Archiv der Kategorie: Allgemein

Der Machtrausch der Präsidenten vor der Fussball-WM-Endrunde 2026

causasportnews.com – 34/2025, 14. April 2025

«Fussball – ein geiler Sport», findet US-Präsident Trump (Illustration Rudolf Widmer, Tages – Anzeiger vom 12. April 2025)

(causasportnews / red. / 14. April 2025) Wird an dieser Stelle vom «Machtrausch des Präsidenten» gesprochen, wäre die Zuordnung an sich klar: Die Rede ist nicht vom Präsidenten des Weltfussball-Verbandes FIFA, Gianni Infantino, sondern vom US-Präsidenten Donald Trump, der die Wirtschafts- und Global-Weltordnung derzeit so richtig durcheinanderwirbelt. Macht und Machtrausch sind zwei Attribute, die im Gleichschritt mit dem Amerikaner mit deutschen Wurzeln als auch mit dem Italo-Schweizer getrost genannt werden dürfen. Natürlich ist es nur ein Zufall, dass es die beiden Präsidenten sehr gut miteinander können, wie bei jeder Gelegenheit betont und visualisiert der Menschheit kommuniziert wird.

Derzeit wird wegen seiner präsidialen Eskapaden Donald Trump mehrheitlich ins Pfefferland gewünscht; nicht ganz zu Recht auch nicht absolut gerechterweise. Immerhin hat das amerikanische Volk im demokratischsten System auf der Welt Donald Trump zum Ober-Cowboy gewählt. Also: Lob der Schuldigen, Tadel des Unschuldigen? Weil Donald Trump aktuell wie ein Berserker wütet, ist der auch nicht überall wahnsinnig geliebte FIFA-Präsident mit unbekanntem Aufenthaltsort mit Blick auf das Turnier im kommenden Jahr in den Hintergrund getreten. Dies ist nicht so exakt nachvollziehbar, haben die beiden Machtmenschen doch ein grosses, gemeinsames Ziel: Die Durchführung der Fussball-WM-Endrunde vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 in den drei Ländern USA, Kanada und Mexiko. Diese Co-Gastgeberschaft bedeutet an sich schon eine explosive Mischung, denn im derzeitigen «Zoll- und Wirtschaftskrieg» agieren die USA auch gegen die beiden Mit-Gastgeberländer der Fussball-WM-Endrunde im kommenden Jahr, Kanada und Mexiko. In knapp 14 Monaten soll der Event mit 48 Nationalmannschaften über die Bühne gehen (in Katar 2022 traten noch 32 Teams an; jetzt meint Gianni Infantino: «Mehr Spiele, mehr Geld»); doch im Moment scheint der Anlass weit entfernt zu sein, bzw.: Er wird regelrecht verdrängt. Wenn in den Staaten gespielt wird, kann das wohl nicht gerade als sportlicher Gross-Anlass unter Freunden bezeichnet werden. Vorfreude ist mit Blick auf die Endrunde im kommenden Jahr jedenfalls kaum spürbar (zweifellos auch deshalb nicht, weil zu befürchten ist, dass sich Mannschaften aus Ländern qualifizieren werden, die seit geraumer Zeit schmutzige Kriege führen und von Verbrechern geführt werden). Der Event scheint dem US-Präsidenten ziemlich egal zu sein; der FIFA-Präsident hat sich zurückgenommen und hofft wohl, dass sich in den nächsten rund 14 Monaten die globalen, wirtschaftlichen Verhältnisse zum Guten wenden werden. Die Kardinalfrage stellt sich weltweit so: Wie kann der Machtmensch im «weissen Haus» gnädig gestimmt werden? Mit Entschlossenheit (China), mit kollektivistischem Kriechen (EU) oder mit Anbiederungen (eine Vielzahl von Ländern)? Wie dem auch sei. Wahrscheinlich darf dieser von Donald Trump heraufbeschworene «Welt-Kindergarten» nicht allzu ernst genommen werden, auch nicht mit Blick auf die Fussball-WM-Endrunde in etwas mehr als einem Jahr. Den Leserinnen und Lesern soll jedenfalls eine Karikatur, welche die Sachlage auf etwas andere Art auf den Punkt bringt, nicht vorenthalten werden. «Die Fussball-WM 2026 ist schon in vollem Gange», überschreibt der Zeichner Rudolf Widmer sein Werk, das am 12. April 2025 im «Tages – Anzeiger» (Zürich) erschienen ist. Meint der Fussball spielende und die Weltkugel kickende US-Präsident: «Das ist ja ein geiler Sport». Kommentar der Zuschauenden: «Wenn der so herumrennt, können wir ihm ja gar nicht den Hintern küssen». Ab und zu darf es ja auch humorvoll sein…Oder ist alles doch sehr realistisch?

