Schlagwort-Archive: Novak Djokovic

Nur ein Damoklesschwert über Wimbledon – mehr nicht

causasportnews / Nr. 1036/07/2023, 17. Juli 2023

(causasportnews / red. / 17. Juli 2023) Vor einem Jahr war alles anders und bewegte die Menschheit rund um den Globus: Da wurde die Welt erschüttert nach dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der am 24. Februar 2022 begann und in grauenvoller Art immer noch andauert. Damals zeigte sich der organisierte Sport ziemlich entschlossen, dass russische und weissrussische Sportlerinnen und Sportler vom Sport ausgeschlossen werden sollten. Der Boykott gegenüber dem Kriegstreiber Russland und gegenüber den Aktiven aus Russland und dem Russland-Sympathisanten Weissrussland war rigoros. Eine Ausnahme bildete das Welt-Tennis, das von Russland-Supportern, Opportunisten und Interessenvertretern beherrscht wird. Die Organisatoren des wohl berühmtesten Tennis-Turniers von Wimbledon widersetzten sich der Tennis-Weltdoktrin und liessen Athletinnen und Athleten aus Russland und Weissrussland in Wimbledon 2022 nicht zu; zweifellos erfolgte dieser Entscheid des organisierenden, privaten Vereins in Einklang mit der konsequenten Haltung der britischen Regierung (causasportnews vom 29. Mai 2022). Doch nun hat sich die Situation geändert, der Krieg dauert bereits weit über 500 Tage, die Kriegsmüdigkeit ausserhalb der Schlachtfelder in der Ukraine ist spürbar und irgendwie hat sich die Welt, horribile est dictu, auch an diesen diabolischen Event gewöhnt. Jedenfalls erlebte Wimbledon 2023 einen Meinungs- und Haltungsumschwung. Im soeben zu Ende gegangenen Rasenturnier spielten Athletinnen und Athleten aus Russland und Weissrussland ebenso wieder mit wie Aktive aus der geschundenen Ukraine. Der All England Lawn Tennis and Croquet Club hat sich offenbar dem globalen Tenniskartell beugen müssen und sich verzwergen lassen. Das führte zwar in Wimbledon zu blamablen Szenen, etwa, als die Weissrussin Viktoria Asaranka das Publikum, das sie (zugegebenermassen unschön) ausbuhte, als «betrunken» bezeichnete. Unheiliges also auf dem «heiligen Rasen» von Wimbledon, und ein Vorgeschmack auf die Olympischen Sommerspiele im kommenden Jahr in Paris, falls Aktive aus Russland, Weissrussland und der Ukraine in den Wettkämpfen aufeinander treffen sollten und von ihnen ein Handshake erwartet wird.

Wenigstens machte letztlich der Sport die delikate Situation in Wimbledon vergessen. Keine Aktiven aus Russland und Weissrussland in den beiden Finalspielen, und bei den Frauen eine Tschechin (Marketa Vondrousova) als Siegerin. Bei den Männern geschah mehr als Unerwartetes: Der Spanier Carlos Alcaraz setzte sich nach einem fast fünfstündigen Tennis-Drama gegen den derzeit wohl besten Spieler der Welt, Novak Djokovic, durch. Da war resultatmässig auch die Tennis-Welt mit Blick auf den erfolgsversprechenden Spanier und die Weltlage in Ordnung, nachdem sich der Serbe Novak Djokovic, der die bittere Niederlage sportlich trug und sich so in England zumindest keine Sympathien verscherzte, als fairer Sportsmann erwies. Wobei wir wiederum bei der aktuellen Weltlage wären. Die Haltung Serbiens gegenüber Russland ist vor allem für die Briten tendenziell unverständlich. So gab es unter diesem weitgehend emotionalen Gesichtspunkt in Wimbledon für das Publikum und die Tennis-Welt mit Carlos Alcaraz den «richtigen Sieger». Letztlich hing das Damoklesschwert der Russland-Aggression, welche durchwegs Auswirkungen auf den Sport und seine Protagonisten zeitigt, zwei Wochen über dem berühmten Rasen-Turnier. Der Sport und die Resultate bewirkten letztlich, dass der grauenvolle Krieg und seine Auswirkungen schwächer waren als das 2023 in Wimbledon Gezeigte.

