Schweiz unterliegt Caster Semenya am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

causasportnews.com – 65/2025, 17. Juli 2025

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(causasportnews / red. / 17. Juli 2025) Natürlich, selbstverständlich ist die Leichtathletin Caster Semenya eine Frau. Unbestrittenermassen produziert ihr Körper ungefähr dreimal mehr Testosteron (ein Sexualhormon) als dies üblicherweise bei einer Frau der Fall ist. Nachvollziehbar weigert sich die heute 34jährige Läuferin seit Jahren, ihren Testosteronspiegel zu senken. Gezwungenermassen und zur Wahrung der Chancengleichheit im Sport sah sich der Leichtathletik-Weltdachverband (World Athletics, WA) veranlasst, Testosteron-Obergrenzen für Athleten einzuführen.- Alles hört sich so einfach an, ist aber in der Praxis weit komplizierter und komplexer als man es sich vorstellen könnte. Die Welt der intergeschlechtlichen Sportler/innen ist an sich ein schwieriger, teils auch von menschlicher Tragik geprägter Kosmos. So auch die Welt der Top-Athletin Caster Semenya. Die vor Jahren erfolgreiche, südafrikanische Mittelstrecklerin weigerte sich, ihren gemäss den Vorgaben der von WA zu hohen Testosteron-Spiegel mittels eines operativen Eingriffs zu senken. Seit 2018 ist sie deshalb von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Es begann der für sie beschwerliche Weg durch die Gerichtsinstanzen. Vor dem internationalen Sport-Schiedsgerichtshof in Lausanne (TAS, Tribunal Arbitral du Sport) blitzte sie ebenso ab wie am Schweizerischen Bundesgericht. Danach erlangte die «Causa Caster Semenya» eine internationale Dimension. 2023 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass die Leichtathletin aufgrund des Geschlechts und sexueller Merkmale durch die Testosteron-Verbandsregel diskriminiert und in verschiedenen in der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) garantierten Rechten und Freiheiten verletzt worden sei. Die in diesem Strassburger Urteil unterlegene Schweiz verlangte danach eine Verweisung der Streitsache an die grosse Kammer des Europäischen Gerichtshofs. Dieses aus 17 Richterinnen und Richtern bestehende Entscheidgremium bestätigte das vor zwei Jahren gefällte Urteil des Gerichtshofs mit 15 gegen 2 Stimmen, erkannte aber, dass das Verfahren der Athletin vor dem Schweizerischen Bundesgericht (lediglich) nicht fair gewesen sei (Verstoss gegen Art. 6 EMRK). Das höchste Schweizer Gericht überprüfte das Urteil des Sport-Schiedsgerichts (TAS) nur unter eingeschränkten Gesichtspunkten, was der Schweiz nun ein juristisches Grounding in Strassburg bescherte. Diese Niederlage ist eine Niederlage, auch wenn sie nun von der Schweiz und dem Schweizerischen Bundesgericht schöngeredet wird. In der Tat sah die grosse Kammer des Strassburger Gerichtshofs keine weiteren Verstösse der Schweiz gegen die EMRK wie der Gerichtshof vor zwei Jahren, sondern «einzig» einen Verstoss gegen die Fairness-Bestimmung der Konvention. Aber die Rüge eines unfairen Verfahrens aus Strassburg bedeutet für die Schweiz dennoch eine schallende Ohrfeige. Eine teure zudem, denn die Schweiz muss der in der grossen Kammer obsiegenden Sportlerin nicht weniger als 80’000 Franken als Entschädigung bezahlen.

Verurteilungen eines Vertragsstaates wegen Verletzung der Europäischen Menschenrechts-Konvention (EMRK) sind für das Land, welche die im Vertragswerk zugesicherten Rechte und Freiheiten der Personen verletzen, die der Hoheitsgewalt dieses Staates unterstehen, immer einschneidend. Die Verurteilung der Schweiz wegen der Verletzung des Rechts auf ein faires Verfahren von Caster Semenya hat über den Sport hinaus Reaktionen bewirkt. Allerdings nicht in der Tragweite wie beispielsweise nach dem Obsiegen des Vereins KlimaSeniorinnen Schweiz und andere über die Schweiz. Am 9. April 2024 urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass die Schweiz wegen Versäumnisse in der Klimapolitik die EMRK verletzt habe. Diese Entscheidung hatte selbstverständlich mit Sport direkt nichts zu tun (obwohl das Klima folgerichtig auch Einflüsse auf die sportliche Betätigung, nicht nur von Seniorinnen und Senioren, hat), zeigte jedoch die grundsätzliche, mögliche Sprengkraft von Urteilen des Europäischen Gerichtshofs. Es sei nicht verschwiegen, dass dieses sog. «Klimaurteil» in verschiedener Hinsicht heftig diskutiert wurde und wird. Aber eben: iudicium durum, sed iudicium… (frei übersetzt: ein hartes Urteil, aber es ist ein Urteil)

Nachtrag: Die Schweiz ist der Meinung, das «Klimaurteil» des Europäischen Gerichtshofs sei derart abwegig, dass sie den Strassburger Richterspruch einfach einmal ignoriert.