Finanzschlamassel im Nachgang zur Rad-Weltmeisterschaft 2024

causasportnews.com – 33/2025, 9. April 2025

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(causasportnews / red. / 9. April 2025) Wie nachhaltig ist die Rad-Weltmeisterschaft (WM) 2024, die vom 21. bis 29. September 2024 im Kanton Zürich, vornehmlich in der Stadt Zürich und Umgebung, stattfand? Sportlich war dieser Grossanlass top, organisatorisch ein Flop, vor allem in finanzieller Hinsicht, wie seit einiger Zeit bekannt ist. Der Organisations-Träger der Veranstaltung, der «Verein Rad- und Para-Cycling-WM 2024» zog kürzlich die Reissleine, um das sich abzeichnende WM-Finanz-Desaster in den Griff zu bekommen. Der Verein wurde in die provisorische Nachlassstundung geschickt. Von der öffentlichen Hand (Stadt und Kanton Zürich) werden nun Millionen eingeschossen, um wenigstens die Forderungen der Gläubiger erfüllen zu können. 23,5 Millionen Franken soll der Anlass bis jetzt gekostet haben; die Einnahmen belaufen sich lediglich auf 19 Millionen Franken. Damit resultiert ein Ausgaben-Defizit von 4,5 Millionen Franken. Die (für viel Geld) beauftragten Wirtschaftsprüfer von «Deloitte» haben das Finanzschlamassel überprüft und weisen in einem Bericht auf verschiedene Ursachen hin, die zum Desaster geführt hätten.

Die Finanz-Fachleute sehen eine Ursache in den schwerfälligen Strukturen im Rahmen eines Vereins gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB). Nicht, dass die Rechtsform des Vereins als Träger einer solchen Veranstaltung untauglich wäre. Im Gegenteil. Als verheerend erwies sich die (selbst verpasste) Struktur mit einem Steuerungsausschuss der öffentlichen Hand, in dem die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch das Sagen hatte. Weitere Personen der öffentlichen Hand waren über den Verein in die Organisation des Anlasses involviert. «Deloitte» drückte es im Bericht vornehm zurückhaltend aus: Die Einbeziehung der öffentlichen Hand sei komplex und eine Herausforderung mit Blick auf die diversen Entscheidebenen gewesen. Ungeschminkt heisst dies, dass die Stadtpräsidentin und die Entourage aus der Verwaltung unfähig waren, einen derartigen Grossanlass zu organisieren und durchzuführen. Das Budget sei «naiv» und mit zuwenig Reserven erstellt worden, wird festgehalten. Wohl hätte es sich aufgedrängt, diese Konklusion zu ziehen: Eine Rad-WM lässt sich nicht von Ideologien getrieben erfolgsversprechend organisieren und durchführen. So wird vor allem in der dunkel-rot-grünen Stadt Zürich durchwegs flächendeckend agiert. Nur im Sport werden Erfolge und Misserfolge umgehend manifest, wie jetzt aufgrund dieses Finanzschlamassels im Nachgang zur Rad-WM vom letzten Herbst. Insbesondere sind Politikerinnen und Politiker nicht im Stande, einen Anlass mit diesen Dimensionen so nebenbei zielführend und erfolgreich zu organisieren und durchzuführen. Apropos Politik in Zürich: Dass für die Rad-WM kein Hauptsponsor gefunden werden konnte und sich Sponsoringpakete nicht verkaufen liessen, ist zweifellos auf den Umstand zurückzuführen, dass die Wirtschaft, der man sonst klassen-kämpferisch begegnet, nicht bereit ist, einen von der rot-grünen Verwaltung diktierten Anlass zu alimentieren (dass auf Teufel komm’ raus diese Radsport-Veranstaltung nach Zürich geholt werden musste, ist mit dem Credo in der Limmat-Stadt als «Velo Stadt Zürich» zu erklären).

Der Finanz-Schlamassel um die Rad-WM 2024 könnte sich noch verschärfen, falls der Unfalltod der jungen Rennfahrerin Muriel Furrer am 27. September 2024 zu einer Haftung des organisierenden Träger-Vereins führen würde. Ein gutes halbes Jahr nach dem tragischen Vorfall anlässlich der Rad-WM sind die Ursachen des Unfalls mit Todesfolge noch immer nicht geklärt – oder, sie werden nicht offengelegt. Den Verein als juristische Person könnte eine Haftung treffen, ebenso beispielsweise die Organpersonen, die im Verein mitgewirkt haben (der Vereinsvorstand bestand zu je einem Drittel aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Zürich, des Kantons Zürich und des Radsportverbandes «Swiss Cycling», Personen also, die auch persönlich verantwortlich gemacht werden könnten: Art. 55 Abs. 3 ZGB). Ob ein Risiko, wie es sich beim Unfalltod von Muriel Furrer allenfalls eingetreten ist, versicherungstechnisch korrekt abgedeckt wurde, lässt sich im Moment nicht verifizieren. Wenn alles nicht so traurig wäre: Aktueller Vereinspräsident des Vereins «Rad- und Para-Cycling-WM 2024 ist der Leiter des kantonalen Sportamtes…