Dauerbrenner Sport und Politik

causasportnews / Nr. 1022/05/2023, 31. Mai 2023

Pristina, Hauptstadt des Kosovo; Photo by u015eenad Kahraman on Pexels.com

(causasportnews / red. / 31. Mai 2023) Als ob es derzeit nicht schon genügend Kriege, Konflikte, Gewalt und Chaos auf der Welt geben würde. Jetzt bekriegen sich auch wieder einmal Serbien und der Kosovo. In Nordkosovo herrscht der Ausnahmezustand. Die Gewalt dominiert. Serbische Demonstrantinnen und Demonstranten bekämpfen in schockierender Art KFOR-Soldaten, die zu den Nato-Truppen gehören. Das alleine ist schon tragisch genug, doch wie bei solchen Ereignissen an der Tagesordnung, mischt sich der Sport auch hier ins Politische ein, das jetzt schon eine kriegerische Komponente aufweist. Sport und Politik haben nichts miteinander zu tun, wiederholt der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), Thomas Bach, immer wieder gebetsmühlenartig. Und wird stets aufs Neue widerlegt. Wie jetzt aktuell im Kosovo. Dabei ist realistischerweise zu berücksichtigen, dass beispielsweise Nationalismus und Sport Parallelitäten aufweisen, was im seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo permanent manifest wird. Sportlerinnen und Sportler sind eben auch Staatsangehörige ihrer Länderund fühlen sich ihrer Ethnie verpflichtet. Siehe das Beispiel Russland gegen die Ukraine; das ist übrigens (und leider) keine Fussball-Paarung, sondern steht für das wohl sinnloseste Gemetzel seit dem 2. Weltkrieg, losgetreten von Wahnsinnigen. Die Hilflosigkeit des Sportes tritt immer wieder zu Tage, wenn es um die Moral gegenüber Kriegsführenden und Aggressoren geht. Wie im Angriffskrieg der Russen gegen die Ukraine. Der Sport bringt es bekanntlich nicht fertig, aus diesem Segment alles Russische zu eliminieren. Er zeigt sich auch mit dem Umgang mit Provokateuren, Hetzern und Zündlern hilflos.

Es kommt zwar nicht überraschend, dass der im Moment am Frech Open engagierte Tennis-Star Novak Djokovic die Gelegenheit packt, sich unnötig und provokativ einzubringen und sich einfältig zu den Ereignissen in Nordkosovo zu äussern. Kosovo sei das Herz Serbiens, und mit der Gewalt müsse es ein Ende haben (sic!), äusserte er sich nach seinem Erstrundensieg in Paris zu den Gewaltausbrüchen im Kosovo. Eigentlich ist die Weltranglisten Nummer 3 Voll-Professional und würde sich klugerweise auf die Erbringung seiner Arbeitsleistung beschränken und sich nicht zu politisch motivierter Gewalt im Umfeld von Serbien und Kosovo äussern. Das tut er trotzdem, wohlwissend, dass er damit wohl (auch) gegen die Ethik-Charta des Französischen Tennis-Verbandes (FTT, Fédération Française de Tennis) verstösst. Dieses Regelwerk wird allerdings als ziemlich zahnlos eingestuft und dürfte einem Top-Sportler von der Qualität eines Novak Djokovic wenig bis nichts anhaben.

Fazit: Die Trennung von Sport und Politik wäre so wichtig wie die flächendeckende Separation von Kirche und Staat. Doch Illusion bleibt Illusion. Oder «panta rhei» (alles fliesst), wäre man geneigt zu sagen. Schliesslich findet es die orthodoxe Kirche in Moskau und Umgebung auch gut, was der russische Staat derzeit so anstellt. Da wird man dem Top-Spieler aus Serbien auch ein bisschen Zündeln zugestehen müssen.

Sport-politischer Super-GAU am Australian Open

Foto: div. Medien

(causasportnews / red. / 30. Januar 2023) Vor einem Jahr beherrschten die Abschiebung aus Australien und damit der Ausschluss des Serben Novak Djokovic vom Australian Open 2022 die Schlagzeilen weltweit über Tage (vgl. auch causasportnews vom 9. Januar 2023, mit weiteren Hinweisen); die «Corona»-Restriktionen im fünften Kontinent verhinderten, dass der bald 36jährige Top-Tennis-Spieler und «Corona»-Impfgegner das prestige-trächtige Turnier zum zehnten Mal gewinnen konnte. Das hat er nun in diesem, noch jungen Jahr nachgeholt und den Turniererfolg eindrücklich realisiert. An der sportlichen Leistung des Ausnahme-Könners gibt es nichts zu deuteln. Doch die sport-politische Dimension dieses 22. Grand Slam-Titels des Serben ist für den Sport ein Super-GAU. Da wurde anlässlich des Viertel-Finalspiels zwischen dem Russen Andrey Rublev und Novak Djokovic ein Sportanlass für politische Manifestationen missbraucht, und es ist unbehelflich zu detaillieren, wer sich nun wie und weshalb auf den Tribünen in Melbourne mehr als nur daneben benommen hat. Dabei muss vor Augen gehalten werden, dass die Serben, natürlich nicht alle, zu den intensivsten und auch militantesten Gesinnungstätern der russischen Aggression gegen die Ukraine zu zählen sind. Der serbisch-russische Schulterschluss manifestierte sich in widerlichster Weise nach dem Sieg des Serben gegen den Russen. «Fans» verschiedenster Provenienz skandierten auf den Tribünen Parolen für den Krieg, grölten Schlachtrufe, stimmten Sprechhöre an und entrollten Transparente mit eindeutigen Inhalten – pro Krieg, pro Putin, pro Russland. Ohne den Serben, der nach seinem Melbourne-Sieg wieder die Nummer 1 im Welttennis sein wird, wäre dem Sport diese kriegstriefende Manifestation drei Tage vor dem Final erspart geblieben. Es war für diese Sportart ein sport-politischer Super- GAU, der Missbrauch dieser Plattform durch die serbischen «Fans» und russischen Anhänger sowie Familienangehörigen von Novak Djokovic eine Bankrotterklärung der hehren Ideale des Sportes, der sich bekanntlich als apolitisch bezeichnet und versteht. Erschreckend war der Umstand in Australien, dass gegen diese Manifestation von Russen und Serben niemand einschritt. Somit rächte es sich (einmal mehr), dass das Welt-Sportfunktionärstum nicht entschlossen genug oder gar nicht gegen alle und alles einschreitet, was direkt oder indirekt zur Kriegsverherrlichung im Umfeld des Sportes beiträgt.

