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Doping und Medaillenverluste – und eine Dopingjagd auf Tote

causasportnews / Nr. 1178/09/2024, 6. September 2024

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(causasportnews / red. / 6. September 2024) Zwischenzeitlich hat sich die Sport-Community daran gewöhnt, dass Dopingfälle durchwegs zu regelrechten Komödien verkommen; eigentlich sind es Tragödien. Eine Farce bildet die Medaillen-Satire um die frühere russische Leichtathletin Tatjana Tomaschowa. Die heute 49jährige Sportlerin belegte im Olympia-Finalrennen in London 2012 (!) über 1500 Meter den vierten Platz, wurde dann aber auf den zweiten Platz hochgestuft, nachdem den Türkinnen Asli Cakir Alptekin (2. Platz) und Gamze Bulut (3. Platz) ihre Olympia-Medaillen wegen Dopings aberkannt wurden. Nun ist auch Tatjana Tomaschowa ihre vor 12 Jahren «geerbte» Silbermedaille wieder los, wie der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof TAS (Tribunal Arbitral du Sport) in Lausanne mitteilte. Die ehemalige Russin wurde gleich wegen mehrfacher Dopingvergehen schuldig gesprochen, für zehn Jahr gesperrt, und es wurde ihr auch die Silbermedaille von London aberkannt. Diese Groteske ist den Medien, wohl kalkuliert, nur noch eine Randnotiz wert. Kein Wunder, denn der dopingverseuchte Sport in Russland schadet dem Image des Weltsports noch immer und immer wieder, auch wenn Russland in der Welt-Gemeinschaft kaum mehr Kredit geniesst. Mit dieser Angelegenheit muss sich eventuell auch noch das Schweizerische Bundesgericht befassen. Im Moment präsentiert sich die Schlussrangliste des 1500 Meter-Laufs der Frauen anlässlich der Olympischen Spiele in London 2012 wie folgt (ohne Gewähr):

Goldmedaille               Maryam Yusuf Jamal (Bahrein)

Silbermedaille             Abeba Aregawi (Äthiopien)

Bronzemedaille           Shannon Rowbury (USA)

Ein Fachexperte aus der Leichtathletik: «Für die Glaubwürdigkeit des Sports ist es unabdingbar, dass das Publikum am Ende eines Wettbewerbes weiss, wer diesen gewonnen hat und wer die weiteren Plätz belegt.».

Dass es bei der Dopingbekämpfung noch grotesker zu- und hergehen kann, belegt eine Meldung aus Norwegen. Vor einem Nations-League-Spiel leisteten eifrige Dopingfahnder ganze Arbeit und luden Jorgen Juve und Einar Gundersen zu Dopingkontrollen vor. Die beiden ehemaligen Top-Fussballspieler sind allerding längst tot. Sie verstarben 1983 (Jorgen Juve), bzw.1962 (Einar Gundersen). Der gute Wille der Fahnder, die Dopingsünder unter Lebenden und Toten aufzuspüren, macht Mut mit Blick auf die global anzustrebende Total-Integrität des Sports…

Streit um Olympia-Bronze im Boden-Turnen nun vor Bundesgericht

causasportnews / Nr. 1177/09/2024, 4. September 2024

(causasportnews / red. / 4. September 2024) Die Olympischen Sommerspiele von Paris gehen zumindest in einem Fall in die juristische Verlängerung. Das höchste Gericht der Schweiz wird definitiv über die Vergabe der Bronze-Medaille im Boden-Turnen der Frauen entscheiden. Die Vorinstanz, der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof (TAS, Tribunal Arbitral du Sport) in Lausanne urteilte, die Auszeichnung für den dritten Olympia-Rang stehe der Rumänin Ana Barbosu zu. Am Wettkampftag vom 5. August 2024 wurde der Amerikanerin Jordan Chiles die Bronzemedaille überreicht; dies nach einem Einspruch des US-Teams. Die Rumänen belegten danach, dass der Einspruch der Amerikaner ein paar Sekunden zu spät erfolgte. In einem Schnellverfahren entschied das Sport-Schiedsgericht, dass der Einspruch der Amerikaner zu spät erfolgte. Das alles soll nun vor Bundesgericht geklärt werden. Ana Barbosu oder Jordan Chiles also? Das wäre nun wohl eine zu einfache Fragestellung, denn die Geschichte um die Olympia-Bronzemedaille der Frauen in dieser Disziplin wird nun nochmals komplizierter. Die in Paris viertplatzierte Athletin, die Rumänin Sabrina Maneca-Voinea, reklamiert am Bundesgericht ebenfalls die Bronzemedaille für sich. Sie argumentiert, wegen eines angeblichen Übertritts sei ihr zu Unrecht ein Wertungs-Zehntel abgezogen worden. So habe sie die Bronzemedaille ungerechtfertigterweise verloren, bzw. nicht gewonnen.

