Schlagwort-Archive: Swiss Olympic

Das Dilemma der höchsten Schweizer Sportfunktionärin

causasportnews.com – 35/2025, 15. April 2025

Photo by Markus Winkler on Pexels.com

(causasportnews/red./ 15. April 2025) Im Sport ist es manchmal etwa gleich wie in der Medien-Industrie: Nur wer nicht publiziert, wird nicht widerlegt. Oder sport-bezogen: Wer sich im Sport in Szene setzt, bewegt sich öffentlich und wird angreifbar. Der Sport bietet unter anderem durchwegs eine Plattform für Aktive und Funktionäre. Erstere sind die Protagonisten des Sportes; sie sind für den realen Sport zuständig, an dem sich die Sport-Öffentlichkeit labt. Die Funktionäre hingegen organisieren, verwalten und halten den Sport am Laufen; sie stellen die Rahmenbedingungen des Sportes sicher. Oft werden ehemalige Athleten Funktionäre. Teils werden sie aktiv verwendet, teils sind sie einfach da und bilden einen Teil des öffentlichen Lebens, wie z.B. Boris Becker.

Für Nicht-Sportler, Ex-Sportler und Sport-Funktionäre ist der Sport eine Plattform, die einen hohen Beachtungsgrad erfährt. Früher kursierte im Schweizer Spitzen-Fussball diese Fragestellung: Weshalb stammen die meisten Vereinspräsidenten aus der Baubranche? Eine einfach zu beantwortende Frage: Bauunternehmer sind begütert und können sich mit dem Amt eines Vereinspräsidenten permanente Präsenz in der medialen Öffentlichkeit verschaffen. Wer würde sich sonst für einen Bauunternehmer interessieren, wäre er nicht Vereinspräsident in einem sportlichen Segment? Ein solches Amt ist letztlich (auch) ein Amt für’s Ego, mit hohem Beachtungsgrad.

Es ist fast so, wie bei den Politikern, welche dank öffentlicher Ämter einen Beachtungsgrad erreichen, um nach Beendigung ihrer Polit-Karrieren wieder zu verglühen wie Sternschnuppen. Z.B. die ehemalige Schweizer Bundesrätin Ruth Metzler aus dem Mini-Kanton Appenzell Innerrhoden, die 1999 überraschend und im jungen Alter von 35 Jahren Bundesrätin und vier Jahre später nicht wieder gewählt wurde. Sie entstammte der «CVP», die stets für Personal-Filz und vor allem wirtschaftliche Verflechtungen stand, was heute für die Nachfolge-Partei «Die Mitte» immer noch gilt. Nachdem Ruth Metzler ihren Magistraten-Posten 2003 auf Bundesebene unglücklich verloren hatte, galt es, sie wenigstens mit Ämtchen und Pfründen schadlos zu halten. Ihre Partei machte es möglich. Sie zog in zahlreiche Verwaltungsräte ein und war in verschiedensten Funktionen tätig. Dank des «CVP»/»Mitte»-Filzes präsidierte sie die Stiftung der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan. Mit einer gewaltigen Ämter- und Funktionskumulation baute sich die nicht mehr als Bundesrätin aktive Ruth Metzler eine Karriere nach dem Bundesrats-Amt auf. Im letzten November erfolgte dann im Leben der 2024 60 Jahre alt gewordenen Luzernerin eine fast wundersame Wendung: Sie wurde zur höchsten Sport-Funktionärin gewählt, zur Präsidentin des Dachverbandes «Swiss Olympic» (SO). Ruth Metzler war nach dem Polit-Aus und einer Durststrecke ohne öffentliche Bedeutung wieder da! Vor ein paar Tagen breitete sie vor den Medien ihre Bilanz der ersten 100 Tage im SO-Amt aus. Nichts Konkretes war zu vernehmen, aber man soll ja stets die Zukunft im Auge behalten. Ruth Metzler will 2038 die Olympischen Winterspiele in die Schweiz holen! Applaus, aber auch Stirnerunzeln waren ihr nach diesem Ankündigungs-Coup sicher. Kaum waren die Schallmeienklänge in Richtung der SO-Präsidentin verstummt, wurde Ruth Metzler von ihrer Vergangenheit als junge Ex-Bundesrätin eingeholt. Die Ämter- und Funktionskumulation in der Nach-Bundesrats-Zeit förderten auch ein wirtschaftliches Kuckucksei zu Tage. Bis kurz vor ihrer Wahl gehörte die nun höchste Sportfunktionärin der Schweiz während acht Jahren dem Verwaltungsrat der schillernden Bank «Reyl» an. Ab 2021 verantwortete Ruth Metzler insbesondere die Bereiche «Good Governace» und «Compliance». Zufälligerweise nach ihrer 100-Tage-Bilanz als SO-Präsidentin kam bezüglich dieser Bank Unappetitliches ans Tageslicht. Die Ex-Bundesrätin war in dieser Bank also gerade für dieses (auch) brisante (Ethik-)Thema zuständig; im Dachverband des Schweizer Sportes schwingt sie seit Beginn ihrer Funktionärs-Tätigkeit im November 2024 gerne die Moralkeule. Gemeldet werden kann der Stiftung «Swiss Sport Integrity» von SO alles, was moralisch anrüchig ist. «Moral über alles», so lautet das Schlagwort nun auch bei der Inhaberin des obersten Sport-Funktionärsamtes.

Manchmal stehen Lebensweisheiten im Zentrum solcher Konstellationen. Wie steht es denn mit «Geld und Geist» (nicht nur nach Jeremias Gotthelf)? Oder wie verhält es sich damit (wohl im Sinne von Bertold Brecht): «Erst kommt das Fressen, dann die Moral»?

