment ein Generationenwechsel eingeläutet worden ist. Kein einziger Spieler überragte im Turnier alle und alles, und nicht ganz zufällig finden sich immerhin gleich sechs (!) Akteure mit gleichviel Toren an der Spitze des Torschützen-Klassements. Der 31jährige Harry Kane und der soeben 17 Jahre alt gewordene Lamine Yamal erzielten neben vier weiteren Akteuren je drei Tore an dieser Kontinental-Meisterschaft. Welch’ ein Kontrast: Der Kapitän der Engländer, im Final sogar ausgewechselt, beförderte sich in Deutschland gleich selber ins sportliche und emotionale Elend. Beim FC Bayern-München fragt man sich, ob der Gentlemen Harry Kane noch in der Lage sein wird, seinen Klub in der Saison 2024/25 zu einem Vollerfolg zu führen. Anders der unbekümmert aufspielende Spanier Lamine Yamal, wohl ein künftiger Top-Star mit bald horrendem Transferwert. Der Titel mit Spanien wird ihn beflügeln.

Dass das Turnier auch im internationalen Kontext keine markanten Konturen hinterlassen wird, ist einerseits der schnelllebigen Zeit, in der sich die Sportveranstaltungen geradezu jagen, zuzuschreiben, anderseits dürfte konkret das frühe Ausscheiden Deutschlands ein Stimmungs- und Hoffnungskiller für das ganze Turnier und ganz Europa gewesen sein. Das «Märchen» der Deutschen von 2006 wiederholte sich nicht, und nach dem Aus gegen Spanien war das Turnier für Deutschland nur noch une chose à endurer (eine Sache zum Ertragen). Als Negativum im Rahmen der Europameisterschaft müssen die durchwegs katastrophalen Schiedsrichter-Leistungen erwähnt werden. Dafür tragen die Schiedsrichter weder eine kollektive noch individuelle Schuld, auch nicht der bemitleidenswerte Anthony Taylor, der das Spiel zwischen Spanien und Deutschland arbitrierte. Durch den Einsatz der technischen Hilfsmittel (VAR, verkabelte Schiedsrichter, etc.) wurde der Spielfluss geradezu gehemmt und das Spiel letztlich zerstört. Es wurde nach jeder klaren und unklaren Spiel-Konstellation diskutiert statt akzeptiert. Das führte dann auch dazu, dass Spaniens Marc Cucurella noch im Final von den Deutschen ausgepfiffen wurde, weil Schiedsrichter Anthony Taylor ein Foul des Verteidigers nicht als Foul qualifizierte, wofür der Chelsea-Klubspieler allerdings rein gar nichts konnte. Frustrations-Bewältigung auf deutsche Art, wird das offensichtlich genannt. Sport ist eben auch Irrationalität und Hass zugleich.

In Deutschland erregte zum Abschluss des Turniers nicht die Leistung der Deutschen Fussball-Nationalmannschaft die Gemüter, sondern das «Coming-out» eines ehemaligen Deutschen Formel 1-Piloten, Ralf Schumacher. Weil Sport eben mehr als nur körperliche Ertüchtigung bedeutet, wurde das Bekenntnis des Bruders von Michael Schumacher zum medialen Gassenhauer. Ein ehemaliger Individualsportler und dazu noch der Bruder eines der besten Sportler, den die Welt erlebt hatte, eine sexuelle Ausrichtung, die mit Sport, spezifisch mit dem Automobil-Rennsport, was auch immer zu tun haben mag, das sind die Zutaten, mit dem der heutige Medien-Kuchen gebacken wird. Ein Ex-Sportler (zudem aus einer Sportart, welche den heterosexuellen Männlichkeitswahn bis vor kurzem besonders glorifizierte), bald 50, in der Mitte des Lebens stehend – aus diesem Stoff werden Historien gestrickt, welche in diese Welt der Toleranz, des allseitigen Verständnisses und der diversen Weltanschauungen passen.

Diskriminierung eines biologischen Mannes im «Lady’s First»

causasportnews / Nr. 1161/07/2024, 15. Juli 2024

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(causasportnews / red. / 15. Juli 2024) Die folgende Geschichte, die sich in Erlangen (Deutschland) zutrug, sei lediglich vorgetragen, nicht jedoch kommentiert. Sie endet mit dem einstweiligen Fazit, dass ein biologischer Mann, der sich als Frau fühlt, wegen Diskriminierung durch das «Lady’s First», ein Fitnessstudio für Frauen, entschädigt werden soll.

Die Geschichte trug sich so zu: Doris Lange betreibt im mittelfränkischen Erlangen ein Fitnessstudio («Lady’s First») für Frauen. Ein Mann, der sich als Frau begreift, wollte Mitglied in diesem Fitnessstudio werden, was Doris Lange jedoch ablehnte. Der Mann, der sich als Transfrau vorstellte, wünschte, ein Probetraining zu absolvieren. Die Inhaberin des «Lady’s First» lehnte dies mit einem Verweis auf das Hausrecht ab; ein Fitnessstudio-Vertrag kam demnach nicht zustande. Es meldete sich in der Folge die Antidiskriminierungsbeauftragte der Deutschen Bundesregierung bei Doris Lange. Vorgeschlagen wurde von ihr, dass die Fitnessstudio-Betreiberin dem Mann eine angemessene Entschädigung von 1000 Euro für die erlittene Persönlichkeitsverletzung nach dem durch das Studio verweigerten Vertragsabschluss bezahlen solle. Offenbar unstrittig ist das Faktum, dass konkret aus juristischer Sicht eine Diskriminierung des Mannes, bzw. des männlichen Geschlechts, vorliege. Doris Lange wendete vergeblich ein, sie wolle, dass ihr Studio ein sicherer Ort für Frauen bleibe, deshalb habe sie den Mann abgelehnt.