Über den Ausgang dieser Verfahren am Bundesgericht darf spekuliert werden. An sich ist es unbestritten und entspricht jahrzehntelanger Gerichtspraxis, dass Entscheidungen, welche die Spiel(regel)ebne betreffen, vor der Ziviljustiz unantastbar, nicht-justiziabel sind. Diese Faktenlage scheint hier anzunehmen sein, was bedeuten würde, dass das höchste Gericht der Schweiz auf diesen Streit nicht eintritt. Falls jedoch anzunehmen wäre, bei der gegebenen Sachlage könnten bedeutende und relevante Rechtsregeln (Satzungsbestimmungen) verletzt worden sein oder widerrechtliche Persönlichkeitsverletzungen vorliegen, könnte die TAS-Entscheidung allenfalls umgestossen werden. Der Wertungsabzug von einem Zehntel zum Nachteil von Sabrina Maneca-Voinea ist tendenziell als nicht justiziabler Spielregelentscheid zu qualifizieren.

Die Spannung bezüglich der Entscheidung des Bundesgerichts in Lausanne dürfte im Moment erhalten bleiben. Und natürlich: Affaire à suivre…

Mehr Stimmung und «communiter», weniger citius, altius, fortius

causasportnews / Nr. 1170/08/2024, 13. August 2024

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(causasportnews / red. / 13. August 2024) Seit dem späten Sonntagabend, 11. August 2024, sind die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris Geschichte. Was heisst, die Menschheit in einer schnelllebigen Zeit schaut kurz zurück und wendet sich rasch Künftigem zu. Was bleibt also an Erinnerungen? Bei Konsultation der finalen Medienberichte zur bedeutendsten Sportveranstaltung dieses Jahres wird Paris 2024 praktisch und analytisch auf einen Nenner gebracht: Es herrschte während zwei Wochen in der Stadt der Liebe durchwegs eine gute Stimmung – bei Betonung der jüngsten, olympischen Maxime, «communiter» (gemeinsam, wohl als Synonym gemeint für permanente Festivitäten mit Cirque du Soleil-Attitüden)! Der objektive Betrachter der Szene wird den Eindruck nicht los, als sei diese gute Stimmung über alles der wichtigste Aspekt der Spiele in Paris gewesen. Was sich auch im Klamauk anlässlich der Eröffnungsfeierlichkeiten (Alpha) und der Schlussfeier (Omega) manifestierte. Wohl ein Vorgeschmack auf die Spiele 2028 in Los Angeles… Dazwischen herrschte emsiges, sportliches Treiben, aber die olympische Ur-Maxime des citius (schneller), altius (höher), fortius (stärker) alleine, der von der Funktionärs-Elite des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) sinnigerweise noch mit communiter angereichert und für bedeutungsvoll erklärt wurde, stand nicht mehr im Vordergrund.

Zwar wurden in 32 Sportarten 329 Medaillensätze vergeben, aber wer kann in dieser Vielfalt sportlicher Aktivitäten z.B. eine markante Sportpersönlichkeit ausmachen, welche die Spiele in Paris geprägt hat? So bleiben nüchterne Analysen und die göttliche, polit-bezogene Fügung, dass die USA gemäss Medaillenspiegel die erfolgreichste Sport-Nation in Paris war (mit 40 gewonnenen Goldmedaillen, gleichviel wie China übrigens; die Amerikanerinnen und Amerikaner sicherten sich insgesamt 126 Medaillen, China deren 91). Das Gastgeber-Land Frankreich belegte als beste, europäische Sportnation gemäss Medaillenspiegel (total 64 Medaillen) den 5. Platz.

Die Nationen-Bilanzen nach Paris fallen zwiespältig aus. Die Schweiz sicherte sich beispielsweise insgesamt acht Medaillen, wobei lediglich eine goldene Auszeichnung resultierte (in Tokio 2021 gewann die Schweiz immerhin drei Goldmedaillen). Der Schweizer Delegationsleiter, Ralph Stöckli, unterstrich neben der guten Stimmung in Paris die «sehr solide Leistung» der Medaillengewinnerinnen und -gewinner (wobei die Frauen deutlich bessere Resultate erzielten als die Männer). «Solide» bedeutet selbstverständlich mittelmässig und vor allem: In punkto mögliche Leistungen existiert noch «Luft nach oben»; was mit Blick auf die neun undankbaren vierten Plätze Schweizer Sportlerinnen und Sportler eine entsprechende Einschätzung rechtfertigt. Quo vadis Schweizer Sport also (wohin gehst Du?) ist wohl die Frage, die es zukunftsgerichtet zu beantworten gilt (Deutschland ist bei der Lagebeurteilung der Spiele in Paris wenigstens ehrlich: Mit der Medaillenausbeute ist niemand zufrieden). Quo vadis Olympia aber auch wird zum Thema. Mehr Stimmung, Klamauk und Gigantismus geht praktisch nicht mehr. Oder doch? Und in welcher Welt-Metropole soll das noch möglich sein? Deshalb die Flucht nach Hollywood? Darum wird sich nun insbesondere der Nachfolger von IOK-Präsident Thomas Bach kümmern müssen. Der 70jährige Deutsche will seinen Präsidenten-Sessel im kommenden Jahr räumen, was für den Welt-Sport keine schlechte Nachricht darstellt. Gute Chancen auf die Nachfolge von Thomas Bach werden dem ehemaligen, britischen Leichtathleten Sebastian Coe eingeräumt. Der 67jährige, zweifache Olympia-Goldmedaillen-Gewinner und mehrfacher Weltrekord-Halter wäre auch für den globalen Sport ein Hoffnungs-Träger. Zumindest könnte seine Wahl zum IOK-Präsidenten ein globaler Paradigmenwechsel im Sinne des ursprünglichen Sport-Gedankengutes bewirken. Gute Stimmung alleine ist kein nachhaltiges Erfolgsrezept für den olympischen Sport. Natürlich darf Sport auch das Ursprüngliche im Auge behalten, im Sinne des «disportare» (sich zerstreuen); aber nicht nur und nicht noch intensiver als in Paris.

