Bei der Klub-WM in den USA klingeln wenigstens die Team-Kassen

causasportnews.com – 55/2025, 16. Juni 2025

(causasportnews / red. / 16. Juni 2025) Am Tag, als das aktuelle Heft des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» auf dem Cover die Frage betreffend USA in den Raum stellte: «Will man da noch hin?», begann gleichzeitig ebenda das vom Weltfussballverband FIFA angekündigte und organisierte Top-Fussballereignis dieses Jahres: Die Klub-Weltmeisterschaft 2025. Simplifiziert ausgedrückt und auf den Sport gemünzt würde das «Spiegel»-Titelblatt (Nr. 25, 14. Juni 2025) dieser Konklusion entsprechen: «Niemand hat ‘Bock’ auf die USA». Auf die Verhältnisse in Deutschland fokussiert sei noch der Untertitel aus dem «Spiegel» zitiert: «Wie die Deutschen sich von den USA abwenden». Das alles hat wohl einen Zusammenhang mit dem kürzlich erfolgten Besuch des Deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz beim US-Präsidenten Donald Trump. In Form einer Geburtsurkunde aus dem Hause Trump belegte der clevere Regierungschef, dass Donald Trump seine Wurzeln in der Pfalz in Deutschland hat. Das alles hielt ihm Bundeskanzler Friedrich Merz, den Urkunden-Beweis edel in Gold gerahmt, vor die Nase. Donald Trump ist also ein deutsch-stämmiger US-Einwanderer; «einer von uns» also, zeigte ihm der kluge Taktiker aus Brilon im Sauerland auf. Das kam nun offenbar an beim offensichtlich geschockten US-Haudegen, der seither mit Deutschland pfleglich zurückhaltend und angepasst umgeht! Sicher keine schlechte Voraussetzung für die soeben in den USA begonnene Klub-Weltmeisterschaft (WM), die am 13. Juli mit dem Finalspiel zu Ende gehen wird. Organisiert wird dieses Klub-Turnier zwar vom Schweizer Verein FIFA und nicht etwa von Deutschen, was für Donald Trump kaum einen Unterschied macht. Schweiz oder Schweden – Hauptsache Westindien…

Mit der FIFA kann es der US-Präsident schon seit seiner ersten Präsidentschaft gut. Der aktuelle FIFA-Präsident Gianni Infantino gilt als einer seiner besten Freunde. Die Schweiz mögen Donald Trump und die USA vor allem deshalb gut, weil sich die Schweiz auf verschiedenen Ebenen trefflich ausnehmen lässt, nicht nur im Banken-Business; dabei ist zu sagen, dass der träge Opportunismus der Schweizer nicht den Amerikanern anzulasten ist. Der Schlag der USA gegen die FIFA und deren Funktionäre im Jahre 2015, als auf Ersuchen der Amerikaner reihenweise Fussball-Funktionäre im Zürcher Nobel-Hotel «Baur au Lac» verhaftet wurden, wird heute von allen Seiten so totgeschwiegen wie die, je nach US-Präsident, angekündigte, jedoch bis dato nicht realisierte Schliessung des US-Gefangenenlagers Guantanamo.

Jetzt freuen sich also Donald Trump und Gianni Infantino zusammen, dass im Vorfeld der Fussball-WM-Endrunde im kommenden Jahr in den USA, in Kanada und in Mexiko, nun eine Art WM-Hauptprobe während eines Monats in Amerika stattfindet, in einem Land, das tendenziell zu den Fussball-Entwicklungsländern gehört. 32 Klub-Teams machen bis zum 13. Juli 2025 den Klub-Weltmeister unter sich aus. Sportlich interessiert dieses Turnier kaum, die Stadien müssen geradezu auf listige Weise gefüllt werden. Bereits jetzt sprechen die Medien von «Zuschauerdebakel» und von einer «Flop-Veranstaltung». Das TV-Publikum mag gar nicht hinsehen, was sich in diesem Land auch in dieser sportlichen Hinsicht abspielt. Den Spielern «stinkt» die Teilnahme an der Klub-WM weitgehend. Einzig die teilnehmenden Klubs finden das Fussball-Ereignis in den USA «great». Immerhin spielen die 32 Teams um insgesamt eine Million US-Dollars, die in der Klub-WM-Kasse auf die Verteilung warten; Saudia-Arabien und die Rechteverwertung machen es möglich (Saudia-Arabien wird die Fussball-WM-Endrunde 2034 ausrichten). Die Hälfte des Geldes wird im Rahmen von Startprämien ausgeschüttet (an die Klubs aus Europa werden 13 bis 38 Millionen US-Dollars ausbezahlt, nach dem Motto: Mehr bekommt, wer bereits viel hat). Der Sieger kann über 100 Millionen US-Dollars einstreichen. Jeder Sieg an der Klub-WM zahlt zwei Millionen, der Achtelfinaleinzug ist rund acht Millionen wert, für das Erreichen des Viertelfinals werden 13 Millionen ausgeschüttet, usw.

Anmerkung: In der nächsten Meldung von «causasportnews» (56/2025) wird kurz erörtert, weshalb die Klub-WM ein Anachronismus darstellt und weshalb der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter überhaupt die Klub-WM ins Sportleben rief.