Der (unsportliche) Kampf des ehemaligen Top-Bankers Tidjane Thiam gegen seine Haushälterin

causasportnews.com – 64/2025, 12. Juli 2025

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(causasportnews / red. / 12. Juli 2025) Im März 2023 krachte die einstmals stolze und renommierte Bank «Credit Suisse» (CS) zusammen. Nur dank einer vom Staat verordneten Zwangs-Fusion mit der UBS blieb der Trümmerhaufen «CS» eine beschönigte Banken-Pleite. Das alles wäre noch kein Thema für «causasportnews». Doch galt die sport-freundliche Bank «CS» als veritable Grösse auch im Sport-Business-Bereich. Die «CS» engagierte sich massiv im Breiten- und im Spitzensport, und auch als der Untergang des von der Schlüsselfigur der Schweizer Wirtschaft, Alfred Escher (1819 – 1882), gegründete Bankhauses (damals «Schweizerische Kreditanstalt») bereits Tatsache war, gehörte etwa Roger Federer bis zum bitteren Banken-Ende der «CS» als Markenbotschafter und Sponsoringpartner zum Marketing-Inventar der Bank; die UBS hat nach dem «CS»-Zusammenbruch u.a. die Pflichten der «CS» dem ehemaligen Tennis-Ausnahmekönner gegenüber übernommen; exakt die UBS, welche 2008 selber kollabierte und vom Staat gerettet werden musste… Die Verursacher des «CS»-Banken-Zusammenbruchs sind ausschliesslich im Management der Bank in den letzten Jahren zu suchen. Unfähige Ausländer, die mit viel Geld an den Zürcher Paradeplatz gelockt wurden, komplettierten das Management der unfähigen Schweizer, die sich ihre Pfründe auch nach dem Crash der Bank sichern konnten. Es war letztlich die geballte Inkompetenz und Ignoranz hochgezüchteter Banker und Pseudo-Fachleute, die sich an den Honigtöpfen des Banken-Geschäfts gütlich taten, welche zum Zusammenbruch der «CS» führten. Einzelnen «Top-Managern» die Schuld an der Pleite der «CS» in die Schuhe schieben zu wollen, wäre verfehlt. Doch immer, wenn ein ehemaliger «CS»-Manager aktuell für Aufsehen sorgt, wird auch seine damalige Rolle bei der «CS» hinterfragt.

So zum Beispiel bei Tidjane Thiam, welcher den «CS»-Vorsitz der Geschäftsleitung von 2015 bis 2020 innehatte. Zu konstatieren, der 62jährige Top-Manager von der Elfenbeinküste hätte in seinem Amt alles falsch gemacht, wäre ebenso unzutreffend wie die Aussage, er habe nichts richtig gemacht. Einen schalen Nachgeschmack hinterlässt allenfalls der immer noch andauernde Kampf von Tidjane Thiam gegen seine damalige Haushälterin. Verhält sich so ein Top-Mann aus der Wirtschaft? Diese Frage stellt sich im Moment die interessierte Öffentlichkeit und denkt zurück an die Amtsführung des Mannes von der Elfenbeinküste während seines «CS»-Engagements. Er überwarf sich mit Management-Kollegen und geriet in den Überschattungsverdacht bezüglich seines Unterstellten Iqbal Khan. Unstimmigkeiten ergaben sich auch im privaten und halb-privaten Bereich. Der «CS» Geschäftsleitungs-Vorsitzende zoffte sich in seinem stattlichen Anwesen in Herrliberg an der Zürcher Goldküste mit einer Hausangestellten. Diese Geschichte erfährt bis heute Weiterungen. Immer noch weigert sich Tidjane Thiam, seine ehemalige Angestellte trotz rechtskräftigem Urteil zu entlöhnen. Dieser hatte er auch vorgeworfen, er würde sie nötigen und sogar erpressen. Auch diese Geschichte endete vor den Strafgerichten. Die Ex-Angestellte wurde vor Monaten erstinstanzlich freigesprochen. Vor ein paar Tagen doppelte das Zürcher Obergericht nach und rehabilitierte die Frau vollumfänglich. «Eine krachende Niederlage für Tidjane Thiam», titelten die Medien. Man kann bilanzieren, dass das Verhältnis zwischen Tidjane Thiam und der Schweiz ein einziges Missverständnis auf allen Ebenen war. Da ist es wohl nur eine Randnotiz wert, dass der Mann von der Elfenbeinküste auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) ist. Dieses Gremium ist vor allem i.S. «Völkerverständigung» im Rahmen des Sportes aktiv. Quod erat demonstrandum in der «Causa Tidjane Thiam / Hausangestellte» also, ein Schauplatz, auf dem sich Tidjane Thiam ziemlich unsportlich verhält. Nebst der Vergangenheitsbewältigung in der skizzierten Art arbeitet der Ex-Star-Banker seit dem Ausscheiden aus der «CS» an seiner Polit-Karriere. Sein Traum, Präsident der Elfenbeinküste zu werden, könnte sich jedoch allenfalls in Luft auflösen oder zum Albtraum für den gebürtigen Afrikaner werden.