Strittig ist nun allerdings, ob die Antidiskriminierungsbeauftragte für die rechtliche Beurteilung der Diskriminierung überhaupt zuständig sei. Dies scheint eher nicht der Fall zu sein. Der Anwalt der Studio-Betreiberin ist, wohl zu Recht, der Meinung, der Fall sei von den Gerichten zu beurteilen und nicht von der Antidiskriminierungsbeauftragten. Somit wird wohl ein Gerichtsverfahren unumgänglich werden. Doris Lange musste sich für diesen Rechtsstreit, der dauern und sogar mehrere Gerichtsinstanzen beschäftigen könnte, anwaltlichen Beistand sichern. Sie lancierte zur Begleichung von Gerichts- und Anwaltskosten einen öffentlichen Spendenaufruf. Innert 24 Stunden kamen mehr als 10 000 Euro zusammen. Die Studio-Betreiberin bedankte sich für die «Welle der Solidarität» und für die eingegangenen Spendengelder. Affaire à suivre, wäre man geneigt festzuhalten.

(Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Internationale Ausgabe, 6. Juni 2024)

Ein Fussball-Turnier wie ein Verwandten-Besuch

causasportnews / Nr. 1160/07/2024, 11. Juli 2024

(causasportnews / red. / 11. Juli 2024) Was haben Fussball-Turniere, wie die noch laufende Fussball-Europameisterschaft in Deutschland, und Verwandten-Besuche gemeinsam? Es wird ätzend, wenn «es» zu lange dauert und die Erwartungen unerfüllt bleiben.

So empfindet Europa die Fussball-Europameisterschaft 2024, die seit dem 14. Juni in Deutschland ausgetragen wird und am 14. Juli mit dem Finalspiel zwischen Spanien und England ihren sportlichen Höhepunkt erreichen wird. Seit Gastgeber Deutschland von Spanien aus dem Rennen geworfen wurde, ist es vorbei mit der Gastfreundschaft Deutschlands gegenüber den teilnehmenden Teams aus Europa. Zum Glück sind es jetzt nur noch zwei. Die ursprüngliche Hoch-Stimmung, von den Medien angeheizt, ist seit dem 5. Juli abends im Eimer, das einmal mehr heraufbeschworene Fussball-Märchen in Deutschland ist zur Gruselgeschichte verkommen. Deutschland mag gar nicht mehr hinsehen und hat sich nach der Niederlage gegen Spanien umgehend vom Turnier abgewendet. Man sehnt sich nur noch das Ende des Wettbewerbs mit fremden Teams im Land herbei. Allgemein herrschte die Überzeugung vor, dass in diesem Turnier (wieder einmal) die Unbesiegbarkeit des deutschen Fussballs beweisen werden sollte. In kürzester Zeit hat Deutschland jedoch das geschafft, was als überwunden galt: Ein toller Gastgeber zu sein, der die Welt mit offenen Armen empfängt, sich jedoch nun als schlechter Verlierer entpuppt. Statt sich mit dem vorzeitigen Turnierende abzufinden, ist ein von Schiedsrichter Anthony Taylor nicht gepfiffenes Handspiel des Spaniers Marc Cucurella zum umfassenden Ärgernis geworden; wie wenn ein gepfiffener Elfmeter schon eine Tor-Garantie wäre…

Deutschland ärgert sich über alle und alles, nur nicht über sich selbst. Die Medien gehen pfleglich mit der National-Mannschaft um, derweil Bundestrainer Julian Nagelsmann die Schuld am Turnier-Ausscheiden überall sucht, nur nicht bei sich; klar, der Mann hat nicht gespielt und ist so wenig «Schuld» am Ausscheiden Deutschlands wie Marc Cucurella, der wenig dafür kann, dass der Schiedsrichter nicht auf Penalty erkannt hat. Es fehlt die Erkenntnis, dass diese Mannschaft den Peak einfach überschritten hat und die eingesetzten Fussball-Oldies mit den Besten nicht mehr mithalten können. Es war geradezu unerträglich mitanzusehen, wie sich einzelne Spieler selbst demontierten, etwa der Säulenheilige Toni Kroos, der sich im Spiel gegen Spanien nur noch mit Brutalo-Fouls zu helfen wusste; nota bene ohne vom Platz gestellt worden zu sein. Auch nach Tagen seit dem fussballerischen Super-GAU ist die Frustbewältigung und sind die Schuldzuweisungen für das Turnier-Ende immer noch im vollen Gange. Der Handspiel-Verursacher, der Chelsea-Verteidiger Marc Cucurella, der ein regelrechtes Abbild von Jesus Christus ist, konnte im Halbfinalspiel gegen Frankreich keinen Ball berühren, ohne nicht heftig von den Deutschen ausgepfiffen zu werden! Also ans Kreuz mit ihm! Aber, was hat er denn getan? Ans Kreuz mit ihm! Dafür, dass eben der Schiedsrichter keinen Hand-Elfmeter gepfiffen hatte, kann Marc Cucurella wahrlich nichts. Es war wohl auch kein Hand-Elfmeter. Jedenfalls hat der Schiedsrichter aufgrund seiner Wahrnehmung so entschieden und einen sog. «Tatsachenentscheid» gefällt. Solche Entscheide sind unumstösslich und schon gar nicht justiziabel, ob falsch oder nicht falsch (im Gegensatz etwa zu regeltechnischen Fehlern). So sind die nun abflauenden Forderungen nach einem Wiederholungsspiel, von unqualifizierten Medien-Schaffenden geschürt, lediglich mühsamer Populismus.