Nun Sicherheit über alles im Radsport

causasportnews.com – 54/2025, 12. Juni 2025

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(causasportnews / red. / 12. Juni 2025) Über die Sicherheit im Radsport ist seit Monaten viel gesprochen worden. Vor allem der Tod der 18jährigen Muriel Furrer anlässlich der Rad-Weltmeisterschaften im Raum Zürich im September des letzten Jahres hat die Szene nicht nur aufgewühlt, sondern auch dafür gesorgt, dass in punkto Sicherheit nun einiges getan wird. Als geradezu unerträglich ist der Umstand eingestuft worden, dass die hoffnungsvolle Fahrerin in einer Abfahrt in einem Waldstück bei Küsnacht ZH von der Strasse abkam, wahrscheinlich in einen Baum prallte und dann eineinhalb Stunden schwer verletzt oder sterbend unauffindbar war. Die genaue Unfallursache ist immer noch Gegenstand der rechtsmedizinischen Untersuchungen sowie der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Unklar ist zudem, ob Muriel Furrer allenfalls hätte gerettet werden können, falls sie früher entdeckt worden wäre (vgl. dazu auch causasportnews vom 12. Mai 2025).

Die Organisatoren der Tour de Suisse haben nun vor der diesjährigen Austragung der Schweizer Landes-Rundfahrt (Frauen vom 12. bis 15. Juni; Männer vom 15. bis 22. Juni) eine Weltneuheit im Sicherheitsbereich angekündigt, die auch umgesetzt wird: Ein umfassendes Fahrer- und Konvoi-Tracking (auch «GPS-Tracking» genannt) zur Überwachung von Aktivitäten von Fahrerinnen und Fahrern. Damit soll verhindert werden, dass sich Vorkommnisse, wie diejenigen, die zum Tod von Muriel Furrer geführt haben, wiederholen. In den Knochen sitzt den Verantwortlichen Tour-Organisationen auch immer noch der Horror-Sturz des damals 26jährigen Gino Mäder, der an der Tour de Suisse 2023 am Albulapass zu Tode kam. Für ihn soll am 19. Juni anlässlich der diesjährigen Tour de Suisse an der Unfallstelle am Albula eine Gedenkstätte eingeweiht werden.

Insbesondere in der Schweiz hat der Radsport seit den Todesfällen von Muriel Furrer und Gino Mäder merklich an Bedeutung und Aufmerksamkeit verloren. Kein Wunder: Wenn der Tod mitfährt, ist dies alles nur noch tragisch und traurig. Zukunftsgerichtet soll nun mehr und alles Mögliche vorgekehrt werden, um die Sicherheit von Fahrerinnen und Fahrern bei Radsportveranstaltungen zu gewährleisten. Das umgesetzte «GPS-Tracking» anlässlich der Tour de Suisse 2025 ist zweifelsfrei ein wichtiger und unerlässlicher Schritt in die richtige Richtung. Das Thema «Sicherheit» im Radsport beherrscht dann auch die Diskussionen, die sportliche Ebene tritt in den Hintergrund. Kaum jemand hat bis jetzt zur Kenntnis genommen, und dies interessiert auch nicht vordergründig, dass die drei «Grossen» des Radsports an der diesjährigen Schweizer Landesrundfahrt nicht dabei sein werden: Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel.

Keine Ängste der Päpste bei Elfmetern

causasportnews.com – 53/2025, 10. Juni 2025

(causasportnews / red. / 10. Juni 2025) Mit seinem Paradewerk «Die Angst des Tormanns beim Elfmeter» schrieb sich der österreichische Nobel-Preisträger Peter Handke in die literarische Ewigkeit; die prestige-trächtige Auszeichnung ist ihm 2019 verliehen worden. Der Titel seines bekannten Buches hat zwar in inhaltlicher Hinsicht wenig mit Sport und den allgemein nachvollziehbaren Ängsten des Torhüters beim Elfmeter zu tun, aber das Werk des heute 82jährigen Österreichers war zugleich ein literarischer Steilpass aus dem Raum des nicht-intellektuellen, sportlichen Umfeldes in die Sphären der schönen und global beachteten Literatur.

Das Pontifikat des beliebten Papstes Franziskus ging am Ostermontag mit seinem Tod zu Ende. Auch der Sport wurde in diesem Zusammenhang zum Thema. Nicht weil die Schlussetappe des Giro d’Italia 2025, zwar zeit-neutralisiert, am 1. Juni, wie vor Wochen noch mit Papst Franziskus abgesprochen, durch den Vatikan führte und der Sport auf diese Weise zur Hommage gegenüber dem am 21. April verstorbenen Würdenträger der katholischen Kirche wurde, sondern weil allmählich durchsickerte, dass der neu gewählte Papst Affinitäten zum Sport aufweist; insbesondere zum Tennis-Sport. Die Weltranglisten-Nummer 1, den Italiener Jannik Sinner, soll Leo XIV. noch als Kardinal Robert Francis Prevost in den Vatikan eingeladen haben; zwar nicht zu einem Tennis-Match, aber immerhin zum sportlichen Gedankenaustausch. Der neue Papst hatte bis kurz vor seiner Wahl regelmässig Tennis als Ausgleichssport betrieben. Er dürfte sich über die spektakuläre French Open-Niederlage des 23jährigen Südtirolers am Pfingstsonntag nicht allzu stark geärgert haben. Zu einem Match Leo XIV. gegen Jannik Sinner dürfte es jedoch wohl nicht kommen. Ein solches Spiel wäre mit der Würde des Papstamtes wohl nicht zu vereinbaren und würde wohl jeglicher Etikette im Vatikan widersprechen. Leo XVI. wird sich jedoch zweifelsfrei weiterhin in den Fitnessräumen in den päpstlichen Gemächern in Form halten.