Eine neue Weltordnung dank Schweizer Olympiasieg in Paris?

causasportnews / Nr. 1168/08/2024, 4. August 2024

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(causasportnews / red. / 4. August 2024) War das ein Bild, als die drei erstplatzierten Medaillengewinnerinnen nach dem 50-Meter-Kleinkaliber-Dreistellungskampf in Paris zur Sieger(innen)ehrung antraten: Zuoberst auf dem Treppchen stand Chiara Leone, welche für die erste goldene Medaille der Schweizer Mannschaft an den Olympischen Spielen in Paris sorgte! Flankiert wurde die 26jährige Fricktalerin von der Amerikanerin Sagen Maddalena (2. Rang) und der Chinesin Qiongyne Zhang (3. Rang). Die Schweiz also zuoberst, umrahmt von den Vertreterinnen der USA und China. War dies das Abbild der neuen Stärkeverhältnisse in der Welt unter der Regie der Schweiz (eher nicht), oder waren es sogar die Vorboten einer neuen Weltordnung auf dem Planeten (auch eher nicht), die dank und wegen Olympia eingeläutet wurde? Oder war es ein Bild mit Symbolcharakter (wohl eher)? In der Welt bekämpfen sich die USA und China, wo es nur geht; der Kampf West (USA) gegen Ost (China) tobt an allen Fronten und überall in der Welt – auch auf «Stellvertreter»-Ebene. Dazwischen die Schweiz, welche vor allem dank ihrer Neutralität immer noch zwischen den Grossmächten zu vermitteln im Stande ist (vgl. z.B. die kürzlich abgehaltene Friedenskonferenz auf dem «Bürgenstock» bei Luzern, welche die Weichen für Frieden im Ukraine-Krieg stellen sollte). Wie dem auch sei: Das Bild von der Siegerehrung mit einer Schweizerin zuoberst auf dem Podest und Sportlerinnen aus USA und aus China auf den Plätzen zwei und drei ist ein Monument für die Ewigkeit.

Der Erfolg von Chiara Leone in Paris verzückte die Schweiz. Allerdings nicht vollumfänglich. Für die Linken in der Eidgenossenschaft war es wohl nicht so bereichernd, dass die erste Goldmedaille der Schweiz einer Schützin zu verdanken ist. Ausgerechnet einer Athletin in einer Sportart, welche so gar nicht ins ideologische Weltbild der Linken passt und zudem der Sphäre des Armeewesens zuzurechnen ist. Der Schiess-Sport ist eher als Domäne der Rechten zu qualifizieren, und in der Schweiz wird diese Sportart insbesondere als Lieblingsdisziplin der Anhängerinnen und Anhänger der Schweizerischen Volkspartei (SVP) angesehen. Diese zeigt jeweils Entschlossenheit, die Freiheit und die Neutralität des Landes unter Umständen auch mit Waffengewalt zu verteidigen. Für die Linken sind diese Spiele in Paris so oder so eine eher schwer verdauliche Angelegenheit, prävaliert doch der Nationalismus (vgl. den Medaillenspiegel, mit – horribile est dictu – derzeit China an der Spitze!) – geradezu ein Gräuel für das linke Lager. Noch eine Woche wird an der Seine um Olympia-Medaillen gekämpft. Wenigstens ein Lichtblick für die linke Szene in der Schweiz: Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Schiess-Wettkampf nochmals eine goldene Auszeichnung resultieren könnte, ist eher gering.