Womit wir wieder bei den Verwandten angelangt wären. Am 14. Juli werden alle National-Mannschaften wieder aus Deutschland abgereist sein. Dann dürften die zwischen Spanien und Deutschland hin- und hergeschossenen Giftpfeile wohl Geschichte sein, vor allem dann, wenn sich Spanien die Fussball-Krone aufsetzen sollte. Das Ende des Turniers ist für die geschundene deutsche Fussball-Seele Balsam. Und wie sagte es Julian Nagelsmann: Jetzt wird die Fussball-WM-Endrunde 2026 ins Visier genommen. Nicht Deutschland muss dann die «Freunde» aus aller Welt willkommen heissen, sondern die USA, Kanada und Mexiko sind Gastgeber. Als Gast lebt es sich an einem Fussball-Turnier zweifellos leichter denn als Gastgeber, vor allem dann, wenn der Erfolgsdruck ins Unermessliche steigt…

Schumacher-Erpresser versuchten private Fotos zu Geld zu machen

causasportnews / Nr. 1159/07/2024, 8. Juli 2024

(causasportnews / red. / 8. Juli 2024) Die neuste, geradezu ungeniessbare Erpresser-Geschichte um den seit über zehn Jahren der Öffentlichkeit entrückten Ex-Rekord-Weltmeister in der Formel 1, Michael Schumacher (vgl. auch causasportnews vom 29. Juni 2024), fördert immer mehr Details zu Tage. So geht es nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft um private Fotos, an deren Nichtveröffentlichung die Familie Schumacher, die den verunglückten, heute 55jährigen Ex-Star konsequent von der Öffentlichkeit abschirmt, ein Interesse haben könne. Die beiden in Deutschland verhafteten Täter sollen der Familie des Ende 2013 verunglückten und schwer verletzten ehemaligen Top-Sportlers zum Beweis, dass solche Aufnahmen existieren und im Besitze der Täter seien, Fotos zugeschickt haben; Michael Schumacher hat damals offenbar ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Die Erpressung ist gescheitert, die Täter konnten vor der Deliktsvollendung verhaftet werden und sitzen derzeit in Untersuchungs-Haft. Soeben ist zudem ein Hintermann in der Affäre festgenommen worden, der als Mitarbeiter der Familie Schumacher mit der Beschaffung der Fotos in Verbindung gebracht wird. Da die Familie Schumacher im Kanton Waadt in der Schweiz wohnt (und sich der verunglückte Ex-Champion dort wohl im Kreise seiner nächsten Verwandten aufhalten dürfte), ist auch die Schweiz von Ermittlungen betroffen.

Somit gilt es als erstellt, dass der Erpressungsversuch mit Privatfotos vorgenommen worden ist; ebenso, dass in der Erpressungssache selbst keine Weiterungen mehr zu befürchten sind. Unklar ist jedoch, was auf den Fotos, mit denen die Erpressung vorgenommen wurden, zu sehen ist und was mit ihnen geschieht. Zeitungen in Deutschland meldeten, die Bildaufnahmen würden die Formel 1-Legende nach dem schweren Skiunfall in Méribel in den französischen Alpen am 29. Dezember 2013 zeigen. Das heisst, dass die Welt offenbar ein reales Interesse daran hat, den wohl traurigen Zustand von Michael Schumacher bildlich nachvollziehen, bzw. miterleben zu können. Letztlich ist dies nichts als unappetitlicher Voyeurismus, also ein Kernthema gewisser Medien, vor allem der Boulevard- und Regebogenpresse. Die Sensationslüsternheit zumindest eines Teils der Menschheit bewirkt, dass der Unfall-Vorgang von Méribel und die Folgen des tragischen Ereignisses Menschen dazu verleiten oder animieren, das Elend anderer zu Geld zu machen – indirekt und mit gütiger Mithilfe eines Teils der Medien.

Fussball-Europameisterschaft – völlig losgelöst von der Erde bis zum realen Empfinden

causasportnews / Nr. 1158/07/2024, 7. Juli 2024

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(causasportnews / red. / 7. Juli 2024) Seit dem Wochenende steht es fest: Der Fussball-Europameister wird, in alphabetischer Reihenfolge aufgezählt, heissen: England, Frankreich, Niederlande oder Spanien. Es fehlt in der Aufzählung: Deutschland!