Nicht alle Päpste vor Leo XIV. hatten Freude oder Bezugspunkte zum Sport. Abneigungen mit Blick auf den Sport seitens der Päpste in der modernen Zeit sind allerdings eher selten. Im eingangs angetönten, übertragenen Sinne herrschen also bei den Päpsten keine Ängste gegenüber den Fussball-Elfmetern! Nichts mit Sport am Hut hatte offenbar Benedikt XVI., immerhin entfernt verwandt mit der Fussball-Ikone Paul Breitner. Anlässlich des Weltjugendtages 2005 in Köln soll der Papst die Fussball-Legende Pelé gefragt haben: «Sie kommen also aus Brasilien?».

Schon bevor dem Argentinier Jorge Mario Bergoglio 2013 die Tiara aufgesetzt wurde, outete sich Papst Franziskus auch während seines Pontifikats als Fussballfan. Nicht nur argentinische Top-Spieler, wie Diego Armando Maradona oder Lionel Messi, waren gern gesehene Besucher im Vatikan, Papst Franziskus war beispielsweise auch ununterbrochen Vereinsmitglied von Atlético San Lorenzo in Buenos Aires. Der beliebte polnische Papst Johannes Paul II. war nicht nur in seinen Jugendjahren ein begeisterter Berggänger und vor allem ein leidenschaftlicher Skifahrer. Weil ihm der Schwimmsport viel bedeutete, liess er während seines Pontifikats in Castel Gandolfo einen Swimmingpool bauen. Die diesbezügliche Kritik, vor allem betreffend der Kosten, konterte er schlagfertig mit dem gesundheitlichen Totschläger-Argument: Der Bau des Schwimmbads zwecks körperlichen Ertüchtigung sei günstiger als die Durchführung eines kostenintensiven Konklaves (Papstwahl in der abgeschlossenen Sixtinischen Kapelle), soll er trocken gekontert haben. Der sportlichste Papst der moderneren Zeit soll Pius XI. gewesen sein, der von 1922 bis 1939 der oberste Kirchenfürst der Katholiken war. Vor seinem Amtsantritt gelang ihm die erste Überschreitung der Dufourspitze von Macugnaga aus über die Ostwand und den Zumsteinsattel nach Zermatt. Die italienische Normalroute auf den Montblanc («Papstweg») wurde von ihm eröffnet.

(Quellenhinweise: Verschiedene Agenturen; «Neue Zürcher Zeitung» vom 3. Juni 2025)

Ex-Fussball-Schiedsrichter Robert Hoyzer – Täter und Opfer zugleich

causasportnews.com – 52/2025, 6. Juni 2025

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(causasportnews / red. / 6. Juni 2025) Es sind rund 20 Jahr her, doch die Geschichte, die sich damals zugetragen hat, bewegt die (Fussball-)Welt noch immer. Am 21. August 2004 trug sich in Paderborn im Deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen geradezu und (vermeintlich) Sensationelles zu. Im Pokal empfing der Heimklub SC Paderborn 07 e.V. den renommierten Hamburger SV (HSV). Aufgrund der Stärkeverhältnisse eine klare Sache. Fast alle Wetten gingen in die Richtung, mit welchem klaren Resultat der HSV die Paderborner aus dem Pokal-Wettbewerb eliminieren würde. Elfmeter-Entscheide, ein Platzverweis gegen den HSV-Spieler Emile Mpenza und weitere merkwürdige Schiedsrichter-Entscheide sorgten allerdings dafür, dass der Regionalligist Paderborn den Bundesligisten HSV mit 4:2 aus dem Pokal-Wettbewerb warf. Wer auf einen Erfolg der Paderborner gewettet hatte, konnte sich über satte Gewinne freuen. Der Cup hat seine eigenen Gesetze, doch die Sensation vom August 2004 war bald einmal von Gerüchten umrankt. Am 22. Januar 2005 vermeldeten Medien-Agenturen, der damals hoffnungsvolle Schiedsrichter Robert Hoyzer stehe im Verdacht, von ihm geleitete Spiele «verpfiffen», also manipuliert, zu haben – so auch das Pokalspiel zwischen Paderborn und dem HSV -, um der Wettmafia im Zusammenhang mit Sportwetten zu ermöglichen, pekuniäre Gewinne zu erzielen; falls auf ein Sieg von Paderborn gewettet wurde! So war es denn auch: Von der Berliner Sportwetten-Mafia wurde Robert Hoyzer mit einem TV-Flachbildschirm und ein paar tausend Euro dafür geschmiert, dass er u.a. dieses Spiel «verpfiff», was dem Wett-Syndikat ermöglichte, entsprechend hohe Gewinne zu erzielen, weil auf das manipulierte Resultat gesetzt wurde. So hatte sich der talentierte Schiedsrichter dem organisierten Sportwetten-Betrugssyndikat ausgeliefert und so auch seine Funktionärs-Karriere ruiniert. Der heute bald 46jährige Ex-Fussball-Schiedsrichter war sowohl Täter als auch Opfer. Er wurde strafrechtlich sanktioniert und sass bis 2008 wegen Beihilfe zum Betrug ein. Mit dem Auffliegen des Wett-Skandals war auch die Karriere von Robert Hoyzer als Fussball-Funktionär zu Ende. Bei den Wörtern des Jahres 2005 landete das Wort «hoyzern» (gemeint: vermeintliche, bewusste Schiedsrichter-Fehlentscheidungen) auf dem 7. Platz. Aktuell soll Robert Hoyzer bei der Preisvergleichsplattform «Idealo» tätig sein, wie Medienberichten zu entnehmen ist.

