Europäische Kommission: ISU-Zulassungsregeln definitiv kartellrechtswidrig

flag_yellow_high(causasportnews / red. / 11. Dezember 2017) Nach einer über zwei Jahren dauernden Untersuchung haben die Wettbewerbshüter der Europäischen Kommission nun definitiv entschieden: Die Regeln des Internationalen Eislaufverbandes (International Skating Union; ISU) über die Zulassung von Athletinnen und Athleten zu Wettkämpfen verstossen gegen das Wettbewerbsrecht der Europäischen Union. Die Kommission hat die ISU aufgefordert, die entsprechenden Bestimmungen anzupassen. Kommt die ISU dem nicht nach, droht ihr die Verhängung von Zwangsgeldern.

Ausgelöst wurde das Verfahren vor der Europäischen Kommission durch eine Beschwerde zweier niederländischer Eisschnellläufer, die an einem überwiegend kommerziellen Interessen dienenden, von der ISU offiziell nicht anerkannten Rennen teilnehmen wollten (siehe schon causasportnews vom 2. Oktober 2016). Ihnen drohte im Fall einer solchen Teilnahme der Ausschluss von ISU-Wettbewerben und u.U. sogar von den Olympischen Spielen. Die Europäische Kommission ist zum Ergebnis gekommen, dass der Eislaufverband seine Monopolstellung missbrauche, wenn er den seiner Zuständigkeit unterstellten Athletinnen und Athleten faktisch jede Teilnahme an nicht anerkannten Wettbewerben untersage. Mit der Auferlegung solcher Beschränkungen behinderten die ISU-Zulassungsbestimmungen den Wettbewerb und ermöglichten es der ISU, zum Nachteil von Sportlern und Veranstaltern konkurrierender Wettkämpfe ihre eigenen geschäftlichen Interessen zu verfolgen. Insbesondere beschränkten die ISU-Zulassungsbestimmungen nach Auffassung der Kommission die unternehmerische Freiheit der Sportler, die daran gehindert würden, an unabhängigen Eislaufveranstaltungen teilzunehmen. Die ISU-Zulassungsbestimmungen hinderten überdies unabhängige Veranstalter daran, eigene Eisschnelllauf-Wettkämpfe zu organisieren, da sie keine Spitzensportler für solche Veranstaltungen gewinnen könnten. Dadurch würden alternative und innovative Eisschnelllauf-Wettkämpfe in ihrer Entwicklung behindert und den Eislauffans vorenthalten.

Die ISU hatte – offensichtlich unter dem Druck des gegen sie laufenden Kartellverfahrens – im Juni 2016 ihr Regelwerk angepasst und die fraglichen Zulassungsregeln etwas gelockert. Im Grundsatz blieben die Zulassungsregeln jedoch bestehen, weshalb die Europäische Kommission die Anpassungen als ungenügend qualifizierte. Die ISU kann nun gegen die Entscheidung der Kommission Rechtsmittel beim Gericht sowie beim Gerichtshof der EU einlegen. Je nachdem ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit  mithin noch lange nicht gesprochen.

 

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