Archiv der Kategorie: Allgemein

Ding Liren patzert und ebnet Dommaraju Gukesh den Weg in die Schach-Unsterblichkeit

causasportnews / 1210/12/2024, 13. Dezember 2024

Photo by Pixabay on Pexels.com

(causasportnews / red. / 13. Dezember 2024) Die letzte Schach-Partie der Weltmeisterschaft in Singapur hatte es in sich: Der amtierende Weltmeister, der Chinese Ding Liren, und sein indischer Herausforderer, der erst 18jährige Dommaraju Gukesh, gingen mit Punktegleichstand (6,5 : 6,5) in die finale und alles entscheidende, 14. Partie. Der 32jährige Chinese zeigte Nerven, patzerte und ebnete seinem indischen Antipoden den Weg in die Schach-Unsterblichkeit. Der am 29. Mai 2006 geborene Dommaraju Gukesh ist der jüngste Schach-Weltmeister aller Zeiten und gewann das Championat, das in Singapur ausgetragen wurde (vgl. auch causasportnews vom 5. Dezember 2024) gekonnt und glücklich. Seine 1,5 Milliarden Landsleute versetzte er mit seiner ausserordentlichen Denksport-Leistung in einen Ausnahmezustand, derweil China mit knapp weniger Bewohnerinnen und Bewohner als Indien nach dem Untergang des geschockten Ding Liren in kollektive Trauer taumelte. Fast müssig zu sagen, dass sich Indiens Staatspräsident, der Regierungschef sowie Würdeträger aus den verschieden staatlichen und gesellschaftlichen Bereichen umgehend nach Beendigung des WM-Turniers beim neuen Weltmeister meldeten, der von den Medien nun in der ganzen Welt als «Wunder-Inder» gefeiert wird. Dommaraju Gukesh wird mit seinem Erfolg das Schach-Spiel in Indien noch populärer als zuvor machen. Die ersten Schuljahre genügten dem jungen Champion bereits; dann konnte ihm die Lehr- und Lernanstalt nicht mehr viel bieten, hingegen schon die «Schach-AG», die er besuchte. Bereits mit 13 Jahren wurde Dommaraju Gukesh Schach-Grossmeister, nun, nur fünf Jahre später, ist er der jüngste Schach-Weltmeister aller Zeiten. Der legendäre Amerikaner Bobby Fischer musste 29 Jahre alt werden, um 1972 gegen den Russen Boris Spasski nach einer der intensivsten Denk-Schlachten im Banne der 64 Felder am Schach-Tisch, die je im Schach geschlagen wurden, den WM-Titel zu holen. Das Schachspiel, bzw. der Schach-Sport wird nach dieser WM in Indien und in China weiter boomen. Was allgemein nicht als schlechte Entwicklung zu qualifizieren ist…

Bringt der Weihnachtsmann der FIS 400 Vermarktungs-Millionen in Euro?

causasportnews / 1209/12/2024, 9. Dezember 2024

Photo by Pixabay on Pexels.com

(causasportnews / red. / 9. Dezember 2024) Seit einigen Tagen brennt Feuer im Dach des Hauptquartiers des Internationalen Skiverbandes (FIS) im beschaulichen Oberhofen am Thunersee. Der Grund ist, wen wundert’s: Geld! Die sog. «Ski-Familie» tut sich schwer damit, umgehend ein Angebot des Luxemburgers Finanzunternehmens CVC Capital Partners (kurz CVC), das 400 Millionen Euro in die Vermarktung der FIS einspeisen will, talis qualis anzunehmen. Nach Angaben des Unternehmens werden im Rahmen von CVC 186 Milliarden Euro verwaltet. Im Verhältnis sind 400 Millionen Euro, die man in den Skisport investieren will, ein Klacks. Das sieht der umstrittene FIS-Präsident Johan Eliasch differenziert. Seit ruchbar wurde, dass der schwedisch-britische Geschäftsmann in der Milliardenliga dem CVC-Angebot kritisch gegenübersteht (der Fluch des René Benko ist omnipräsent), ist die Ski-Welt in Bewegung. Eine absolute «Null-Nummer» kann Johan Eliasch also nicht sein, und er dürfte einige Gründe haben, den CVC-Protagonisten nicht nur den roten Teppich auszurollen. Ein Angebot ist oder war da, nur weiss offenbar niemand, welches die markantesten Vertrags-Punkte, die Juristen reden von «essentialia negotii» (notwendiger Inhalt eines Vertrages), sind. Das stört die Skifahrerinnen und Skifahrer allerdings nicht gross. Ihnen ist die Vermehrung der Aktiven wichtiger als die Verminderung der Passiven. Sie wollen also einfach mehr Geld, was selbstverständlich nicht a priori verwerflich ist. Die FIS, so präsentiert sich derzeit die Vermarktungs-Ausgangslage, ist bestrebt, im Bereich der Zentralvermarktung des Verbandes einige Pflöcke einzuschlagen. Derzeit ist offenbar der Zuger Vermarkter «Infront» daran, das Ei des Columbus in der Ski-Vermarktung zu legen, im Auftrag der FIS. «Infront» ist ein bewährter Player, aber immer wieder sind Vorbehalte gegenüber dem Sport-Vermarktungskonzern spürbar. Jedenfalls scheint die FIS-Führung bestrebt zu sein, die alten Sport-Vermarktungs-Seilschaften mit und um «Infront» zu revitalisieren. Das passt den Fahrerinnen und Fahrern des alpinen Ski-Zirkus’ gar nicht. Sie möchten lieber hic et nunc die in Aussicht gestellten 400 Millionen Euro. Die Hoffnung stirbt zuletzt, vor allem kurz vor dem Eintreffen des Weihnachtsmannes. Dass sich die FIS mit Präsident Johan Eliasch für den Vermarktungs-Deal nicht einfach so begeistern kann, wird nicht verstanden. «Die spinnen, die FIS-Funktionäre, dass sie dieses Angebot und die 400 Millionen Euro nicht einfach (an)nehmen», tönt es seitens der Aktiven. Es ist allerdings nicht nur das lockende Geld, das zählt; es sind vielmehr auch die Rahmenbedingungen in der konzentrierten Vermarktung des Skisports. Der Vorschlag von CVC scheint in der Tat weder griffig noch nachvollziehbar zu sein. Das spricht gegen einen Abschluss mit CVC. Johan Eliasch ist nicht nur ein gradliniger Sport-Funktionär, sondern er wäre auch in der Lage, im gravierendsten Fall ein paar Millionen oder mehr aus seiner Privat-Schatulle in den Skisport zu werfen. Immerhin beherrscht er als CEO und Vorstandsvorsitzender der renommierten Skimarke «Head» einen bedeutenden Teil der Ski-Vermarktungsindustrie.