In Melbourne kam es allerdings am Tage vor dem Männer-Finalspiel noch schlimmer. Aryna Sabalenka aus dem Land des Russen-Satellitenstaates Weissrussland gewann das Finale bei den Frauen. So erhielt Russland durch Weissrussland indirekt eine weitere Propaganda-Plattform, auch wenn die Reaktionen auf diesen Erfolg natürlich geringer ausfielen als nach dem Spiel des Serben Novak Djokovic gegen den Russen Andrey Rublev.

Die Lehre nach dem Australien Open, die allerdings niemand ziehen wird und offenbar niemand zu ziehen gewillt ist: Wichtig wäre es, russische und weissrussische Athleten aus dem organisierten Sport zu verbannen, bis der Aggressionskrieg beendet ist; Sportfunktionäre gehören teils ebenfalls zu den Gesinnungstätern der russischen Aggression. Dass Sympathisanten der russischen Aggression in Sportarenen zudem sanktionslos wüten und diese für politische Propagandazwecken missbrauchen können, ist ebenso widerlich wie unverzeihlich. Selbstverständlich wird dieser in Melbourne erlebte Super-GAU für den organisierten Sport anderswo eine Fortsetzung finden; das lehrt die (Sport-)Geschichte.

Der verlorene Sohn am Australian Open 2023

Photo by Lara Jameson on Pexels.com

(causasportnews / red. / 9. Januar 2023) Es war ein unglaubliches Gezerre, ein eigentliches Hauen und Stechen, das die Welt in Atem hielt, als es vor einem Jahr um die Teilnahme von Novak Djokovic am Australian Open 2022 ging (vgl. causasportnews vom 7. und 11. Januar 2022). Schliesslich wurde der Serbische «Corona»-Impfverweigerer mit Schimpf und Schande aus dem fünften Kontinent gejagt; Justiz, Politik und die öffentliche Meinung statuierten ein Exempel in der «Corona»-Politik am bald 36jährigen Tennis-Ausnahmekönner.

Nun ist alles anders: Die «Corona»-Seuche hat ihren Schrecken verloren, auch wenn die Pandemie weltweit immer noch grassiert. Wie sehr sich die globale Welt an «Corona» gewöhnt hat, zeigt der Umstand, dass Chinesen und Chinesen praktisch wieder restriktionslos herumreisen können, obwohl uns China höchstwahrscheinlich diese Seuche beschert hat und unter den rund 1,5 Milliarden Menschen immer noch wütet. Da wäre es in der Tat skurril, den Top-Favoriten für das Australian Open, das in ein paar Tagen beginnen wird, wegen einer verweigerten Impfung vom Turnier auszuschliessen! (causasportnews vom 19. Oktober 2022). Wie sich die Welt innerhalb eines Jahres auch in punkto «Corona» verändert hat, belegt der Umstand, dass nun an diesem prestige-trächtigen Tennis-Turnier in Melbourne sogar positiv-getestete Spielerinnen und Spieler teilnehmen dürfen, wenn sie sich wohl fühlen…

So ist der Weg zufolge der verletzungsbedingten Abwesenheit der Welt-Nr. 1, Carlos Alcaraz Garfia (Spanien), zum ersten Grand-Slam-Turniererfolg in diesem Jahr für Novak Djokovic geebnet. Der Serbe spielte sich soeben am Turnier in Adelaide schon einmal warm und gewann den hochklassigen Final gegen den US-Amerikaner Sebastian Korda. Das Publikum feierte ihn frenetisch, fast wie einen verlorenen Sohn. In Melbourne wird der Weg zum Sieg auch auf dem Court von Melbourne nur über Novak Djokovic führen. Auf exogene Teilnahme-Hinderungsgründe wie vor einem Jahr werden die Gegner des Top-Stars heuer nicht mehr setzen und hoffen können.

Darf Novak Djokovic oder darf er nicht?