Ein «Opfer» des «Zollkrieges»: Laufschuh-Gigant «On» rutscht an der Börse aus

causasportnews.com – 32/2025, 6. April 2025

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(causasportnews / red. / 6. April 2025) Derzeit scheint in der Wirtschaftswelt nur noch ein Thema vorzuherrschen: Der vom US-Präsidenten Donald Trump entfesselte «Zollkrieg». Dieser Wirtschaftskrieg wird wohl den ganzen Globus erfassen. Letztlich könnte er auch die USA in eine veritable Krise stürzen. Die Auswirkungen der Anordnungen aus Amerika sind jedenfalls nicht abschätzbar. Sicher wird auch die Schweiz diese Situation nicht ungeschoren überleben können. Beim in Zürich ansässigen Laufschuh-Giganten «On» mit Tennis-Legende Roger Federer als Zugpferd stehen die Zeichen aktuell auf Sturm. Zufälligerweise am Tag, als «causasportnews» über das Unternehmen berichtete (vgl. causasportnews vom 3. April 2025) schmierten die Kurse des Zürcher Unternehmens richtig ab, bzw. rutschte «On» an der Börse regelrecht aus. Nach der Lancierung des «Zollkrieges» durch die US-Regierung sank der Kurs der «On»-Aktie an der New Yorker Börse um 16,2 Prozent. Es war dies der grösste Tagesverlust seit dem 5. Mai 2022, als die Aktie ein Minus von 16,8 Prozent notierte. Am 3. April 2025 wurde bei den «On»-Aktien ein Börsenwert von rund 3 Milliarden US-Dollar ausradiert! Der Laufschuh-Gigant wird vom «Zollkrieg» vor allem deshalb erfasst, weil die Schuhe in Vietnam und in Indonesien produziert werden. Für Produkte aus Vietnam macht dies ein Zollzuschlag von 46 Prozent aus. Für «On» sind die USA der wichtigste Verkaufsmarkt. 60% des Gesamtumsatzes generieren die Schweizer im Absatzmarkt Nordamerika. Es ist wohl nur ein schwacher Trost für die Sportschuhe-Industrie, dass auch die Konkurrenten von «On», z.B. «Nike», durchwegs in Billig-Ländern in Asien produzieren.

Betroffen vom losgetretenen «Zollkrieg» ist auch der Weltfussball, insbesondere könnten die Folgen für die Fussball-Weltmeisterschafts-Endrunde, die im kommenden Jahr vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026 in den USA (sowie in Kanada und in Mexiko) stattfinden soll, verheerend sein. Eine WM-Endrunde im Fussball ist auch ein wirtschaftlicher Kampf zwischen den Nationalmannschafts-Ausrüstern, die auch gigantische Summen in die Werbung für Schuhe und Ausrüstungen stecken. Falls der «Zollkrieg» bis dann nicht beendet ist, könnte der Weltfussball-Verband FIFA die WM-Endrunde den Amerikanern noch entziehen; Kanada und Mexiko wären wohl problemlos in der Lage, den Anlass ohne die USA durchzuführen. Die FIFA mit (noch) Sitz in Zürich, mit Ausnahme des obersten Repräsentanten Gianni Infantino, der «es» mit Donald Trump bekanntlich «gut» kann, dürfte dem Turnier 2026, an dem 48 (!) National-Mannschaften teilnehmen werden, jedenfalls mit Sorgen entgegenblicken. Die derzeitige Welt-Wirtschaftslage ist jedenfalls, Stand heute, nicht gerade dazu angetan, sich auf eine WM-Endrunde «bei Freunden» in den USA zu freuen.

«On» oder «Künzli» – mit welchen (Sport-)Schuhen läuft es sich besser?

causasportnews.com – 31/2025, 3. April 2025

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(causasportnews / red. / 3. April 2025) «Adidas» und «Puma», das waren jahrzehntelang die Flaggschiffe des internationalen Sport-Schuhgeschäftes. Hinter den beiden Marken standen die deutschen Unternehmer Adolf («Adi») Dassler (1900 – 1978) und Rudolf Dassler (1898 – 1974), welche zuerst vereint, danach im Streit getrennt den Sportartikelmarkt und insbesondere das Geschäft mit den Sport-Schuhen revolutionierten. Die Fussball-WM-Endrunde 1954 in Bern brachte «Adidas» an die Spitze dieses Marktes. Es war dies der Anfang der Erfolgsgeschichte der Schuhe mit den fünf Streifen. Das WM-Finalspiel vom 4. Juli 1954 mit dem Sieg Deutschlands gegen die favorisierten Ungarn wurde zur Sternstunde Deutschlands nach dem verlorenen Krieg; das «Wunder von Bern» gilt heute noch als Höhepunkt der Sport-Geschichte Deutschlands. Seither sind «Adidas» und der Deutsche Fussball-Bund (DFB) geradezu symbiotisch aktiv. «Adidas» ist das Mass aller (Sportartikel)-Dinge; «Puma» bildet die «Nummer zwei» im Deutschen Schuh- und Sportartikelmarkt.

Adolf («Adi» genannt, weil man den Vornamen des «Führers» tilgen wollte) und Rudolf Dassler wirkten zu Beginn ihrer Aktivitäten zusammen in Herzogenaurach, im Ballungsraum von Nürnberg. Ein Streit um Brasiliens Spitzen-Fussballspieler Pelé (1940 – 2022) führte letztlich zum Zerwürfnis der beiden Brüder; die Unternehmung wurde aufgeteilt. Adi Dassler war «Adidas» (aus Adi und Dassler), Rudolf Dassler «Ruda» (aus Rudolf und Dassler), was nicht gerade zu einem Marketing-Schocker wurde: «Puma» klang schliesslich besser und wurde zur Weltmarke.