Sicher ist, dass der Skisport mit seinen prävalierenden, regionalen Schwerpunkten nicht mit dem globalen Fussball oder der Formel 1 verglichen werden kann. In diesen beiden Disziplinen war und ist dieser Vermarktungs-Typus ein wesentliches Element in der gebündelten Sport-Vermarktung.

Kein Schachsport-Glamour der Superhirne, aber dennoch WM-Spannung

causasportnews / 1208/12/2024, 5. Dezember 2024

Photo by Vlada Karpovich on Pexels.com

(causasportnews / red. / 5. Dezember 2024) Seit dem 25. November 2024 duellieren sich die aktuellen Superhirne im Rahmen der Schach-Weltmeisterschaft 2024 auf der zu Singapur gehörenden Insel Sentosa. Spätestens am 13. Dezember sollte klar sein, wer sich als alter oder neuer Schach-Weltmeister inthronisieren lassen kann: Der Titelverteidiger Ding Liren aus China oder der Newcomer in der Szene, der Inder Dommaraju Gukesh. Soeben wurde die Turnierhalbzeit erreicht, und der Ausgang dieses WM-Kampfes ist absolut offen. Beide Kontrahenten errangen bis jetzt je einen Sieg und totalisieren gleich viele Punkte (4). Der Schach-Weltmeister wird heuer nach dem «Best of 14»-Austragungsmodus erkoren. Der Kampf um die Schach-Krone ist auch ein Aufeinandertreffen der Generationen, verkörpert durch das 18jährige, indische Schach-Wunderkind Dommaraju Gukesh und durch den 32 Jahre alten Titelträger Ding Liren. Bis jetzt wurde in Singapur ein ansprechender, teils auch spannender Denksport gezeigt, doch fehlt bei diesem Aufeinandertreffen der Repräsentanten aus China und Indien zweifelsfrei die Extravaganz mit Blick auf die Spieler-Persönlichkeiten, die sich im Banne der 64 Felder einen intensiven, spektakulären Schach-Kampf liefern würden. Ding Liren ist natürlich beispielsweise nicht mit dem exzentrischen Magnus Carlsen zu vergleichen, Bobby Fischer agierte am Brett (auch) engagiert politisch und bewegte sich nicht nur im Schach-Leben zwischen Genie und Wahnsinn. Spektakulär in Erinnerung blieben die Auseinandersetzungen zwischen Gut und Böse, bzw. zwischen West (Amerika) und Ost (Russland): Die Kämpfe am Brett zwischen Boris Spaski (Sowjetunion) und Bobby Fischer (USA) zogen die Menschen auf dem ganzen Planeten in den Bann; es ging mehr als nur um das Spiel. Die derzeitige Schach-WM auf Sentosa findet zwar statt und verläuft spannend, aber Denksport-Glamour versprühen die beiden Akteure am Brett kaum. Wer letztlich Schachweltmeister wird (Dommaraju Gukesh) oder bleibt (Ding Liren) ist kaum abzuschätzen. Die Vorteile der Jugend sprechen für den Inder, Titelverteidiger Ding Liren könnten die nach dem Gewinn des WM-Titels (2023) durchlebten psychischen Instabilitäten einen Strich durch die Erfolgsrechnung machen, auch wenn im Schach der Erfahrung grosse Bedeutung zukommt.