Der «Fall Robert Hoyzer» erschütterte den Fussball vor 20 Jahren nicht nur in Deutschland, aber nicht allein wegen der Manipulationen durch Schiedsrichter Hoyzer; aber auch. Mit Blick auf die 2006 stattfindende WM-Endrunde in Deutschland kehrte beispielsweise der Internationale Fussballverband (FIFA) alles vor, um das Turnier mit Blick auf Sportwetten «manipulationsfrei» zu halten. Auch wenn ein WM-Finalspiel kaum durch betrügerisches Verhalten auf dem Platz beeinflusst werden kann, wäre es ein «Super-GAU» gewesen, wenn grundsätzlich 2006 WM-Spiele im Zusammenhang mit Sportwetten manipuliert worden wären. Heute wird das Thema «Spielmanipulationen» im Kontext von Sportwetten eher marginal behandelt. Doch Experten sind sich einig: Unbedeutende Spiele oder spezielle Spielpaarungen, wie etwa in Pokal-Wettbewerben, können jederzeit von der Wettmafia zu Manipulationszwecken missbraucht werden. Es braucht dafür willige Schiedsrichter, für Manipulationen anfällige Spieler, usw.

«Gaga-Duell», «Gaga Challenge», und Geld schiesst eben doch Tore

causasportnews.com – 51/2025, 2. Juni 2025

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(causasportnws / red. / 2. Juni 2025) Das Duell war an sich entschieden, als es der amerikanische Extrem-Bergsteiger Tyler Andrews nochmals versuchte: Den Mount Everest ab Basislager und zurück und ohne Atemhilfe in weniger als 20 Stunden zu bezwingen. Der Amerikaner und der Schweizer Karl Egloff wollten im Mai, im Parallel-Duell und in verschiedenen Anläufen, den Speed-Rekord am höchsten Berg der Welt (8’848 Meter) knacken. Vor allem die Wetterverhältnisse verunmöglichten das ambitionierte Unterfangen (vgl. auch zuletzt causasportnews vom 25. Mai 2025). Als der letzte Versuch von Tyler Andrews am Berg der Berge scheiterte (über 8’400 Meter ging nichts mehr), sass sein Antipode aus der Schweiz bereits im Flugzeug zurück nach Europa. Ob die beiden Bergsteiger neue Speed-Versuche unternehmen werden, um diesen Rekord zu brechen, ist noch nicht klar. Der Geschwindigkeits – Versuch am Mount Everest war erwartungsgemäss ein Thema für die Weltpresse. Diese zeigte teils wenig Verständnis für das Unterfangen, das zweifelfrei eine sportliche Leistung darstellt, auch wenn heuer alle entsprechenden Rekord-Versuche scheiterten. Die Rede war unter anderem auch vom «Gaga-Duell» zwischen Karl Egloff und Tyler Andrews. Eine Problematik im Bergsport besteht darin, dass die Romantik von Berg-Erstbesteigungen in unserer Zeit fehlt. Die Berge sind alle längst bestiegen, sie rufen heute nicht mehr wie zur Zeit von Luis Trenker (sie kommen von selbst, wie der Bergsturz im Lötschental aktuell zeigt); seine Herz-Schmerz-Filme in schwarz-weiss aus der Bergwelt mit den Titeln «Hurra, der Rucksack brennt» und dergleichen, sind in keinen Videotheken mehr zu finden. Es bleiben heute die Derivate des zentralen Bergsteigens. Dazu sind auch Speed-Rekorde zu zählen. So gesehen sind wohl einzig die sportlichen Leistungen, die heute in anderer Form als früher erbracht werden, zu gewichten. Das Duell der beiden Extrem-Sportler war deshalb keinesfalls einfach «gaga» (im Sinne von «verrückt»), sondern eine ausserordentliche, sportliche Tat; auch wenn das Wettkampfziel (rasend schnell nach oben und wieder runter) von keinem der beiden Athleten erreicht wurde.