Photo by Catarina Sousa on Pexels.com

(causasportnews / red. / 19. Oktober 2022) Rund drei Monate dauert es noch bis zur nächsten Auflage des Australian Open, und bereits jetzt nimmt eine Diskussion, die lieber nicht geführt würde, Fahrt auf: Darf Novak Djokovic 2023 an diesem prestige-trächtigen Turnier teilnehmen oder nicht? Anfangs Jahr hielt diese «Causa» nicht nur die Tenniswelt in Atem, bis feststand, dass der 35jährige Serbe Australien verlassen musste, bzw. ihm die Einreise nach Down Under wegen seiner Weigerung, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen, per Gerichtsbeschluss verweigert wurde (vgl. etwa auch causasportnews vom 16. Januar 2022). Jenes Urteil enthielt das in solchen Fällen übliche Verbot, das Land für drei Jahre zu betreten. Trotz einem Aufgebot sog. «Star»-Anwälte, die glaubten, gegen die Wegweisung des Tennis-Cracks mit Tricks aus der juristischen Mottenkiste das Verdikt der Einreisebehörde ungeschehen zu machen, setzte sich der Serbe wohl oder übel vor Wettkampfbeginn wie ein geschlagener Hund ins Flugzeug. Eine spezielle Rolle spielten offenbar die Organisatoren des Turniers, welche zwar die Rechtslage kannten, jedoch glaubten, die entsprechenden Normierungen durch Fakten und politischen Druck aushebeln zu können. Das Schlupfloch für den serbischen Vekazin-Verweigerer öffnete sich nicht, und es resultierte ein peinliches Tauziehen, bis die aktuelle Nummer 7 der Weltrangliste frustriert und verärgert von dannen zog, bzw. flog. Ebenso zerknirscht waren die Turnier-Organisatoren in Melbourne, die um das sportliche Aushängeschild des Events kämpften. Nun, drei Monate vor dem Australian Open 2023, wird an allen Fronten geweibelt und gewirbelt. Auf der einen Seite scheint die Regierung Australiens, beeindruckt vom Prominenten Status des Tennis-Stars, nicht abgeneigt zu sein, einen gangbaren Teilnahme-Weg zu finden, um die Situation nicht noch einmal aus dem Ruder laufen zu lassen. Sie steht aber auch unter dem Druck der Öffentlichkeit, für Novak Djokovic keine Ausnahme von dem für alle geltenden Recht zu billigen. Zwar sind es noch drei Monate, bis in Melbourne aufgeschlagen wird. Ob es gelingen wird, diese Zeit zu nutzen, um den Vorgang kontrolliert in die eine oder andere Richtung zu lenken, wird sich zeigen. Ob das Einreiseverbot für den Januar 2023 temporär gelockert wird, dürfte allerdings nicht so rasch definitiv entschieden sein. Die Abwägung der verschiedenen Interessen beinhaltet weitreichende Folgen. Insbesondere im Sport muten drei Monate lange an. Geht es allerdings um (Sport-)Politik, könnte die Zeit in der «Einreise-Causa» des Top-Sportlers auch mit Blick auf das Turnier im kommenden Januar letztlich doch noch knapp werden. Im Moment lässt sich realistischerweise keine Prognose wagen, ob Novak Djokovic in Australien um seinen 22. Grand-Slam-Titel wird spielen können oder nicht.

Der Auf- und Gegenschlag von ATP, WTA und ITF gegen Wimbledon

(causasportnews / red. / 29. Mai 2022) Da soll noch jemand behaupten, Sport sei keine Kriegsführung mit anderen Mitteln! Diese These wird aktuell untermauert nicht etwa im Fussball, wo Hooligans regelmässig die Grenze zwischen Sport und Krieg verwässern, sondern im gelegentlich so genannten «gentlemen sport» Tennis. Wegen des Aggressionskrieges Russlands gegen die Ukraine hat der das berühmte Wimbledon-Turnier organisierende private Verein All England Lawn Tennis and Croquet Club beschlossen, dass in diesem Jahr keine russischen Spielerinnen und Spieler sowie keine Vertreterinnen und Vertreter Weissrusslands den «heiligen Rasen» betreten dürfen. Dieser Entscheid basiert zweifelsfrei auf der einigermassen konsequenten Boykott-Linie der britischen Regierung gegenüber der Kriegstreiber-Nation Russland (vgl. auch causasportnwes vom 23. April 2022). Seit Bekanntgabe der Anordnung sind die Meinungen zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Sanktionsmassnahme geteilt. Die Profitouren der Männer (ATP) und der Frauen (WTA) sowie der Tennisweltverband (ITF; International Tennis Federation, nota bene mit Sitz in London!) haben nun in Kriegsmanier zum Auf- und Gegenschlag gegenüber den Wimbledon-Organisatoren ausgeholt und entschieden, dass in Wimbledon 2022 (27. Juni bis 10. Juli) keine der begehrten Weltranglistenpunkte vergeben werden. Das trifft die Londoner Organisatoren nicht sehr stark, weil ein Sieg in Wimbledon an Tennis-Prestige so oder so nicht überboten werden kann. Jedoch ist die Tenniswelt nun definitiv gespalten. Die Frage, ob die Sanktion des All England Lawn Tennis and Croquet Club gegen russische und weissrussische Sportlerinnen und Sportler sinnvoll und angemessen sei, kann natürlich kontrovers diskutiert werden. Doch der private Verein hat nun einmal so entschieden, und das darf er selbstverständlich. Die Retorsion von ATP, WTA und ITF ist wohl weniger nachvollziehbar, zumal auf diese Weise das Welttennis arg verzerrt wird; doch auch diese Massnahmen sind erlaubt. Die Zulassung (oder Nicht-Zulassung) zu einem sportlichen Wettbewerb ist eine Sache; auf diese Weise, wie es ATP, WTA und ITF tun, direkt in den sportlichen Wettbewerb einzugreifen, ist eine eher schwer verständliche, andere Angelegenheit. Ironischerweise wird nach dem Turnier in London der Russe Daniil Medwedew die Weltranglisten-Nummer 1 werden, auch falls Novak Djokovic in Paris und in Wimbledon gewinnen sollte…