Ikonischer Ort Zermatt mit seinem «Horu» bald wieder im Weltcup-Kalender?

causasportnews / 1207/12/2024, 3. Dezember 2024

Photo by Maria Orlova on Pexels.com

(causasportnews / red. / 3. Dezember 2024) Aktuell hat der alpine Ski-Weltcup Fahrt aufgenommen; imposant unterwegs sind auch die Schweizer Rennfahrerinnen und – fahrer, die derzeit mit Top-Resultaten aufwarten, so im Moment die 25jährige Walliserin Camille Rast, die in der technisch anspruchsvollsten Disziplin «Slalom» zur Gradmesserin avancierte. Im Rennen von Killington (USA) fuhr sie soeben die Konkurrenz in Grund und Boden. Wendy Holdener sicherte den ersten Schweizer Slalom-Doppelerfolg seit 28 Jahren; mit einem fünften Platz komplettierte Mélanie Meillard den helvetischen Triumph in dieser Disziplin, in der sich Schweizerinnen und Schweizer grundsätzlich eher schwertun.

Das Wallis steht jedoch nicht nur mit Camille Rast im Fokus des Interesses. In den letzten Tagen verdichten sich die Gerüchte und Anzeichen, dass im nächsten oder übernächsten Jahr die Speed-Fahrerinnen und -Fahrer vor einem der berühmtesten Berge der Welt, dem Matterhorn, in Richtung Italien starten werden. Die «Zwei-Länder-Abfahrt», von der Schweiz nach Italien ins Aostatal, wurde im Frühjahr aus dem Weltcup-Kalender gekippt, weil die Schnee- und Witterungs-Verhältnisse derart waren, dass an geordnete Rennbetriebe nicht zu denken war. Jetzt scheinen sich das Blatt und die Stimmung in Richtung «pro Zermatt» und «pro Horu», wie das Matterhorn von den Wallisern liebe- und zugleich respektvoll genannt wird, zu wenden. Der ehemalige Ski-Abfahrtweltmeister und aktuelle Skiverbands-Präsident Urs Lehmann unterstreicht, dass der ikonische Ort Zermatt mit dem Berg der Berge, dem Matterhorn, in den Weltcup-Kalender zurückkehren müsse. Diese Entwicklung und der Sinneswandel scheinen das Resultat von Annäherungen zwischen dem Weltmeister von Morioka (1993), Urs Lehmann, und dem allmächtigen FIS-Präsidenten, Johan Eliasch, zu sein. Die beiden Funktionäre waren selten einer Meinung, und beim Renn-Thema «Abfahrten vor der Kulisse des Matterhorns» lagen der nationale und der internationale Präsident voluntativ weit auseinander. Nun scheint Johan Eliasch die weltweite Bedeutung der Matterhorn-Abfahrten für den internationalen Skisport erkannt zu haben. Er signalisierte jedenfalls Einigungsbereitschaft in der «Causa Matterhorn-Abfahrten». Es ist durchaus möglich, dass die Frauen bereits in der kommenden Saison auf die Rennstrecke «Gran Becca» (grosser Gipfel) geschickt werden. Die Männer könnten auf der Gornergrat-Piste 2026/2027 oder 2027/2028 folgen.

Künftige Ski-Weltcup-Rennen vor der Kulisse des «Horu» werden immer wahrscheinlicher.