Das bekannt gewordene Desaster als (mit-)verantwortliche Verwaltungsrätin der kaum durchsichtigen Bank «Reyl» hat nun die Diskussion in der Öffentlichkeit befeuert, ob Ruth Metzler aufgrund dieses Verwaltungsrats-Mandats, mit dem sie sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben soll («Geld»), für das hehre, höchste Sport-Funktionärsamt im Schweizer Sport noch tragbar ist («Geist»). Was bei der Bank «Reyl» geschah, fasst die als umsichtig geltende Compliance-Spezialistin und Jura-Professorin Monika Roth wie folgt zusammen: «Ruth Metzler als Ex-Bundesrätin, Wirtschaftsprüferin und Juristin trägt in diesem Fall einen Teil der Verantwortung massgeblich mit.». Will heissen: Es könnten nun zivil- und/oder strafrechtliches Ungemach in dieser Banken-Causa auf die 61ährige Präsidentin von SO zukommen. Mit diesem Damoklesschwert lässt es sich jedenfalls nicht gerade bequem auf dem Präsidenten-Stuhl von «Swiss Olympic» sitzen.

Geschlechterquote im organisierten Sport: Frauen woher nehmen und nicht stehlen?

causasportnews.com  – 13/2025, 10. Februar 2025

Photo by Magda Ehlers on Pexels.com

(causasportnews / red. / 10. Februar 2025) Es scheint, dass der organisierte Sport in der Schweiz fest in Frauenhand ist, doch offenbar trügt der Schein: Seit dem 1. Januar 2025 präsidiert die ehemalige Bundesrätin Ruth Metzler den Dachverband des Schweizer Sports, Swiss Olympic Association. Sport-Ministerin ist die Walliserin Viola Amherd, die demnächst von der Bundesrätin zur Ex-Bundesrätin wird. Im letzten Herbst hat die Betriebsökonomin Sandra Felix die Leitung des Bundesamtes für Sport übernommen; Bundesrätin Viola Amherd hat die 57jährige Bündnerin in dieses Amt gehievt. Also alles klar für viel «Frauenpower» in den Leitungsgremien des Schweizer Sportes? Oder eben doch nicht? Immerhin gilt seit Jahresbeginn eine Vorschrift, wonach staatliche Mittel zu Gunsten von Swiss Olympic Association sowie der Mitgliedsverbände eingestellt werden können, falls nicht beide Geschlechter zu je mindestens 40% in den Leitungsgremien dieser Verbände vertreten sind. Frauen müssen also zu mindestens 40% in Vorständen (Art. 69 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB) der Verbände, die in der Regel als Vereine organisiert sind (Art. 60 ff. ZGB), vertreten sein; die operativ tätigen Personen sind nicht betroffen. Diese Geschlechterquoten-Regelung ist in Art. 72d Abs. 1 Ziff. 3. der Verordnung über die Förderung von Sport und Bewegung festgehalten und stützt sich auf das Sportförderungsgesetz vom 23. Mai 2012 (in Kraft seit 1. Oktober 2012). Die Neuerung, eine klassische Geschlechterquoten-Regelung, scheint in der Umsetzung zu harzen. Zum Beispiel im Eidgenössischen Schwingerverband, dessen Exekutive eine gewichtige Männerdomäne ist. Die Regelung kann aber offenbar in den Sparten Turnen oder Volleyball ohne Schwierigkeiten erfüllt werden. Es stellt sich insbesondere in einigen Verbänden die Problematik, wie genügend Frauen für diese Exekutiv-Chargen gefunden werden können. Salopp wäre die Frage so zu stellen: Woher die Frauen für diese Ämter nehmen und nicht stehlen? Aus juristischer Sicht ist die rechtliche Konformität dieser Regelung umstritten.

Die Lust der Frauen (und auch der Männer), gewisse Ämter und Funktionen zu übernehmen, scheint immer mehr zu verkümmern. Das zeigt sich nicht nur bei der Besetzung von Vorstands-Chargen im Besonderen, sondern bezüglich Ämter und bei der Freiwilligenarbeit im Rahmen der Vereins- und Verbandstätigkeiten im Allgemeinen. Die bereits erwähnte Bundesrätin Viola Amherd muss demnächst ersetzt werden. Wahltermin ist der 12. März 2025. Sie wird wohl durch keine andere Frau ersetzt. Bis jetzt gibt es nämlich schlicht keine Kandidatin! Das abtretende Regierungsmitglied gehört der «Mitte»-Partei an, die nur mit Ach und Krach zwei männliche Kandidaten, regelrechte «Verlegenheits»-Kandidaten, für das Bundesrats-Amt motivieren konnte. Diese Unlust auf das nationale Regierungsamt hat verschiedene Gründe. Dass sich keine weibliche Kandidatin für das hochbezahlte Amt finden lässt, dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass der nun neu gewählte Bundesrat das von Viola Amherd heruntergewirtschaftete Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) übernehmen muss. Die eingeführte Geschlechterquote wird nur eine «Baustelle», die es zu bearbeiten gilt, abgeben. Im Moment hat die Verteidigung des Landes eine hohe Priorität. Als die Walliser Bundesrätin 2019 regelrecht ins VBS abgeschoben wurde, hatten die Armee eingestellten Pazifisten, Linke und Grüne das Sagen in der Schweiz. Das änderte sich spätestens am 24. Februar 2022 mit der brutalen Aggression Russlands gegenüber der Ukraine, als die Notwendigkeit einer effizienten Verteidigungsbereitschaft manifest und zudem evident wurde, dass kriegerische Auseinandersetzungen in Europa (leider!) nicht der Vergangenheit angehörten. Spätestens seit dem Begin dieses Krieges steht die hilflose Verteidigungs- und zugleich Sportministerin in der Dauerkritik. Als höchste Verantwortliche für den Sport versuchte die Walliserin den Fokus auf Themenbereiche von Sekundärbedeutung, wie eben die Einführung von Geschlechterquoten, zu lenken. Die akut notwendig gewordene Landesverteidigung bleibt bis auf Weiteres ein «heisses Eisen».

Zur Thematik «Geschlechterquoten im organisierten Sport» befasst sich ein Aufsatz in der nächsten Ausgabe von «Causa Sport digital» (1/2025; http://www.causasport.org).

