causasportnews / Nr. 1026/06/2023, 13. Juni 2023

(causasportnews / red. / 13. Juni 2023) «Transfersperre gegen den 1. FC Köln einstweilen ausgesetzt», vermeldeten kürzlich die Medien. Hinter der dürren Meldung steckt Sprengstoff: Da hatte der Internationale Fussballverband (FIFA) ein für den Deutschen Bundesligisten einschneidende Sanktions-Entscheidung gefällt und gegen die Kölner einen Transferbann für zwei Wechselperioden verhängt. Der Klub soll den bald 18jährigen Slowenen Jaka Cuber Potocnik zum Vertragsbruch angestiftet haben, um diesen ablösefrei von Olimpija Liubljana nach Köln transferieren zu können. Nichts ist im Professional-Fussball tödlicher, als vom internationalen Transfergeschäft ausgeschlossen zu werden. Für den 1. FC Köln war diese Sanktion des Weltfussballverbandes zur Wahrung der Vertragsstabilität derart, dass der Klub Himmel und Hölle in Bewegung setzte und am Tribunal Arbitral du Sport (TAS) in Lausannen gegen diese Sanktion und gegen die FIFA klagte; im Sinne einer vorsorglichen Massnahme verlangte der Klub aus der Karneval-Stadt, dass die Transfersperre einstweilen ausgesetzt werde. Das TAS gab den Kölnern Recht, was bedeutet, dass sie einstweilen und bis zu einem Urteil des TAS Spieler-Transfers tätigen dürfen. Auch die gegen Potocnik verhängte, viermonatige Spielsperre wurde einstweilen ausgesetzt. Die von der FIFA verhängten Sanktionen gegen den Klub und den jungen Spieler wurden wohl als derart unverhältnismässig hart qualifiziert, dass die Sanktionen, die den Lebensnerv von Klub und des Spielers treffen, vorsorglich ausgesetzt wurden. Auch wenn letztlich effektiv eine Anstiftung zum Vertragsbruch als erwiesen zu betrachten wäre, sind die von der FIFA deswegen verhängten Sanktionen gegen den 1. FC Köln und den Spieler wohl nicht zu halten.
Die «Causa FC Köln / Potocnik» rückt eine Grundsatzthematik des Fussball-Sportrechts in den Fokus: Die zentrale Frage ist, wie das Verbandsrecht (hier das FIFA-Recht) auf Vertrags-Konstellationen, an denen der Weltverband nicht beteiligt ist, verhalten soll. Die FIFA-Regeln sind darauf ausgerichtet, dass mit Sanktionen ein Vertragsschutz und eine Vertragsstabilität im internationalen Fussballgeschäft sichergestellt werden soll. Zu diesem Zweck darf die FIFA gemäss ihrem Regelwerk z.B. Vertragsparteien, die sich unkorrekt verhalten, sanktionieren. Konkret wurde der FC Köln wegen Anstiftung zum Vertragsbruch sanktioniert und ebenso der Spieler für vier Monate vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Dass ein derartiges Sanktionssystem an sich unter juristischen Gesichtspunkten im modernen Fussball-Business nicht (mehr) haltbar ist, scheint evident. Ob das TAS letztlich auch zu Gunsten des Klubs und des Spielers entscheiden wird, dürfte sich weisen. Das sog. unabhängige Schiedsgericht ist bekannt verbandslastig und FIFA-freundlich. Das Schweizerische Bundesgericht kann Urteile des Sport-Schiedsgerichts nur mit beschränkter Kognition überprüfen. Dass nun vorläufig die Sanktionen gegen den 1. FC Köln und den Spieler ausgesetzt wurden, lässt Raum für berechtigte Hoffnungen der Kölner und des Spielers, dass im TAS-Endentscheid die Sanktionen zumindest massiv gemildert werden. Letztlich dürfte auch hier die Zeit Wunden heilen, zumal es um einen Vorgang geht, der mit jedem vergangenen Tag weiter zurückliegen wird.