Forderungen nach Muriel Furrers Tod

causasportnews / 1206/11/2024, 29. November 2024

Photo by Mathias Reding on Pexels.com

(causasportnews / red. / 29. November 2024) Über zwei Monate sind vergangen, seit die junge Schweizer Radsportlerin Muriel Furrer anlässlich der Rad-Weltmeisterschaften in Zürich ums Leben gekommen ist. Als ob der Vorfall nicht schon an sich tragisch wäre, belastet die immer noch unbekannte Unfallursache vor allem die Familie und die Radsport-Szene: Was geschah am 26. September auf der Abfahrt auf nasser Strasse vom Pfannenstiel in Richtung Küsnacht ZH? Seit Wochen wird untersucht, ermittelt und spekuliert, wie die 18jährige Nachwuchshoffnung zu Tode gekommen sein könnte. Geradezu mysteriös mutet der Umstand an, dass Muriel Furrer von der Strecke abgekommen ist und dann im Wald verschwand. Sie blieb während eineinhalb Stunden unentdeckt. Ihr Verschwinden ist unerklärlich. Vor allem befeuert dieses Faktum die Spekulationen, dass das Leben der hoffnungsvollen Athletin vielleicht hätte gerettet werden können, wenn der Unfall sofort bekannt und die verunfallte Sportlerin hätte geborgen und allenfalls umgehend medizinisch versorgt werden können. In der Tat ist es unglaublich und unverständlich, dass die Menschen zum Mond fliegen können, Drohnen erfolgreich für alle möglichen Belange einsetzen und die Menschheit aktuell das Heil in der sog. «Künstlichen Intelligenz» sucht und offenbar findet, eine Sportlerin in einem WM-Rennen aber während eineinhalb Stunden in einem Wald verschwindet und dieses Verschwinden von niemandem bemerkt wird. Diesen Umstand möchten die Verantwortlichen der Rad-WM bestmöglichst ausblenden, denn auch ihnen ist der tragische Vorfall im Küsnachter Wald nicht mehr geheuer, zumal sich hier durchaus auch Fragen der zivil- und strafrechtlichen Verantwortlichkeit stellen könnten. Jedenfalls präsentieren sich die Verhältnisse derzeit wie in der Politik, wenn bei Missständen und tragischen Impakten Forderungen an wen auch immer gestellt werden. Das ist im Rahmen des Internationalen Radsport-Verbandes (UCI) mit Sitz in Aigle im Wallis nicht anders. Einer der Hauptverantwortlichen der WM-Rennen in und um Zürich, der Schweizer Oliver Senn, fordert zur Überwachung und Kontrolle der Fahrerinnen und Fahrer während der Radrennen ein GPS-Tracking. Dadurch soll verhindert werden, dass Akteure, wie Muriel Furrer, während eines Strassenrennens lange Zeit wie vom Erdboden verschluckt bleiben. Vielleicht hat die «Forderung» von Oliver Senn, der u.a. auch als Direktor der Tour de Suisse tätig ist, etwas für sich. Ein Thema wird den Strassen-Radsport jedenfalls in Zukunft beschäftigen, nämlich, wie dem Umstand abgeholfen werden kann, dass die Rennen immer schneller und gefährlicher werden. Da nützen auch die Strassenhindernisse, die nach der WM in Zürich wieder flächendeckend und geradezu ideologisch getrieben aufgebaut werden, nichts – im Gegenteil. Diese Gefahrenquellen werden kaum zu neutralisieren sein, und auch die staatlich verordnete Unsitte, dass öffentliche Strassen immer mehr zu Parkplätzen «umgenutzt» werden, fördert die Sicherheit im Radsport nicht.

FIFA wird nach dem «Diarra»-Urteil durchgeschüttelt

causasportnews / 1205/11/2024, 27. November 2024

(causasportnews / red. / 27. November 2024) Der Weltfussballverband FIFA tut viel Gutes. Er ist aber auch auf vielen Ebenen unbelehrbar, und die weltumspannende Fussball-Organisation mit Monopolcharakter wird oft erst dann einsichtig, wenn ihr das Messer an den Hals gesetzt wird. Es kann aber auch eine Gerichtsinstanz sein, welche die FIFA zu rechtskonformen Verhalten zwingt. Aktuell ist es der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxembourg, der im Fall des französischen Fussballspielers Lassana Diarra schlicht und ergreifend geurteilt hat, dass das Übertrittssystem der FIFA im Fussball in vielerlei Hinsicht nicht europarechts-konform sei (vgl. auch causasportnews vom 15. Oktober 2024). Seit dem Bekanntwerden dieser Entscheidung ist die FIFA-Zentrale in Zürich aufgescheucht. Der Grund ist nachvollziehbar einfach: Jede Verantwortlichkeit eines Vereins entfällt, wenn dieser wegen eines (vermeintlichen oder festgestellten) Vertragsbruchs eines Spielers, den er nach dem Vertragsbruch unter Vertrag genommen hat, diesen Verein dafür mithaften lässt oder deswegen sanktioniert. Das ist eine sanktionsrechtlich gängige Praxis der FIFA, doch derartige Fälle sind ebenso krass wie rechtswidrig. Dies besagt in aller Kürze das «Diarra»-Urteil des EuGH. Diese Rechtslage bezüglich Europarechts-Konformität beurteilen Experten für den Verein FIFA mit Sitz in Zürich als ebenfalls verbindlich. Auch nach Schweizer Recht ist die entsprechende FIFA-Praxis also nachvollziehbar rechtswidrig. Nach dem EuGH-Urteil wird der Weltverband nun also regelrecht durchgeschüttelt. Es stehen auch Schadenersatzbegehren gegenüber der FIFA im Raum. Ob es zu einer eigentlichen Klagewelle gegen den Weltverband kommen wird, ist im Moment nicht abzuschätzen.