Pleiten, Pech und Pannen rundherum

causasportnews.com – 63/2025, 10. Juli 2025

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(causasportnews / red. / 10. Juli 2025) Durch den organisierten Sport brandet eine Pleite-Welle. Am letzten Juni-Tag ist im Zürcher Handelsamtsblatt die «Vorläufige Konkursanzeige GAZ (GC Amicitia Zürich)» erschienen. GC Amicitia Zürich ist gemäss Medieneinschätzungen einer der leuchtendsten Adressen im Schweizer Handball. Mit der grossen Party ist vorläufig Schluss, denn dieser Klub im Rahmen des Sport-Gemischtwarenladens von Grasshopper-Club Zürich mit verschiedenen Sektionen in verschiedenen Sportarten ist pleite. «Schuldner des Konkursiten können ihre Schulden nicht mehr durch Zahlung an den Konkursiten begleichen; sie riskieren zweimal bezahlen zu müssen», heisst es unter anderem im Handelsamtsblatt. Die Situation ist relativ undurchsichtig, aber es bestehen keine Zweifel, dass der Klub in irgendeiner Form und unter einem neuen Namen fortbestehen wird. Dieses Finanz-Desaster lässt aufhorchen, gilt doch «GC Zürich» mit den diversen Sport-Sektionen als Sportklub der Hochfinanz und des elitären Akademikertums im Grossraum Zürich. Wie konnte es also soweit kommen? Offenbar ging dem Sponsor des Klubs nach und nach das Geld aus. Dieser Sponsor war die Deutsche «Tennor-Gruppe» des ehemaligen Wirtschafts-Wunderkindes Lars Windhorst. Der heute 48jährige Geschäftsmann, der mit 16 Jahren offenbar erfolgreich seine ersten Geschäftsaktivitäten startete, wurde vom Polit-, Gesellschafts- und Wirtschafts-Establishment gehätschelt wie kaum je ein anderer Finanz-Akrobat zuvor. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl begann den vom «Wunderkind» begonnenen (halb-)seidenen Luxus-Teppich mitzuweben. Der Ex-Bundeskanzler glorifizierte den neuen Shooting-Star der Deutschen Wirtschaft – und die Menschheit applaudierte. Beim Aufstieg von «Wunderkind» Lars Windhorst ging es teils ähnlich zu und her wie später beim (halb)seidenen, ungefähr gleich alten René Benko. Wer in der Finanzwelt etwas gelten will, ist bestrebt, u.a. die «Plattform Sport» zu nutzen. Das macht rundherum Freude und verhilft zu Anerkennung. Lars Windhorst stieg 2019 beim renommierten Bundesligisten Hertha BSC Berlin mit dem Erwerb von Klub-Anteilen ein, nota bene mit seiner «Tennor-Gruppe». 2023 war auch dieser Spuk vorbei und das frühere «Wunderkind» wieder weg. Das Hertha-Engagement von Lars Windhorst ist wohl auch unter die Rubrik «Pech» zu subsumieren.

Um Geld und Pech geht es immer noch im Rahmen der sog. «Sommermärchen-Affäre» im Zusammenhang mit der Fussball-WM-Endrunde 2006 in Deutschland. Vom Landgericht Frankfurt ist der Deutsche Fussball-Bund (DFB) soeben wegen Steuerhinterziehung schuldig gesprochen worden. Der Vorgang betrifft dubiose, teils verschleierte Zahlungsflüsse rund um die WM-Endrunde 2006. Der DFB soll dem Weltfussballverband FIFA im April 2005 6,7 Millionen Euro bezahlt haben. Das Geld wurde auf ein Konto des zwischenzeitlich verstorbenen Geschäftsmanns Robert Louis-Dreyfus in Zürich überwiesen. Der Betrag entsprach den 10 Millionen Schweizer Franken, die der zwischenzeitlich ebenfalls verstorbene Franz Beckenbauer 2002 vom Franzosen erhalten hatte. Der DFB verschleierte die Rückzahlung dieses Darlehens durch Deklaration für eine geplante WM-Gala 2006, die nie stattfand. Die Zahlung wurde als Betriebsausgabe verbucht. Das trug nun dem DFB eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung ein. Der Verband hat 130 000 Euro Strafe zu bezahlen; 20 000 Euro Strafe wurden dem DFB erlassen, «wegen rechtsstaatswidriger Verfahrensdauer».

Um Pannen ging es beim grössten Breitensport-Anlass der Schweiz, dem Eidg. Turnfest in Lausanne im Juni. Diese Veranstaltung erlebte einen «Super-GAU», vor allem deshalb, weil die Resultat-Auswertungen nicht funktionierte, bzw. falsche Angaben zeitigten. Daneben herrschte während des Anlasses vom 12. bis zum 22. Juni ein organisatorisches und administratives Chaos. Der organisierende Verband, der Schweizerische Turn-Verband (STV; der grösste und älteste Sportverband der Schweiz) mit den teils behäbigen Funktionären, war in allen Belangen dieser Grossveranstaltung überfordert, weshalb sich Panne an Panne reihte. Schlagzeilen, wie «Jetzt erreicht das Turnfest-Chaos die Verbandsbosse» waren an der Tagesordnung.

Schweizer Kinder- und Jugendsport vor einschneidenden Beitragskürzungen

causasportnews.com – 62/2025, 6. Juli 2025

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(causasportnews / red. / 6. Juli 2025) Die gesicherten Zahlen zu den Unternehmenspleiten sind für den Zustand der Wirtschaft am aussagekräftigsten. Im ersten Halbjahr 2025 schnellte die Zahl der Konkurse von Unternehmungen auf 6453. Dies bedeutet ein Anstieg der Konkurse im Vergleich zur Vorjahresperiode um satte 15 Prozent. Die Pleitewelle wird weitergehen, und Spezialisten rechnen damit, dass bis Ende dieses Jahres etwa 13000 Konkurse zu registrieren sein werden.

Solche schlechten News von der Wirtschaftsfront verwundern nicht. Seit geraumer Zeit wird mehr vom Sparen als vom Investieren gesprochen, diverse Wirtschaftszweige drohen unter den Belastungen aller Art zusammenzubrechen. Derzeit wird vor allem von Pleiten und Pannen gesprochen; oft ist natürlich auch Pech im Spiel. Die Schuldenwirtschaft in praktisch allen Staaten lässt die Volkswirtschaften kranken. Schulden produziert und gespart wird auch in der Schweiz, wenn mit Blick auf die Sparbestrebungen meistens am falschen Ort. Der Staat «Schweiz» jagt alle Rekorde der Geldverschwendung, und auch kostspielige Projekte aller Art, nicht nur im Bereich der Landesverteidigung, lassen Desaster um Desaster offenkundig werden – mit verheerenden finanziellen Auswirkungen. Verantwortlich für diese flächendeckende Misswirtschaft ist niemand. Vor allem auf Bundesebene frisst ein überzüchteter Beamten- und Staatsangestellten-Apparat Mittel weg, die anderenorts fehlen. Im Staats- und Beamtenwesen ist nicht nur der stets zunehmende Apparat der Staatsbediensteten, der immer mehr Geld vernichtet, zum Problem geworden. Diese oft selbstherrlich agierende, massivst überbezahlte Kaste verhindert vor allem ein gesundes Wirtschaftswachstum und gefährdet überdies etwa den sozialen Frieden der Schweiz.