Statt Medaillen-Regen ein Fluss-Beben

causasportnews / Nr. 1167/08/2024, 1. August 2024

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(causasportnews / red. / 1. August 2024) Seit ungefähr einer Woche gehen die Olympischen Sommerspiele in Paris über die Bühne. Im wahrsten Sinne des Wortes. Olympia ist eine einzige Sport- und Show-Plattform, was sich seit der Eröffnungsfeier abgezeichnet hat. Auf dem Fluss Seine wurden die Delegationen der teilnehmenden Länder der Weltöffentlichkeit vorgeführt. Es war dies ein Klamauk ohne Ende, der teils im Desaster endete. Einerseits wurde offenkundig, dass die Seine eben doch eine Kloake ist, und die Organisatoren der Spiele zumindest wenig Skrupel zeigten, um die Athletinnen und Athleten vor allem der Sparte Triathlon, trotz Protesten in diese Brühe mit Krankheitserregern zu schicken. Ein Fluss-Beben einmal anders. Dabei manifestierte doch die Pariser Bürgermeisterin, Anne Hidalgo, Tage vor Beginn der Spiele, dass das Baden und Schwimmen in der Seine völlig gefahrlos möglich ist, indem sie sich selber in den Fluss begab. Seither gilt die Seine dank Polit-Glaubwürdigkeit als «bebadbar». Seit der Erbringung dieses Glaubwürdigkeits- und Wahrheitsbeweises wurde die Bürgermeisterin in der Stadt der Spiele allerdings kaum mehr gesichtet. Die Wogen der Kritik gingen aber auch wegen einer anderen Begebenheit anlässlich der Eröffnungsfeier hoch. Die Wiedergabe des letzten Abendmahls Jesu Christi mit seinen Aposteln von Leonardo da Vinci, eine durch Dragqueens und einem Transgender-Model vorgezeigte Parodie, versetzte die christliche Welt in Aufruhr. War das alles nur geschmacklos, eine Verletzung der religiösen Gefühle (der Christen), Blasphemie oder sogar Satanismus? Jedenfalls war das Dargebotene unnötig und eine eher dümmliche Provokation. Die katholische Kirche protestierte, ebenso der Klerus; die Christenheit sah sich diskriminiert und verhöhnt. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn andere Religionsgemeinschaft von einem solchen Unsinn betroffen worden wären. Mit den Christen und insbesondere mit den Katholiken kann man es machen, denn Gegenwehr entspricht nicht ihrer Haltung. Werden sie auf eine Wange geschlagen, halten sie auch noch die andere hin. Das motiviert offenbar die Gegner des Christentums zusätzlich.

Apropos Fluss Seine, Wasser und Niederschläge, von denen Paris seit Beginn der Spiele auch einiges mitbekommen hat: Im Zentrum soll immerhin der Sport stehen und der Kampf der Nationen gegeneinander. Geradezu gruslig präsentiert sich im Moment für Puristen und Moralisten der Medaillen-Spiegel. Ausgerechnet China führt dieses Länder-Klassement zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen an. Eher ernüchternd sieht die Bilanz etwa für die Schweiz aus. Statt Medaillen-Regen prävalieren Pleiten, Pech und Pannen. Lediglich eine Silber- und eine Bronze-Medaillen resultierten bisher. Da bleiben nur noch die Träume, etwa der Schweizerischen Sport-Ministerin und Bundespräsidentin Viola Amherd, die zu Beginn der Spiele in Paris erklärte, sie könne sich Olympische Spiele 2038 in der Schweiz gut vorstellen. Allerdings müssten Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit gesichert sein. Zudem sei ein Gigantismus, wie er derzeit in Paris praktiziert wird, in der Schweiz undenkbar.

Der Vergleich zwischen Sommer- und Winterspielen ist natürlich eine verunglückte Organisations-Ausgangslage. Die Flüsse werden in der Schweiz im Winter 2038 so oder so zugefroren sein, nicht wie die Seine in diesem heissen Sommer 2024.

Dominic Lobalu in Paris im «Flüchtlingsteam»