Zahlreiche Entscheide des monopolistischen Weltverbandes zu dieser Praxis existieren und sind teils noch nicht endgültig verbindlich. Auch ein Schweizer Verein, der in der 1. Liga spielt, ist betroffen. Dieser Verein nahm einen Spieler unter Vertrag, der aus der Sicht der FIFA gegenüber seinem ehemaligen Klub vertragsbrüchig geworden war. Der Spieler, dann in der 1. Liga (!) in der Schweiz tätig, wurde mit einer Sperre, die er zwischenzeitlich abgesessen hat, bestraft und verpflichtet, dem ehemaligen Verein mehr als ein halbe Million US-Dollar wegen des Vertragsbruchs zu bezahlen. Der 1. Liga-Verein wurde, obwohl er am Vertragsverhältnis, das angeblich zuvor durch eine nicht gerechtfertigte, ausserordentliche Vertragsauflösung beendet wurde, nicht beteiligt war, mit einer Transfersperre belegt und verpflichtet, zusammen (solidarisch) mit dem Spieler (der neu übernommen wurde) für die Busse einzustehen, bzw. würde er zur Kasse gebeten, falls der Betrag vom Spieler nicht aufgebracht und bezahlt werden könnte. Diese sog. Arbeitsvertrags-Schutzbestimmung der FIFA mit disziplinarrechtlichem Charakter qualifizierte der EuGH im «Diarra»-Urteil als rechtswidrig. Die gleiche Rechtslage gilt auch nach Schweizer Recht. Im konkreten Fall heisst das, dass allenfalls, und falls die Voraussetzungen gegeben sind, der Spieler, der aktuell bereits wieder bei einem neuen Klub tätig ist, sich mit dem Klub, der ihn bei der FIFA des Vertragsbruchs bezichtigt hat, auseinandersetzen muss.

Die entsprechenden Übertrittsregeln des Weltverbandes sind aufgrund des «Diarra»-Urteils des EuGH als nicht EU-rechtskonform zu qualifizieren. Die gleiche Rechtslage ergibt sich aufgrund des Schweizer Rechts, nicht nur deshalb, weil die FIFA der Schweizer Rechtsordnung, insbesondere durch den Sitz in Zürich, unterstellt ist. Einigermassen einsichtig zeigt sich nun der Weltverband, der, unter gewaltigen, juristischen Druck geraten ist, aus Miami (!) kommuniziert hat, alle pendenten Fälle, welche von dieser Thematik betroffen seien, würden derzeit nicht weitergeführt und weiterbehandelt. Doch auch in dieser Hinsicht gilt: Affaire à suivre…

Der organisierte Sport im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft

causasportnews / 1204/11/2024, 23. November 2024

© David Biedert

(causasportnews / red. / 23. November 2024) Im organisierten Schweizer Sport wurden soeben die Weichen für die Zukunft gestellt, beziehungsweise wurde auf höchster Ebene am Bisherigen festgehalten und dem modernen Sport-Management zukunftsgerichtet eine Abfuhr erteilt. Vordergründig ging es um die Wahl des Präsidenten oder der Präsidentin von «Swiss Olympic Association», dem Dachverband des helvetischen Sportes und dem Nationalen Olympischen Komitee der Schweiz. Bezüglich der Nachfolge für den noch bis Ende dieses Jahres amtierenden Präsidenten und SVP-Politikers Jürg Stahl standen die ehemalige Kurzzeit-Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold und der gestählte, nüchterne Sport-Manager Markus Wolf zur Wahl (vgl. auch causasportnews vom 11. November 2024). Überraschend deutlich entschied sich das Sportparlament für die Politikerin, die als Inbegriff des vernetzten Schweizer Wirtschafts- und Polit-Systems gilt. Sie stand als Garantin für die bisherige, in der Schweiz herrschende  Sport-Trilogie von Sport, Wirtschaft und Politik. Seit dem abrupten Ende ihrer politischen Karriere (2003) hat die heute 60jährige Innerschweizerin diverse Jobs inne; sie ist beispielsweise u.a. als Verwaltungsrätin des renommierten Versicherungskonzerns «Axa» tätig und präsidiert den Stiftungsrat der päpstlichen Schweizer-Garde im Vatikan. Ehemalige Politikerinnen und Politiker der früheren «CVP», heute «Die Mitte», sind prädestiniert für diese Aufgaben nach der Politik. Logisch, dass die neugewählte «Swiss Olympic»-Präsidentin und nun oberste Sportfunktionärin der Schweiz zumindest die wirtschaftlich wenig attraktiven Tätigkeiten künftig wird ruhen lassen.

Nach der klaren Wahl von Ruth Metzler-Arnold beglückwünscht sich die ganze Sport-Schweiz, vor allem deshalb, weil (fast) alles so bleiben wird wie es war. Zudem steht nach zahlreichen Politikern in diesem Amt endlich und erstmals eine Frau an der Spitze des helvetischen Sport-Funktionärswesens. Dass das Wahlorgan von «Swiss Olympic» die ehemalige, vernetzte Politikerin Ruth Metzler in den präsidialen Sattel hob und dem Vertreter des modernen Sport-Managements, Markus Wolf, ein fähiger Mann, jedoch ohne Charisma, eine klare Abfuhr erteilte, lässt sich einfach erklären: Von der ehemaligen Polit-Magistratin in der Bundespolitik erhofft man sich dank deren Aktivismus’ in Wirtschaft, Politik und in weiteren gesellschaftstragenden Umfeldern vor allem neue Mittel für den organisierten Sport. Diese soll jetzt die Präsidentin künftig beschaffen. Nun ist es auch hier so wie in der täglichen Politik: Man hört die Botschaft, doch allseits fehlt der Glaube. So sind für den privatrechtlich organisierten Sport seitens der Politik künftig drastische Sparmassnahmen angesagt; es herrscht also das Gegenteil von dem, was bezüglich der Präsidentschaftswahl im Wahlkampf und am Wahltag in Bern suggeriert wurde. Jedenfalls gilt die ehemalige, aktive Politikerin als Hoffnungsträgerin. Dieser Ballung von Aspekten, die in der Politik an der Tagesordnung sind, hatte der pragmatische Sport-Technokrat Markus Wolf nichts entgegen zu setzen. Insbesondere fehlten bei ihm pekuniäre Versprechen und Garantien für die Zukunft im organisierten, helvetischen Sport, auch falls diese letztlich, wie in der Politik, ebenso in dieser «Causa» wie aktuell der erste Schnee dieses Winters, schmelzen sollten…