Undiskutabel «gaga» ist hingegen eine neue Sportart, die in Australien und Neuseeland unter «run it straight» («renn gerade darauf zu») -Challenge praktiziert wird. Die für hochstehende Sprachakrobatik bekannte «Neue Zürcher Zeitung» beschreibt diesen gefährlichen Unfug am 30. Mai 2025 wie folgt: «Zwei Männer nehmen Anlauf, rennen so schnell sie können aufeinander zu – und prallen mit voller Wucht aufeinander, oftmals kopfvoran, wie Schafböcke. Wer umfällt, hat verloren, wer dominiert, gewinnt.». – Soeben ist ein 19jähriger Mann den bei der Ausübung dieser Sportart zugezogenen Kopfverletzungen erlegen. Das Gaga-Treiben erlebt in den sozialen Netzwerken einen Boom. Kein Zweifel, dass dies alles auch der US-Präsident gut finden wird.

Aktuell ist in einer anderen Sportart, im Fussball, soeben eine Grundweisheit entkräftet worden, nämlich, dass Geld keine Tore schiesst. Paris Saint-Germain hat mit einer mit Geld aus Katar finanzierten Mannschaft die Champions League gegen Inter Mailand souverän gewonnen und somit bewiesen: Der globale Fussball-Nabel der Welt liegt nicht mehr in Europa, sondern im arabischen Raum (und der Fussball-Weltverband FIFA hat mit der Vergabe der WM-Endrunde 2034 an Saudi Arabien den Nagel auf den Kopf getroffen). Vor allem ist aber das Bonmot vom Geld, das keine Tore schiesst, entkräftet: Geld schiesst eben wirklich Tore! Vgl. Paris Saint-Germain. Immerhin waren es im CL-Final 2025 fünf an der Zahl gegen das deroutierte Team von Inter Mailand.

Neue Sieger nach den russischen Sotschi-Propagandaspielen 2014

causasportnews.com – 50/2025, 29. Mai 2025

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(causasportnews / red. / 29. Mai 2025) Die Geschichte im Allgemeinen wiederholt sich immer wieder, und das gilt auch für die Sportgeschichte im Besonderen. 1936 wurden in Garmisch- Partenkirchen (6. bis 16. Februar) die Olympischen Winterspiele ausgetragen; im selben Jahr (vom 1. bis zum 16. August) war Berlin Austragungsort der Olympischen Sommerspiele. Beide Grossanlässe gingen als «Hitler-Veranstaltungen» in die (Sport-)Geschichte ein. «Adolf der Siegreiche» missbrauchte den Sport als Propaganda-Plattform für seine teuflischen Pläne, die letztlich misslangen, die Menschheit aber ins Elend stürzten.

2014, vom 7. bis zum 23. Februar, erlebte die Welt, ohne es grundsätzlich zu realisieren, die Propaganda-Spiele des russischen Diktators Wladimir Putin in Sotschi. Ein paar Tage nach Abschluss der Veranstaltung am Schwarzen Meer annektierte Russland die Krim. Es war dies der erste Schritt in die Ungeheuerlichkeit, der vor allem in den brutalen Krieg Russlands gegen die Ukraine mündete. Was als täuschende «Spezialoperation» (sic!) begann, ist heute ein übles Gemetzel der Russen gegen das Land und die Bevölkerung der Ukraine, in krasser Verletzung des Völker- und des Kriegsvölkerrechts. Die Propagandaspiele von Sotschi, vor allem vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK) und russen-hörigen Funktionären (dazu ist vor allem der damalige IOK-Präsident Thomas Bach zu zählen), nicht als solche erkannt, brachten es mit sich, dass sportliche Erfolge russischer Athletinnen und Athleten mit allen Mitteln erzwungen werden sollten; nur ein sportlich starkes Land soll schliesslich die Weltherrschaft an sich reissen können! Dazu gehörte auch die russische Doping-Maschinerie, die später von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) als «Staats-Doping» entlarvt wurde.

Und so, wie es ist mit Lug und Trug auch im Sport, wurden die russischen Doping-Machenschaften insbesondere im Zusammenhang mit den Spielen von Sotschi nach und nach aufgedeckt. Fehlbare Athletinnen und Athleten flogen massenhaft auf, betrügende Funktionäre und russische und russen-freundliche Handlanger aus Sport, Gesellschaft und Politik verrotteten auf dem Müllhaufen der Sport-Betrugs-Geschichte. Ein ganz prominenter Missetäter war der russische Sportler Jewgeni Ustjugow. Er dopte seit 2010 was das Zeug hielt, doch die erzielten Spitzen-Ergebnisse von 2010 bis 2014 (Sotschi) wurden ihm schliesslich aberkannt. Über elf Jahre nach den Winterspielen von Sotschi entschied kürzlich das Schweizerische Bundesgericht, dass die Annullierung der erzielten Resultate, zuletzt bestätig durch den Internationalen Sport-Schiedsgerichtshof in Lausanne, rechtens war und die Biathlon-Staffel der Russen, welcher Jewgeni Ustjugow angehörte, definitiv das in Sotschi ertrogene «Gold» verliert.

Somit gewinnt neu Deutschland olympisches Staffel-Gold in Sotschi 2014 (mit den Biathleten Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Pfeiffer und Simon Schempp). Österreich bekommt die silberne Auszeichnung, Norwegen rangiert auf dem dritten Platz.

