causasportnews.com – 42/2026, 5. Mai 2026
(causasportnews / red. / 5. Mai 2026) Der Frühling macht’s möglich. Nicht nur, dass er die Gefühlswelt der Menschen durcheinanderwirbelt; sondern auch, weil er den Sport in einem dialektischen Umfeld erscheinen lässt. Der Sport versinnbildlicht die Einheit der Gegensätze, und steht etwa für Feuer und Eis – vor allem, wenn es um den Mannschaftssport geht.
Erstens zum Eis: Es ist kein Zufall, dass im Frühling nach den harten Wintermonaten im Eishockey die Phase der Entscheidungen ansteht. Im Schweizer Eishockey lief letztlich nach einem nervenaufreibenden Playoff-Finalspiel zwischen dem Rekord-Schweizer Meister HC Davos und dem HC Fribourg-Gottéron, der erstmals in seiner Klubgeschichte, die 1937 begann, im entscheidenden Moment alles für die kampfstarke Mannschaft aus der Zähringer-Stadt. Dabei wurde eine Region (um Freiburg / Fribourg) sowie eine Stadt (Freiburg im Üechtland / Fribourg) nicht nur in einen temporären Freudentaumel, sondern geradezu in eine nachhaltige Ekstase versetzt. Der sportliche Erfolg der Eishockeyaner sprengt derzeit und nach dem Gewinn der Eishockey-Meisterschaft alle Grenzen. Vergessen sind, zumindest einstweilen, die alltäglichen, wirtschaftlichen Sorge und Nöte. Der Titel sorgt in einer nicht einfachen Zeit in und um die Zähringer-Stadt für neue Energie, stärkt das Selbstbewusstsein und fördert das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in das umfassende Können der Menschen. Gestärkt wird insbesondere auch das Wir-Gefühl in einer teils von Sorgen geplagten und verunsicherten Bevölkerung. So soll und kann dann niemand mehr sagen, Erfolge im Sport seien reiner Selbstzweck. Der Sport kann zur Initialzündung für einen Neuaufbruch werden. Im Siegestaumel versank die Zähringer-Stadt dank des Erfolgs der Eishockeyaner von HC Fribourg-Gottéron in einem Meer von Pyros und Feuerwerk. Feuer und Eis verschmolzen.
Zweitens zum Fussball: Da steigt eine Mannschaft, der Provinzverein FC Thun, in die höchste Schweizer Spielklasse auf und lässt sich aktuell gleich als Fussballmeister 2025/26 feiern! Diese fussballerische Sensation, die zumindest auch ein bisschen die gesamte Professional-Liga beschämt, könnte in etwa so bezeichnet werden: Der grosse Coup des kleinen FC Thun. Die ausserordentliche, sportliche Leistung der Mannschaft von Trainer Mauro Lustrinelli kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Der Berner Klub schaffte das Unmögliche zudem mit relativ wenig Geld. Der FC Thun soll über das zweitkleinste Budget der Professional-Liga verfügen. Womit das Bonmot widerlegt wäre, nämlich, dass nur Geld die Tore schiesst. So wie die Eishockeyaner in Freiburg hat der FC Thun einen gewaltigen, gesellschaftlichen Aufbruch bewirkt. Der Meistertitel im Berner Oberland ist wie ein Schmiermittel für das Selbstbewusstsein der sonst eher zurückhaltenden Berner Oberländer. Die Feierlichkeiten und Festivitäten in der grössten Garnisonsstadt der Schweizer Armee am beschaulichen Thunersee dauerten endlos und waren intensiv: Thun im Glück und «on fire», wurde dieser Zustand genannt.
Was in der Schweiz möglich ist, ereignet sich in diesen Tagen auch in Deutschland. Nach dem Abstieg vor drei Jahren in die 2. Bundesliga hat der Traditionsverein Schalke 04 e.V. nun den Aufstieg in die höchste Bundesliga-Klasse nach einem Sieg über Fortuna Düsseldorf 1895 e.V. geschafft. Der Aufstieg als Sieg für das Ruhrgebiet, feierten Politiker, Wirtschaftsführer und die Sportprominenz das Fussball-Wunder, welches das Eis im Alltag der Metropolregion Rhein – Ruhr schmelzen liess. Längst vergessen ist der Fauxpas der Moderatorin Carmen Thomas, die im «Aktuellen Sportstudio» 1973 von «Schalke 05» sprach. Zwischen Realität (04) und Imagination (05) lag schliesslich auch nur ein Jahr. Der Aufstieg des Kämpfer-Teams aus dem Ruhrgebiet, das sich mit gewaltigen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert sieht, impfte der Region ein kaum mehr vorhandenes Selbstbewusstsein ein. Wie sagten es die Fans in Gelsenkirchen nach der heissen Aufstiegstat der Mannschaft: «In Gelsenkirchen gibt es die Katholische Kirche, die Protestantische Kirche und für die Schalker Anhängerschaft das Fussballstadion in Gelsenkirchen, die «Arena AufSchalke». Die Trilogie des Mystischen im Ruhrgebiet also.