Wie analysierte Ruth Metzler gleich nach ihrer erfolgreichen Wahl die Ausgangslage, die letztlich zum Erfolg führte? «Ich habe gespürt, dass viele Verbände das schätzen, was ich mitbringe». Eben. Dann mutierte sie nach einem kräftezehrenden Wahltag alsogleich zur Sport-Funktionärin mit dem unbezahlbaren Gefühl für die Werte in der Politik, auch in der Sport-Politik: «Es war ein langer Tag. Zuerst wurde ich wegen des Schnees in der Ostschweiz von den SBB stehen (Anmerkung der Red. nicht sitzen) gelassen, und nun haben wir einen intensiven Abend erlebt», verriet sie dem nationalen Boulevard-Blatt «Blick» (23. November 2024). Man darf eben die Hoffnungen nie zu früh begraben. Es kommt schon gut mit der Neo-Präsidentin!

Die besonders süsse Fussball-Erinnerung im «Honold»-Jubiläumsjahr

causasportnews / 1203/11/2024, 20. November 2024

Die Jubilare Georges Bregy und «Honold»-Inhaberin Cristina de Perregaux feierten im «Honold-Schoggi-Tram»

(causasportnews / red. / 20. November 2024) In dieser chaotischen und gewalttätigen Welt seien an dieser Stelle die Schwerpunkte einmal anders als üblich gesetzt. Zwischendurch darf auf diesem Erdball voller Sorgen und Nöte die Themen-Gewichtung durchaus variieren. Nein, es geht dabei nicht einzig um Pässe im Fussball, die millimetergenau geschlagen werden und Mitspieler perfekt erreichen. Diese Zuspiele werden unter Insidern auch «Zuckerpässe» genannt. «Zucker» können aber auch geschossene und verwandelte Elfmeter sein oder perfekt ins Lattenkreuz gezirkelte Freistösse. Einen solchen Freistoss gelang dem ehemaligen Schweizer Fussball-Nationalspieler Georges Bregy, der anlässlich der WM-Endrunde 1994 im WM-Eröffnungsspiel der Schweiz gegen die USA das wohl berühmteste Tor eines Schweizers im internationalen Nationalmannschafts-Fussball erzielte. Nach 28 Jahren WM-Abstinenz der Schweizer schoss der heute 66jährige Walliser aus Raron einen Freistoss für die Ewigkeit ins Tor der USA und machte sich dadurch unsterblich. Durch diese fussballerische Tat sicherte sich der damals 36 Jahre alte Star ohne Star-Allüren vor eben genau 30 Jahren für immer einen prominenten Platz in den Fussball-Geschichtsbüchern. In diesem Jahr, am 18. Juni, als Georges Bregy an diesem besonderen Tag vor 30 Jahren skorte, liessen die Medien die Glanztat der bescheidenen, aber zielstrebigen Fussball-Legende nochmals ausgiebig Revue passieren, wie es sich für ein solches Jubiläum geziemt.

In süsser Erinnerung schwelgt derzeit auch die Zürcher Confiserie «Honold», die im Raum Zürich mehrere Ableger unterhält. Dieser Betrieb, beliebt, berühmt und begehrt, befindet sich in einem Jubiläumsjahr, denn die erste «Honold»-Confiserie eröffnete vor 120 Jahren am Zürcher Rennweg ihre Türen. Ein süsses Jubiläum für die Top-Confiserie, die umsichtig und mit hochklassigen Schokoladen-Köstlichkeiten von der Inhaberin des Betriebs, Cristina de Perregaux, gemanagt wird und sich mehr denn je der süssen Qualität in ihrem Metier verpflichtet fühlt.

