Archiv für den Monat April 2016

Disziplinarische Streicheleinheit für Sion-Präsidenten

(causasportnews / red. / 12. April 2016) Das wird den streitbaren Sion-Präsidenten Christian Constantin kaum irritieren: Für seine unflätigen Attacken gegenüber dem Schiedsrichter nach dem Spiel Young Boys Bern gegen den FC Sion am 13. März 2016 (vgl. auch causasportnews vom 17. und 18. März 2016) wird der steinreiche Architekt aus dem Wallis von der Disziplinarkommission der Swiss Football League (SFL) mit einer Busse von CHF 5‘000 belegt. Christian Constantin setzte nach einer Schiedsrichter-Fehlentscheidung zu einem regelrechten Kesseltreiben gegen den Schiedsrichter an. Insbesondere warf er ihm vorsätzlichen Betrug vor und setzte für entsprechende Beweise sogar eine Belohnung von CHF 25‘000 aus. Erst zögerlich wurde die Liga nach dem Amoklauf des Sion-Präsidenten aktiv, und erst rund einen Monat nach dem Vorfall erfolgte die Sanktionierung des impulsiven Wallisers. „Das ist ein Scherz und letztlich eigentlich nur eine disziplinarische Streicheleinheit“, meinte ein Sportrechts-Experte nach Bekanntgabe der Sanktion. Seines Erachtens hätte Christian Constantin für seine unentschuldbare Hetzjagd auf den bedauernswerten Schiedsrichter mit aller Härte zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Die „Pseudo-Sanktion“ werde den sich immer wieder unflätig aufführenden Klub-Präsidenten auch künftig ermuntern, sich derart unentschuldbar zu verhalten. „Wer einen Schiedsrichter nach einer Fehlentscheidung beschuldigt, betrügerisch gehandelt zu haben, gehört für immer vom organisierten Fussball ausgeschlossen“, fordert der Experte. Apropos Sanktion: Christian Constantin kann die ausgefällte Sanktion innert 5 Tagen beim SFL-Rekursgericht anfechten. Dass er von diesem Rekursrecht Gebrauch machen wird, gilt als sicher. Dabei dürften die Rechtsbehelfs-Chancen des Sion-Präsidenten aber als nicht allzu hoch veranschlagt werden; nicht nur deshalb nicht, weil die ausgesetzte Belohnung immer noch nicht ausbezahlt werden musste.

Streit zwischen Charles Friedek und DOSB durch Vergleich beigelegt

Logo_Deutscher_Olympischer_Sportbund_seit_2014.svg(causasportnews / red. / 6. April 2016) Die Nichtnominierung des Dreispringers Charles Friedek für die Olympischen Spiele 2008 in Peking hat zu einem juristischen Nachspiel geführt, das sich über sechs Jahre hingezogen und nunmehr mit einem Vergleich geendet hat. Der Athlet hatte zunächst in erster Instanz Recht erhalten (CaS 2012, 67 ff.): Das Landgericht Frankfurt am Main hatte mit Urteil vom 15. Dezember 2011 dem Sportler einen Schadenersatzanspruch gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) wegen schuldhafter Verletzung einer zwischen Charles Friedek und dem DOSB bestehenden Sonderverbindung zuerkannt (§ 280 Abs. 1 BGB). Auf Berufung des DOSB hin hatte die zweite Instanz allerdings zu Ungunsten des Athleten geurteilt. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sah die Voraussetzungen eines Schadenersatzanspruches nicht als gegeben an. Insbesondere habe der DOSB keine Pflicht aus einem Schuldverhältnis verletzt, indem er den Athleten nicht zu den Olympischen Spielen nominierte (CaS 2014, 48 ff.). Der deutsche Bundesgerichtshof (BGH) schliesslich hob das Berufungsurteil auf Revision des Klägers hin am 13. Oktober 2015 auf (CaS 2015, 407 ff. und CaS 2016, 25 ff.). Der DOSB ist gemäss BGH als Monopolverband zur Nominierung von Athleten, welche die vom DOSB selbst aufgestellten Nominierungsvoraussetzungen erfüllen, verpflichtet. Diese Pflicht habe der DOSB schuldhaft verletzt. Entgegen der Auffassung des OLG Frankfurt seien die Nominierungsrichtlinien des DOSB bei dem gebotenen objektiven Verständnis dahin auszulegen, dass der Athlet die Olympianorm im Dreisprung mit dem zweimaligen Erreichen der B-Norm in einem Wettkampf erfüllt hatte. Im Anschluss an das Urteil des BGH hatte das Landgericht Frankfurt über die Höhe des dem Athleten grundsätzlich zugestandenen Schadenersatzanspruchs zu entscheiden. Dazu kommt es aufgrund des nunmehr abgeschlossenen, beim Landgericht Frankfurt protokollierten Vergleichs nicht mehr. Über den Inhalt des Vergleichs haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Sportlerinnen gegen Entschädigungs- und andere Diskriminierungen