Wie war das schon wieder mit den Lügen und ähnlich Unappetitlichem sowie mit den kurzen Beinen? Mitunter kommt alles ans Licht der Sonne (es ist eben nichts so fein gesponnen), hier immerhin nach über elf Jahren.

(Causa Sport wird auf die Entscheidung des Bundesgerichts zurückkommen)

Dramatisches Schweizer Eishockey-WM-«Aus» und folgerichtiger Russen-Ausschluss von Olympia

causasportnews.com – 49/2025, 27. Mai 2025

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(causasportnews / red. / 27. Mai 2025) Die Eishockey-Weltmeisterschaften in Stockholm endeten dramatisch. Glücklich für den neuen Eishockey-Weltmeister aus den USA, der sich den dritten WM-Titel nach 1933 und 1960 sicherte. Dramatisch für die Schweizer Mannschaft, die es nach 2013, 2018 und 2024 zum vierten Mal verpasste, sich den ersten Eishockey-WM-Titel zu sichern. Es brauchte eine Verlängerung, in der sich die Amerikaner schliesslich die Krone in einer kräftezehrenden Finalpartie sicherten. Das Team USA holte den Titel mit einer jungen Mannschaft, während die Schweizer den Turnier-Durchmarsch im letzten Spiel kräftemässig nicht mehr fortsetzen konnten. Es fehlte für die Eidgenossen nur wenig, auch ein wenig Wettkampfglück, um erstmals in der Geschichte des Welt-Eishockeys den Titel in die Schweiz zu bringen. Die Eisgenossen, wie die heldenhaft aufspielenden Schweizer von ihren Fans auch genannt werden, scheiterten bedauernswert, die Amerikaner siegten nicht unverdient, und dass die Eishockeywelt nach der Final-Niederlage mit den wackeren Schweizern bittere Tränen vergoss, war teils wohl auch politisch motiviert. Die Sympathien im Allgemeinen und im Sport im Besondern liegen derzeit nicht bei den Amerikanern, welche die Welt seit in paar Monaten in ein Tollhaus verwandeln. Männiglich fragt sich in Anlehnung an Asterix und Obelix: «Spinnen die Amis»?

Gar kein Goodwill in der Welt geniesst seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine das Wahnsinns-Regime im Kreml, und das seit mehr als drei Jahren (Februar 2022). Nüchtern betrachtet steht die Welt derzeit näher an der Schwelle des 3. Weltkriegs als ein Ende des Russen-Terrors mit anschliessenden Welt-Frieden erwartet werden dürfte. Russland bringt es fertig, sich wegen seiner Aggressionen nach wie vor gleich selber systematisch aus dem organisierten Welt-Sport zu eliminieren; auch wenn immer noch Leute aus der Politik, der Gesellschaft, der Kultur und aus anderen Sparten, die Taten Russlands glorifizieren. Anlässlich des Kongresses des Eishockey-Weltverbandes (IIHF) in Stockholm ist so disponiert worden, dass die Eishockeyaner Russlands von den Olympischen Spielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo (im Februar 2026) ausgeschlossen werden sollen. Der Endentscheid in dieser «Causa» liegt beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK). Es wird ein undiskutabler Ausschluss-Entscheid bezüglich Russlands vom Olympia-Turnier 2026 erwartet. Die IIHF setzt die Ausschluss-Politik gegen Russland seit Kriegsbeginn rigoros durch. Es sind dies folgerichtige Ausschlüsse Russlands vom internationalen Sportgeschehen. Im kommenden Jahr wird Russlands Nationalmannschaft die Eishockey-Weltmeisterschaft 2026 in der Schweiz (im Mai 2026) ebenfalls nur am TV mitverfolgen können. Und vielleicht dann auf diese Weise den ersten WM-Titel der Schweiz erleben…

Kein Wimpel des FC Zürich auf dem Mount Everest

causasportnews.com – 48/2025, 25. Mai 2025

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(causasportnews / red. / 25. Mai 2025) Es war ein spektakulärer Weltrekordversuch am Mount Everest, der mit einer speziellen Aktion hätte gekrönt werden sollen: Mit der Platzierung eines Klub-Wimpels des renommierten Fussballklubs FC Zürich auf dem Gipfel des höchsten Berges der Welt. Dieses Vorhaben ist nun gescheitert, bzw. vernünftigerweise nicht weiterverfolgt worden. Der ehemalige Junior des FC Zürich und heutige Extrem-Bergsteiger, Karl Egloff, hatte es sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen eines Speed-Wettkampfs als erster Mensch den Mount Everest innerhalb von weniger als 20 Stunden zu besteigen – ohne Atemhilfe und in einem Zug «rauf und runter». Neben dem 44jährigen Schweizer hatte sich der Amerikaner Tyler Andrews dasselbe Ziel gesetzt (vgl. auch causasportnews vom 17. Mai 2025); ohne Wimpel-Platzierung selbstverständlich. Beide Speed-Alpinisten scheiterten jedoch mit dem ehrgeizigen Rekord-Blitzbesteigungs-Unterfangen. Damit wird auch nichts mit der Wimpel-Geste des ehemaligen FC Zürich-Akteurs Karl Egloff, der den Rekordversuch, die Besteigung des höchsten Berges der Welt unter 20 Stunden und vor Tyler Andrews zu realisieren, aufgab.