So kam es, dass der ehemalige Top-Fussballer Georges Bregy und die «Honold»-Inhaberin Cristina de Perregaux vor einigen Tagen zusammen ihre Jubiläen in einer speziellen Tram-Komposition feierten. Weil es einer langgehegten «Honold»-Tradition entspricht, stiessen die beiden Jubilare im «Schoggi-Tram» von «Honold», das seit Jahren in der Vorweihnachtszeit in der Zürcher City mit lustvoll gestimmten Gästen durch die belebte Stadt fährt, gemäss «Honold»-Gepflogenheit mit exklusiver, heisser Schokolade im Glas an. Zudem konnten auf der Fahrt die neusten «Honold»-Pralinen-Kreationen getestet werden. Allen hat der diesjährige «Kickoff» zum «Schoggi-Tram-Event» in der Vorweihnachtszeit gefallen, der Fussball-Legende Georges Bregy, der Confiserie-Inhaberin Cristina de Perregaux und den vielen Gästen, welche auf dieser speziellen Tram-Fahrt nicht nur erlesene Köstlichkeiten aus der Confiserie «Honold» genossen; und sie erlebten, dass Berührungsängste bei Georges Bregy fehl am Platz sind. Süsses verbindet eben auch.

Eines sei am Ende dieser Zeilen nicht verschwiegen, und es soll quasi «in eigener Sache» offen gelegt werden: Die sport-freundliche Unternehmung «Honold» unterstützt seit Jahren das Medium «Causa Sport» (www.causasport.org) und diesen Blog «causasportnews» (www.causasportnews.com) – und das nicht nur (aber auch) mit den hochklassigen Leckereien aus den Confiserie-«Honold»-Filialen…

Dazu an dieser Stelle nur soviel: Herzlichen Dank Cristina de Perregaux!

Vgl. dazu http://www.honold.ch

Sportler als Vergewaltiger – die Sache mit den «Vieraugen-Delikten»

causasportnews / 1202/11/2024, 19. November 2024

Photo by Pavel Danilyuk on Pexels.com

(causasportnews / red. / 19. November 2024) In letzter Zeit herrschte der Eindruck vor, Sportler hätten ihre Triebe nicht mehr oder immer weniger im Griff. «Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt», hiess es allerdings schon in Goethes «Erlkönig». Der thematisierte «Naturgeist» war alles andere als das, was heute mit dem menschlichen Triebleben gleichgesetzt wird. Der Betrachter der Sport-Szene mag sich täuschen, doch sorgen Sportler immer mehr für Schlagzeilen auch neben den Spiel- und Sportfeldern. Die Thematik ist nicht selten unappetitlich. Oft beschuldigt eine Frau einen Sportler der unangebrachten Annäherung oder sogar der Vergewaltigung. Die Fälle, die mit Negativ-Grundton in die Öffentlichkeit getragen werden, sind insofern meist speziell, weil nicht selten Behauptung gegen Behauptung steht. Die Frau legt dar und behauptet, der Mann negiert und bestreitet. Oft ist es schwierig, die objektive Wahrheit zu ermitteln, weil sich zwei Positionen konträr gegenüberstehen und die involvierten Parteien an ihren Darstellungen festhalten. Man spricht dann von sog. «Vieraugen-Delikten». Kommt der Vorgang zur juristischen Beurteilung, geht es letztlich um die Glaubwürdigkeit der Beteiligten.

Derzeit steht einer der besten Fussballspieler der Welt im Fokus von Beschuldigungen wegen einer angeblichen Vergewaltigung, der französische Top-Spieler Kylian Mbappé. Dieser steht aktuell bei Real Madrid unter Vertrag, nachdem sein Transfer von Paris Saint-Germain nach Spanien im Sommer nicht ganz geräuschfrei verlief. Mit der französischen Nationalmannschaft ist er 2018 Weltmeister geworden. Der Kapitän des Nationalteams ist im Moment unter Druck – eben, weil degoutante Vergewaltigungs-Anschuldigungen im Raum stehen. Die Vorfälle, die sich in einem Hotel in Stockholm in der Zeitspanne vom 9. bis 11. Oktober dieses Jahres zugetragen haben sollen, scheinen den 25jährigen Fussballspieler derart zu belasten, dass er derzeit auch nicht mehr für die französische Nationalmannschaft aufläuft. Wer die Beschuldigungen erhoben hat, ist aktuell weder bekannt noch klar. Der Fussballspieler weist jede Schuld von sich und kündigt im Gegenzug Verleumdungsklagen an. Ob die Angelegenheit schliesslich ein gerichtliches Nachspiel haben wird, ist ungewiss. Oft hält man es in der Branche mit der Philosophie des ehemaligen FIFA-Präsidenten, Joseph Blatter: «Was man korrekterweise mit Geld regeln kann, soll man mit Geld regeln.».

Der frühere französische Nationalspieler Wissam Ben Yedder ist kürzlich wegen sexueller Gewalt gegenüber einer 23jährigen Frau zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der ehemalige Kapitän von AS Monaco hat die Vorhalte bestritten und lediglich den Tatbestand der Trunkenheit am Steuer zugegeben. Das Gericht sah es anders. – Unschönes in dieser Hinsicht ist auch aus Korea zu vermelden. Noch vor dem Jahresende soll ein Urteil bezüglich gravierender Vorwürfe gegen den ehemaligen Nationalspieler Hwang Ui-jo ergehen. Der 32jährige Stürmer ist beschuldigt worden, Geschlechtsverkehr mit zwei Frauen gegen deren Willen gefilmt zu haben. Er hat sich soeben für schuldig erklärt und wartet nun auf das Urteil des Gerichts in Seoul.

