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„Swiss Sport Forum“: Zwischen „Schmarrn“ und Tragik

Foto: Mano Reichling
Foto: Mano Reichling

(causasportnews/red /4. März 2019) Standortbestimmung im Sport, insbesondere im organisierten Fussball – Diese Thematik stand beim diesjährigen „Swiss Sport Forum“ im Fifa-Museum in Zürich (Generaltitel «Sport on the move») im Zentrum (vgl. auch http://www.swisssportforum.ch). Fussball- und Gastro-Experte Reiner Calmund belegte in seinem Referat im ausverkauften Veranstaltungsraum, dass der Spiel-Kalender im Fussball derzeit massiv überladen sei. Der Saarländer sprach sich gegen die Einführung neuer, internationaler Wettbewerbe aus: „Jetzt ist genug!“, donnerte er in den Saal. Eine Aussage, die bei seinem Landsmann Paul Breitner eine heftige Reaktion provozierte. Der Weltmeister von 1974 konterte in seiner gewohnt unverblümten Art: „So ein Schmarrn!“. Paul Breitner verwies auf seine Aktivkarriere und betonte, dass er und seine Kollegen Franz Beckenbauer, Berti Vogts & Co. einst für den FC Bayern über 90 Spiele pro Saison bestritten hätten – und keiner habe sich darüber beklagt. Seiner Meinung nach sei der Leistungs-Zenit noch längst nicht erreicht; und so machte er sich gleich auch für die Einführung neuer, weiterer Wettbewerbe stark: „Jeder Fussballer spielt lieber als zu trainieren. Es gibt doch nichts Schöneres als das Spiel.“. Weniger lautstark, aber ebenso emotional, wurde das Thema «Erfolg, Misserfolg und die Folgen» abgehandelt. Teresa Enke sprach offen den Suizid ihres Gatten Robert an. Der frühere Torhüter hatte sich vor bald zehn Jahren nach langer Depression vor einen Zug geworfen. Man müsse endlich erkennen, dass diese Krankheit schon längst im Spitzensport angekommen sei, betonte Teresa Enke, die im Rahmen ihrer Trauerbewältigung 2010 die «Robert-Enke-Stiftung» gegründet hatte. Bei Depressionen könnten tragische Ausgänge durchaus verhindert werden, meinte sie. Den Ausführungen der Witwe von Robert Enke schloss sich eine tiefschürfende Diskussion unter der Gesprächsleitung des Psychiaters Prof. Daniel Hell an: Dr. Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln, und der aktuelle Schwingerkönig, Matthias Glarner, nahmen zur Thematik aus ihrer Sicht Stellung.

Der noch amtierende Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), Peter Gilliéron, zog bei seiner «Standortbestimmung Nationalmannschaft» eine grundsätzlich positive Bilanz. Der Berner, der im Sommer nach 26 Jahren Verbandstätigkeit zurücktreten wird, resümierte: „Vieles haben wir gut, weniges schlecht gemacht.“. Am Ende zählten letztlich nur die Resultate auf dem Spielfeld. Sorgen mit Blick auf die Medien und bezüglich der Sport-Berichterstattung machte sich Dr. Helmut Brandstätter bei seiner Analyse über den Ist-Zustand der Medien in einer buntgefächerten (Medien-)Landschaft. Der Herausgeber des Wiener „Kurier“ will diesbezüglich sogar eine „Verrohung der Sitten“ geortet haben. Es werde heutzutage im Medien-Geschäft kaum mehr richtig recherchiert, der Copy- und Paste-Journalismus sei zum beliebten Hilfsmittel auf den Redaktionen geworden. Mit dafür verantwortlich seien die sogenannten „neuen Medien“. Qualität stehe dort immer weniger im Vordergrund. Oft müsse man sich fragen, was überhaupt noch Journalismus sei. Sein „Kurier“ lasse sich von dieser Entwicklung nicht beeinflussen, versprach der Wiener Profi im Mediengeschäft mit internationaler Erfahrung: „Wir bleiben unser Philosophie treu: Wir schauen auch in Zukunft dahinter.“. Ein Fazit, das durchaus nach der Ausgabe 2019 des „Swiss Sport Forums“ zu ziehen ist. (Bericht: Andy Huber, Redaktor BR).