Eine Fussball-Europameisterschaft ist, wenn sie dann ausgetragen wird, nicht nur ein Märchen oder das Abbild einer Parallelwelt (völlig losgelöst von der Erde gemäss aktueller Turnier-Hymne), in die sich die reale Welt hineinsteigert, sondern eine durchaus menschliche Angelegenheit. Seit dem letzten Freitag erlebt das in aller Konsequenz Deutschland. Da war alles auf EM-Titel programmiert – und nun das! Die Neuauflage eines Märchens, von 2006 (WM), sollte es werden. Alles «über den Wolken» angesiedelt («Der Spiegel», 22. Juni). Für den von Deutschland eingeplanten EM-Titel wurde der «Fussballkanzler», Turnierdirektor Philipp Lahm, für zuständig erklärt («Der Spiegel», 15. Juni 2024). «Ho-ja, ho-ja», ho» («Der Spiegel», 29. Juni 2024), 50 Jahre nach dem letzten Titel im eigenen Land (Fussballweltmeister 1974) war der Kontinental-Titel 2024 ein «Must», schliesslich sehnte sich das Land nach einem Erfolgserlebnis auf einer Ebene, die das Leben leicht macht: Im Fussball. Etwas mehr als eine Woche vor dem Finalspiel in der deutschen Kapitale erlebte Deutschland jedoch eine Trilogie des Schreckens, von völlig losgelöst bis total aufgelöst. Eine Deutsche Bundesregierung im Koma, die Deutsche Bundesbahn im Jahrhundert-Dilemma und nun noch die Deutsche Nationalmannschaft im Selbstzerstörungs-Modus. Etwas anderes als der EM-Titel kam in Deutschland gar nicht in Frage. Was nicht sein darf, wird nicht sein; und es kam dennoch anders. Auch nach dem KO in der KO-Phase des Turniers gegen Spanien am 5. Juli abends tat sich Eigenartiges im Land der Dichter, Denker und Deutschen Bundestrainer, immerhin über 80 Millionen an der Zahl. Der «Spiegel», sonst bemüht zu sagen was ist (gemäss Leitspruch von «Spiegel»-Gründer Rudolf Augstein), bastelte weit im Vorfeld des Turniers am Mythos der Unbesiegbarkeit der Deutschen Nationalmannschaft im Rahmen der Europa-Meisterschaft mit. Als die Druckerschwärze von Heft 28 am 6. Juli 2024 noch trocknete, war das Drama um das Nationalteam am Vorabend bereits Tatsache. «Der Spielmacher» titelten die Hamburger Magazin-Macher über den Bundestrainer und Fussball-Säulenheiligen Julian Nagelsmann, «jung sei er, lässig und eloquent», auch ein Meister der Inszenierung, aber vor allem der Europameister-Macher Deutschlands. Zu diesem Zeitpunkt, als der neue «Spiegel», Nr. 28, ausgeliefert wurde, konnte der zur Fussball-Ikone emporstilisierte Jung-Trainer wenigstens eine Qualifikation abwenden: Erfolglos! Aufgezeichnet wird im aktuellen Heft die Geschichte bis zum Gewinn des Europameisterschafts-Titels im eigenen Land in fünf Akten, zuzüglich des vorangestellten Prologs; der letzte, krönende Akt sollte am 14. Juli in Berlin, im Finalspiel, über den Rasen gehen. Nun ist der Vorhang zehn Tage zuvor mit dem Ausscheiden Deutschlands am Heim-Turnier gefallen. Nicht unerwartet fallen die Deutsche Öffentlichkeit und die Medienmeute nun weder über die gescheiterte Mannschaft noch über Julian Nagelsmann her. Schuld war schliesslich nur der Schiedsrichter, der den Deutschen gegen Spanien einen Elfmeter verweigerte (als ob jeder gepfiffene Penalty auch mit einem erzielten Tor gleichzusetzen wäre…). In der Tat waren die Schiedsrichterleistungen an diesem Turnier schwach bis katastrophal. Die aufgezwungenen technischen und digitalen Hilfsmittel verunmöglichen dem bedauernswerten Unparteiischen jedoch, sich auf das Spiel zu konzentrieren. Es wird vor allem bei jedem Foul, vermeintlichem Abseits und nach jedem Aufreger im Spiel diskutiert statt entschieden. Der digitale Wahnsinn, inklusive Video Assistant Referee, hat die Zerstörung des Fussballs eingeläutet. Apropos Julian Nagelsmann: Er weiss um die Wichtigkeit des Prinzips «Hoffnung», auch im Fussball. Nachdem seine in den Interviews vergossenen Tränen bald getrocknet waren, stimmt er die Deutsche Nation nun auf den WM-Titel 2026 ein. Was sollte er sonst tun? Der Mann, erst 37 Jahre alt, muss schliesslich noch ein paar Jahre arbeiten, und dem Trainer-Fachkräftemangel im Fussball auf Klubebene kann er nach dem «Abenteuer FC Bayern München» auch nichts mehr Wirksames entgegensetzen.