Wenn nur noch gespart, statt innovatives Management der staatlichen Aktivitäten gefördert wird, stellt sich vor allem die Frage, wo und in welchem Umfang nun gespart werden soll. Es wäre fast ein Zufall, wenn am richtigen Ort gespart und die Finanzierung von meist ideologisch geprägtem Unsinn aller Art eingedämmt würde. Dass nun auch der Breitensport einem vom Bund angekündigten, finanziellen Kahlschlag zum Opfer fallen soll, ist nicht weiter verwunderlich, aber dennoch erschreckend. Massiv Federn lassen soll künftig das bedeutendste Sportförderungsprojekt der Schweiz für Kinder und Jugendliche, das Projekt «Jugend und Sport» (J + S). Dass bei den Jungen gespart werden soll, ist nachvollziehbar, verfügen doch Kinder und Jugendliche im Parlament über keine Lobby – etwa im Gegensatz zur Gambling-Industrie der Banken, zu den Bauern (die zwar ehrliche Arbeit abliefern), zum Bundes-Staatspersonal, usw. Deshalb fällt nun also der Breitensport der Kinder und Jugendlichen dem Sparhammer des Bundes zum Opfer. An diesem Zweig mit eminent grosser gesundheitlicher Bedeutung soll nun also massiv gesägt werden. Die Rede ist von Beitragskürzungen bis zu 20 Prozent. Das J + S – Programm ist vielleicht auch zum Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Fast 700 000 Kinder und Jugendliche haben im vergangenen Jahr an J + S – Programmen teilgenommen. 2025 zeigt die Teilnahmequote an diesem Sportförderungsprogramm nochmals massiv nach oben; das kostet Geld. Anzumerken ist, dass Leitende in diesem Projekt weitgehend ehrenamtlich tätig sind. Die Mittelkürzungen sind geeignet, das Fundament des Vereinssports zu untergraben. Der abtretende Präsident des Schweizerischen Fussball-Verbandes (SFV), Dominique Blanc, lässt sich so zitieren: «Wer im Jugendsport spart, spart an der Zukunft unseres Landes». Die gesellschaftlichen Folgen würden eine krasse Bedrohung bedeuten.- Recht hat er, ändern werden diese Worte beim sparwütigen Bundesparlament, das die Kürzungen gegen Ende dieses Jahres beschliessen wird, kaum etwas. Dieses ist vorwiegend darauf bedacht, die eigenen, üppigen Pfründe nicht zu gefährden und die Wählerschaft der Beamten und Staatsangestellten nicht zu verärgern.

Verkauf einer Traumvilla wurde zum Albtraum

causasportnews.com – 61/2025, 3. Juli 2025

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(causasportnews / red. / 3. Juli 2025) Alex Wilson ist aktuell der schnellste Mann der Schweiz. Der 34jährige, gebürtige Jamaikaner aus Kingston ist Sprint-Rekordhalter über 100 und 200 Meter. Der bullige Athlet ist mit 78 Kilogramm Gewicht bei einer Grösse von 182 cm eine imposante Erscheinung in den Sprint-Rennen – bzw. war es. Die Karriere des talentierten Sportlers wird wohl für immer und ewig beendet sein, sicher im Jahr 2035. Er wird dann Dopingsperren von insgesamt 14 Jahren abgesessen haben und 45jährig sein. Wie Alex Wilson seinen Lebensunterhalt verdient, weiss niemand so genau. Gemäss seinem Verhalten muss er jedoch als «grosse Nummer» im täglichen Leben eingeschätzt werden. Der Athlet soll den schönen Dingen im Leben nie abgeneigt gewesen sein. Als er aufgrund der ersten Dopingsperre dem aktiven Sport den Rücken kehren musste, fand er offensichtlich Gefallen beispielsweise an attraktiven Liegenschaften. In Riehen bei Basel, einem schmucken Dorf, in dem sich viele Reiche und Schönen aus dem Raum Basel tummeln, fand Alex Wilson Gefallen an einer Traumvilla, die für 6,9 Millionen Franken zu haben war. Die vertraglichen Details waren rasch besiegelt, die Eigentümer zogen aus der Villa aus und zogen in eine kleinere Bleibe. Für sie begann allerdings ein regelrechter Albtraum, denn die vereinbarte Zahlung für den Hauskauf wollte und wollte nicht kommen. U.a. legte der Ex-Athlet als Art Bonitätsnachweis eine Bestätigung der Barclays-Bank über 490 Millionen Euro vor. Allein die vereinbarte Kaufsumme von fast sieben Millionen Schweizer Franken liess jedoch weiter auf sich warten. Dann soll Alex Wilson einen Bankbeleg vorgelegt haben, der beweisen sollte, dass eine Zahlung von sieben Millionen Franken an den das Liegenschaften-Geschäft abwickelnden Notar angewiesen worden sei. Geld floss dennoch weiterhin keines, und der Bankbeleg erwies sich offenbar als Fälschung. Weil auch in der Folge weiterhin kein Geld floss, reichte das Paar, welches die Liegenschaft Alex Wilson verkaufen (und nicht etwa verschenken) wollte, schliesslich Strafanzeige bei der Basler Staatsanwaltschaft gegen aus dem aktiven Sport verbannten Leichtathleten wegen des Verdachts auf Betrug und Urkundenfälschung ein. Per Strafbefehl wurde Alex Wilson wegen des gefälschten Bankbelegs schuld gesprochen und mit einer Geldstrafe belegt. Wegen Betrugs erfolgte bisher keine Sanktion. Der (offenbar) gefallene Sportler und wohl von der (Leichtathletik-)Bahn abgekommene ehemalige Top-Athlet hat allerdings Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben. Falls nicht noch ein juristisches und menschliches Wunder geschieht, wird sich der ehemalige Sprinter in absehbarer Zeit vor dem Strafgericht Basel-Stadt verantworten müssen.