Segen und Fluch des Individual-Sponsorings

Photo by Eva Elijas on Pexels.com

(causasportnews / red. / 25. Januar 2022) In der schnelllebigen Sportwelt ist die «Affäre Novak Djokovic» längst in den Hintergrund getreten. Unaufgeregt plätschert derzeit das «Australian Open» vor sich her, das nach dem vorzeitigen Abgang der Weltranglisten-Nummer Eins der Hauptattraktion beraubt wurde. Nun schaut man in die Zukunft auch vor allem in Richtung der weiteren, bedeutenden Turniere auf dem Planeten. Im Vordergrund steht die Frage, wann und an welchen Wettkämpfen der 35jährige Serbe als erklärter Impfverweigerer und Verschwörungstheoretiker in diesem Jahr wird teilnehmen können, falls «Corona» weiterhin die Welt im Griff hält und er es ablehnt, sich impfen zu lassen. Das ist die sportliche Seite.

Das juristische, politische Gerangel um Novak Djokovic vor dem prestige-trächtigen Tennis-Turnier in «down under» hat vor allem eine wirtschaftliche Komponente manifest werden lassen. Im Sport geht es eben, wie hinlänglich bekannt, vor allem auch ums Geld, das in verschiedensten Facetten das Thema ist. Auch bezüglich Sponsoring. Not amused über die Eskapaden des serbischen Top-Sportlers sind beispielsweise etwa seine Sponsoren. Die «Causa Novak Djokovic» führt insbesondere vor Augen, welche Problematik individuelles Sponsoring mit sich bringt. Es kann für einen Sportler (oder eine Sportlerin) und für den Sponsor ein Segen sei, wenn sich eine entsprechende Werbe-Partnerschaft realisiert. Diese beinhaltet aber das Risiko, dass der gesponserte Sportler kraft seines Verhaltens oder seiner Auftritte zur «Hypothek» für den Sponsor wird, der es unter Umständen eher nicht (mehr) gerne sieht, wenn das beworbene Produkt oder die beworbene Dienstleistung mit dem renitent-schwurbelnden Sportler (oder Sportlerin) in intensivem Zusammenhang steht. Evident ist, dass Individual-Kooperationen im Sponsoring stets Risiken beinhalten, welche z.B. in Mannschafts-Sportarten als nicht einmal latent vorhanden zu qualifizieren sind (in einer gesponserten Fussball-Mannschaft spielt der einzelne Akteur bezüglich Sponsoring nicht eine derartige Bedeutung wie in einer Individual-Sportart).

So verwundert es nicht, dass nach den nicht gerade image-fördernden Eskapaden von Novak Djokovic (seine) Sponsoren von Weltruf murren und den Serben zum Rapport antreten lassen oder das eingegangene Sponsoring hinterfragen, so etwa «Lacoste» (der Bekleidungskonzern gehört zur Genfer Gruppe Maus Frères) oder der Luxus-Uhrenhersteller «Hublot» mit Sitz in Nyon am Genfersee (er gehört zum französischen LVMH-Konzern). Weitere Unternehmen, wie «Head» (Tennis-Rackets), «Peugeot» (Mobilitäts-Industriekonzern), «Asics» (Sport-Schuhe) oder «Raiffeisen International» (Österreichische Bank) sorgen dafür, dass der 35jährige Tennis-Krösus jährlich etwa 30 Millionen Dollar an Werbegeldern einstreichen kann. Sie alle halten den Ball im Moment i.S. Marketing mit Novak Djokovic mehr als flach.

