causasportnews.com – 42/2026, 9. Mai 2026

(causasportnews / red. / 9. Mai 2026) Für die meisten sportbegeisterten Menschen ist der 11. Juni 206 ein besonders wichtiger Tag, der leicht einzuordnen ist. An diesem Datum beginnt in Mexiko, in Kanada und in den Vereinigten Staaten die Fussball-WM-Endrunde 2026. Allerdings gibt es trotz Fussball-Weltmeisterschaft auch ein Leben ausserhalb des Fussballs – und neben dem Fussball. So ist der 11. Juni 2026 etwa für die Schneesportlerinnen und -sportler ein ebenso wichtiger Tag wie für die Fussballer. In Belgrad wird dann der Kongress des Internationalen Skiverbandes (FIS; Fédération Internationale de Ski), eines Verbandes nach Schweizerischem Vereinsrecht mit Domizil in Oberhofen am Thunersee, abgehalten. Der FIS-Kongress (die Vereinsversammlung, das höchste Organ des Verbandes) ist dieses Jahres aus einem Grund äusserst interessant: An dieser Mitgliederversammlung des Ski-Weltverbandes wird nämlich entschieden, ob der 2021 zum Präsidenten gewählte Johan Eliasch für weitere vier Jahre Vorsitzender der globalen, prestige-trächtigen Schneesport-Organisation bleiben kann, oder ob einer der vier Gegenkandidatinnen oder -kandidaten übernehmen wird. Der 64jährige schwedisch-britische Doppelbürger Johan Eliasch ist nach einer gegen den damaligen Swiss-Ski-Präsidenten Urs Lehmann gewonnen Wahl vor fünf Jahren angetreten, um die FIS zu erneuern und das wirtschaftliche Potential des Ski-Weltverbandes besser auszuschöpfen. Die Erwartungen hat der Milliardär, einer der reichsten Briten, der u.a. mit der Skimarke «Head» verbandelt ist, nicht einmal ansatzweise erfüllt. Dem unbeliebten Macher werden etwa Interessenkollisionen, intransparentes Handeln und Führen, einsame und undurchsichtige Entscheide in finanziellen Vorgängen, seine undurchsichtige Rolle beim Sportartikelkonzern «Head», usw. vorgeworfen. Kurz: Der amtierende Präsident hat das Vertrauen vieler Verbände der FIS verloren. Dennoch will er sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen und zur Wiederwahl für die nächsten vier Jahre stellen. Das ist allerdings nur möglich, wenn der im Skizirkus ungeliebt gewordene, amtierende Präsident von einem Landesverband nominiert wird und im Besitze eines Passes des entsprechenden Landes ist. Weder der Schwedische noch der Britische Verband wollen nun aber Johan Eliasch nochmals für eine Amtszeit als FIS-Präsident portieren. Der clevere und erfinderische Geschäftsmann Johan Eliasch wäre nun aber nicht Johan Eliasch, wenn er diesen Kampf um das FIS-Präsidium ohne erbitterter Gegenwehr aufgeben würde. Von Monaco bis Armenien soll der begüterte Brite geweibelt sein, bis er schliesslich einen Verband gefunden hatte, der ihn unterstützt und ihm die Staatsbürgerschaft verleiht: Georgien. Für viele Exponenten der FIS-Nationalverbände ist dies ein plumpes Schlupfloch, das der amtierende FIS-Präsident nun offenbar gefunden hat, um sein Wirken an der FIS-Spitze zu perpetuieren. Am 11. Juni wird es sich zeigen, ob nach erfolgter Präsidentschaftswahl der aktuelle FIS-Präsident auch der neue Mann für die kommenden Jahre sein wird. Vier Gegenkandidatinnen und -kandidaten wollen jedenfalls verhindern, dass Johan Eliasch weiterhin und in den nächsten vier Jahren die Nummer 1 im Schneesport bleibt. Kandidatinnen für das Präsidium des Ski-Weltverbandes sind die Britin (!) Victoria Gosling und die Dänin Anna Harboe Falkenberg sowie der Amerikaner Dexter Paine und der Liechtensteiner Alexander Ospelt. Markant bei dieser Kandidatinnen- und Kandidaten-Auswahl ist der Umstand, dass die Briten nun nicht (mehr) Johan Eliasch, sondern dessen Landsfrau Victoria Gosling unterstützen wollen.
Ob Johan Eliasch die Wiederwahl schaffen wird oder nicht ist schwierig vorher zu sagen. Der Kampf um die Macht im Schneesport ist jedenfalls lanciert. In diesem Punkt wird die Sport-Öffentlichkeit am 11. Juni wohl so gespannt nach Belgrad in Richtung FIS-Kongress schauen wie die Fussballer zum WM-Start nach Mexiko-City, um den Kick-off zur Fussball-WM-Endrunde zwischen dem Heim-Team Mexiko und Südafrika mitzuerleben.