Nachdem Turnierdirektor Phillipp Lahm (gemäss «Spiegel» der «Fussballkanzler») die Veranstaltung im eigenen Land nun ohne die Heim-Mannschaft zu Ende bringen muss, bricht auch den Real-Politikern eine wichtige Profilierungs-Plattform weg. Bis jetzt waren in Deutschland diesbezüglich insbesondere der wirkliche Bundeskanzler, Olaf Scholz, und die Aussenministerin, Annalena Baerbock, aktiv. Bundeskanzler Scholz mit seinem Dackelblick, der wohl kaum einen Fussball von einer Wassermelone (innen rot, aussen grün) zu unterscheiden im Stande ist, schwimmt opportunistisch auf jeder Welle mit, die tapsige Politikerin opfert sogar ihre grüne Gesinnung, wenn sie etwa mit dem Mittel des Sports Wahlkampf betreiben kann. In dieser Hinsicht, wenn es um die Nutzung von Sport-Plattformen durch Politiker geht, ist der Sport mitunter auch gerecht. Nachdem der Türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seiner Mannschaft gegen die Niederlande im Stadion den Rücken stärken und so die «Wolfsgruss» Geschichte und seine Auswirkungen legitimieren wollte, regelten die Holländer das Problem auf sportliche Weise, sorgten für Remedur und warfen die Türken aus dem Turnier. Statt dass die UEFA-Funktionäre aus Nyon den «Wolfs-Grüsser» Merih Demiral in seinem Tun einfach ignoriert hätten, sorgten sie mit einer unsinnigen Formal-Sperre für zwei Spiele für eine regelrechte Affäre und provozierten letztlich den Präsidenten-Auftritt der Türkei in Deutschland. Es ist nicht auszumalen, wenn die Türken nun das Halbfinale bestreiten könnten…

Noch eine Woche bis zum Final-Spiel der Europa-Meisterschaft 2024 in Berlin. Die Deutschen werden froh sein, wenn dieser Spuck nun bald vorbei sein wird. In der realen Fussball-Welt ist die Nation seit dem 5. Juli abends wieder angekommen.

Dominic Lobalu in Paris im «Flüchtlingsteam»

causasportnews / Nr. 1157/07/2024, 3. Juli 2024

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(causasportnews / red. / 3. Juli 2024) Am Ende dieses Monats werden in Paris die Olympischen Sommerspiele (vorgesehen vom 26. Juli – 11. August 2024) beginnen. Mit dabei sein wird der Weltklasse-Leichtathlet Dominic Lobalu, ein 26jähriger Flüchtling aus dem Südsudan, der sich seit einigen Jahren in der Schweiz aufhält und dem LC Brühl angehört. Seit der Super-Athlet kürzlich in Rom (für die Schweiz) den Europameistertitel im 10 000 Meter-Rennen gewonnen hat, gehört das Ausnahmetalent zu den ernsten Olympia-Medaillenanwärtern. Doch Olympische Spiele sind etwas anderes als Leichtathletik-Europameisterschaften. In den Kontinental-Wettkämpfen konnte Dominic Lobalu für die Schweiz starten. Mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele präsentiert sich die Ausgangslage grundlegend anders. Um in Paris für die Schweiz auf Medaillenjagd gehen zu können, ist die Schweizerische Nationalität des oder der Startenden eine Teilnahmebedingung (betreffend Dominic Lobalu vgl. auch causasportnews vom 23. Juni 2024). Als Flüchtling verfügt Dominic Lobalu über keinen Schweizer Pass. Also ist es ihm, weil die Athletinnen und Athleten von den Nationalen Olympischen Komitees nominiert werden, verwehrt, für die Schweiz zu starten. Nach dem Europameisterschafts-Gold durch den Südsudanesen mit Aufenthaltsort in der Schweiz in Rom kämpften die Funktionäre in der Schweiz vor allem beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK) darum, dass die Medaillenhoffnung für das Land Schweiz würde an den Start gehen können. Das IOK verweigerte jedoch die Startberechtigung von Dominic Lobalu für dieses Land, was zwar korrekt ist, jedoch für die Schweizerischem Sport-Offiziellen schwer verständlich zu sein scheint (das IOK findet sonst immer eine Umgehungslösung, auch konkret etwa für Athletinnen und Athleten der kriegsführenden Nation Russland; da nützte auch die Aussage der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo nichts, welche mehrmals bekräftigte, dass sie in Paris keine Russinnen und Russen am Start sehen wolle; was natürlich nicht der Fall sein wird. Für die Flüchtlings-Fälle kennt das IOK die Institution des «Flüchtlingsteams» (Olympic Refugee Team), was bei den gewaltigen Flüchtlingsströmen auf der ganzen Welt wohl nicht ganz ohne ist. Die Olympioniken aus Lausanne haben Dominic Lobalu offeriert, in Paris in diesem «Flüchtlingsteam» an Olympia teilzunehmen. Nach längerer Bedenkzeit willigte der Top-Athlet nun ein und wird als Angehöriger des Olympia-«Flüchtlingsteams» an den Start gehen. Der geflüchtete Südsudanese hat zwischenzeitlich eingesehen, dass er offiziell für die Schweiz nicht würde starten können. Besser also in diesem Team als gar nicht, wird sich der begnadete Läufer letztlich gesagt haben. Mit ein bisschen «Swissness» und aus Dankbarkeit gegenüber der Schweiz und gegenüber den Menschen in der Schweiz, die ihn unterstützen, wird Dominic Lobalu dennoch an der Seine starten: «In Paris werde ich mit der Schweiz im Herzen laufen», sagt er.