Teils ist auch schon die Frage gestellt worden, ob sich ein Sponsor Entgleisungen, wie nun von der Welt-Nummer-Eins praktiziert, gefallen lassen muss oder ein Sponsoring- Engagement in einem solchen Fall vorzeitig aus wichtigem Grund, wie praktisch jedes Vertragsverhältnis, ausserordentlicherweise (vorzeitig) ohne Folgen beendet werden darf. Das ist unter juristischen Gesichtspunkten wohl eher nicht möglich. Vielmehr sind dies eben die Tücken eines Individual-Sponsorings, und ein Geldgeber muss in dieser Sparte eher damit rechnen, dass sein Einzel-Webepartner für ihn problematisch oder untragbar werden könnte. Nicht jeder Sportler ist in Gottes Namen ein Roger Federer, der, im Moment sportlich inaktiv, werblich jedoch hyperaktiv, wohl selber kaum mehr weiss, für welche Produkte, Unternehmen und Dienstleistungen er wirbt. Für einen Sponsor ist eine solche Konstellation ideal, denn er hat kaum einen Image-Schaden zu befürchten, sollte der Sportler einmal den Weg von Irrungen und Wirrungen beschreiten oder vom konventionellen Weg abkommen. Wie delikat Individual-Sponsoring sein kann, belegt die Werbe-Angelegenheit V-Zug und Martina Hingis. Weil die ehemalige Weltklasse-Tennisspielerin 2008 in den Netzten der Dopingfahnder hängen blieb (es war ein lapidares Vergehen), distanzierte sich V-Zug sofort und öffentlich von der Gesponserten. Das trug den Zuger Haushaltmaschinen-Bauern viel Kritik ein. Von einem Sponsor wird auch etwas Treue zum Sportler erwartet, vor allem dann, wenn sich dessen Verfehlung als marginal erweist.

Mehr dazu in «Causa Sport» 1/2022; erscheint am 30. April 2022 – causasport.org

Melbourne und Wengen – das Wochenende der «Quittungen»

Photo by Catarina Sousa on Pexels.com

(causasportnews / red. / 16. Januar 2022) Es war das Wochenende der «Quittungen» – im australischen Melbourne und im schweizerischen Wengen. Nach nervenaufreibenden Tagen sowie einem politischen und juristischen Hickhack fiel kurz vor dem offiziellen Beginn des Australian Open der Entscheid in der «Causa Novak Djokovic». Der Serbe, die Welt-Nummer-Eins im Männer-Tennis, musste nach einem endgültigen Entscheid des angerufenen Bundesgerichts in Melbourne die Heimreise antreten. Er hat den «Krieg» gegen den Insel-Kontinenten verloren (causasportnews vom 11. Januar 2022) und letztlich die «Quittung» für seine Geisteshaltung und sein sonstiges Verhalten bekommen. Der Vorgang wurde hochstilisiert zum Kampf eines Impf-Verweigerers, der zum Anführer der Querdenker und Impf-Querulanten wurde, gegen einen Staat, der seinen Einreise-Regularien im Zuge von «Corona» zum Durchbruch verhelfen wollte; und dies letztlich auch tat. Novak Djokovic bekam zu spüren, dass im Sport der Schiedsrichter die Regeln anwendet, im staatlichen Umfeld jedoch der Staat. Allerdings hätte das tagelange Tauziehen um den Verbleib des Spielers in «down under» oder seine Ausweisung aus Australien nach Tagen durchaus vermieden werden können, wenn Staat und Justiz nicht derart wankelmütig agiert hätten. Es hätte ihm zu Beginn des Theaters die Einreise definitiv verwehrt werden müssen. Dass sich der 35jährige Serbe als Nicht-Geimpfter den Zugang zum prestigeträchtigen Australian Open quasi durch die Hintertüre sichern wollte, war von ihm mehr als mutig. Australien ist für eine konsequente Einreisepolitik bekannt, was jeder Tourist weiss, der schon einmal nach «down under» gelangen wollte. In der Zeit von «Corona» und den klaren Vorgaben Australiens war es eine offensichtliche Fehl-Spekulation von Novak Djokovic, sich auf dieses juristische «Vorspiel» zum Australian Open einzulassen, bei dem er nun auf der Strecke blieb. Er hat einen selbst heraufbeschworenen «Krieg» verloren gegen ein Land, das sich nicht selten ähnlich wie das standfeste «gallische Dorf» aus Asterix und Obelix gebärdet; aber der Weltuntergang gestaltet sich definitiv anders. Dieses Ende einer Affäre ist für den Top-Sportler, der wohl auch künftig eher nur mit Mühe wieder in Australien wird spielen können, bzw. dürfen, nicht nur negativ. Was wäre gewesen, wenn der Serbe bei einer Teilnahme am Australian Open 2022 das Turnier nicht gewonnen hätte? Wäre die Rod Laver-Arena in Melbourne zum Schauplatz eines Stellvertreter-Krieges der Fans geworden? Dass Novak Djokovic die Wegweisung aus Australien letztlich akzeptiert hat (es blieb ihm auch nichts anderes übrig), hat ihn wohl auch vor weiterem Schaden bewahrt. Es entspricht zweifelsfrei auch nicht gerade dem Wunschdenken der Sponsoren des Sportlers, wenn sie mit einen Impfverweigerer und Querdenker paktieren. Deshalb hat die Nummer Eins die Ausreise aus Australien im Zuge einer Schaden-Minderung ziemlich kleinlaut angetreten.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Die «Quittung» für die unglaubwürdige «Corona»-Politik in der Schweiz haben auch der Schweizer Abfahrts-Star Beat Feuz im Speziellen und die Schweizer Ski-Nation im Allgemeinen erhalten. Seit Monaten wird in Helvetien, oft auch mit dem bereits erwähnten gallischen Dorf verglichen, «Corona» höchstens noch halbherzig bekämpft. Die Regierung hat den Kampf gegen das Virus längst aufgegeben, ist in der Causa «Pandemiebekämpfung» abgetaucht und setzt die Bevölkerung der Seuche praktisch schutzlos aus – ohne das auch ehrlich zu sagen. «Durchseuchung» heisst das Heilmittel, das aber vermutlich nur in Dark-Räumen der Phantasien existiert. Es wird zwar an «Corona»-Bekämpfungs-Szenarien gewerkelt, doch das ist nichts anderes als ein Mitwirken an der Herstellung von neuen Kleidern im Sinne der Geschichte von des Kaisers neuen Kleidern. Damit wird seitens des Staates und der Politik lediglich ein Plecebo-Effekt erzielt. Zwar existieren in der Schweiz Schutzkonzepte und werden entsprechende Regularien erlassen, doch sind deren Durchsetzung und der entsprechende Durchsetzungs-Wille nicht mehr als ein Scherz. Beziehungsweise hat sich der Staat bei der Virus-Bekämpfung der «laissez-faire-Politik» verschrieben. Geradezu gruslig waren die Bilder, die anlässlich der Weltcup-Skirennen vor einer Woche in Adelboden und nun in Wengen zu sehen waren. Weder Zuschauende noch Sportler hielten sich an irgendwelche Schutzvorgaben. «Corona» war im Berner Oberland wie ausgeblendet. Krisenbewältigung durch Ignorantentum, wäre man geneigt zu sagen. Das führte dann allerdings dazu, dass die Schweiz für diese Haltung die sportliche «Quittung» bekam. Wären die Schweizer so konsequent wie die Australier im «Fall Novak Djokovic», hätte der Österreicher Vincent Kriechmayr zum Lauberhorn-Klassiker wegen nicht erfüllter Vorgaben im Zuge von «Corona» zum Abfahrtsrennen gar nicht zugelassen werden dürfen. Weil man es in der Schweiz bezüglich «Corona» aber eben locker nimmt, ging der Österreicher ebenso locker an den Start und gewann den Klassiker – vor dem einheimischen Top-Favoriten Beat Feuz. Genau dieser Sieger sollte verhindert werden, jammerten die helvetischen Medien nach dem Abfahrts-Spektakel vor der berühmten Eiger-Nordwand. Aber eben: Wer sich nicht an die eigenen Regeln hält, darf sich nicht darüber beklagen, wenn ein anderer davon profitiert. Im Fussball würde eine solche Situation als klassisches «Eigentor» qualifiziert.