Derartige Konstellationen finden sich natürlich nicht nur im (Fussball-)Sport. Aufsehen erregte kürzlich ein Vergewaltigungsprozess in Chur im Kanton Graubünden. Angeklagt wurde ein Richter, der sich Übergriffigkeiten gegenüber einer Mitarbeiterin geleistet hatte. Dieses «Vier Augen-Delikt» endete in der Beurteilung mit einem Schuldspruch zum Nachteil des Angeklagten und zu Gunsten der Geschädigten. Dem Gericht schien die Version der Frau als plausibler als diejenige des angeklagten Richters.- Also kein Messen mit zweierlei Ellen; oder kein: «Quod licet Jovi, non licet bovi» (was Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt).

«Buebetrickli» ermöglicht die weitere Verwendung des Schweizer Wappens

causasportnews / 1201/11/2024, 17. November 2024

(causasportnews / red. / 17. November 2024) Seit Monaten schwelt der Kampf darum, ob die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft das Wappen mit dem Schweizer Kreuz auf der Wettkampfbekleidung verwenden dürfe oder nicht (mehr). Eigentlich eine Bagatelle, die jedoch hohe Wellen schlägt; schliesslich geht es um Sport, und dabei erträgt es keinen Spass. Die Ausgangslage bezüglich der Beurteilung dieser Rechtsstreitigkeit mit Gerichtsbezug bildet das Bundesgesetz über den Schutz des Schweizer Wappens und anderer öffentlicher Zeichen vom 21. Juni 2013, in Kraft seit 2017, kurz als «Wappenschutzgesetz» bezeichnet. Dieses Gesetz verbietet etwa den Nationalmannschaften, das Schweizer Wappen z.B. auf der Wettkampfbekleidung zu tragen. Es sei denn, aufgrund eines Gesuchs habe eine behördliche Bewilligung vorgelegen. Die Eishockey-Nationalmannschaft, welche seit 2015 in den Länderspielen das Schweizer Kreuz auf den Trikots verwendet, hatte es aber fahrlässig unterlassen, eine derartige Bewilligung einzuholen (vgl. auch causasportnews vom 16. Juni 2024); sie wäre zweifellos erteilt worden, tragen doch die Eishockeyaner, auch «Eisgenossen» (synonym für senkrechte «Eidgenossen») genannt, viel zum guten, sportlichen Image der Schweiz in der Welt bei. Die Verwendung des Schweizer Kreuzes auf den Wettkampf-Trikots der Eishockey-Spieler war und ist dennoch eine Verletzung des Wappenschutzgesetzes. Dies wollte das Amt für Geistiges Eigentum (IGE) nicht weiter akzeptieren. Schliesslich entschied das Bundesverwaltungsgericht am 15. Oktober 2024 zuungunsten des Schweizerischen Eishockey-Verbandes (SIHF), der letztlich die Aktivitäten und die Auftritte der Nationalmannschaft verantwortet. Den Eishockeyanern wurde die Verwendung des Schweizer Wappens untersagt. Gegen den Entscheid der Verwaltungs-Gerichtsinstanz in St. Gallen wäre nun ein Weiterzug an das Schweizer Bundesgericht in Lausanne notwendig geworden. Doch offenbar durch ein juristisches «Buebetrickli» («Bauerntrick») erzielten die Kontrahenten eine Einigung: Die Nationalmannschaft darf die Trikots mit dem Schweizer Wappen weiterhin verwenden, und der Verband verzichtet auf den Weiterzug des Entscheids des Bundesverwaltungs-Gerichts nach Lausanne. Die Nationalmannschaften dürfen nun, obwohl ein Verstoss gegen das Wappenschutzgesetz vorliegt, die Trikots mit dem Wappen bis 2026 verwenden, ab 2027 müssten dann neu gestaltete Shirts verwendet werden. 

Das Erstaunliche an dieser «Causa» ist, dass im Rahmen eines gerichtlichen Instanzenzugs und in einem Zwei-Parteien-Verfahren ein Verstoss gegen ein Bundesgesetzt durch Vergleich legitimiert wird. Die Einigung kam wohl auch deshalb in der genannten Form zustande, weil diese Bestimmung im Wappenschutzgesetz, welche dem Eishockey-Verband zum Verhängnis wurde, bald aus dem Gesetz gekippt werden dürfte. Das «Buebetrickli», zwar ein veritabler «Check» gegen jedes Gerechtigkeitsempfinden, hat sich aber für die Eishockeyaner gelohnt und lässt Unrecht zu Recht werden. Die Nachlässigkeit der Verbands-Verantwortlichen (das verpasste Gesuch für die Weiterverwendung des Schweizer Wappens) bleibt somit folgenlos. Oft sind «Buebetrickli» dazu geeignet, auf diese Weise zum Erfolg zu kommen; auch in der Juristerei.