Anmerkung: Für Alex Wilson gilt die Unschuldsvermutung.

Die Geschichte von Alex Wilson, der nach wie vor seine Unschuld beteuert, mutet in der Tat sonderbar an. Dass die Sprint-Rakete in der Lage gewesen sein soll, fast sieben Millionen Franken für eine Traum-Villa hinzublättern, mag niemand so richtig glauben. Weshalb und wie Alex Wilson den Eindruck erwecken konnte, diese doch erkleckliche Summe für den Hauskauf «stemmen» zu können, ist ein anderes Rätsel in dieser abenteuerlichen Geschichte. Auf den juristischen Ausgang dieser Angelegenheit wird man gespannt warten. Das Schicksal der Villa mit dem potentiellen Käufer Alex Wilson ist zwischenzeitlich besiegelt: Wegen des Gerangels um den geplatzten Kauf / Verkauf des Anwesens gingen zwei Jahre verloren. Sicher ist derzeit, dass der neue Eigentümer des Basler Nobel-Anwesens nicht Alex Wilson heissen wird. Die Liegenschaft ist wieder auf dem Markt – der Albtraum um das Anwesen perpetuiert sich insbesondere für die Verkäuferschaft…

Fussball-(Vor-)Freuden

causasportnews.com – 60/2025, 29. Juni 2025

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(causasportnews / red. / 29. Juni 2025) Nächste Woche geht es los mit der Fussball-Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz. Vom 2. Juli bis zum 27. Juli 2025 wird in 31 Spielen in diesem Turnier des Europäischen Fussball-Verbandes (UEFA) das beste Frauen-National-Team des Kontinents ermittelt. 16 National-Mannschaften nehmen an dieser Europa-Meisterschaft teil. Die Spanierinnen wollen den EM-Titel-verteidigen und treten als Favoritinnen an; auch Deutschland und Frankreich werden Titel-Chancen eingeräumt. Kämen die Schweizerinnen zu Titelehren, dürfte das als Sport-Sensation des Jahres zu werten sein. Apropos Spanierinnen: Kurz vor dem EM-Anpfiff in der Schweiz ist das Berufungs-Urteil in der «Kuss-Affäre» des früheren Spanien-Fussballpräsidenten gegen die ehemalige Spielerin Jennifer Hermoso bekannt geworden: Luis Rubiales’ Kuss auf den Mund der mit ihrer Mannschaft 2023 erfolgreichen Jennifer Hermoso – Spanien gewann in Australien die Frauen-Fussball-WM – wurde auch im Berufungsverfahren als sexueller Übergriff qualifiziert. Die Tathandlung (Kuss auf den Mund ohne Einverständnis) wurde, wie von der Vorinstanz, zwar als einigermassen «milde» eingestuft, doch für diese abgeschwächte Form eines sexuellen Übergriffes wird Luis Rubiales nun eine höhere Geldstrafe bezahlen müssen. Bestätigt in der Berufung wurde das in erster Instanz ebenfalls verhängte Kontaktverbot. Auch für die Rekord-Torschützin im Spanischen Team hat die «Kuss-Affäre» offensichtlich Folgen. Sie wird an der EM in der Schweiz nicht dabei sein. An ihrem Alter (35 Jahre) dürfte es nicht unbedingt liegen…

Im Moment und vor dem Beginn der Spiele ist das EM-Turnier der Frauen in der Schweiz kein «Aufreger». Medien-Kommentatoren registrieren zwar eine «dezente Vorfreude» auf das Turnier. Ob alle Stadien beim Anpfiff der 31 Partien voll besetz sein werden, wird sich weisen. Die Spiele dürften mit Blick auf die zu erwartenden TV-Einschaltquoten zumindest teilweise keine «Strassenfeger» sein. Männiglich befürchtet sogar den «Skirenn-Effekt» früherer Jahre, als Schulklassen an die Weltcup-Rennstrecken gekarrt wurden, um den Eindruck grosser Zuschauer-Begeisterung bezüglich der Skirennen zu suggerieren. Heute ist vor allem die von den Medien geförderte Ansicht relevant, dass «man» den Frauen-Fussball einfach gut zu finden hat.

Ähnlich liegen die Dinge auch bei den kickenden Männern, die derzeit und innerhalb eines Monats in den USA den Fussball-Klub-Weltmeister in 63 Partien erküren. Die Männer (32 Klubs) tragen also in ihrem Turnier mehr als doppelt soviele Spiele aus wie die Frauen an der EM in der Schweiz. Nach wie vor ist das öffentliche Interesse an diesem FIFA-Wettbewerb in den Vereinigten Staaten nicht gerade überbordend. Die Freude am Turnier hält sich in Grenzen. Im Moment versuchen der die Klub-WM organisierende Welt-Verband FIFA und die dem Weltfussballverband gegenüber wohlwollend gestimmten Medien hedonistisches und teils auch opportunistisches Gegensteuer zu geben und die Kritiker, Zweifler und Nörgler des Klub-Wettbewerbs mit allen Mitteln zum Schweigen zu bringen. Hierzu werden auch Prominente und Fussball-Legenden aller Art eingespannt. Mit dem Brustton der Überzeugung lässt es beispielsweise der Schweizer Nationalcoach Murat Yakin die (mediale) Welt wissen: «Die Klub-WM ist ein Fussballfest». Natürlich weiss er, dass nicht alle Festivitäten auf der Welt freudvoll sind. Aber ein Fest ist ein Fest. So legt der rührige Trainer nach und äussert sich noch wie folgt zur Klub-Weltmeisterschaft: «Die FIFA riskiert und bewegt etwas». Ein bewegender Verband für bewegte Männer – das ist das Fussball-Rezept für die Allgemeinheit. Bald wird es die Welt gemerkt haben.