Novak Djokovic auf dem Weg in die Rod Laver-Arena?

So sehen die Medien den «Fall Novak Djokovic» («Tages-Anzeiger», Zürich)

(causasportnews / Red. / 11. Januar 2022) Nicht überraschend hat Novak Djokovic im Kampf gegen die Australischen Einreisebehörden, der zum Fight der Weltranglisten Nummer Eins gegen einen ganzen Kontinent emporstilisiert worden ist, einen Teilsieg errungen. Ob damit der Weg in die Rod Laver-Arena in Melbourne definitiv geebnet ist, wird sich weisen. Der Entscheid von Richter Anthony Kelly, der geurteilt hat, dass der Tennis-Star in Australien einreisen, bzw. im Land und auf dem Kontinent verbleiben dürfe, ist schwierig zu beurteilen und zu gewichten, vor allem, weil den Aussenstehenden die Fall-Details verborgen bleiben, obwohl dank der Digitalisierung einiges kommuniziert worden ist, so etwa die Statements der Anwälte des Spielers. Vielmehr dürfte mit der Entscheidung die juristische Binsenwahrheit bestätigt worden sein, dass von einem Gericht lediglich eine Entscheidung erwartet werden darf, nicht aber etwa Gerechtigkeit, Satisfaktion, persönliche oder politische Genugtuung, usw. Unweigerlich wird in dieser «Causa», die doch etliche Ungereimtheiten aufweist, gewahr, was sonst vor allem in Italien als Bonmot kursiert, nämlich, dass es keine mutigen Richter, die noch am Leben sind, geben würde. Es ist in etwa auszumalen, was Richter Anthony Kelly bei einem anderslautenden Entscheid aufgrund des Kesseltreibens gegen die Einreisebehörden und Australien zu gewärtigen hätte. Wahrscheinlich schieben sich nun die Justiz und die Politik die «heisse Kartoffel Novak Djokovic» gegenseitig zu. Einwanderungsminister Alex Hawke, der die Teilnahme des bald 35jährigen Serben an dem am kommenden Montag beginnenden Turnier mit seinem «Veto» gegen den richterlichen Entscheid noch verhindern kann, gilt als gradlinig und furchtlos. On verra! Wie der Vorgang auch enden wird: Es wird in dieser grotesken Geschichte, welche die Welt-Medien derzeit beherrscht und auf Trab hält, nur Verlierer geben. Ein solcher Verlierer wird ebenfalls Novak Djokovic sein, auch wenn er den «Krieg» gegen die Justiz und die Polit-Behörden in «down under» – oder eben gegen den ganzen Kontinent – letztlich gewinnen sollte und in der kommenden Woche in der Rod Laver-Arena einziehen wird. Aber immerhin hat er eine «Schlacht» gewonnen…

Derzeit ist nur eines sicher in dieser unsäglichen Geschichte: Affaire à suivre.