man-307827_1280(causasportnews / red. / 4. April 2016) Einen Sturm der Entrüstung hat Ende März der Direktor des Tennis-Turniers von Indian Wells, Raymond Moore, ausgelöst. Ebenso ungefragt wie unverblümt nahm er zum Frauen-Tennis Stellung: Die Spielerinnen sollten Gott auf den Knien danken, dass Tennis-Champions wie Roger Federer und Rafael Nadal geboren worden seien; das Frauen-Tennis befinde sich nämlich im „Schlepptau der Männer“, meinte er. Aktive und ehemalige Tennis-Spielerinnen hielten umgehend dagegen und verwahrten sich gegen diese diskriminierende Einstufung des Frauen-Tennis durch den Turnier-Direktor. Der Disput löste eine Grundsatzdiskussion aus und mündete in die Konklusion, dass das Frauen-Tennis auf der gleichen Stufe anzusiedeln sei wie dasjenige der Männer. Stimmen wurden bei dieser Gelegenheit laut, die nun strikte Entschädigungsgleichheit im Männer- wie im Frauen-Tennis forderten. Faktum ist allerdings, dass das Männer-Tennis wirtschaftlich ertragreicher ist als das Tennis der Frauen. – Auch US-Fussballerinnen fühlen sich derzeit diskriminiert und haben bei der „Equal Employment Opportunity Commission“, eine für die Beurteilung von Lohndiskriminierung zuständige US-Bundesbehörde, Beschwerde eingereicht. Für die Position der Fussballerinnen spricht, dass sie weit mehr Mittel generieren als ihre männlichen Kollegen, jedoch allgemein schlechter entschädigt werden; Hope Solo und Kolleginnen geniessen in USA geradezu Kultstatus, was sich auch wirtschaftlich auswirkt – im Gegensatz zu den Fussballern.

Wie Sportlerinnen im Vergleich zu den Sportlern auch finanziell entschädigt werden, dürfte in der Regel von den wirtschaftlichen Gegebenheiten und Umständen abhängen. Gemessen am ökonomischen Wert dürften etwa die Fussballer Deutschlands und der Schweiz höher einzustufen sein als die Fussballerinnen der beiden Länder. Für den Weltfussballverband FIFA rechnet sich die Weltmeisterschaftsendrunde der Männer übrigens weit mehr als diejenige der Frauen. Dementsprechend rechtfertigen sich Entschädigungs-Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern. Immerhin sei im Rahmen dieser Diskussion an den Gleichheitsgrundsatz erinnert: Es ist Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln. Diese Maxime ist „geschlechtsneutral“ und demnach mit Bezug auf das Geschlecht auch nicht diskriminierend.

Wechsel von SpuRt-Herausgebern zu Causa Sport: April, April …

(causasportnews / red. / 4. April 2016) Den aufmerksamen Leserinnen und Lesern wird es nicht entgangen sein: Der jüngst publizierte Beitrag über den Wechsel zahlreicher Herausgeber von „SpuRt“ zu „Causa Sport“ trug das Datum vom 1. April. In der Tat handelte es sich bei der betreffenden Meldung um einen publizistischen Aprilscherz; demnach entsprechen die Inhalte des Beitrags nicht den Tatsachen. Dass die Publikation dennoch ein nicht unerhebliches Echo hervorgerufen hat, ist seitens der Redaktion von „Causa Sport“ mit Interesse zur Kenntnis genommen worden.