Die Ächtung Russlands und der Ausnahme-Tatbestand «Sport»?

causasportnews.com – 59/2025, 27. Juni 2025

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(causasportnews / red. / 27. Juni 2025) Angesagt war (lediglich) eine «Spezialoperation», als Russland am 24. Februar 2022 die Kriegsmaschinerie gegen die Ukraine richtete. Ganz schnell hätten die aufmüpfigen Ukrainerinnen und Ukrainer zur Räson gezwungen werden sollen, doch daraus wurde nichts. Seit über drei Jahren tobt der von den Russen angezettelte Krieg, der kein Ende zu nehmen scheint. Die «Spezialoperation» wird zur Dauerschlacht, die seitens Russlands in Verletzung des Völker- und des Kriegsvölkerrechts geschlagen wird. Russland hat sich mit diesem rechtswidrigen und menschenverachtenden Verhalten international mehrheitlich in die Isolation manövriert. Irgendwie scheint sich die Menschheit jedoch an diese brutale Schlächterei, für die es keine Entschuldigung gibt, gewöhnt zu haben. Oder der Fokus wird durch die Staatengemeinschaft in Richtung Israel gerichtet, das im Gaza Krieg führt und völkerrechtswidrig ein Volk vertreibt und aushungert. Doch die kriegerischen Ereignisse jagen sich. Aktuell bekämpfen sich auch noch Israel und der Iran. Da treten die anderen Auseinandersetzungen schon einmal, zumindest temporal, in den Hintergrund.

Dennoch sei der Blick nochmals zurück auf den Krieg zwischen Russland und der Ukraine gerichtet. In diesem Zusammenhang tut sich in sportlicher Hinsicht Unglaubliches: Da hat der Meistermacher des FC Basel, Fabio Celestini, der für die Basler auch den Cup-Sieg realisiert hatte, angekündigt, sein sportliches Glück künftig in…Russland zu suchen und zu finden. Im fast von der ganzen Welt geächteten Russland? Ja! Was den bald 50jährigen Schweizer dazu bewegt hat, die Trainerstelle des russischen Militärklubs ZSKA Moskau zu übernehmen, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Aber er tut es. Dieser Schritt des besten Trainers der Schweizer Fussball-Liga 2024/25 war eine Trainer-Transfer-Bombe. Es ist müssig festzuhalten, dass die Stimmen zu dieser Entscheidung weitgehend negativ klingen; viele Menschen bekunden jedoch auch Verständnis für den Schritt von Fabio Celestini. Fast wie ein schlechter Karnevals-Scherz mutet es an, dass der Ex-FC Basel-Trainer nun zu einem russischen Aushängeschild wird und so auch indirekt die russische Brutalo-Aggression gegen die Ukraine zumindest ideell mitträgt. Falls er rausfliegen sollte, kann er wenigstens auf den Klub-Hauptsponsor von ZSKA Moskau zurückgreifen – die bekannteste, russische Airline «Aeroflot», witzeln die Menschen, welche für den Schritt des Schweizers wenig Verständnis haben. Bei der Beurteilung der Frage, ob Fabio Celestini mit diesem Transfer nach Moskau klug und besonnen entschieden hat, scheiden sich die Geister. Auch deshalb, weil Sport bekanntlich nichts mit Politik zu tun hat, die Ethik ebenso nichts mit Politik und die Moral bekanntlich so oder so nach dem «Fressen» kommt (im Sinne von Bertold Brecht in der «Dreigroschenoper»).

Das von der Staatenwelt weitgehend geächtete Russland ist aber auch sonst für Protagonisten aus dem Sport ausserhalb Russlands interessant. Für den FC Sion aus dem Wallis zum Beispiel. Es ist der Klub des streitbaren Präsidenten Christian Constantin, der sich in der Boulevard-Presse in grossen Lettern so äussert: «Ich habe keine Skrupel, in Russland zu spielen». Was ist geschehen? Russland bemüht sich um Teilnahmen im internationalen Fussball, obwohl das Land der Kriegstreiber im Kreml praktisch aus dem internationalen Fussballgeschäft ausgeschlossen ist. Da winkt z.B. der Klub Zenit St. Petersburg mit viel Geld Vereine zu Testspielen nach Russland. Also genau das Richtige für den FC Sion, der sich offenbar diese Einnahmequelle nicht entgehen lassen will und ethische Bedenken bezüglich solcher Aktivitäten locker wegsteckt. «Ich habe es immer so gehalten und halte es auch heute so: Sport und Politik soll man sauber trennen», so FC Sion-Präsident Christian Constantin. Sport ist ja auch nur die Fortsetzung von Kriegshandlungen mit friedlichen Mitteln…Schön wäre es! Schliess darf Opern-Star Anna Netrebko auch bald wieder im Zürcher Opernhaus singen. In den Opern stehen Metzeleien aller Art bekanntlich auch meistens im Zentrum. Entscheidend sind saubere Trennungen von was auch immer. Es gibt schliesslich nicht nur den Ausnahme-Tatbestand «Sport».