Für die Internationalität der Neuzeit im Bereich Sportartikel und Lifestyle steht seit wenigen Jahren die in Zürich ansässige Unternehmung «On», in der auch die Tennis-Ikone Roger Federer mitwirkt. Die Marke steht für hochwertiges Design und revolutionäre Entwicklungen im Bereich von Laufschuhen. Exorbitante Preise sichern hohe Margen und immense Gewinne für Roger Federer und Co. Weil in Vietnam und Indonesien produziert wird, steht «On» allerdings auch in der Kritik. Gewinne durch Ausnutzung billiger Arbeitskräfte passen eher nicht in die moderne, nachhaltig grün angelegte Lifestyle-Ideologie.- Diese Probleme kennt die Traditionsmarke «Künzli», welche vom Aargauer Schuh-Techniker Werner Künzli, der mit der Entwicklung und Produktion von Ski-Schuhen begann, eingeführt wurde, nicht. Sie existiert seit 1927, erlebte bis jetzt immer wieder Hochs und Tiefs und ist nun dank dem Zürcher Unternehmer Roberto Martullo nachhaltig gesichert. Der Ehemann von Magdalena Martullo – Blocher und Schwiegersohn von SVP-Übervater Christoph Blocher hat «Künzli» nicht nur kürzlich übernommen, sondern zukunftsgerichtet gerettet. Produziert werden die «Künzli»-Schuhe nicht in der Schweiz, sondern in modernsten Produktionsstätten in Albanien. Dank der Rettung dieser Marke durch Roberto Martullo wird das Traditionsunternehmen aus Windisch weiterhin qualitativ hochstehende, modische Schuhe für sportliche Belange sowie für den Medizinalbereich fertigen und vertreiben. Obwohl die beiden Unternehmungen «On» und «Künzli Swiss Schuh AG» in Ausrichtung und in quantitativer Hinsicht divergieren, ist der Wettbewerb mit dieser Fragestellung entbrannt: «Mit welchem Schuh läuft es sich besser»?

Skispringer als Betrüger mit nachvollziehbaren Geständnissen

causasportnews.com – 30/2025, 30. März 2025

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(causasportnewsw / red. / 30. März 2025) Norwegische Skispringer als Sport-Betrüger? Das kann aktuell wohl so gesagt werden. Als anlässlich der Skisprung-Weltmeisterschaft in Trondheim (Norwegen) anfangs März ein heimlich aufgenommenes Video publik wurde, das Manipulationen bei den Sprung-Anzügen norwegischer Sportler zeigte, dachte die schockierte Sportwelt wohl an ein Bonmot aus vergangenen Zeiten. Dieses wird der verstorbenen Fussball-Legende Franz Beckenbauer zugeschrieben. «Bschissen wird immer» (es wird immer betrogen), sagte er mehrmals und immer wieder – und Recht hatte er wohl. Die Aussage der sportlichen Lichtgestalt «Kaiser Franz» bezog sich selbstverständlich nicht nur auf den Sport. Betrogen wird bekanntlich in allen Lebensbereichen.

Und nun das: Auf dem bekannt gewordenen Video ist zu sehen, wie norwegische Trainer und Techniker die Anzüge der Stars Marius Lindvik und Johann André Forfang anlässlich der Heim-WM bearbeiteten, um die Anzugsflächen zu vergrössern. Ausgerechnet die Norweger, entfuhr es Kommentatoren im In- und Ausland. Norwegische Sportlerinnen und Sportler sind Garanten dafür, dass der Sport aus dem Land mit rund fünfeinhalb Millionen Bewohnerinnen und Bewohnern Weltklasse verkörpert. Der Fussball ist ein grosses Thema, jeder Fussball-Anhänger kennt den renommierten Fussball-Club Rosenborg Trondheim, der genialste Schachspieler der Welt, Magnus Carlsen, ist – quasi selbstverständlich – ein Norweger. Herausragende Leichtathletinnen und -athleten aus Norwegen sind stets für Medaillen und Titel an internationalen Wettkämpfen gut. Anlässlich Olympischer Winterspiele haben Norwegerinnen und Norweger bis heute über 400 Medaillen gewonnen. Weshalb also muss man bei einer solchen Erfolgsbilanz zu betrügerischen Mitteln Zuflucht nehmen, wenn es selbstverständlich auch auf lautere Art und Wise möglich ist, ausserordentliche Leistungen zu erbringen? Im Zuge des Manipulations-Skandals räumten drei ehemalige norwegische Springer ein, dass jahrelang betrogen worden sei. Wie weit zwischen Betrügereien und sportlichen Erfolgen adäquate Kausalitäten herzustellen sind, ist nicht verifizierbar. Was der Fussball-Säulenheilige Franz Beckenbauer diesbezüglich sagte, gilt selbstverständlich nicht nur mit Blick auf Norwegens Sport. Als höchstwahrscheinlich darf es angesehen werden, dass Norwegen so oder so eine erfolgreiche Sportnation ist. Wie und wo will das Schach-Superhirn Magnus Carlsen schon betrügen?

Norwegen Sportlerinnen und Sportler gelten seit jeher als fair und integer. Mit dem Manipulationsskandal im Skispringen starb «der Mythos von den anständigen Norwegern», wie es das Deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» schrieb. Vielleicht ein bisschen ist das so. Die Realität dürfte jedoch die sein, dass der Sport nirgends und in keinem Land ein manipulationsfreies Segment darstellt; dies meinte wohl Franz Beckenbauer mit seiner Äusserung. Bezeichnenderweise haben die nach dem Aufdecken des Skisprung-Manipulationsskandals sofort geständigen Sportler und Funktionäre eine alte, kriminalistische Weisheit bestätigt: Delinquiert wird nicht wegen der Folgen, die sich aus dem deliktischen Verhalten ergeben können, inkl. Strafandrohungen (im Sport sind dies vor allem einschneidende Sanktionen), sondern weil Täter über den (fast) unerschütterlichen Glauben verfügen, nicht erwischt zu werden.

2 x «Sepp» im Zentrum

causasportnews.com – 29/2025, 25. März 2025

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(causasportnews / red. / 25. März 2025) Der Name «Joseph» oder «Josef» steht nicht gerade an erster Stelle im modernen, männlichen Namens-Ranking. Doch in diesen Tagen machen gleich zwei Persönlichkeiten aus der Welt des Sportes mit dem entsprechenden Kürzel-Namen «Sepp» auf sich aufmerksam; einmal mit einem einigermassen guten Ende, einmal in dramatischer Art und Weise.