Zahlreiche Wechsel von SpuRt-Herausgebern zu Causa Sport

Unbenannt(causasportnews / red. / 1. April 2016) Die sportwissenschaftliche Zeitschrift „Causa Sport“ ist weiter auf Erfolgskurs. Die Abonnenten- und Absatzzahlen entwickeln sich – entgegen dem allgemeinen Trend auf dem entsprechenden Markt – konstant positiv, wie die beteiligten Verlage nach einer Auswertung der Geschäftszahlen des Jahres 2015 feststellen durften. „Diese Entwicklung ist sicherlich zu einem grossen Teil auf die herausragende inhaltliche Qualität der Zeitschrift zurückzuführen, die ihresgleichen sucht“, ist ein namhafter Experte auf dem Gebiet des internationalen Sportrechts überzeugt. Zu diesem Trend passt, dass immer mehr Autorinnen und Autoren, aber insbesondere auch Herausgeber, die bis anhin (zum Teil exklusiv) für den Mitbewerber „Sport und Recht“ (SpuRt) tätig waren, zu „Causa Sport“ wechseln. So verzeichnete Causa Sport allein in den vergangenen zwei Monaten drei verschiedene Anfragen von „SpuRt“-Herausgebern, die ihr Interesse bekundeten, künftig im Herausgeberkollegium von „Causa Sport“ mitzuwirken. Zuvor waren bereits mit zwei anderen, namhaften „SpuRt“-Herausgebern Einigungen über einen Wechsel zu „Causa Sport“ erzielt worden; diese sollen im Laufe des zweiten Halbjahres 2016 vollzogen werden. Bei „Causa Sport“ sind die ehemaligen Autoren und Herausgeber von SpuRt willkommen: „Im Unterschied zu unserer Mitbewerberin haben wir weder Berührungsängste noch irgendwelche angestaubten Dünkel“, äusserte sich ein Sprecher des Herausgeberkollegiums und der Redaktion von „Causa Sport“. Deshalb stünden auch Ex-„SpuRt“-Leuten die Türen offen, was in letzter Zeit ganz offensichtlich in zunehmendem Masse genutzt werde. „Auch dieser Umstand wird sicherlich dazu beitragen, dass wir unsere Führungsposition weiter ausbauen; das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht“, so der Sprecher weiter.

Revidierte DIS-Sportschiedsgerichtsordnung in Kraft getreten

index(causasportnews / rem. / 1. April 2016) Auf den heutigen 1. April 2016 ist eine signifikant überarbeitete Fassung der DIS-Sportschiedsgerichtsordnung (DIS-SportSchO) in Kraft gesetzt worden. Mit der DIS-SportSchO bietet das Deutsche Sportschiedsgericht eine speziell für die Beilegung von Streitigkeiten mit Bezug zum Sport erstellte Schiedsgerichtsordnung an. Das Deutsche Sportschiedsgericht wiederum wurde auf den 1. Januar 2008 hin eingerichtet und ist bei der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit e.V. (DIS) angesiedelt, von der es auch getragen wird. Die DIS-SportSchO findet auf Streitigkeiten Anwendung, die nach einer von den jeweiligen Streitparteien getroffenen Schiedsvereinbarung durch ein Schiedsgericht gemäss der Sportschiedsgerichtsordnung der DIS („DIS-SportSchO“) entschieden werden sollen und die einen Bezug zum Sport aufweisen. Die wesentlichen Neuerungen der DIS-SportSchO 2016 gegenüber der ursprünglichen, 2008 erstellten Version betreffen zunächst Streitigkeiten, die (Anti-)Dopingfragen zum Gegenstand haben; diesen wurde nun ein eigenständiger Teil gewidmet, wobei insbesondere auch die Möglichkeit vorgesehen wurde, „Athleten“ und „Athletenbetreuern“ im Sinne der anwendbaren Anti-Doping-Bestimmungen Verfahrenskostenhilfe zu gewähren (§ 51 und Anhang 3 zur DIS-SportSchO). Darüber hinaus wurden auch die Bestimmungen über Rechtsmittelverfahren erweitert und in einem eigenständigen Teil (§§ 45 ff. DIS-SportSchO) zusammengefasst. Insgesamt ist die DIS-SportSchO von 45 auf nunmehr 64 §§en angewachsen; zudem wurden ihr drei Anhänge hinzugefügt.