Novak Djokovic – oder der Schmetterlingseffekt im Sport

Photo by Catarina Sousa on Pexels.com

(causasportnews / red. / 7. Januar 2022) Vor allem auch deshalb, weil derzeit in der Welt und auch im Sport nicht allzuviel Nennenswertes, oder höchstens Unerfreuliches, geschieht, werden in Zeiten von «Corona» Bagatellen zu Ereignissen, welche die Menschheit in Atem halten.

So will der aktuell beste Tennisspieler der Welt, Novak Djokovic, am Australian Open teilnehmen, scheiterte mit diesem Ansinnen (einstweilen) bereits bei der Einreise nach «down under». Weil er offensichtlich die in Australien als streng geltenden Einreisevorgaben, die in der Regel konsequent gehandhabt werden, nicht erfüllt, wurde ihm bei der Einreise in Melbourne kurzerhand das Visum entzogen. Der bald 35jährige Serbe wartet in einem Hotel auf ein Gerichtsurteil, das am Montag ergehen und darüber befinden soll, ob die Weltranglisten Nummer Eins wieder abgeschoben wird oder spielen darf. Novak Djokovic gehört, um es gelinde auszudrücken, zu den «Corona»-Impfgegnern. Das erleichtert das Einreisprozedere in Australien wohl nicht gerade. Wievielmal er schon vom Virus befallen war, weiss niemand, und der Serbe findet «Corona» auch nicht so schlimm, deshalb trommelte er im Sommer 2020 Gleichgesinnte aus der Tennis-Szene zusammen und zog die «Adria Tour» auf, die im viralen Desaster endete. Jedenfalls muss sich, wer sich so verhält, in Australien damit rechnen, zumindest bezüglich Einreisevorgaben nicht gerade bevorzugt behandelt zu werden, auch wenn er der Beste seines Faches ist.

Wenn die Welt-Nummer Eins von einer Behörde im Zuge von «Corona» gestoppt wird, bevor er einen Tennisball spielen kann, wird das heute zum Welt-Thema. Der Schmetterlingseffekt liegt auf der Hand (der besagt, dass durch den Flügelschlag eines Schmetterlings letztlich ein Tornado entstehen kann). Müssig anzufügen, dass sich vor dem Hotel, in dem Novak Djokovic darauf wartet, ob er am weltbekannten Open teilnehmen darf oder ob er aus Australien abgeschoben wird, Proteste und Kundgebungen für den Serben stattfinden. Getreu nach dem Motto: Lob der Schuldigen, Tadel der Unschuldigen, werden vor allem die australischen Einreisebehörden und die Regierung unter Beschuss genommen. Es werden zudem Politiker auf höchster Eben in Serbien, in Sachen Verwendung des Sportes für ihre Zwecke nicht unerprobt, in Stellung gebracht, welche den «Fall Novak Djokovic» zum Anlass nehmen, die australische Regierung anzupöbeln und zu verunglimpfen; und natürlich um national motivierten Druck auszuüben. Serbien sei Novak und Novak sei Serbien, verlautet etwa vom Balkan. Entsprechend wütet der demonstrierende Mob in der Heimat des Spielers, und der Vater von Novak Djokovic zeigt mit seiner Äusserung, der Fall seines Sohnes sei mit dem Leiden Jesu Christi bei der Kreuzigung zu vergleichen, welche Dimensionen der Hetze erreicht sind. So wird versucht, den an sich simplen Einreisevorgang bezüglich des Sportlers als Angriff gegen das Land und die Nation der Serben emporzustilisieren. Der Sport gibt bekanntlich immer wieder eine Plattform ab für gelebten Nationalismus. Der Weg zum Krieg ist dann manchmal nicht mehr weit. Honduras und El Salvador bekriegten sich 1969 bekanntlich nach einem Fussballspiel. Zumindest ist mit der «Causa Novak Djokovic» wieder einmal belegt, dass die «Schmetterlingstheorie» eben mehr als nur eine Theorie ist und auch im Sport gilt.

Der Ball liegt nun also im konkreten Fall beim zuständigen Gericht in Melbourne. Selbstverständlich würde dem Top-Athleten die Teilnahme am prestige-trächtigen Turnier in Australien gegönnt. Im Falle der Ausweisung dürfte ihm in jedem Fall eines erspart bleiben: Ein Spiessrutenlauf auf dem Tennis Court in «down under». Die Australier sind nämlich nicht nur konsequent, sondern durchaus auch nachtragend…