Der 35jährige Amerikaner trat vor ein paar Tagen an, um den Speed-Rekord am 8’848 Meter hohen Mount Everest zu brechen und den Gipfel in weniger als 20 Stunden zu besteigen. Er scheiterte ebenso wie nun sein Antipode um den Rekord, Karl Egloff, der am 23. Mai 2025 ein letztes, günstiges Zeitfenster in diesem Frühjahr am Everest für den Speed-Rekord nutzen wollte. Die Wetterverhältnisse auf rund 7’000 Höhenmetern führten jedoch dazu, dass sich der Schweizer entschloss, die Blitzbesteigung abzubrechen. Der Extrem-Bergsteiger mit Wohnsitz in der Schweiz ist zwischenzeitlich wohlbehalten wieder am Fusse des Mount Everest angekommen. Die geplante Platzierung eines Wimpels des FC Zürich durch Karl Egloff war selbstverständlich nur ein «Derivat» im Rahmen des Rekordversuchs. Der Stadtklub betrauert die misslungene Speeds-Besteigung mit der Klub-Wimpel-Aktion auf dem Mount Everest jedoch nicht. Gemäss einer Medienmitteilung zollt der Traditions-Klub seinem ehemaligen Fussballer der Junioren-Abteilung Respekt und gibt sich erleichtert, dass der Extremsportler und ehemalige Junioren-Kicker aus den Reihen des FC Zürich den Weltrekord-Versuch vernünftigerweise abgebrochen habe und ihm nichts zugestossen sei.

Schachverbot – weil im Spiel eine Frau den Ton angibt?

causasportnews.com – 47/ 2025, 22. Mai 2025

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(causasportnews / red. / 22. Mai 2025) Auf dem Schachbrett gibt eine Frau den Ton an, die «Dame». Sie ist bekanntlich die stärkste Figur im Schachspiel; und das bleibt ab und zu nicht ohne Folgen. Zum wiederholten Mal ist nun in Afghanistan das Schachspiel verboten worden. Es gebe religiöse Bedenken mit Bezug auf den Denksport im Banne der 64 Felder, verlautete aus Kreisen der afghanischen Sportdirektion. Das Land steht unter der Scharia, dem islamischen Rechtssystem, in dem die Frauen, milde ausgedrückt, höchstens eine zweite Rolle spielen (dürfen). Diese Anschauung steht eben im krassen Widerspruch zum Schachspiel, in dem eine Frau die stärkste Figur abgibt. Doch dies ist offenbar lediglich ein Vorwand, um das Schachspiel in Afghanistan zum wiederholten Male zu verbieten. Offiziell sieht die Sportdirektion im islamischen Staat und gestützt von den Taliban, religiöse Bedenken bezüglich des Brettspiels. Weil auf Schachspiele, bzw. auf Spielausgänge, gewettet werden kann, wird das Brettspiel als Glücksspiel qualifiziert. Diese sind jedoch gemäss Koran, die heilige Schrift des Islams, verboten. Inoffiziell verlautet, dass die Figur «Dame» das Problem bildet, nicht nur deshalb, weil sie sich (auf dem Brett) gleichsam in alle Richtungen, also einigermassen emanzipiert, bewegen kann.

Die «Dame» im Schach scheint eine europäische Erfindung zu sein. Die zentrale Figur dieser Frau, im Englischen «Queen» (Königin) genannt, soll nach Überlieferungen seit etwa 1000 Jahren im (Schach-)Spiel sein. Das etwa 1500 Jahre alte Brettspiel, heute eine anerkannte Sportart», hat den Ursprung in Indien und gelangte über Persien und die arabische Welt nach Europa. In zahlreichen Ländern, so eben auch in Afghanistan, verfügen die Frauen in der Realität über untergeordnete Bedeutungen. Die Brillanz oder die Bedeutung der Frau, oder eben der Dame, auf dem Brett, wird ein geradezu revolutionäres Potential zugeschrieben. Es muss alles verhindert werden, was ein Glücksspiel zur Realität werden lassen könnte. Dass in Afghanistan die Frau in der Gesellschaft wenig bis nichts, auf dem Brett aber sehr viel oder fast alles, bedeutet, manifestiert in eklatanter Weise den Widerspruch zwischen Realität und Spiel. Schach als Glücksspiel abzuqualifizieren und das Spiel zu verteufeln, ist deshalb nachvollziehbar. Der «Zufall» ist schliesslich der Ursprung alles Unseriösen – dicitur. Eines ist gewiss: Solange Schach unter der Ägide des Schach-Weltverbandes (FIDE – Fédération Internationale des Échecs) ist eine starke Frau mit von der Partie. Auf dem Brett gibt sie den Ton an. Auch in Afghanistan; oder eben dort vorzugsweise nicht…