causasportnews / Nr. 1157/07/2024, 3. Juli 2024

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(causasportnews / red. / 3. Juli 2024) Am Ende dieses Monats werden in Paris die Olympischen Sommerspiele (vorgesehen vom 26. Juli – 11. August 2024) beginnen. Mit dabei sein wird der Weltklasse-Leichtathlet Dominic Lobalu, ein 26jähriger Flüchtling aus dem Südsudan, der sich seit einigen Jahren in der Schweiz aufhält und dem LC Brühl angehört. Seit der Super-Athlet kürzlich in Rom (für die Schweiz) den Europameistertitel im 10 000 Meter-Rennen gewonnen hat, gehört das Ausnahmetalent zu den ernsten Olympia-Medaillenanwärtern. Doch Olympische Spiele sind etwas anderes als Leichtathletik-Europameisterschaften. In den Kontinental-Wettkämpfen konnte Dominic Lobalu für die Schweiz starten. Mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele präsentiert sich die Ausgangslage grundlegend anders. Um in Paris für die Schweiz auf Medaillenjagd gehen zu können, ist die Schweizerische Nationalität des oder der Startenden eine Teilnahmebedingung (betreffend Dominic Lobalu vgl. auch causasportnews vom 23. Juni 2024). Als Flüchtling verfügt Dominic Lobalu über keinen Schweizer Pass. Also ist es ihm, weil die Athletinnen und Athleten von den Nationalen Olympischen Komitees nominiert werden, verwehrt, für die Schweiz zu starten. Nach dem Europameisterschafts-Gold durch den Südsudanesen mit Aufenthaltsort in der Schweiz in Rom kämpften die Funktionäre in der Schweiz vor allem beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK) darum, dass die Medaillenhoffnung für das Land Schweiz würde an den Start gehen können. Das IOK verweigerte jedoch die Startberechtigung von Dominic Lobalu für dieses Land, was zwar korrekt ist, jedoch für die Schweizerischem Sport-Offiziellen schwer verständlich zu sein scheint (das IOK findet sonst immer eine Umgehungslösung, auch konkret etwa für Athletinnen und Athleten der kriegsführenden Nation Russland; da nützte auch die Aussage der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo nichts, welche mehrmals bekräftigte, dass sie in Paris keine Russinnen und Russen am Start sehen wolle; was natürlich nicht der Fall sein wird. Für die Flüchtlings-Fälle kennt das IOK die Institution des «Flüchtlingsteams» (Olympic Refugee Team), was bei den gewaltigen Flüchtlingsströmen auf der ganzen Welt wohl nicht ganz ohne ist. Die Olympioniken aus Lausanne haben Dominic Lobalu offeriert, in Paris in diesem «Flüchtlingsteam» an Olympia teilzunehmen. Nach längerer Bedenkzeit willigte der Top-Athlet nun ein und wird als Angehöriger des Olympia-«Flüchtlingsteams» an den Start gehen. Der geflüchtete Südsudanese hat zwischenzeitlich eingesehen, dass er offiziell für die Schweiz nicht würde starten können. Besser also in diesem Team als gar nicht, wird sich der begnadete Läufer letztlich gesagt haben. Mit ein bisschen «Swissness» und aus Dankbarkeit gegenüber der Schweiz und gegenüber den Menschen in der Schweiz, die ihn unterstützen, wird Dominic Lobalu dennoch an der Seine starten: «In Paris werde ich mit der Schweiz im Herzen laufen», sagt er.

Wie sich die Schweiz einen Olympiasieger machen möchte

causasportnews / Nr. 1153/06/2024, 23. Juni 2024

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causasportnews / red. / 23. Juni 2024) Die Fussball-Europameisterschaft in Deutschland hat die (Sport-)Welt, zumindest auf dem Kontinent, voll im Griff. Dennoch wird der Fokus nach vorne gerichtet und bereits der nächste Grossanlass, der in diesem Jahr stattfindet wird, ins Auge gefasst: Die Olympischen Sommerspiele, die vom 26. Juli bis am 11. August 2024 in Paris durchgeführt werden. Wer wird in welchen Sportarten Olympiasiegerin oder Olympiasieger werden? – Das ist die zentrale Frage. Aber auch: Wie könnte man sich z.B. einen Olympiasieger machen, wenn es Mensch und Material sonst nicht zulassen? Die Thematik beschäftigt und bewegt derzeit die Schweiz.
Da hält sich seit ungefähr fünf Jahren Dominic Lobalu, ein bald 26jähriger Flüchtling aus dem Südsudan, in der Schweiz auf und erbringt sportliche Leistungen, die Appetit auf mehr wecken. Der Ausnahmeathlet hat an den kürzlich zu Ende gegangenen Leichtathletik-Europameisterschaften in Rom überlegen die Goldmedaille im 10 000 Meter-Lauf gewonnen. Zuvor lief er sich im 5000 Meter-Rennen warm und holte Bronze. Alles für die Schweiz natürlich. Einen Monat vor den Wettkämpfen in Rom erhielt Dominic Lobalu die Startberechtigung und die Erlaubnis, um in Rom für die Schweiz starten zu können. Der Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) erachtete es als unproblematisch, dem Leichtathleten die Starterlaubnis für die Schweiz mit Blick auf die Europameisterschaften zu erteilen, was auch sportrechtlich nicht zu beanstanden war. Die Schweiz bekam nach den Erfolgen des Athleten in Rom Lust auf mehr und wurde beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK) vorstellig, um dem in der Schweiz gut integrierten Südsudanesen nun auch einen Start für die Schweiz an den Olympischen Spielen zu ermöglichen. Für ein kleines Land, das nicht als Leichtathletik-Hochburg bekannt ist, wachsen potentielle Olympiasiegerinnen und -sieger nicht gerade an den Bäumen; die Medaillen-Aussichten von Athletinnen und Athleten in dieser Sportart sind aus Optik der Schweiz eher bescheiden. Da kam Dominic Lobalu gerade recht, um für Paris Schweizer Medaillen-Hoffnungen in der Leichtathletik zu schüren. Es wurde ein Gesuch an das Internationale Olympische Komitee (IOK) in Lausanne gerichtet, um den Flüchtling aus dem Südsudan für die Schweiz starten zu lassen. Doch das IOK wies das Ansinnen zurück und untersagte den Start des Athleten in Paris als Staaten-Vertreter der Schweiz mit der Begründung, die Teilnahme eines Athleten an den Spielen sei an den Nationalitäts-Status geknüpft (die Nomination der Sportlerinnen und Sportler für Olympia erfolgt durch die Nationalen Olympischen Komitees und nicht durch die Internationalen Fachverbände), was bedeute, dass der aus Südsudan geflüchtete Top-Sportler die Schweizerische Staatsbürgerschaft schlicht und ergreifend nicht besitze, es also an einem nationales Anknüpfungskriterium fehlt. Dominic Lobalu könne zwar gemäss nationaler Rechtsordnung dereinst den Schweizer Pass erwerben, doch im Moment unterstehe er dem Flüchtlings-Status. Der Versuch der Schweiz, sich mit einem Sondergesuch vielleicht eine Leichtathletik-Goldmedaille an den Sommerspielen an der Seine zu sichern, scheiterte veritabel. Das Wehklagen vor allem der Schweizer Medien an die Adresse des IOK, man wolle mit diesem Entscheid die Schweiz abstrafen, ihr einen Denkzettel verpassen, usw., ist natürlich blanker Unsinn, auch wenn das Verhältnis zwischen der Schweiz und dem IOK auch schon besser war. Die Funktionäre am Lac Leman konnten letztlich gar nicht anders entscheiden. Dominic Lobalu wird in der Stadt der Liebe dennoch an den Spielen antreten können, in einem «Refugee Team», was für die Schweiz allerdings keine Olympischen Lorbeer-Siegeskränze bringt. Ein Olympiasieger Dominic Lobalu würde also nicht als Repräsentant der Schweiz in den Olympia-Himmel eintreten, sondern als natürliche Person Dominic Lobalu. Knapp eine Woche nach Beendigung der Sommerspiele in Paris wird der hoch-talentierte Athlet am 16. August seinen 26. Geburtstag feiern. Der Schweiz wird er kein entsprechendes Geburtstagsgeschenk z.B. in Form einer Olympia-Medaille präsentieren können.