Einmal geht es um den 89jährigen, langjährigen FIFA-Präsidenten Joseph «Sepp» Blatter. Nach seinem Abgang mit Getöse 2016 beim Fussball-Weltverband wurde er vor allem von der FIFA mit Gianni Infantino und seiner Entourage in vielerlei Hinsicht geplagt. Neben anderen Vorkommnissen ging es um eine Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken, welche die FIFA dem designierten Präsidenten-Nachfolger Michel Platini zahlte. Diese Zahlung wurde 2025 publik und führte letztlich dazu, dass der ehemalige, französische Star-Fussballspieler und UEFA-Präsident seine Ambitionen für das FIFA-Präsidium begraben musste. So ganz klar ist es bis heute nicht, für was genau diese Summe von der FIFA (Verein) an Michel Platini bezahlt worden ist. Auf Betreiben des Weltverbandes wurden bald einmal die schweizerische Bundesanwaltschaft in Marsch gesetzt. Betrug und Urkundenfälschungen waren die Delikts-Vorhalte, welche von der Ermittlungsbehörde des Bundes mit dem Support der FIFA als angeblich Geschädigte gegen Joseph «Sepp» Blatter, der vor ein paar Tagen 89 Jahre alt geworden ist, erhoben wurden. 2022 wurden der Walliser «Sepp» Blatter und der nun bald 70jährige Michel Platini vom Bundesstrafgericht in Bellinzona in dieser «Causa» freigesprochen. Die Bundesanwaltschaft und die FIFA wollten es nicht bei den Freisprüchen bewenden lassen und gingen in die Berufung. Soeben bestätigte die ausserordentliche Berufungskammer des Bundesstrafgerichts in Muttenz die beiden Freisprüche «in dubio pro reo – «im Zweifel für die Angeklagten»; dieser Grundsatz betrifft die Sachverhaltslage und nicht die Rechtsanwendung). Dieser erneute Freispruch bedeutet eine schallende Ohrfeige für die Anklagebehörde des Bundes und für die FIFA unter Gianni Infantino. Vor allem der Weltverband muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, einen alten, weitgehend hilf- und wehrlosen Ex-Präsidenten bis auf’s Blut mit unsinnigen Verfahren zu quälen. Nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat sich die FIFA unter dem damaligen Präsidenten Joseph «Sepp» Blatter in einem Punkt, nämlich, dass sie nie dafür gesorgt hat, dass die Tat- und Rechtsgründe für die Millionen-Zahlungen an Michel Platini vollumfänglich transparent wurden. «Beschämend» nannten Prozessbeobachter die Rechtshandlungen der FIFA nach dem Freispruch für den Ex-Präsidenten sowie den Ex-UEFA-Präsidenten Michel Platini. Dennoch nahm der Rachefeldzug der FIFA gegen den Walliser Joseph «Sepp» Blatter für diesen letztlich ein gutes Ende.

Weniger glücklich ging dieser Tage eine Berufs-Tätigkeit für einen anderen «Sepp» aus. Nur allmählich sickerte durch, dass einer der erfolgreichsten Kunstturner, welcher die Schweiz je hatte, dem personellen Kahlschlag einer ehemals renommierten Privatbank zum Opfer fiel. Der 61jährige Josef «Sepp» Zellweger war nach seiner Aktiv-Laufbahn während rund 30 Jahren in der Finanzbranche tätig. Er verliess die untergehende, sport(ler)freundliche «Credit Suisse» vor zwei Jahren und wechselte zur Bank Julius Bär, die seit den Flops mit dem österreichischen Finanz-Jongleur René Benko nicht mehr zur Ruhe kommt. Nun ist die sympathische und beliebte Sportler-Legende Josef «Sepp» Zellweger bereits wieder weg. «Tschau Sepp» könnte also in Anlehnung an eine bekannte Schweizer Jassregel gesagt werden; wenn es nur nicht so traurig wäre. Die Trennung der Bank vom ehemaligen Top-Turner ist ein Indiz dafür, dass dieses Geldinstitut wohl kaum mehr selber an eine Besserung der Lage glaubt. Für Josef «Sepp» Zellweger ist dieser Rauswurf ein Schlag, wie er ihn in seiner ganzen Sportler-Karriere nie erlebt hatte. Im Banken-Umfeld glaubt niemand mehr realistisch daran, dass der aus St. Margrethen (SG) stammende, ehemalige Top-Sportler mit 61 Jahren nochmals in der Finanzindustrie wird Fuss fassen können.