Der organisierte Sport im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft

causasportnews / 1204/11/2024, 23. November 2024

© David Biedert

(causasportnews / red. / 23. November 2024) Im organisierten Schweizer Sport wurden soeben die Weichen für die Zukunft gestellt, beziehungsweise wurde auf höchster Ebene am Bisherigen festgehalten und dem modernen Sport-Management zukunftsgerichtet eine Abfuhr erteilt. Vordergründig ging es um die Wahl des Präsidenten oder der Präsidentin von «Swiss Olympic Association», dem Dachverband des helvetischen Sportes und dem Nationalen Olympischen Komitee der Schweiz. Bezüglich der Nachfolge für den noch bis Ende dieses Jahres amtierenden Präsidenten und SVP-Politikers Jürg Stahl standen die ehemalige Kurzzeit-Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold und der gestählte, nüchterne Sport-Manager Markus Wolf zur Wahl (vgl. auch causasportnews vom 11. November 2024). Überraschend deutlich entschied sich das Sportparlament für die Politikerin, die als Inbegriff des vernetzten Schweizer Wirtschafts- und Polit-Systems gilt. Sie stand als Garantin für die bisherige, in der Schweiz herrschende  Sport-Trilogie von Sport, Wirtschaft und Politik. Seit dem abrupten Ende ihrer politischen Karriere (2003) hat die heute 60jährige Innerschweizerin diverse Jobs inne; sie ist beispielsweise u.a. als Verwaltungsrätin des renommierten Versicherungskonzerns «Axa» tätig und präsidiert den Stiftungsrat der päpstlichen Schweizer-Garde im Vatikan. Ehemalige Politikerinnen und Politiker der früheren «CVP», heute «Die Mitte», sind prädestiniert für diese Aufgaben nach der Politik. Logisch, dass die neugewählte «Swiss Olympic»-Präsidentin und nun oberste Sportfunktionärin der Schweiz zumindest die wirtschaftlich wenig attraktiven Tätigkeiten künftig wird ruhen lassen.

Nach der klaren Wahl von Ruth Metzler-Arnold beglückwünscht sich die ganze Sport-Schweiz, vor allem deshalb, weil (fast) alles so bleiben wird wie es war. Zudem steht nach zahlreichen Politikern in diesem Amt endlich und erstmals eine Frau an der Spitze des helvetischen Sport-Funktionärswesens. Dass das Wahlorgan von «Swiss Olympic» die ehemalige, vernetzte Politikerin Ruth Metzler in den präsidialen Sattel hob und dem Vertreter des modernen Sport-Managements, Markus Wolf, ein fähiger Mann, jedoch ohne Charisma, eine klare Abfuhr erteilte, lässt sich einfach erklären: Von der ehemaligen Polit-Magistratin in der Bundespolitik erhofft man sich dank deren Aktivismus’ in Wirtschaft, Politik und in weiteren gesellschaftstragenden Umfeldern vor allem neue Mittel für den organisierten Sport. Diese soll jetzt die Präsidentin künftig beschaffen. Nun ist es auch hier so wie in der täglichen Politik: Man hört die Botschaft, doch allseits fehlt der Glaube. So sind für den privatrechtlich organisierten Sport seitens der Politik künftig drastische Sparmassnahmen angesagt; es herrscht also das Gegenteil von dem, was bezüglich der Präsidentschaftswahl im Wahlkampf und am Wahltag in Bern suggeriert wurde. Jedenfalls gilt die ehemalige, aktive Politikerin als Hoffnungsträgerin. Dieser Ballung von Aspekten, die in der Politik an der Tagesordnung sind, hatte der pragmatische Sport-Technokrat Markus Wolf nichts entgegen zu setzen. Insbesondere fehlten bei ihm pekuniäre Versprechen und Garantien für die Zukunft im organisierten, helvetischen Sport, auch falls diese letztlich, wie in der Politik, ebenso in dieser «Causa» wie aktuell der erste Schnee dieses Winters, schmelzen sollten…

Wie analysierte Ruth Metzler gleich nach ihrer erfolgreichen Wahl die Ausgangslage, die letztlich zum Erfolg führte? «Ich habe gespürt, dass viele Verbände das schätzen, was ich mitbringe». Eben. Dann mutierte sie nach einem kräftezehrenden Wahltag alsogleich zur Sport-Funktionärin mit dem unbezahlbaren Gefühl für die Werte in der Politik, auch in der Sport-Politik: «Es war ein langer Tag. Zuerst wurde ich wegen des Schnees in der Ostschweiz von den SBB stehen (Anmerkung der Red. nicht sitzen) gelassen, und nun haben wir einen intensiven Abend erlebt», verriet sie dem nationalen Boulevard-Blatt «Blick» (23. November 2024). Man darf eben die Hoffnungen nie zu früh begraben. Es kommt schon gut mit der Neo-Präsidentin!