IOK-Politik: Ein bisschen schwanger in Paris

causasportnews / Nr. 1123/03/2024, 20. März 2024

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(causasportnews / red. / 20. März 2024) So, wie das weltweite Interesse, trotz anderslautender Beteuerungen im Westen, an eine Erfolg der Ukraine gegen Russland nachlässt und dieser Sieg wohl auch trotz Achtungserfolgen der wehrhaften Ukrainerinnen und Ukrainer immer in weitere Ferne rückt, so hat auch eines der brisantesten Themen in der aktuellen Sportpolitik an Bedeutung verloren. Nur noch bescheiden im Fokus, auch der Medien, steht die Thematik der Teilnahme russischer und weissrussischer Sportlerinnen an den nächsten Olympischen Spielen, die am 26. Juli 2024 in der Stadt der Liebe und Triebe beginnen und bis zum 11. August 2024 dauern werden.

Der mit unverminderter Härte von Russland geführte Krieg stürzt das Internationale Olympische Komitee (IOK) in ein Dilemma. Zivilisierte Menschen auf der ganzen Welt sind sich einig, dass Kriegstreiber (Russen) und deren Steigbügelhalter (Weissrussen) an Olympischen Spielen nichts zu suchen haben. Die Diskussionen hierzu sind vor geraumer Zeit entfacht worden und dauern an, bzw. werden jetzt befeuert. Soeben hat das IOK nämlich bekanntgegeben, dass Russinnen und Russen sowie Athletinnen und Athleten aus Belarus an den Eröffnungsfeierlichkeiten am 26. Juli 2024 nicht teilnehmen dürfen; das heisst, die für Olympia qualifizierten Aktiven Russlands und Weissrusslands müssen das Eröffnungs-Spektakel mit 600 Boten auf der Seine am Bildschirm ansehen. Das ist in der Tat kein Verschreib; an den Spielen selber können Aktive aus den kriegstreibenden Ländern mitmachen, auch wenn sich bis jetzt nur 12 Russinnen und Russen sowie 5 Athletinnen und Athleten aus Weissrussland für Paris qualifiziert haben. Die Teilnahme geschieht allerdings unter Auflagen. Staatliche Symbole, National-Flaggen und -Zeichen sind verboten. Die Aktiven müssen in jeder Hinsicht neutral (nicht nur in punkto Bekleidung) auftreten und dürfen visuell keine Bezüge zu Russland und Weissrussland aufweisen. Es können auch keine Mannschaften teilnehmen, und jeder Bezug seitens der Sportlerinnen und Sportler zum Militär ist untersagt.

Diese Entscheidung des IOK ist mit Spannung erwartet worden. Selbstverständlich hat niemand daran geglaubt, dass die guten Menschen des IOK und der von einigen Russland-Sympathisanten durchsetzte Mitgliederkreis des Lausanner Komitees, ein Verein nach Schweizerischem Recht, die beiden Länder ganz von den Spielen ausschliessen würden. Dazu hat wohl auch beigetragen, dass der internationale Sport nach wie vor von einigen namhaften Funktionären aus Russland mitgelenkt, ja weiterhin mitbeherrscht wird. Nach wie vor ist das Russische Olympische Komitee (ROC) suspendiert, wie der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof (Tribunal Arbitral du Sport, TAS) entschieden hat. Grund dafür ist die sportliche Annexion der von den Russen besetzten ukrainischen Gebiete, so die Krim.