Jakob Ingebrigtsen: Gestählt durch Gewalt in der Familie zu Olympia-Gold?

causasportnews.com – 58/2025, 25. Juni 2025

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(causasportnews / red. / 25. Juni 2025) Norwegen ist ein Vorzeige-Land bezüglich erfolgreicher Sportlerinnen und Sportler. Zu diesen Top-Akteuren gehört auch der Mittel- und Langstreckenläufer Jakob Ingebrigtsen, der an den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio über 1’500 Meter und an den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris über 5’000 Meter die Goldmedaille gewann. Zudem ist der heute 24jährige Weltklasse-Athlet zweifacher Weltrekordhalter über 2000 und über 3000 Meter. Diese sportlichen Erfolge werden durch familiäre Impakte getrübt, und es verwundert, dass der junge Läufer trotz der unverschuldeten, dunklen Seiten in seinem (Familien-)Leben im Sport derart souverän auftritt. Der Leichtathlet soll unter seinem Vater, Gjert Ingebrigtsen, zumindest keine fröhliche Jugend erlebt haben. In einem Aufsehen erregenden Strafprozess wurde dem Vater von Jakob Ingebrigtsen vorgeworfen, diesem und den andern sechs Kindern dann und wann Gewalt angetan zu haben. Von Schlägen war die Rede und auch von anderen Gewalttaten im Rahmen von Verletzungen der physischen und psychischen Integrität in der Familie Ingebrigtsen. Von Gewalttaten gegenüber mehrerer seiner Kinder ist Gjert Ingebrigtsen kürzlich in Norwegen freigesprochen worden. Konkrete Gewalt durch Vater Ingebrigtsen gegenüber seinen Kindern liess sich fast durchwegs nicht nachweisen, auch nicht Gewalttaten gegenüber Jakob Ingebrigtsen. Weitgehend und vollumfänglich wurde er von den eingeklagten Gewaltvorwürfen freigesprochen. «Lediglich» wegen eines vorsätzlichen Schlages mit einem Handtuch ins Gesicht seiner zur Zeit der Tat 15jährigen Tochter während eines Streites erfolgte ein Schuldspruch; eine Verurteilung wegen des schwereren Vorwurfs der Misshandlung enger Angehöriger erfolgte nicht. Wegen des Schlages ins Gesicht seiner Tochter wurde der 59jährige Angeklagte immerhin zu 15 Tagen Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Auch wenn die strafrechtlichen Folgen bezüglich der Gewaltakte in der Familie Ingebrigtsen eher bescheiden blieben, zeigte sich in diesem Verfahren doch, dass Gewalt in dieser Familie offenbar fast an der Tagesordnung war. Ein Prozessthema bildeten auch angebliche Gewaltakte gegen den erfolgreichen Sportler und Sohn, Jakob Ingebrigtsen. Diesbezüglich blieb der beschuldigte Vater jedoch ohne Schuld und Strafe. Offenbar litt und leidet der Top-Sportler nicht an den Folgen, die er im Elternhaus mit seinen Geschwistern erleben musste. Jakob Ingebrigtsen scheint als Mensch und überragender Sportler keine Schäden davon getragen zu haben. In Norwegen wurden sogar Stimmen laut, welche dahin gingen, dass der sympathische Athlet durch dieses gewaltsame, familiäre Umfeld irgendwie gestählt schon zweimal zu Olympia-Gold lief. Gewalt kann betroffene Menschen zerstören – sie kann sie aber (vielleicht) auch stark machen. Wie dem auch sei: Der «Kriminalfall Ingebrigtsen» ist eine menschliche Tragödie.

Das erstinstanzliche Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann noch vor einer höheren Instanz Berufung eingelegt werden. Vom Staatsanwalt, der zweieinhalb Jahre Gefängnis gefordert hatte, oder von der Verteidigung, die einen vollständigen Freispruch für Gjert Ingebrigtsen verlangte, verlautete in dieser Hinsicht bis dato noch nichts.

Das Spannendste an der Klub-WM geschieht ausserhalb der Stadien

causasportnews.com – 57/2025, 23. Juni 2025

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(causasportnews/red./23. Juni 2025) Seit rund einer Woche plätschert die Klub-Weltmeisterschaft der Fussballer in den USA dahin. Ausserhalb der Sportstätten wird das Turnier, das noch bis zum 13. Juli 2025 dauern wird, kaum wahrgenommen. Auch im Austragungsland läuft das Turnier im Rahmen eines sportlichen «courant normal» ab. Für die teilnehmenden Klubs ist einzig von Interesse, wieviel Geld letztlich an jeden der 32 teilnehmenden Klubs ausgeschüttet wird. In den Stadien sehen die mehr oder weniger gelangweilten Zuschauerinnen und Zuschauer erwartungsfroh dem Ende der Veranstaltung entgegen, wenn feststeht, wie die rund eine Milliarde Dollars an Antritts- und Preisgeldern verteilt werden.

Das Spannendste im Rahmen der aktuellen Klub-WM geschieht nicht in den Stadien, sondern ausserhalb der Fussball-Felder. Zum Glück gibt es noch den US-Präsidenten Donald Trump, der für Farbtupfer ausserhalb des Turnierbetriebs sorgt. Der Mann, der unberechenbar ist und ab und zu verwirrt agiert, irritiert mitunter auch die an der Klub-WM aktiven Fussballspieler. So wähnten sich die Kicker von Juventus Turin wohl eher in den Verwirrten als in den Vereinigten Staaten von Amerika, als der US-Präsident zur Audienz bat. Weil Donald Trump so gut wie nichts von Fussball versteht und ihn dieser Sportart auch nicht sonderlich interessiert, klammerte er beim Besuch der Juventus-Kicker harte Fussball(er)-Tatsachen aus und fragte die Spieler des italienischen Top-Klubs, ob im Team von Juventus Turin nicht auch Frauen spielen könnten. Betretenes Schweigen seitens der Juve-Akteure und blamable Berührtheit waren die Folgen dieser präsidialen Frage. Ein Staff-Mitglied der Italiener rettete die Situation und erklärte, Juventus Turin habe ein hervorragende Frauen-Mannschaft. Donald Trump doppelte nach und meinte: «Aber Juventus Turin sollte mit Frauen spielen, korrekt?». Auf diese Frage hatten die Turiner nur ein müdes lächeln übrig. Was den US-Präsidenten zur Konklusion veranlasste: «Sie sind sehr diplomatisch.». Hintergrund dieser verbalen Bigotterie war natürlich Donald Trumps jahrelanger Feldzug gegen transsexuelle Personen im Sport. Per Dekret verfügte der Präsident schon kurz nach seinem Amtsantritt, dass transsexuelle Sportlerinnen aus dem Frauensport auszuschliessen seien. Logisch, dass sich Donald Trump im Kreise der anwesenden Juventus-Spieler auch noch zur Einwanderungsthematik äusserte; wohl (auch) deshalb, weil seit Jahrzehnten viele Italienerinnen und Italiener in die USA eingereist sind. Die «Leute» kämen, aber sie müssten legal kommen, meinte er. «Wie diese Jungs hier, aus Italien». Mit dem Thema «Iran» ging es dann weiter.-