Showdown um das oberste Schweizer Sport-Funktionärsamt

causasportnews / 1199/11/2024, 11. November 2024

Photo by Element5 Digital on Pexels.com

(causasportnews / red. / 11. November 2024) Da waren es nur noch zwei (eine Kandidatin und ein Kandidat). Am 22. November 2024 wird das Schweizer Sportparlament von Swiss Olympic Association (Swiss Olympic) eine neue Präsidentin oder einen neuen Verbands-Präsidenten wählen (vgl. auch causasportnews vom 2. März 2024). Seine Amtszeit beenden wird Präsident Jürg Stahl, ein bürgerlicher Politiker, der während acht Jahren das oberste Funktionärsamt im Schweizer Sport bekleidete. Wird nun erstmals eine Frau, die ehemalige Bundesrätin Ruth Metzler, diese Funktion übernehmen oder der ehemalige CEO des Skiverbandes (Swiss Ski), Markus Wolf? Nachdem der ehemalige Judoka-Olympia- und WM-Medaillengewinner Sergei Aschwanden seine Präsidentschafts-Kandidatur zurückgezogen hat, kommt es in wenigen Tagen zum Showdown zwischen der 60jährigen Ruth Metzler und dem 50 Jahre alten Skiverbands-CEO Markus Wolf. Swiss Olympic Association ist der Dachverband des privatrechtlich organisierten Schweizer Sports und zugleich das Olympische Komitee der Schweiz; der Verband ist gemäss Art. 60 ff. des Schweizer Zivilgesetzbuch organisiert. Mehr als 2,2 Millionen Sportlerinnen und Sportler in mehr als 18 000 Vereinen und Verbänden sind unter dem Dach von Swiss Olympic vereint. Mit Ruth Metzler und Stefan Wolf prallen zwei Sport-Welten aufeinander: Die ehemalige Magistratin, die von 1999 bis 2003 der Landesregierung angehörte (und danach nicht mehr gewählt wurde), gilt als Repräsentantin des Polit-Sport-Funktionärswesens, Stefan Wolf entstammt dem Sport-Management. Das Schweizer Sportparlament wird also entscheiden müssen, ob Swiss Olympic am bisherigen, präsidialen Kurs im Spannungsfeld von Sport und Politik festhalten will oder eher auf die Karte des stringenten Sportmanagements setzen möchte.

Der Ausgang der Präsidentenwahl ist ungewiss. Leicht im Vorteil scheint Markus Wolf zu sein, auch wenn soeben der in der Schweiz bedeutende Fussballverband (SFV) erklärt hat, Ruth Metzler unterstützen zu wollen; das ist allerdings nichts Aussergewöhnliches, weil vor allem die Sparte Fussball mit seiner Organisation ein Abbild des politischen Sport-Funktionärswesens darstellt. Man könnte fast Parallelen zum soeben entschiedenen amerikanischen Präsidentschafts-Wahlkampf ziehen. Bis zum Wahltag wurde ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen Kamala Harris und Donald Trump prognostiziert. Die Amerikanerinnen und Amerikaner entschieden sich dann nicht erstmals für eine Frau im obersten Amt in den USA, sondern letztlich siegte Donald Trump mit deutlichem Vorsprung.

Widerrechtlicher Gender-Unsinn aus dem Berner Bundeshaus

causasportnews / Nr. 1174/08/2024, 26. August 2024

Photo by Magda Ehlers on Pexels.com

(causasportnews / red. / 26. August 2024) Wenn es um Kritik an der Politik und an Politikerinnen und Politikern geht, ist Vorsicht angesagt: Zu rasch wird man dabei in die Ecke der Stänkerer, Besserwisser und Unverbesserlichen gedrängt. Doch zwischendurch muss es gesagt sein, nämlich dann, wenn die Politik völlig aus dem Ruder läuft. Wie jetzt im Fall der Schweizerischen Verteidigungsministerin, welche als Bundesrätin dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vorsteht. Eben musste die Sportministerin der einzigen Schweizer Goldmedaillen-Gewinnerin der Olympischen Spiele, Chiara Leone gratulieren, was ihr sichtlich schwer fiel. Zwar ist die Bundesrätin auch für die Belange der Armee zuständig; aber mit ihrem Linksdrall hat die Magistratin aus der formellen Mitte, die zuweilen auch mit Mittelmass gleichgesetzt wird, ihre liebe Mühe mit dieser Disziplin und somit auch mit dem Schiesssport. Schiessen gehört selbstverständlich zum Inventar der Bürgerlichen und Rechten und soll nicht den linken und pazifistischen Mythos entweihen.

Also setzt die für den Sport und die Armee zuständige Bundesrätin auf den Mainstream – und wie! Die rührige Walliserin mit, kaum zu glauben, juristischer Basis-Ausbildung will ab kommendem Jahr neue Regeln für Sportverbände, die es in sich haben, durchsetzen. Nach dem Wunsch und dem Willen der Bundesrätin muss in den Verbänden ab 1. Januar 2025 eine Geschlechterquote in den Exekutivgremien (Vorstände) der Verbände realisiert werden. Mindestens 40% der Vorstände müssen dann mit Frauen besetzt sein, sonst droht der Verlust von Fördergeldern, verlautete aus dem VBS. Der Dachverband des Schweizer Sportes, Swiss Olympic Association, schreibt dies nun auf Druck der Sportministerin für die Fachverbände des Schweizerischen Dachverbandes vor.

Man reibt sich vielerorts die Augen, empört sich in gut schweizerischer Art und schüttelt die Köpfe. Hat der Schweizer Sport in der Tat keine anderen Probleme? Wäre er nach der mageren Medaillenausbeute anlässlich der Olympischen Spiele in Paris in diesem Sommer nicht anderweitig gefordert? Woher die Frauen nehmen und in die Verbands-Vorstände platzieren? Regelrecht verzweifelt gibt sich sinnigerweise Luca Filippini, der Präsident des Schweizer Schiesssport-Verbandes, vor allem auch deshalb, weil mit dem Verlust von Fördergeldern gedroht wird. «Wir haben grosse Mühe, Leute für unseren Vorstand zu finden, unabhängig vom Geschlecht», sagte der Verbands-Präsident gegenüber den Medien an die Adresse der verantwortlichen Bundesrätin, welche es mit diesem Gender-Unsinn offensichtlich ernst meint und auch hier, wie gewohnt, unbelehrbar ist.

Die Verbände tun gut daran, diesem Druck aus dem Berner Bundeshaus nicht zu erliegen und es allenfalls auf eine juristische Konfrontation ankommen zu lassen, falls Fördergelder gekürzt oder gestrichen werden. Die von der Sportministerin erzeugte Pression über den Dachverband des Schweizer Sportes ist krass rechtswidrig – und mehr als nur ein blanker Gender-Unsinn! Die Verbände in der Rechtsform des Vereins (Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB) wären aufgrund des Diktates aus Bern gehalten, ihre Verbandsstrukturen ab 1. Januar 2025 anzupassen, was in zeitlicher Hinsicht nicht möglich ist.