Mit mutigen Entscheiden hat sich das IOK noch nie hervorgetan. Deshalb verwundert dieser opportunistische Entscheid aus Lausanne nicht. Grundsätzlich und so ein bisschen dabei sein erinnert an das Phänomen, dass auch ein bisschen Schwangerschaft alles offenlässt. Klar war und ist, dass sich die in der Tat sonst nicht gerade mutlose Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo nicht gegen das IOK, das kartellistische «Politbüro» des internationalen Sportes, würde durchsetzen können. Die 64jährige Politikerin hat seit Monaten verkündet, dass sie keine Athletinnen und Athleten der kriegsführenden Länder an den Olympischen Spielen in Paris sehen wolle (vgl. auch causasportnews vom 10. Dezember 2023). Jetzt musste sie bezüglich ihrer Forderung «forfait» geben, was sie schmerzen wird. Aber auch hierfür gibt es schliesslich «Pillen danach», auch zur Regelung nur halber Schwangerschaften und ähnlicher Ereignisse.

Nach den «goldenen Tagen von Sapporo» im Behörden-Dickicht gefangen

causasportnews / Nr. 1116/02/2024, 29. Februar 2024

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(causasportnews / red. / 29. Februar 2024) Der Schweizer Bobsport erlebte schon erfolgreichere Tage, als dies aktuell der Fall ist. So zum Beispiel an den Olympischen Winterspielen 1972 im japanischen Sapporo. Im Medaillenspiegel lag nach total 35 Entscheidungen die Sowjetunion, gefolgt von der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und … der Schweiz, an der Spitze. Das Sowjetreich ist längst zerbröselt, die DDR ist ebenfalls Geschichte; nur die Schweiz gibt es im Moment noch weiterhin in der traditionellen Form. Für den Schweizer Sport waren die Erfolge der Athletinnen und Athleten aus den Bergen Zentraleuropas mit zehn Medaillen auf der Insel Hokkaido durchschlagend. In den Medien wurde von den «goldenen Tagen von Sapporo» gesprochen. Immerhin eroberten die Schweizerinnen und Schweizer vier goldene Auszeichnungen (die DDR gewann vier Goldmedaillen, die übermächtigen Russinnen und Russen soviele wie die DDR und die Schweiz zusammen). Es waren auch die kecken Auftritte der unbeschwerten Marie-Theres Nadig, die sich mit ihren 17 Jahren Gold in der Abfahrt und im Riesenslalom einfuhr; und damit die favorisierte Österreicherin Annemarie Moser-Pröll in diesen Disziplinen geradezu gedemütigt auf die Silberplätze verwies. Die Spiele von Sapporo 72 waren so oder so nicht die Wettkämpfe der Österreicherinnen und Österreicher (gesamthaft vier Medaillen, darunter eine einzige «Goldene»), die mit dem legendären Karl Schranz schon vor den Wettkämpfen einen Medaillen-Trumpf verloren (dieser Ausnahmeathlet wurde der Sport-Amateur-Hysterie des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage geopfert). Die «goldenen Tage von Sapporo» liefen aus Schweizer Sicht auch unter dem Motto: «Ogis Leute siegen heute»! Der spätere Bundesrat Adolf Ogi war damals Direktor des Schweizerischen Skiverbandes.

Zum Goldregen in Japan, der über der Schweiz niederging, trugen auch die Bobfahrer bei. Jean Wicki als Pilot holte sich im Zweier-Schlitten mit dem Zweimeter-Leichtathleten Edy Hubacher die bronzene Auszeichnung, bevor er im Vierer-Bob, nochmals mit Edy Hubacher sowie mit Hans («Hausi») Leutenegger und Werner Camichel, zur Gold-Fahrt ansetzte. Nach dieser erfolgreichen Bob-Karriere mutierte Pilot Jean Wicki zu einem wohlhabenden Geschäftsmann. Dann ereilte ihn ein tragisches Schicksal. Der 1933 geborene Sympathieträger mit Westschweizer Charme litt in seiner letzten Lebensphase an starker Demenz. 2023 starb Jean Wicki 90jährig. Zwar wurde vor seinem Tod alles vorgekehrt, damit die Geschäfte und familiären Belange vor allem in die Hände der Ehefrau des Ex-Bobpiloten gelegt werden konnten. Doch die Regelung missriet, und die aktuelle Situation um Familiäres und Pekuniäres im Hause Wicki scheint derzeit desaströs, wie kürzlich Medienberichten zu entnehmen war. Dies, nachdem sich die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) einzumischen begann. Irrungen und Wirrungen mit dieser Behörde, welche der Ehefrau von Jean Wicki unter mysteriösen Umständen praktisch die Handlungsfähigkeit nahm und einen Vorsorgeauftrag, den Jean Wicki noch zugunsten seiner Ehefrau errichtet hatte, praktisch ausser Kraft setzte, nachdem man ihr weitgehend die Urteilsfähigkeit abgesprochen hatte. Anwälte, Treuhänder, Berater und Parasiten aller Art brachten, offenbar mit KESB-Unterstützung und in einem verwirrlichen Behörden-Dickicht, die Familie und die Hinterbliebenen von Jean Wicki um Vermögen und den (Familien-) Frieden auf Erden.