Der ganze Auftritt bei Donald Trump und die vom Präsidenten angesprochenen Themen kamen den Spielern aus Turin etwas gar «spanisch» vor. Auch dem US-Amerikaner Timothy Weah, der irritiert meinte, es sei komisch gewesen, dass politische Vorgänge thematisiert worden seien. «Ich will ja einfach nur Fussball spielen», sagte der Stürmer-Star in den Diensten von Juventus Turin. Im Gegensatz zu Donald Trump hat sein kickender Landsmann verstanden, dass der Sport apolitisch ist, bzw. sein sollte.

Die Hintergründe zur FIFA-Klub-Weltmeisterschaft

causasportnews.com. – 56/2025, 17. Juni 2025

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(causasportnews / red. / 17. Juni 2025) Seit dem vergangenen Wochenende ist die Klub-Weltmeisterschaft (WM) der FIFA gemäss neuem Format im Gang. 32 Teams spielen in Amerika um eine Milliarde US-Dollars Antrittsgelder und Prämien. Das Turnier präsentiert sich heterogen; einzig das Geld bildet ein Anreiz für die Teilnahme der Teams, welche bis zum 13. Juli um den Titel eines «FIFA-Klub-Weltmeisters 2025» spielen werden. Der Weltmeister wird gesamthaft einiges über 100 Millionen US-Dollars für den Titel kassieren. Über den sportlichen Wert des Turniers scheiden sich die Geister. Das Fussball-Steinzeitresultat des FC Bayern München gegen Auckland City (10 : 0) zum Auftakt des Turniers sagt einiges, aber selbstverständlich nicht alles.

Eine Weltmeisterschaft der Fussballklubs unter der Ägide des Welt-Fussballverbandes FIFA? In der Tat bedeutet dies ein Anachronismus. Die FIFA ist ein Verband der Nationalverbände (ein Verein gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB), der Klub-Fussball findet höchstens indirekt unter der Ägide der FIFA statt, im internationalen Kontext jedoch im Konföderationsrahmen. In organisatorischer, struktureller Hinsicht ist ein Wettbewerb der Klubs unter dem Dach der FIFA als Anachronismus zu qualifizieren. Der Nationalmannschafts-Fussball ist eine Angelegenheit des internationalen Fussball-Verbandes FIFA mit Sitz in Zürich, der Klub-Fussball steht unter der Ägide der Konföderationen (Kontinentalverbände). Mitglieder der FIFA sind denn auch einzig 211 Nationalverbände. Die Klubs stehen zur FIFA in keinem Mitgliedschaftsverhältnis und können vereinsrechtlich lediglich als mittelbare oder indirekte Mitglieder des Weltverbandes bezeichnet werden. Die FIFA hat sich somit bezüglich der Klub-WM eine nicht konforme Organisationshoheit angeeignet. Aber so genau will dies offensichtlich niemand sehen, denn das jetzt aufgeblähte Klub-WM-Turnier lässt eben immerhin eine Milliarde US-Dollars über die teilnehmenden Klubs regnen. Diese sind für diese Millionen äusserst dankbar. Denn auch im Fussball auf höchster Ebene gilt: «Zuerst das Fressen, dann die Moral» (nach Bertold Brecht in der «Dreigroschenoper»).

Der Ursprung der «Klub-WM» nach altem Format geht auf das Jahr 2000 zurück. Der Wettbewerb wurde damals anfangs Januar in Brasilien mit acht Teams ausgetragen. Ab 2005 bis 2023 fand die Klub-WM jeweils im Dezember, kurz vor den Weihnachtstagen, statt. Initiator war Joseph Blatter, der 1998 zum FIFA-Präsidenten gewählt wurde. Als Präsident des Weltverbandes war der heute 89jährige Walliser während des ganzen Jahres aktiv und engagiert an allen Fronten aktiv. So gegen Weihnachten und Neujahr hat sich die Agenda des FIFA-Präsidenten jedoch stark gelichtet. Joseph Blatter soll jeweils buchstäblich in ein Inaktivitätsloch gefallen sein. Deshalb habe er mit seinen engsten FIFA-Getreuen die Idee der Klub-WM insbesondere in der Weihnachtszeit ersonnen haben. Dieses Turnier soll vor allem dazu gedient haben, die Einsamkeit des FIFA-Präsidenten in der weitgehend fussball-losen Vorweihnachtszeit und zum Jahreswechsel zu überbrücken. Ab 2005 bis 2023 bestritten jeweils die besten Konföderationsteams sowie der evaluierte Klub aus dem Turnier-Austragungsland die Klub-WM. Joseph Blatter, bis 2016 FIFA-Präsident, hätte sich wohl nie vorstellen können, dass seine ursprüngliche Idee zu einem Milliarden-Geschäft für Klubs mutieren würde. Um den Klub-WM-«Kuchen» balgen sich derzeit vier Mal soviele Klubs wie zum Versuchs-Start des Wettbewerbs anfangs 2000. Damals gab es als Teilnahme- und Rangprämien insgesamt etwas mehr als 5 Millionen US-Dollars zu verdienen. Heute bietet die Klub-WM einen starken, finanziellen Anreiz für die 32 teilnehmenden Teams.