Die Lehre aus der Geschichte: Gewissen Druckversuchen auch von Regierungsseite kann man getrost widerstehen, vor allem, wenn diese widerrechtlich erfolgen…

Wie sich die Schweiz einen Olympiasieger machen möchte

causasportnews / Nr. 1153/06/2024, 23. Juni 2024

Photo by Alex wolf mx on Pexels.com

causasportnews / red. / 23. Juni 2024) Die Fussball-Europameisterschaft in Deutschland hat die (Sport-)Welt, zumindest auf dem Kontinent, voll im Griff. Dennoch wird der Fokus nach vorne gerichtet und bereits der nächste Grossanlass, der in diesem Jahr stattfindet wird, ins Auge gefasst: Die Olympischen Sommerspiele, die vom 26. Juli bis am 11. August 2024 in Paris durchgeführt werden. Wer wird in welchen Sportarten Olympiasiegerin oder Olympiasieger werden? – Das ist die zentrale Frage. Aber auch: Wie könnte man sich z.B. einen Olympiasieger machen, wenn es Mensch und Material sonst nicht zulassen? Die Thematik beschäftigt und bewegt derzeit die Schweiz.
Da hält sich seit ungefähr fünf Jahren Dominic Lobalu, ein bald 26jähriger Flüchtling aus dem Südsudan, in der Schweiz auf und erbringt sportliche Leistungen, die Appetit auf mehr wecken. Der Ausnahmeathlet hat an den kürzlich zu Ende gegangenen Leichtathletik-Europameisterschaften in Rom überlegen die Goldmedaille im 10 000 Meter-Lauf gewonnen. Zuvor lief er sich im 5000 Meter-Rennen warm und holte Bronze. Alles für die Schweiz natürlich. Einen Monat vor den Wettkämpfen in Rom erhielt Dominic Lobalu die Startberechtigung und die Erlaubnis, um in Rom für die Schweiz starten zu können. Der Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) erachtete es als unproblematisch, dem Leichtathleten die Starterlaubnis für die Schweiz mit Blick auf die Europameisterschaften zu erteilen, was auch sportrechtlich nicht zu beanstanden war. Die Schweiz bekam nach den Erfolgen des Athleten in Rom Lust auf mehr und wurde beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK) vorstellig, um dem in der Schweiz gut integrierten Südsudanesen nun auch einen Start für die Schweiz an den Olympischen Spielen zu ermöglichen. Für ein kleines Land, das nicht als Leichtathletik-Hochburg bekannt ist, wachsen potentielle Olympiasiegerinnen und -sieger nicht gerade an den Bäumen; die Medaillen-Aussichten von Athletinnen und Athleten in dieser Sportart sind aus Optik der Schweiz eher bescheiden. Da kam Dominic Lobalu gerade recht, um für Paris Schweizer Medaillen-Hoffnungen in der Leichtathletik zu schüren. Es wurde ein Gesuch an das Internationale Olympische Komitee (IOK) in Lausanne gerichtet, um den Flüchtling aus dem Südsudan für die Schweiz starten zu lassen. Doch das IOK wies das Ansinnen zurück und untersagte den Start des Athleten in Paris als Staaten-Vertreter der Schweiz mit der Begründung, die Teilnahme eines Athleten an den Spielen sei an den Nationalitäts-Status geknüpft (die Nomination der Sportlerinnen und Sportler für Olympia erfolgt durch die Nationalen Olympischen Komitees und nicht durch die Internationalen Fachverbände), was bedeute, dass der aus Südsudan geflüchtete Top-Sportler die Schweizerische Staatsbürgerschaft schlicht und ergreifend nicht besitze, es also an einem nationales Anknüpfungskriterium fehlt. Dominic Lobalu könne zwar gemäss nationaler Rechtsordnung dereinst den Schweizer Pass erwerben, doch im Moment unterstehe er dem Flüchtlings-Status. Der Versuch der Schweiz, sich mit einem Sondergesuch vielleicht eine Leichtathletik-Goldmedaille an den Sommerspielen an der Seine zu sichern, scheiterte veritabel. Das Wehklagen vor allem der Schweizer Medien an die Adresse des IOK, man wolle mit diesem Entscheid die Schweiz abstrafen, ihr einen Denkzettel verpassen, usw., ist natürlich blanker Unsinn, auch wenn das Verhältnis zwischen der Schweiz und dem IOK auch schon besser war. Die Funktionäre am Lac Leman konnten letztlich gar nicht anders entscheiden. Dominic Lobalu wird in der Stadt der Liebe dennoch an den Spielen antreten können, in einem «Refugee Team», was für die Schweiz allerdings keine Olympischen Lorbeer-Siegeskränze bringt. Ein Olympiasieger Dominic Lobalu würde also nicht als Repräsentant der Schweiz in den Olympia-Himmel eintreten, sondern als natürliche Person Dominic Lobalu. Knapp eine Woche nach Beendigung der Sommerspiele in Paris wird der hoch-talentierte Athlet am 16. August seinen 26. Geburtstag feiern. Der Schweiz wird er kein entsprechendes Geburtstagsgeschenk z.B. in Form einer Olympia-Medaille präsentieren können.