Sebastian Coe als IOK-Präsidentschafts-Kandidat abgeschmiert

causasportnews.com – 28/2025, 22. März 2025

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(causasportnews / red. / 22. März 2025) «Wer könnte Sebastian Coe gefährlich werden?», titelte «causasportnews» vor dem Präsidentschafts-Wahlgeschäft des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) am 20. März 2025 (vgl. causasportnews vom 18. März 2025). «Nur die IOK- und Sport-Gesetzmässigkeiten», wäre wohl die richtige Antwort. Unter rationalen Gesichtspunkten wäre der Brite Sebastian Coe der «logische», neue Präsident des IOK gewesen. Als Nachfolger des scheidenden Thomas Bach wollte er wohl aber zuviel Neues ins oberste Sportamt der Welt tragen, und wohl ebenso zuviel niederreissen, was der abtretende Deutsche Sport-Apparatschik Thomas Bach während seiner Präsidentschaft aufgebaut hatte. So war Sebastian Coe auch nicht der «Kronfavorit» und wurde wohl bei der Präsidentschaftswahl Nahe von Olympia anlässlich der 144. IOK-Session vor allem ein Opfer der Bach’schen Macht- und Machterhaltungsspiele. Nüchtern betrachtet war die Nicht-Wahl des Britischen Ex-Leichtathleten eine Sensation. Mit lediglich 8 Stimmen schmierte er geradezu brutal ab. Das Rennen um das oberste Sportamt der Welt machte die favorisierte Kandidatin von Thomas Bach, die 41jährige Sportministerin aus Zimbabwe, Kirsty Coventry, die zweifache Olympiasiegerin im Schwimmen. Vordergründig zeigte sich das oft als Altherren-Club bezeichnete IOK mit der Wahl einer für diesen Zirkel jungen Frau aufgeschlossen und den Trends der Zeit folgend. In Wahrheit wird der formell als Präsident scheidende Deutsche Thomas Bach mit der Wahl seiner Nachfolgerin und Favoritin weiterhin seinen Einfluss im Olympia-Geschäft geltend machen können. Etwas, was mit einer Nomination des selbstbewussten Sebastian Coe nicht mehr möglich gewesen wäre.

So kam es, dass Kirsty Coventry in der IOK-Session schon im ersten Wahlgang mit 49 von 97 Stimmen als erste Frau in der Geschichte des IOK zur Präsidentin des Schweizer Vereins IOK (mit Sitz in Lausanne) gewählt wurde. In den nächsten zwölf Jahren wird sie Gelegenheit haben, der Olympischen Familie und der Welt zu zeigen, dass das Herausragendste an ihr nicht das Geschlecht ist. Der gewiefte Strippenzieher Thomas Bach hat es mit der Wahl der ehemaligen Erfolgs-Schwimmerin geschafft, seine eigene Macht nach der formellen Präsidiums-Beendigung im Spannungsfeld von Sport, (Sport-) Politik und Wirtschaft zu zementieren und zu perpetuieren. Der ehemalige Deutsche Olympiasieger im Fechten steht mit seinen nicht einmal 72 Jahren geradezu im Olympischen Novizenalter. Er wusste genau, dass derzeit Frauen in Spitzenämtern so gesellschaftsfähig sind wie noch nie. Die Wahl der Afrikanerin, die wegen ihrer politischen Aktivitäten in Simbabwe nicht unumstritten ist, war eine Meisterleistung des sport-politischen Taktierens durch Thomas Bach zwecks eigener Machterhaltung, frei auf den ehemaligen Olympiasieger anwendbaren Grundsatz: «Es spielt keine Rolle, wer unter mir Präsident, bzw. nun Präsidentin ist». US-Präsident Donald Trump dürfte an dieser Wahl wenig Freude haben. Die grundsätzlich gezielte Förderung von Frauen widerspricht in seinen Augen dem Leistungsprinzip. Das Wort «Diversität» ist ihm ein Gräuel. Das alles stört Thomas Bach nicht im Geringsten. Seine Sympathien gehören bekanntlich eh Russland.

Ein Gewalts-Defizit nach der Rad-Weltmeisterschaft 2024

causasportnews.com – 27/2025, 19. März 2025

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(causasportnews / red. / 19. März 2025) Eigentlich ist alles noch schlimmer. Die Rede ist nicht von der Weltpolitik und dem Wahn- und Irrsinn, dem die Menschheit derzeit ausgesetzt ist. Noch schlimmer geht es in dieser Hinsicht eigentlich nicht. Im Vergleich zur Weltlage ist die finanzielle Situation nach der Rad-Weltmeisterschaft 2024 in der Stadt und im Kanton Zürich (21. – 29. September) wirklich nur ein «Fliegenschiss» in der Sporthistorie. Der Anlass, der in sportlicher Hinsicht zweifellos sowie grundsätzlich wertvoll war und den Austragungskanton Zürich im besten Licht erscheinen liess, hinterlässt in organisatorisch-planerischer Hinsicht einen schalen Nachgeschmack (der Todessturz der jungen Schweizer Nachwuchshoffnung Murielle Fuhrer und seine Folgen bleiben an dieser Stelle ausgeklammert). In organisatorischer, konzeptioneller und finanz-planerischer Hinsicht war der Gross-Anlass ein Debakel, mit Blick auf die Finanzen sogar eine Katastrophe. Vor wenigen Tagen verlautete, dass die Träger-Organisation des Radsport-Events, der Verein «Rad- und Para-Cycling-WM Zürich 2024», pleite ist und derzeit auf einem Schuldenberg von 4,5 Millionen Franken sitzt. Die Vereinigung befindet sich in der sog. «Nachlassstundung» (das bedeutet die Stundung der Forderungen und die Möglichkeit, bei den Gläubigern einen Nachlass bei den Forderungen zu erwirken); das heisst, statt bezahlt wird nun diskutiert und räsoniert. Selbstverständlich sollen auch begangene Planungsfehler, usw. beleuchtet und das Finanz-Debakel untersucht werden. Dann wird dereinst das kaum abwendbare Fazit gezogen: «Dumm gelaufen».