Schachweltmeister Magnus Carlsens 64 Felder-Trauma

causasportnews / Nr. 1156/06/2024, 30. Juni 2024

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(causasportnews / red. / 30. Juni 2024) Darüber, dass Schach (k)ein Sport sei, wird schon lange nicht mehr ernsthaft diskutiert. Dass die Schachwelt zudem ein spezielles Universum abgibt, ist auch kein Gesprächs-Thema mehr. Spitzen-Schachspieler(innen) bewegen sich in einer besonderen Welt; die Akteure sind im Bereich von Genialität und Wahnsinn einzuordnen. Seit Jahren beherrscht und prägt der 33jährige Magnus Carlsen den Welt-Schachsport. Von 2013 bis 2023 war er Weltmeister (auf ihn folgte der Chinese Ding Liren), aktuell wird er als Weltmeister im Schnell- und Blitzschach geführt. Der Mann mit einem Intelligenzquotienten (IQ) von 190 (Albert Einstein und Stephen Hawking wird ein IQ von 160 nachgesagt) gilt im Schach als «homme à battre» (der Mann, den es zu schlagen gilt).

Am 4. September 2022 fand Magnus Carlsen im US-amerikanischen Grossmeister Hans Moke Niemann einen Bezwinger. Völlig überraschend schlug der soeben 21 Jahre alt gewordene, gebürtige Däne den Maestro dieser Disziplin, eben Magnus Carlsen. Im Saint Louis Chess Club spielte der etwas ungehobelte Aussenseiter Hans Niemann die brillanteste Partie seiner noch jungen Schach-Karriere und demontierte den zwölf Jahre älteren Weltmeister sensationell und spektakulär. Der Amerikaner kostete seine geistige Überlegenheit, die er an jenem Sonntag im Saint Louis Chess Club an den Tat legte, aus; wohl etwas provokativ zu stark. Die Öffentlichkeit war erstaunt und bewunderte das noch sehr junge Schach-Genie, Magnus Carlsen erholte sich in der Folge nicht mehr von diesem Schock und sprach bald einmal, an die Adresse von Hans Niemann gerichtet, von Unregelmässigkeiten. Was nicht sein kann, durfte nicht sein. Bald machten Manipulations- und Betrugsgerüchte die Runde. Es entstand der Eindruck, Magnus Carlsen sei ein schlechter Verlierer. Das Nachspiel der Partie vom 4. September 2022 verlagerte sich in die Gerichtssäle. Ein Betrug konnte Hans Niemann aufgrund der Verdächtigungen von Magnus Carlsen niemand beweisbar vorwerfen, weshalb die juristische Auseinandersetzung bald ein Ende fand. Signifikant war in dieser Hinsicht, dass der im Herbst 2022 unbeschwert aufspielende Hans Niemann an der auch pekuniär bedeutenden «Institution Magnus Carlsen» kratzte und damit auch das ganze Schach-Establishment gegen sich aufbrachte. Der Maestro wird nun, nachdem sich die Betrugsvorwürfe gegen den 21jährigen Newcomer, die sich übrigens nicht nur auf diese einzelne Partie bezogen, nicht erhärten liessen, auch wieder gegen Hans Niemann antreten; das 64 Felder-Trauma wird er zweifelsfrei nicht so schnell loswerden. Die ungestüme Schach-Jugend, verkörpert durch Hans Niemann, und das etablierte, universelle Schach-Milieu von Magnus Carlsen haben die Auswirkungen der krachenden Niederlage von Magnus Carlsen 4. September 2022 wohl auf diese Weise am sinnvollsten für beendet erklärt. Was wäre wohl, wenn Hans Niemann Magnus Carlsen (nochmals) besiegen würde?

Pietätlose Geldgier im «Fall Michael Schumacher»

causasportnews / Nr. 1155/06/2024, 29. Juni 2024

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(causasportnews / red. / 29. Juni 2024) Seit Dezember 2013 vegetiert der ehemalige, mehrfache Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher regelrecht vor sich hin. Das wird angenommen, weil der bald 56jährige Champion seit dem Unfall in den Französischen Alpen der Öffentlichkeit entzogen, bzw. entrückt ist. Über 300 nicht ungefährliche Formel 1-Rennen hat der Kerpener schadlos überstanden; eine an sich unproblematische Skifahrt ist dem Ex-Sportler zum brutalen Verhängnis geworden. Der Zustand des ehemaligen Rennfahrers soll gravierend-tragisch sein, irreversible Hirnverletzungen sind offenbar die Ursache dafür, dass der Deutsche nicht mehr öffentlichkeits-tauglich ist. Die Familie hat diese Entscheidung, Michael nicht der Schau- und Sensationslust der Massen auszusetzen, gefällt und versucht so, die Persönlichkeitsrechte (Intimsphäre) des siebenfachen Rekord-Weltmeisters zu schützen, insbesondere auch gegenüber den Medien; diese haben ab und zu auch Mühe, den Wunsch der Familie des Verunfallten zu respektieren. Niemand soll Michael Schumacher zu Nahe kommen, und niemand soll sich, im übertragenen Sinne, ein Bild vom wohl darniederliegenden, hilflosen ehemaligen Top-Sportler machen dürfen. Weitgehend hat die Öffentlichkeit den Wunsch der Familie Schumacher seit dem Unfall vor über zehn Jahren respektiert, jedoch gibt es immer wieder Menschen, welche aus dem tragischen Zustand von Michael Schumacher in krimineller Art und Weise Kapital schlagen wollen. Diese pietätlose Geldgier manifestiert sich derzeit in einem Erpressungsfall, der vor allem in Deutschland hohe Wellen wirft. Geht es um Geld, schrecken Menschen offenbar auch nicht davor zurück, schamlos vom Unglück anderer zu profitieren.