Der Kampf um’s höchste Schweizer Sportamt: Sport-Manager c. Polit-Funktionärin

causasportnews / Nr. 1145/05/2024, 26. Mai 2024

Photo by Element5 Digital on Pexels.com

(causasportnews / red. / 26. Mai 2024) Am 22. November dieses Jahres erfolgt auf höchster Ebene im Schweizer Sport eine bedeutende Weichenstellung. Der Präsident des Schweizer Sport-Dachverbandes «Swiss Olympic» (gleichzeitig das Nationale Olympische Komitee), Jürg Stahl, ein strammer SVP-Politiker und Vertreter des Scheizer Polit- und Wirtschafts-Establishments, wird einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin Platz machen müssen. Nachdem bisher eine einzige Kandidatur angekündigt worden ist, nämlich diejenige der ehemaligen Bundesrätin Ruth Metzler, ist der Kampf um das prestige-trächtigste Amt im Schweizer Sport mit der nun kommunizierten Kandidatur von Markus Wolf, dem ehemaligen Direktor des Schweizerischen Skiverbandes («Swiss Ski»), so richtig lanciert worden. Gegenüber Ruth Metzler, der glücklosen, jüngsten Bundesrätin, die 1999 35jährig in die Landesregierung einzog und nach nur vier Amtsjahren dem SVP-Übervater Christoph Blocher Platz machen musste, schlug seit Bekanntgabe ihrer Kandidatur keine grosse Begeisterungswelle entgegen. Die 60jährige galt und gilt als Verlegenheitslösung, die für eine Perpetuierung der bisherigen Sportpolitik unter Jürg Stahl steht. Soeben 60 Jahre alt geworden, hat die damalige CVP-Politikerin nach ihrer Tätigkeit als Bundesrätin im Sport keine grossen Stricke zerrissen und sich mit Mandaten aus der Wirtschaft den Lebensunterhalt verdient. Ihr sportliches Hauptverdienst war ein kurzes Intermezzo als Präsidentin der Stiftung Schweizer Sporthilfe. Sie steht für das klassische, traditionelle Sport-Funktionärstum in der Schweiz, das auf Beziehungsnetzen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gründet.

Ganz anders nun der 50jährige Markus Wolf, der sich im einflussreichen und erfolgreichen Schweizer Skiverband während Jahren als gewichtiger Sportmanager und CEO des Verbandes einen Namen gemacht und sich vor allem mit dem nicht ganz unkomplizierten Top-Funktionär und ehemaligen Ski-Abfahrtsweltmeister Urs Lehmann (Präsident von Swiss Ski) bestens arrangiert hat. In den letzten Jahren und bis Ende 2023 führte der Bündner mit grossem Erfolg die Touristik-Unternehmung «Weisse Arena» (Flims – Laax – Falera). Das Präsidium von «Swiss Olympic» käme ihm auch beruflich entgegen. Signifikant ist das Wahlkampfmotto von Markus Wolf: «Aus dem Sport, für den Sport». Seit der Bekanntgabe der Kandidatur des Skisport-Managers aus dem Kanton Graubünden sind die Wahlchancen der ehemaligen Politikerin zumindest nicht gestiegen. Im modernen, globalen Sport taugen Vertreter/innen aus der Politik und ohne sportliche Leistungen je länger desto mehr höchstens als Verlegenheitslösung. Das war mit Ruth Metzler bis zur Bekanntgabe der Kandidatur von Markus Wolf nicht anders.

Doch könnte die Wahl vom 22. November 2024 noch spannender werden, vielleicht nach dem Motto: Wenn sich zwei streiten, lacht ein Dritter. Soeben ist nämlich bekannt geworden, dass der ehemalige Judo-Kämpfer Sergej Aschwanden ebenfalls für das Präsidium von «Swiss Olympic» kandidieren wolle. Der 48jährige Judoka gewann zahlreiche, auch internationale Auszeichnungen und sicherte sich an den Olympischen Spielen 2008 die Bronze-Medaille.

Jedenfalls wird man bei der Wahl im November nicht sagen können, es mangle an fähigen Kandidaten (aktueller Stand: Eine Kandidatin und wohl zwei Kandidaten) für das wichtigste Amt im Schweizer Sport.

Paukenschlag in der Schweizer Sportpolitik: Ruth Metzler soll höchste Sportfunktionärin werden

causasportnews / Nr. 1117/03/2024, 2. März 2024

Photo by Element5 Digital on Pexels.com

(causasportnews / red. / 2. März 2024) Es ist schon seit langer Zeit bekannt, dass es Ende dieses Jahres an der Spitze des Schweizerischen Sport-Dachverbandes Swiss Olympic Association (zugleich das Nationale Olympische Komitee der Schweiz) zu einer personellen Rochade kommen wird. Der langjährige Präsident des als Verein (Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuches, ZGB) organisierten Sportverbandes, Jürg Stahl, muss die Führung zufolge der Amtszeitbeschränkung abgeben. Am 22. November wird der Nachfolger des umtriebigen SVP-Politikers gewählt – oder eben eine Nachfolgerin. Das ist nun ein sehr wahrscheinliches Szenarium, denn soeben ist bekannt geworden, dass der Leichtathletikverband (Swiss Athletics) Alt Bundesrätin Ruth Metzler zur Wahl als Präsidentin von Swiss Olympic Association vorschlagen wird. Auf den 56jährigen Jürg Stahl wird mit grosser Wahrscheinlichkeit die demnächst 60jährige, ehemalige Bundesrätin Ruth Metzler ins höchste Funktionärsamt im Schweizer Sport wechseln. Die im Kanton Luzern aufgewachsene Ruth Metzler gehört der rechts-konservativen CVP an. Vor ziemlich genau 20 Jahren hat sie der Politik den Rücken gekehrt und ist mehrheitlich aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Letztmals in die politischen Schlagzeilen geriet die Juristin am 10. Dezember 2003, als die junge Bundesrätin von der Vereinigten Bundesversammlung nach nur vier Amtsjahren nicht mehr gewählt wurde; eine Konstellation, die es seit mehr als 130 Jahren in der Schweizerischen Politik nicht mehr gegeben hatte. Ironie der Geschichte: Die damals noch nicht 40jährige CVP-Politikerin Ruth Metzler musste dem SVP-Übervater Christoph Blocher weichen, der 2007 in dieser Funktion ebenfalls nicht mehr bestätigt wurde. So wird es wohl gegen Ende dieses Jahres Tatsache, dass der SVP-Mann Jürg Stahl von der CVP-Politikerin Ruth Metzler beerbt wird (heute wird die «CVP» auch die «Mitte» genannt, wobei diese Bezeichnung natürlich nichts mit Mittelmass zu tun hat…).

