Courant normal: Verbrechen statt Terrorismus

(causasportnews / red. / 26. April 2017) Seit Gewissheit darüber herrscht, dass die Attacke gegen den Bus der Fussballmannschaft von Borussia Dortmund am Dienstagabend des 11. April 2017 ein Verbrechen war, jedoch kein terroristischer Anschlag international tätiger Aktivisten auf den Sport, herrscht so etwas wie Erleichterung innerhalb und ausserhalb der Sportwelt. An „gewöhnliche“ Verbrechen hat sich die Gesellschaft längst gewöhnt – schliesslich kommen Konstellationen, wie sie sich in Dortmund ergeben hat, im Kino und in den Medien immer wieder vor. Die Unterhaltungsindustrie beglückt die Menschheit durchwegs mit derartigen fiktiven Geschichten und solchen, die aus dem Leben gegriffen sind. Der Terrorismus, wie er seit einigen Jahren die Welt in Atem hält, weist immer noch eine spezielle Dimension auf. Das zeigten die Reaktionen seitens der Betroffenen und der Öffentlichkeit. Aber eben, in Dortmund war es ein Verbrechen. Diese Gewissheit hat die Sachlage entkrampft. Ein äusserst perfides Verbrechen war es zweifellos, was sich an jenem Abend zugetragen hat – mit dem Sport und seinem Umfeld als Mittel zum Zweck. Wetten, dass die Geschichte früher oder später eine Verfilmung erfahren wird. Schockierend ist es dennoch, wie die Habgier Menschen zu derartigem Tun motivieren kann.

Mit der Attacke in Dortmund ist nicht der Sport an sich getroffen worden, sondern der Sport hat lediglich die Bühne für eine grauenvolle Tat abgegeben. Getroffen werden sollte der kommerzielle Sport, konkret das Unternehmen Borussia Dortmund, dessen Aktien seit Jahren an der Börse gehandelt werden. Mit dem Papier lässt sich Geld generieren. Spekulation ist ein Teil dieses Geschäft, das mit einem Börsengang realisiert werden kann. Und bekanntlich bietet die Börse eine Vielzahl von Spiel-, Spekulations- und Ertragsmöglichkeiten auch ganz besonderer Prägung. Eine geradezu perverse Form der Spekulation liegt dem Verbrechen von Dortmund zu Grunde. Der Täter wollte über Derivate einen Millionengewinn erzielen und dafür in verbrecherischer Art die entsprechenden faktischen Verhältnisse schaffen. 15 000 Put-Optionsscheine à 18 Eurocent kaufte er. Bei einem Kurssturz hätte er einen gewaltigen Gewinn realisieren können. Das Wetten auf fallende Aktienkurse ist eine beliebte Möglichkeit, welche die Gambling-Industrie „Börse“ bietet. Ein Kurssturz einer Aktie kann auf verschiedene Art und Weise bewirkt werden. Eine Attacke gegen das betreffende Unternehmen ist eine Möglichkeit. Stellvertretend für das Unternehmen Borussia Dortmund wurde der Mannschaftsbus Ziel der Attacke. Die Rechnung des Täters ging jedenfalls nicht auf, und die Umstände der Tat ermöglichten es der Polizei, den Täter dank cleverer Ermittlungsarbeit relativ rasch zu überführen. Die Borussia-Aktie fiel zwar nach dem Anschlag leicht, heute hat sie sich auf dem Niveau vor der Tat eingependelt.- Es war ein Verbrechen. Gott sei Dank „nur“ ein Verbrechen unter Nutzung der Plattform Sport und Kommerz. Damit scheint sich die Welt eher abfinden zu können, als wenn der IS-Terrorismus oder Terror von links oder von rechts praktiziert wird. Verbrecherischer Courant normal also in jeder Hinsicht. Zwei Wochen nach der Tat ist der „Fall Dortmund“ nur noch Geschichte.

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