Ein 53jähriger Mann aus Wuppertal soll zusammen mit seinem Sohn der Familie von Michael Schumacher die Veröffentlichung von unangebrachten Dateien, u.a. im Darknet, angedroht haben, falls nicht eine Zahlung in Millionenhöhe geleistet würde. Die Täter wurden allerdings flugs im Bundesland Hessen verhaftet. Vater und Sohn, die nun aktuell straffällig geworden sind, sollen in einer anderen Sache unter Bewährung stehen. Sie stammen also aus dem Kriminellen-Milieu. Die fehlgeschlagene Erpressung erinnert an einen Vorgang, der sich 2017 ereignet hatte. Damals versuchte ein heute 32jähriger Mann, die Ehefrau von Michael Schumacher zu erpressen. Er erhielt vom Amtsgericht Reutlingen in Baden-Württemberg eine Bewährungsstrafe.

Geht es um Geld und Raffgier brechen bei der Spezies Mensch offenbar alle moralischen Dämme und ebnen den Weg für die pietätlosesten Vorgehensweisen.

(Quellen: u.a. Agenturen).

«Corona»-Hilfsgelder und auch sonst: Wie gewonnen, so zerronnen…

causasportnews / Nr. 1154/06/2024, 26. Juni 2024

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(causasportnews / red. / 26. Juni 2024) Die «Corona»-Pandemie hat teils das öffentliche Leben lahmgelegt; vor allem die Wirtschaft. Und weil auch der organisierte Sport pekuniäre Komponenten aufweist, wurde auch er vom sog. «Lockdown» und seinen Folgen getroffen.

Bei Impakten jeglicher Art wird heute nach Staatshilfe gerufen. So war es auch bei «Corona». In der Schweiz eilte der Staat der Wirtschaft zu Hilfe, bevor überhaupt klar war, welche Schäden diese Pandemie verursachen könnte. Teils etablierte Betriebe gingen innert weniger Tage pleite. Bereits wenige Wochen, nachdem das öffentliche Leben mehr oder weniger zum Stillstand gekommen war, gab sich der Staat generös und zeigte vor allem durch grosse Hilfsbereitschaft Flagge (Merke allerdings: Wenn Politiker Geld verteilen, wollen sie sich vor allem die nächste Wahl sichern). Den effektiv und vermeintlich in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Unternehmen wurden teils die Hilfsgelder in Form von Krediten und Darlehen regelrecht nachgeworfen. Der Schweizerische Finanzminister brüstete sich öffentlich damit, dass «Corona»-Kredite innerhalb weniger als einer Stunde nach Antragsstellung unbürokratisch und ohne die üblichen Sicherheiten bei Kreditvergaben über Banken ausbezahlt würden. Dabei wurde vergessen oder ignoriert, dass die Entrichtungen der Hilfsgelder letztlich keine Schenkungen oder «à fonds perdu»-Beträge sein würden. Weil die meisten Zahlungen ohne Sicherheiten geleistet wurden, harzt es nun erwartungsgemäss bei den Rückzahlungen. Etliche Milliarden Franken sind bis jetzt abgeschrieben worden, in vielen Fällen wird jedoch versucht, die gesprochenen und in der «Corona»-Zeit ausbezahlten Gelder durch den Staat wieder einbringlich zu machen. Davon ist auch der organisierte Sport betroffen. Zahlreiche Vereine, Klubs, Organisationen und Verbände sind während «Corona» mit pekuniären Mitteln bedacht worden. Wie allgemein in der Wirtschaft sind allerdings auch im Sport derartige Gelder zweckentfremdet worden. In einer dürren Zeitungsmeldung ist kommuniziert worden, dass sich der Sport-Dachverband «Swiss Olympic» (Vertretung des Sports) und das Bundesamt für Sport auf eine Rückzahlung von 4,5 Millionen Franken, die vor allem von Fussballklubs nicht mehr zurückerstattet werden konnten, geeinigt hätten. 4,9 Millionen Franken sollen vom organisierten Sport, insbesondere von der Fussball Professional-Abteilung (Swiss Football League) zweckentfremdet verwendet worden sein. Weil keine betrügerischen Machenschaften festgestellt wurden, einigten sich «Swiss Olympic» in Vertretung der damals bedachten Vereine und Verbände und das Bundesamt für Sport vergleichsweise auf einen leicht reduzierten Forderungs- bzw. Rückzahlungsbetrag. Wie heisst es doch so schön: «Wie gewonnen, so zerronnen) …

Zerronnen sind auch die dem Wirtschafts-Hasardeur René Benko vom Unternehmer Klaus-Michael Kühne, unter anderem Sponsor des Hamburger SV, der kaum mehr aus seinem sportlichen Tief findet, überlassenen Invest-Beträge. Ein paar wenige hundert Millionen (Währung unbekannt) soll der in der Schweiz wohnhafte reichste Deutsche dem Österreichischen Wunderkind in den Rachen geworfen haben; er wird dieses Geld aber nie mehr sehen. Der Verlust von ein paar hundert Millionen schmerzt den 87jährigen Hamburger bei einem geschätzten Vermögen von gegen 40 Milliarden Franken nicht gross. Gravierender ist der Ansehensverlust, nämlich, dass der versierte Geschäftsmann aus Hamburg dem Wirtschaftsakrobaten René Benko auf den Leim gekrochen ist und sich hat übertölpeln lassen. So leistet der Geprellte nun öffentlich Abbitte, eine besondere Form der Beichte («Ich habe mich von Herrn Benko einlullen lassen», Sonntags-Zeitung Zürich vom 23. Juni 2024), gestand der Unternehmer. Was bedeutet: Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein (nach Johannes).