Ruth Metzler ist heute in verschiedenen Funktionen und Chargen in der Wirtschaft tätig, so u.a. als Mitglied des Verwaltungsrates des Versicherers «Axa», als Angehörige des Universitätsrates der Universität St. Gallen und als Präsidentin des Stiftungsrates der Päpstlichen Schweizergarde. Im aktiven Sport war sie als Leichtathletin im STV Willisau tätig, ein Grund wohl, weshalb Swiss Athletics die bald 60jährige ehemalige Politikerin und Angehörige des helvetischen Wirtschafts-Establishments nun ins höchste Amt im Schweizer Sport wählen lassen möchte. Ganz unbedarft ist die ausgebildete Juristin im Funktionärs-Sport nicht: Während mehrerer Jahre präsidierte sie die Stiftung Schweizer Sporthilfe. Natürlich sieht sich die Kandidatin auch mit Erwartungen aller Art konfrontiert: Dank ihrer vielseitigen Fähigkeiten soll sie 2038 vor allem Olympische Winterspiele in die Schweiz holen.

Der Paukenschlag, der soeben mit der Bekanntgabe der Kandidatur von Ruth Metzler ertönte, wird nicht so rasch verhallen. Ihre Wahl-Wahrscheinlichkeit Ende November ist mehr als nur intakt. Den bis jetzt bekannten weiteren Kandidaten für das Präsidium von Swiss Olympic Association werden nun nach Bekanntgabe der Kandidatur der ehemaligen Star-Politikerin wenig Chancen auf einen Wahlerfolg eingeräumt. Vor allem der Präsident des Schweizerischen Skiverbandes (Swiss Ski) und ehemalige Ski-Abfahrtweltmeister, Urs Lehmann, wird gegen Ruth Metzler kaum reüssieren. Bis September können noch weitere Kandidaturen gemeldet werden. Dass an einem solchen Wahltag auch alles anders kommen kann, weiss natürlich Ruth Metzler am besten und aus eigener Erfahrung…

Den «sauberen» Sport weiterhin «clean» halten!

Photo by © hjalmarGD

(causasportnews / red. / 18. April 2022) Seit bald zwei Monaten tobt der russische Zerstörungs- und Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Facetten dieses Krieges sind vielfältig und scheusslich. Das geschundene Land verhält sich so, wie es die Menschheit im Kampf von David gegen Goliath am liebsten sieht. Wenn die Ukraine, in welchen Belangen auch immer, punktet, nimmt dies die westliche Welt mit Genugtuung zur Kenntnis. So etwa aktuell in der Disziplin «Schiffchen versenken». Seit die Ukrainer das Flaggschiff der Russen, die «Moskau», auf den Meeresboden geschickt haben, hat dieser Coup zumindest die Moral des sich mit allen Mitteln wehrenden Volkes gestärkt. Der Krieg verläuft sonst «sauber», wie es die russische Propaganda die Welt glauben lassen will: Alles andere ist nur ukrainische und westliche Propaganda, verlautet es regelmässig aus dem Kreml.

Für den Sport ist das Wort «sauber» von geradezu magischer und existentieller Bedeutung. «Sauber» ist nicht nur der Lieblingsbegriff der Dopingbekämpfer. Der Sport hat immer und überall «sauber» zu sein! Fair, makellos rein, wie eine keusche Braut, an die zwar niemand mehr so richtig glaubt. So verhält es sich mit Russland. Es ist eine Nation, die hinter dem Krieg und seinem obersten Kriegstreiber steht. Was die «Sauberkeit» des Sportes in zweierlei Hinsicht bedroht. Da sind auf der einen Seite die Sporttreibenden, die man einigermassen umfassend aus der Sportwelt verbannt hat. Wer sonst, wie Schweinefleisch für Muslime, «unsauber» ist, hat im organisierten, aktiven Sport nichts verloren. Durch die Teilnahme von Russinnen und Russen am Sportbetrieb verliert der Sport seine Unschuld, er riskiert seine stets beschworene, zentrale ethische Maxime. Im Umgehungsfall treten diese Sporttreibenden aus dem Aggressionsland nicht mehr als Vertreterinnen und Vertreter Russlands auf, sondern sie verstecken sich allenfalls hinter der quasi-neutralen, olympischen Flagge des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), oder sie formieren sich als Team des Russischen Olympischen Komitee (ROC); wie unlängst an den Olympischen Spielen in Peking im russischen Freundesland China (es war natürlich alles nur Zufall, dass der Krieg gegen die Ukraine nur vier Tage nach Beendigung der Spiele in Peking losgetreten wurde; wie damals, 2014, als die Annexion der Krim erfolgte, die drei Tage vor Abschluss der Olympischen Spiele im Russischen Sotschi ihren Anfang nahm). Der Monat Februar hat es offenbar in sich: Am 23. Februar 2014 begann die Annexion der Krim, am 24. Februar 2022 der Angriff auf die Ukraine…