Vom selbstgefälligen FIFA-Funktionär zur selbstgefälligen Nervensäge

causasportnews.com – 46/2025, 19. Mai 2025

D5-Presidence benin

(causasportnews / red. / 19. Mai 2025) Zu behaupten, der amtierende Präsident des Weltfussball-Verbandes, der 2016 gleichsam als «Notnagel» in das oberste Funktionärsamt der FIFA gewählt wurde, gehöre zu den beliebtesten Menschen im internationalen Sport, wäre wohl leicht übertrieben. Seit Gianni Infantino an Stelle der ehemaligen Fussball-Ikone Michel Platini, der für dieses Amt auserwählt war, diesen Posten regelrecht «erbte» und das Vermächtnis des Wallisers Joseph Blatter antrat, fliegen ihm relativ wenige Herzen entgegen. Zu sehr gebärdet sich der italienisch-schweizerische Doppelbürger als Fussball-Technokrat, der in den Augen des Publikums eher die eigenen, statt die Interessen des Weltfussballs im Auge hat. Der 55jährige Walliser, ein gelernter Jurist, nutzt die Präsidentschafts-Plattform seit seinem Amtsantritt insbesondere für sich und übt sich in dieser Funktion vor allem als Staatsmann, denn als oberster Diener des Fussballs und des Verbandes FIFA mit Sitz in Zürich. Russlands Wladimir Putin (Russland war WM-Ausrichter 2018), Saudi Arabiens Salman bin Abdulaziz Al Saud (in Saudi Arabien wird die WM-Endrunde 2034 ausgetragen), US-Präsident Donald Trump (Amerika sowie Kanada und Mexiko zeichnen zusammen für die Austragung der WM-Endrunde im kommenden Jahr verantwortlich) und andere, teils zwielichtige Gestalten, gehören zu seinen besten Freunden. Sein derzeit prominentester Weggefährte und «good guy», Donald Trump, hat letztlich aktuell die Ursache dafür gesetzt, dass es in der «FIFA-Familie», wie die Funktionärs-Kaste sich selber sieht, zu einem veritablen Eklat gekommen ist. Weil Gianni Infantino mit dem US-Präsidenten mit staatsmännischem Gehabe im Nahen Osten herumtourte, traf der FIFA-Präsident zum Kongress (Generalversammlung des Verbandes FIFA) erst mit mehrstündiger Verspätung in Paraguays Hauptstadt Asunción ein, mit dem Privatflugzeug, versteht sich. Die Güterabwägung zwischen der Wahrnehmung der präsidialen Kernaufgabe, die Leitung der FIFA-Generalversammlung, und das Bedürfnis, in der Weltpolitik Präsenz mit dem derzeit umstrittensten Politiker der Welt zu markieren, war für Gianni Infantino klar: Wenn Donald Trump ruft, muss die FIFA warten. Das gilt auch für die mehr als 200 Delegierten der Nationalverbände. Wobei nicht ganz klar war, ob sich der FIFA-Präsident dem US-Präsidenten aufgedrängt hatte.

Dieses Verhalten führte allerdings zu einem veritablen Eklat im Weltfussball. So blieben u.a. die Mitglieder des FIFA-Rates und andere Kongress-Delegierte aus Europa nach der Kaffeepause dem weiteren Kongress fern; es waren dies leitende Funktionäre des europäischen Fussballs, angeführt von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Aber auch etwa der Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), Bernd Neuendorf, verliess den Kongress vorzeitig. Noch nie seit der achtjährigen Präsidentschaft von Gianni Infantino wurde die Ablehnung gegenüber dem ungeliebten FIFA-Präsidenten derart offenkundig wir vor ein paar Tagen in Paraguays Hauptstadt. Nicht zu vergessen ist, dass der amtierende FIFA-Präsident ein ehemaliger Spitzen-Funktionär der UEFA war! Wäre nicht gewährleistet, dass die «Geldmaschine Fussball» auch unter dem Italo-Schweizer wie geölt funktioniert und die FIFA-Mitglieder (Nationalverbände) mit immer mehr Mitteln alimentiert werden (vgl. auch die aktuellen Finanzberichte des Weltverbandes), wären die Stunden von Gianni Infantino als FIFA-Präsident wohl nach dieser Geringschätzung des obersten FIFA-Organs (Kongress) durch den Präsidenten in Südamerika gezählt. Die Abreise der Kongress-Teilnehmer bleibt jedoch letztlich einzig eine hilflose Protestaktion, eine temporäre Störung des «Familienfriedens» in der «FIFA-Familie», so, wie es eben in jeder Familie, eben auch in der Fussball-Familie, vorkommen kann. Auch wenn der Auszug der Funktionäre am Kongress als ein Zeichen der flächendeckenden Ablehnung dieses Problem-Funktionärs durch den FIFA -Kongress einzustufen ist, wird dieser unschöne Vorgang in Paraguay folgenlos bleiben, aber doch einiges bestätigen. Bis jetzt wurde Gianni Infantino stets als «selbstgefälliger FIFA-Boss» qualifiziert (vgl. etwa den Zürcher «Tages-Anzeiger» vom 17. Mai 2025). Jetzt ist er zur selbstgefälligen Nervensäge geworden, mit der die FIFA weiterhin «leben» muss und letztlich will – und vor allem weiterhin gut leben wird.