Dass ein Grossanlass pekuniär derart aus dem Ruder läuft, verwundert an sich nicht. Die Bundesbehörden in der Schweiz haben die Finanzen auch nicht mehr im Griff und sind, da sie sich stets verrechnen, wahre «Verrechnungs»-Weltmeister. Einer der Hauptverantwortlichen des Zürcher WM-Finanz-Desasters, der linke Stadtrat Raphael Golta (SP), bedauert die Situation in Politiker-Manier und hält es mit den Philosophen: «Nicht ärgern, nur wundern». Über die Ursachen des gewaltigen Defizits mag sich vor allem die Zürcher Stadtregierung, welche die Hauptverantwortung für die Pleite trägt, gar nicht äussern. Es habe halt während der WM wetterbedingte Einbussen im Catering, Kontroversen und Streitigkeiten sowie negative Medien-Berichterstattungen um Strassenabsperrungen, Beeinträchtigungen des Gewerbes durch umstrittene Streckenführungen bei den Rennen, Absagen von Events nach dem tragischen Tod von Muriel Furrer, usw. gegeben. Wie wenn solche Gründe bei Planungen nicht berücksichtigt werden müssten.

Das entstandene Defizit im WM-Organisations-Vehikel sollen nun der Kanton Zürich und die Stadt Zürich gemeinsam tragen. Diesbezüglich ist kaum mit markanter Opposition zu rechnen. Vor allem die Stadt Zürich und die linke Velo-Lobby wollten den Radsport-Anlass vom vergangenen Herbst zur Befeuerung ihrer Zweirad-Ideologien um jeden Preis und koste es, was es wolle, an die Limmat holen. Jetzt ist in Gottes Namen alles ein bisschen teurer geworden. «So what» also?

IOK-Präsidentenwahl: Wer könnte Sebastian Coe gefährlich werden?

causasportnews.com – 26/2025, 18. März 2025

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(causasportnews / red. 18. März 2025) Die Wahl des Nachfolgers oder der Nachfolgerin des langjährigen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), Thomas Bach, wird am 20. März 2025 stattfinden. Nach zwölf Jahren an der Spitze des IOK, einem Schweizer Verein mit Sitz in Lausanne, geht die Ära des bald 72jährigen Funktionärs alter Schule definitiv zu Ende. Das ist eine Überraschung, denn in den Augen vieler Menschen auf dem Planeten galt der Deutsche als Funktionär, der nicht loslassen kann. Mit einer IOK-Statutenänderung hätte Thomas Bach, der Mannschafts-Olympiasieger im Fechten von 1976 in Montreal, die Amtsverlängerung durchsetzen können. Der mehrheitlich ungeliebte und umstrittene Deutsche dürfte jedoch erkannt haben, dass seine Zeit als IOK-Präsident definitiv abgelaufen ist. Thomas Bach war ein gewiefter Taktiker; er galt als Funktionärs-Apparatschik, der sich in der Sport-Weltpolitik allerdings immer wieder verhedderte und dem vorgeworfen wurde, Sportliches (als IOK-Präsident), Berufliches (als promovierter Jurist und Wirtschaftsanwalt) sowie Privates (als gewiefter Strippenzieher) zumindest unangebracht zu vermengen. Seit 2013 bekleidete er das höchste Amt im Weltsport. Seine Amtszeit war geprägt von etlichen Peinlichkeiten, vor allem mit Bezug auf Russland. 2014 lobte er die Olympischen Spiele in Sotschi (vom 7. bis 23. Februar 2014) und Putin-Russland über den grünen Klee, um dann miterleben zu müssen, wie eben dieses gelobte Russland im März 2014 die Krim annektierte und so den Krieg gegen die Ukraine lostrat. Sein Umgang mit dem russischen Staatsdoping bewirkte, dass Thomas Bach Naivität und Einfältigkeit nachgesagt wurde. Wäre nun die Amtsdauer des oft tollpatschig daherkommenden, ehemaligen Fecht-Olympiasiegers nicht so oder so zu Ende gegangen, wäre Thomas Bach wohl der Präsident gewesen, der über Russland stolperte. Nach dem Kriegsbeginn Russlands gegen die Ukraine anfangs 2022 fuhr der IOK-Präsident mit dem Ausschluss, bzw. Nicht-Ausschluss, bzw. mit dem ein bisschen-Ausschluss russischer Sportlerinnen und Sportler einen eher russenfreundlichen Kurs. Wie dem auch sei. Mit dem Abgang von Thomas Bach wird wohl das Kapitel des Apparatschik-Funktionärstums im IOK in der bisherigen Form ein Ende haben.

Als Favorit für das höchste Präsidentenamt im Weltsport gilt der ehemalige britische Mittelstreckenläufer Sebastian Coe. Als ehemaliger, erfolgreicher Sportler, der insgesamt zwei Olympische Goldmedaillen gewann, der in der Politik aktiv war und als langjähriger Sportfunktionär Erfahrungen sammelte, verfügt der 68jährige Brite das Rüstzeug, um den globalen Sport durch die tosenden Stürme dieser Zeit zu führen. Alles andere als eine Wahl von Sebastian Coe in dieser Woche wäre eine Sensation. In der Nähe von Olympia, in Griechenland, steigen neben Lord Coe nur zwei weitere, ernstzunehmende Kandidaten, bzw. eine Kandidatin, in den Ring. Da wäre einmal die Favoritin des abtretenden Thoms Bach, die Sportministerin Simbabwes, Kirsty Coventry. Sie gehört dem IOK-Zirkel seit längerer Zeit an und holte als ehemalige Schwimmerin zwei Olympische Goldmedaillen. Ihr Handikap: Mit 41 Jahren ist sie für das Amt etwas gar jung. Chancen werden zudem dem 65jährigenm Spanier Juan Antonio Samaranch junior eingeräumt. Seinen Vater kennt die Welt als langjährigen, teils nicht unumstrittenen IOK-Präsidenten (1980 – 2001).