Man wünschte sich in dieser traurigen Geschichte, dass wenigstens das Sport-Idol Jean Wicki nach seinem Tod die verdiente, ewige Ruhe gefunden hat.

Und wieder geht ein Gespenst um in Europa…

causasportnews / Nr. 1104/01/2024, 27. Januar 2024

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(causasportnews / red. / 27. Januar 2024) Wiederum geht ein Gespenst um in Europa, nicht dasjenige, wie es im Kommunistischen Manifest beschrieben ist, sondern das Bedrohungs-Gespenst. Dieses hat sehr viel zu tun mit Sport, bzw. mit grossen Sportveranstaltungen, die in diesem Jahr durchgeführt werden. Zuerst richtet sich der Blick der Sport-Öffentlichkeit nach Deutschland. Dort wird unter der Ägide des Europäischen Fussball-Verbandes (UEFA) vom 14. Juni bis zum 14. Juli der Europameister erkoren. Der Anlass rückt näher, und in einer chaotisch gewordenen Welt, in der Kriege, Gewalt jeglicher Art, Hass, usw. die globale Szene beherrschen und sich im besten Fall Missverständnisse breit machen, hängt das Schreckens-Gespenst «Sicherheit» wie ein Damoklesschwert über der Fussball-EM in Deutschland. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin räumt ein, dass er diesbezüglich in grosser Sorge sei und spricht allgemein von einer «völlig aggressiven, geopolitisch aus den Fugen geratenen Lage» und von einer «Welt, die verrückt spielt». Dem ist an sich nichts beizufügen. Der Slowene bespricht sich regelmässig mit der Deutschen Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Die Gefahren für den Sport-Grossanlass sehen der Sport-Funktionär und die Bundes-Politikerin nicht nur in den Sicherheitsvorkehren in den Fussball-Stadien, sondern vor allem in den Bereichen ausserhalb der Sportstätten. Man kann sich in etwa ausmalen, was sich abspielen könnte, wenn sich die Ukraine und Israel ins Wettkampf-Geschehen einschalten und sich die beiden aktuellen Kriege mittelbar etwa auf die Fan-Ebenen verlagern. Vorstellbar ist zudem, welche Gewalt-Potentiale sich während der EM in Deutschland innerhalb und ausserhalb der Stadien entladen können. Schneller als es jedes Vorstellungsvermögen zulässt, könnten die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten den Sport tangieren. Es ist nicht zu erwarten, dass der gewaltfreie Sport, der in Deutschland stattfinden wird, die Auseinandersetzungen auf den Kriegsschauplätzen in der Welt zur Makulatur werden lässt. Die Bedrohungsszenarien mit Blick auf die Fussball-EM könnten zu Resignation führen. Die Rede ist derzeit realistischerweise von Cyberangriffen, terroristischen Anschlägen, Geiselnahmen, usw. Sowohl der UEFA-Präsident als auch die Bundes-Innenministerin sprechen diesbezüglich von «Herausforderungen», denen man sich nun stellen müsse.

Herausforderung? Ein grosses Wort! Vor allem verrät es Unsicherheit, ja Ungewissheit, wie sich Bedrohungen manifestieren könnten und wie auf Bedrohungen reagiert werden müsste. Realistischerweise sind Bedrohungen kaum einzugrenzen und es kann ihnen auch kaum etwas entgegengesetzt werden. Das effizienteste Mittel scheint auch in dieser säkularen Welt – das Gebet zu sein und der Glaube daran, «dass es schon gut kommt». Die Hoffnung stirbt jedenfalls zuletzt.

Rund sechs Wochen, nachdem der neue Fussball-Europameister bekannt sein wird, trifft sich die Sportwelt in Paris. An der Seine werden die Olympischen Spiele vom 26. Juli bis zum 11. August ausgetragen. Die Sicherheitsaspekte bezüglich der Wettkämpfe in 32 Sportarten sind immens. Was könnte in den Zuschauerbereichen geschehen, wenn sich nur schon ukrainische und russische Sportlerinnen und Sportler mit ihren Anhängern in der Stadt der Liebe aufhalten, da kaum anzunehmen ist, dass Paris russische und weissrussische Athletinnen und Athleten letztlich von den Spielen ausschliessen wird? Es ist beispielsweise auch einleuchtend, dass ein Marathon-Lauf ungemein schwieriger zu überwachen ist als ein Fussballspiel in einem geschlossenen und gesicherten Stadion.

Wahrscheinlich wäre es den Organisatoren und insbesondere den Sicherheits-Verantwortlichen, welche die beiden Sport-Grossveranstaltungen in Deutschland und in Frankreich in diesem Sommer abzusichern haben, nicht unrecht, es würde eine Fee mit Zauberstab auf die Zeit einwirken und es wäre auf einen Schlag der 11. August 2024…