Der aktive Sport ist also zu einem grossen Teil von russischen Athletinnen und Athleten gesäubert worden, was rechtlich absolut zulässig ist. Schwieriger verhält es sich mit den russischen Sportfunktionären, die weltweit (weiterhin) im organisierten Sport aktiv sind. Zwar hat das IOK nach Kriegsbeginn dazu aufgerufen, russische und auch weissrussische Funktionäre aus dem Sport zu verbannen. Geschehen ist allerdings bisher nichts. Die Verflechtungen und der üble «Filz» sowie die flächendeckende Korruption sind im organisierten Sport so schwierig auszumerzen wie in den Staaten vorwiegend in Europa. Der oberste Olympionike, der Deutsche Thomas Bach, wird sich – trotz gegenteiliger Beteuerungen – davor hüten, den Krebs des «Unsauberen» im Sport auf dieser Ebene zu zerschlagen. Das hat nun die Schweizerische Sport- und Verteidigungsministerin (!), Viola Amherd, dazu bewogen, einen Brief an den IOK-Präsidenten zu verfassen und ihn energisch (sic!) aufzufordern, die von mehr als 30 europäischen Sportministerinnen und -ministern mitgetragene Deklaration zum Ausschluss von russischen und weissrussischen Funktionären im Sport voranzutreiben. Thomas Bach, selber als nicht gerade interessenkonfliktsfrei bekannt, wird sich hüten, die im Sport tätigen Funktionäre aus Russland und Belarus nur schon zur Demission aufzufordern. Zu stark reichen deren Verbindungen zum Kreml. Dabei wäre alles doch so einfach: Da die meisten und wichtigsten internationalen Sportverbände und das IOK als Vereine nach schweizerischem Recht, ihre Sitze in der Schweiz haben, würde ein Blick in das Zivilgesetzbuch (ZGB) zur Wahrung des «sauberen» Sportes auch auf der Funktionärsebene genügen. So heisst es in Art. 65 ZGB, dass die Vereinsversammlung (das oberstes Organ im Verein) die Aufsicht über die Tätigkeit der Organe (wichtige Funktionäre, etc.) hat «und kann sie jederzeit abberufen». Beispiel Alexander Djukow: Der Gazprom-Russe sitzt frisch und fröhlich weiterhin in der UEFA-Exekutive. Gazprom ist zwar aus dem europäischen Fussball eliminiert worden, der Putin-Anhänger in der Regierung des Europäischen Verbandes dirigiert aber weiterhin den europäischen Fussball von Nyon aus mit. Der Verein IOK und die Verbände müssten also nur wollen und der Sport wäre von Funktionärinnen und Funktionären russischer Nationalität gesäubert. Das ist natürlich alles eine schöne (Rechts-)Theorie. Mit den Sportfunktionären verhält es sich nämlich wie mit den Oligarchen, welche die Vorzüge der westlichen Welt geniessen und so vor allem sich selber nur Gutes tun.

«Medaillenspiegel» lügen nicht…

Photo by ANTONI SHKRABA on Pexels.com

(causasportnews / red. / 23. Februar 2022) Nach Abschluss der Olympischen Winterspiele in Peking nehmen die Nachbearbeitung der Wettkämpfe breiten Raum ein. Im Vordergrund steht dabei der «Medaillenspiegel» (relevant ist die Anzahl der goldenen Auszeichnungen), der mit Blick auf die 109 Medaillensätze Interessantes vermittelt: Die mit Abstand erfolgreichste Nation ist Norwegen mit insgesamt 37 Medaillen (16 goldene Auszeichnungen); Deutschland belegte den zweiten Platz (27 Medaillen; 12 Goldmedaillen). Österreich rangiert auf Platz sieben (18 Medaillen; 7 Goldmedaillen), einen Rang vor der Schweiz (14 Medaillen; 7 Goldmedaillen); die Schweiz platzierte sich knapp vor dem Team Russlands (ROC, 32 Medaillen; 6 Goldmedaillen). «Medaillenspiegel» lügen nicht, oder höchstens ein wenig.

Erklärtes Ziel der Schweiz war es, in Peking 15 Medaillen zu gewinnen. Es hätte durchaus einen Prognosen-Volltreffer absetzen können, doch wurde der Gewinn der 15. Medaille auf unglückliche Art und Weise vergeigt. Fanny Smith, die ambitionierte Freestyle-Sportlerin, wurde regelrecht um die Früchte ihrer Arbeit im Schnee gebracht. Erst Tage nach dem Verdikt wurde seitens Swiss Ski Rekurs beim Internationalen Skiverband (FIS) eingelegt. Es ist nicht auszuschliessen, dass dereinst der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof in Lausanne (TAS) darüber befinden wird, ob der Schweiz im «Medaillenspiegel» von Peking noch die 15. Medaille gutgeschrieben wird. Apropos Schweiz: Die 14 Medaillen (davon 7 goldene Auszeichnungen) wurden ausschliesslich im Skisport errungen. Was bedeutet: Die Schweiz ist ausserhalb des Skisports zur «tote» Wintersport-Nation geworden. Früher waren etwa die Bob-Fahrer, die Langläufer und Skispringer sichere Medaillenwerte. Davon ist nichts mehr übrig geblieben. Aus dem «Medaillenspiegel» kann herausgelesen werden, dass der Wintersport in der Schweiz nur noch auf den Skipisten stattfindet. Was zudem auffällt: In Peking gelangten 109 Medaillensätze zur Verteilung, sieben mehr als 2018 in Pyeongchang (in Sapporo 1972 waren es lediglich 35 Wettbewerbe). Im Vergleich zu Sapporo (1972) mit 10 gewonnenen Medaillen in 35 Wettkämpfen hat sich die Schweiz in Peking mit 14 Medaillen in 109 Wettkämpfen gesamthaft und verhältnismässig massiv verschlechtert. Durchwegs Konstanz weist Norwegen auf: Die Nordländer führen die Wertungen Anzahl Medaillen (37), Medaillen pro Athlet/in (84; 0,440), Medaillen pro Einwohner (5,511 Einwohner in Millionen; 6,71 pro eine Million Einwohner) an. Nur nach dem Bruttoinlandprodukt liegt Slowenien an der Spitze…, vor Norwegen. Nochmals zur Schweiz: Mit total 15 Medaillen waren die Wettkämpfe in Südkorea 2018 die erfolgreichsten Winterspiele für das Skisportland im Herzen Europas. 1972 gewannen die Eidgenossinnen und Eidgenossen 10 Medaillen. Die Peking-Wertung Medaillen pro Einwohner gewinnt Norwegen vor Slowenien, Österreich, Schweden und der Schweiz. Die Wertung Anzahl Medaillen geht an Norwegen (37 Medaillen). Danach folgt das Team Russland (32 Medaillen), auf Platz drei kommt Deutschland mit 27 Medaillen.