Ironie auch dieser Geschichte: Wenn das gewonnene Geld zerrinnt, schmerzt es einmal mehr («Corona»-Konstellation), manchmal weniger («Fall Klaus-Michael Kühne /René Benko»).

Wie sich die Schweiz einen Olympiasieger machen möchte

causasportnews / Nr. 1153/06/2024, 23. Juni 2024

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causasportnews / red. / 23. Juni 2024) Die Fussball-Europameisterschaft in Deutschland hat die (Sport-)Welt, zumindest auf dem Kontinent, voll im Griff. Dennoch wird der Fokus nach vorne gerichtet und bereits der nächste Grossanlass, der in diesem Jahr stattfindet wird, ins Auge gefasst: Die Olympischen Sommerspiele, die vom 26. Juli bis am 11. August 2024 in Paris durchgeführt werden. Wer wird in welchen Sportarten Olympiasiegerin oder Olympiasieger werden? – Das ist die zentrale Frage. Aber auch: Wie könnte man sich z.B. einen Olympiasieger machen, wenn es Mensch und Material sonst nicht zulassen? Die Thematik beschäftigt und bewegt derzeit die Schweiz.
Da hält sich seit ungefähr fünf Jahren Dominic Lobalu, ein bald 26jähriger Flüchtling aus dem Südsudan, in der Schweiz auf und erbringt sportliche Leistungen, die Appetit auf mehr wecken. Der Ausnahmeathlet hat an den kürzlich zu Ende gegangenen Leichtathletik-Europameisterschaften in Rom überlegen die Goldmedaille im 10 000 Meter-Lauf gewonnen. Zuvor lief er sich im 5000 Meter-Rennen warm und holte Bronze. Alles für die Schweiz natürlich. Einen Monat vor den Wettkämpfen in Rom erhielt Dominic Lobalu die Startberechtigung und die Erlaubnis, um in Rom für die Schweiz starten zu können. Der Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) erachtete es als unproblematisch, dem Leichtathleten die Starterlaubnis für die Schweiz mit Blick auf die Europameisterschaften zu erteilen, was auch sportrechtlich nicht zu beanstanden war. Die Schweiz bekam nach den Erfolgen des Athleten in Rom Lust auf mehr und wurde beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK) vorstellig, um dem in der Schweiz gut integrierten Südsudanesen nun auch einen Start für die Schweiz an den Olympischen Spielen zu ermöglichen. Für ein kleines Land, das nicht als Leichtathletik-Hochburg bekannt ist, wachsen potentielle Olympiasiegerinnen und -sieger nicht gerade an den Bäumen; die Medaillen-Aussichten von Athletinnen und Athleten in dieser Sportart sind aus Optik der Schweiz eher bescheiden. Da kam Dominic Lobalu gerade recht, um für Paris Schweizer Medaillen-Hoffnungen in der Leichtathletik zu schüren. Es wurde ein Gesuch an das Internationale Olympische Komitee (IOK) in Lausanne gerichtet, um den Flüchtling aus dem Südsudan für die Schweiz starten zu lassen. Doch das IOK wies das Ansinnen zurück und untersagte den Start des Athleten in Paris als Staaten-Vertreter der Schweiz mit der Begründung, die Teilnahme eines Athleten an den Spielen sei an den Nationalitäts-Status geknüpft (die Nomination der Sportlerinnen und Sportler für Olympia erfolgt durch die Nationalen Olympischen Komitees und nicht durch die Internationalen Fachverbände), was bedeute, dass der aus Südsudan geflüchtete Top-Sportler die Schweizerische Staatsbürgerschaft schlicht und ergreifend nicht besitze, es also an einem nationales Anknüpfungskriterium fehlt. Dominic Lobalu könne zwar gemäss nationaler Rechtsordnung dereinst den Schweizer Pass erwerben, doch im Moment unterstehe er dem Flüchtlings-Status. Der Versuch der Schweiz, sich mit einem Sondergesuch vielleicht eine Leichtathletik-Goldmedaille an den Sommerspielen an der Seine zu sichern, scheiterte veritabel. Das Wehklagen vor allem der Schweizer Medien an die Adresse des IOK, man wolle mit diesem Entscheid die Schweiz abstrafen, ihr einen Denkzettel verpassen, usw., ist natürlich blanker Unsinn, auch wenn das Verhältnis zwischen der Schweiz und dem IOK auch schon besser war. Die Funktionäre am Lac Leman konnten letztlich gar nicht anders entscheiden. Dominic Lobalu wird in der Stadt der Liebe dennoch an den Spielen antreten können, in einem «Refugee Team», was für die Schweiz allerdings keine Olympischen Lorbeer-Siegeskränze bringt. Ein Olympiasieger Dominic Lobalu würde also nicht als Repräsentant der Schweiz in den Olympia-Himmel eintreten, sondern als natürliche Person Dominic Lobalu. Knapp eine Woche nach Beendigung der Sommerspiele in Paris wird der hoch-talentierte Athlet am 16. August seinen 26. Geburtstag feiern. Der Schweiz wird er kein entsprechendes Geburtstagsgeschenk z.B. in Form einer Olympia-Medaille präsentieren können.