Die Wahl der neuen IOK-Präsidentin oder des IOK-Präsidenten wird nicht nach dem Slogan «Wahltag ist Zahltag» erfolgen. Im IOK heisst es in dieser Hinsicht eher: «Die Karten werden neu gemischt». So schaut die Welt einigermassen gebannt und gespannt nach Griechenland, wenn nun in der Nähe von Olympia das höchste Sport-Funktionärsamt zu vergeben ist.

Der neue Sportminister vor der Fussball-Europameisterschaft der Frauen

causasportnews.com – 25/2025, 16. März 2025

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(causasportnews / red. / 16. März 2025) Seit dem 12. März weiss die Schweiz, wer ab 1. April 2025 Nachfolger der vor ein paar Wochen überraschend zurückgetretenen Bundesrätin Viola Amherd ist: Der 62jährige Zuger Regierungsrat Martin Pfister tritt die Nachfolge der bald 63jährigen Walliserin in der Landesregierung an (vgl. auch causasportnews vom 12. März 2025). Den unscheinbaren Regierungsrat aus dem Mini-Kanton Zug kannte vor einem Monat noch kaum jemand; jetzt ist er zufolge der Personalnot in der «Mitte»-Partei, die keinen valablen Kandidaten und auch keine Kandidatin für das nationale Regierungsamt finden konnte, in die höchsten Sphären der Bundespolitik katapultiert worden. Der in den Bundesrat gewählte «Polit-‘Notnagel’ Martin Pfister» freut sich über das gut dotierte und mit vielen Privilegien ausgestattete Ämter-Geschenk aus der Bundes-Stadt Bern. Allerdings ist diese Wahl, welche einer Verzweiflungstat der Vereinigten Bundesversammlung gleichkommt, auch ein Fingerzeig dafür, dass das Regierungssystem in der Schweiz in dieser Form nicht mehr zeitgemäss ist. Zwar wurde Martin Pfister zum neuen Bundesrat gewählt, über die Ämterverteilung in der siebenköpfigen Landesregierung wurde mit dieser Wahl formell nichts bestimmt. Doch an sich war es schon vor der Bundesratswahl klar, dass der Nachfolger von Viola Amherd das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) übernehmen würde. In einer «Geheimsitzung» kurz nach der Wahl befand der neu formierte Bundesrat über die Departementsverteilung, mit dem Ergebnis, dass alles beim Alten bleiben und der neugewählte Bundesrat das VBS übernehmen würde. Martin Pfister wird also Verteidigungs– und Sport-Minister. In dieser schwierigen Zeit, in der auch in Europa ein Krieg tobt, ist das VBS-Vorsteher zur wichtigsten Person im Bundesrat und in der Schweiz geworden. Viola Amherd ist an dieser Aufgabe gescheitert, was letztlich aktuell zum Personalwechsel in der Landesregierung geführt hat. Dass dabei der Walliserin alle Schuld für die desaströsen Verhältnisse im VBS und für den katastrophalen Zustand der Armee in dieser Zeit, in der die Abwehrbereitschaft der Schweiz wichtig ist wie noch nie, zugeschoben wird, ist zumindest teilweise unzutreffend und ungerecht. Die Landesregierung amtet und verantwortet die Politik im Kollegium. Der Bundesrat ist somit als Team verantwortlich auch für die Vorgänge im Rahmen der Landesverteidigung. Noch nie wurde die kollegiale Unfähigkeit der Landesregierung derart krass manifest wie derzeit. Bereits wird gegenüber dem neuen Departementsvorsteher die Forderung erhoben, dass er die darniederliegende Schweizer Armee zur besten Streitmacht der Welt formen müsse. Als Miliz-Offizier im Range eines Obersten könnte dies Martin Pfister gelingen.

Die Funktion als Sportminister wird dem Zuger Neo-Bundesrat im Moment keine grossen Sorgen bereiten. Schliesslich hat seine Vorgängerin, Viola Amherd, in sportlicher Hinsicht alles gegeben und beispielsweise ein paar Tage vor ihrem Amtsende noch eine Menschenrechtserklärung für die Fussball-Europameisterschaft der Frauen, die im Juli in der Schweiz stattfinden wird, unterzeichnet. Sie nannte das eine «starkes Zeichen für den Sport und für die Gesellschaft». Das Turnier biete die Chance, weit über das Spielfeld hinaus positive Impulse zu setzen», hiess es dazu aus dem VBS. Mit der Unterzeichnung der Erklärung bekenne sich die Schweiz zu «Diversität, Chancengleichheit und Inklusion im und durch den Sport». Weil sich unter diesen Schlagworten wohl kaum jemand etwas Konkretes vorstellen kann, setzte der Bund bezüglich dieser Gross-Veranstaltung in der Schweiz ein undiskutables, klares Zeichen: Der Anlass wird mit 15 Millionen Franken unterstützt. Unklar ist, für genau was das Geld eingesetzt werden soll. Bis im Juli werden sich zweifelsfrei Abfinanzierungsmöglichkeiten ergeben. Sportminister Martin Pfister kann auch diesbezüglich unbelastet und unbefangen ans Werk.