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War Reinhold Messer 14 mal ganz oben oder nicht?

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(causasportnews / red. / 29. Juli 2022) Fast immer wieder in der «Sauregurkenzeit» eilt den Medien der bald 70jährig Deutsche Eberhard Jurgalski zu Hilfe und hält der journalistischen Sommer-Ebbe entgegen, so wie letztes Jahr um etwa die gleiche Zeit (vgl. causasportnews vom 6. Juni 2021). Der, gemäss Eigenwerbung, führende Chronist zu den 8000ern, wiederholt heuer seine These, dass nicht die in den gängigen Chroniken geführten 44 Bergsteigerinnen und Bergsteiger alle 14 Berge der Welt über 8000 Meter erklommen hätten, sondern lediglich deren drei. Zu diesen Bergsteigern mit dem Erklimmungsmakel gehört auch der berühmteste Bergsteiger der Moderne, der heute 77jährige Südtiroler Reinhold Messner. Die Geschichte ist eigentlich längst abgekocht, aber eben, die «Sauregurkenzeit» macht’s möglich, dass Legenden zumindest in Frage gestellt, wenn nicht sogar zerstört werden. Denn mit der Besteigung der Top-Höhen dieser Welt ist es so eine Sache: Der Mount Everest (8849 m) ist nicht etwa mit dem Matterhorn (4478 m), mit der der Zugspitze (2962 m) oder mit dem Grossglockner (3798) gleichzusetzen; sowohl auf dem Matterhorn (ist nicht der höchste Berg der Schweiz) als auch auf der Zugspitze oder dem Grossglockner sind die höchsten Gipfel-Punkte vor Ort peinlichst genau markiert, gleichsam amtlich vermessen. Wer einen solchen Punkt auf Europas Bergen erreicht hat, wird ob der erzielten Leistung nicht mehr in Frage gestellt. Bei den 8000ern ist das alles nicht so einfach, denn selbstverständlich gibt es in der Regel ganz oben keine Markierung, welche den höchsten Punkt des Berges unverrückbar festhält. So kann es durchaus sein, dass sich ein Bergsteiger oder eine Bergsteigerin auf dem höchsten Punkt des Berges wähnt, jedoch sich effektiv auf einem leicht tiefer gelegenen Vorgipfel oder einem unebenen Grat befindet, allenfalls nur ein paar Meter unterhalb des Gipfels. Das von Eberhard Jurgalski längst ausgewertete Material führt zum Schluss, dass Reinhold Messner, der als erster Mensch auf allen 8000ern dieser Welt gestanden haben soll, sich effektiv «nur» auf 13 Gipfeln und somit nicht als erster Mensch auf allen 14 Gipfeln zuoberst befand. An der Annapurna (8091 m) habe er einige Meter vor dem Gipfel gestoppt, wird ihm entgegengehalten. Kann sein. Die Frage ist allerdings, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit ein 8000er als bestiegen gilt. Machen ein paar Meter Differenz zum effektiv höchsten Punkt eine Gipfelbesteigung also ungültig? Diese Frage wird derzeit in verschiedenen Medien ausführlich diskutiert, so etwa in der im linken Spektrum anzusiedelnden Zürcher Zeitung «Tages – Anzeiger» mit ihrer kontinuierlichen Neid-Berichterstattung. «Grössen wie Reinhold Messner waren gar nie auf allen 8000er-Gipfeln» titelt das Blatt kürzlich (21. Juli 2022) einigermassen genüsslich – und kramte die «olle Kamellen-Geschichte» von Eberhard Jurgalski hervor. Neben dem Südtiroler sollen von 44 Bergsteigern und Bergsteigerinnen 41 effektiv gar nicht, wie in den Chroniken geführt, auf allen Gipfeln über 8000 Metern gestanden haben; durchwegs aus Gründen, die damit zusammenhängen, dass die höchsten Punkte dieser Gipfel nicht einfach zu lokalisieren sind. Die «Sauregurkenzeit» bietet natürlich die ideale Gelegenheit, um ein mediales Pingpong zu starten. Entsprechend fiel die Antwort von Reinhold Messner (selbstverständlich ebenfalls) im «Tages-Anzeiger» vom 25. Juli 2022 aus: «Ich für meinen Teil war oben – und das nimmt mir niemand», erklärt sich der Top-Alpinist auf einer ganzen Zeitungsseite. Lehre aus der aufgewärmten Geschichte: In der Todeszone über 7000 Metern funktioniert Statistik wohl anders als auf dem Matterhorn, auf der Zugspitze oder auf dem Grossglockner…

Stau am Mount Everest und andere Leistungsstörungen

(causasportnews / red. / 4. Juli 2019) Das Bild ging kürzlich um die Welt: Nicht nur im Strassenverkehr sind Staus an der Tagesordnung. Auch der Aufstieg zum Dach der Welt kann zu Stau- und Stress-Situationen führen. Oft enden Everest-Besteigungen tödlich. Ab und zu setzt allerdings die Natur der Expeditionsfreudigkeit der Menschen mit allen Risiken natürliche Grenzen. Nicht immer erreichen Bergsteigerinnen und Bergsteiger ihre Ziele, zumindest einmal im Leben auf dem höchsten Punkt der Erde zu stehen, auf 8848 Meter Höhe. Die Besteigung des Mount Everest ist für viele Menschen nur möglich, falls sie ordentlich in die Tasche greifen und sich organisiert zum 1953 erstmals bezwungenen Gipfel begeben. Und auch dann besteht keine Gewähr, dass der Gipfelsturm gelingt. So erging es vor etwas mehr als vier Jahren einem Alpinisten, der für die Besteigung des höchsten Berges mit einer Expeditions-Organisation eine Vereinbarung schloss und aufgrund dieser Absprache EUR 39 840 sowie überdies USD 11 000 für einen Zusatz-Sherpa bezahlt hatte. Wegen eines Erdbebens und befürchteter Nachbeben beschlossen die Verantwortlichen, die geplante Mount Everest-Besteigung  abzubrechen und aus dem vorgeschobenen Basislager auf 6 400 Meter Höhe nicht weiter aufzusteigen. Mit der Unmöglichkeit der Besteigung des Berges endete, juristisch gesprochen, eine Pauschalreise mit Leistungsstörung. Der vorzeitige Abbruch der Expedition im Frühjahr 2015 erfuhr vor Gericht eine Fortsetzung, weil es zwischen den Vertragsparteien bezüglich der Rückabwicklung des Vertrages Dissonanzen absetzte; konkret konnte bezüglich des durch den Organisator der Expedition zurückzuerstattenden Betrages keine Einigung erzielt werden. Dem Expeditionsteilnehmer wurden schliesslich gerichtlich EUR 2 360 zugesprochen. Dies hat mit Urteil vom 25. April 2019, das seit kurzem vorliegt, der Oberste Gerichtshof Österreichs entschieden (5Ob194/18t). Auf den Grundsatzentscheid wird in der nächsten Ausgabe von „Causa Sport“ eingegangen (www.causasport.org).