Eishockey-«Aufreger» um entlassenen Nationalmannschafts-Coach dauert an

causasportnews.com – 37/2026, 21. April 2026

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(causasportnews / red. / 21. April 2026) Man wäre geneigt zu sagen, so wie es das Publikum auch zu beurteilen scheint: «Nun lasst es mal gut sein». Gemeint ist die zur Staatsaffäre emporstilisierte Tat um den erfolgreichen, aber vor einigen Tagen in Ungnade gefallenen und entlassenen Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, Patrick Fischer. Der Coach, der mit der Nationalmannschaft dreimal Vize-Weltmeister wurde, hat eine unverzeihliche und unentschuldbare Dummheit begangen, indem er sich zwecks Teilnahme an den Olympischen Spielen 2022 in Peking ein gefälschtes Covid-Zertifikat beschaffte. Er wollte ohne die erforderliche Covid-Impfung seine Mannschaft an Olympia begleiten, was auch geschah. Niemand, auch nicht die Chinesen, entdeckten den Schwindel. Später wurde Patrick Fischer wegen dieser Urkundenfälschung per Strafbefehl sanktioniert und mit einer hohen Busse belegt. Auch eine Verkehrsregelverletzung zog eine Bestrafung nach sich. Der Strafbefehl erging im Jahr 2023 – und (offenbar) niemand wusste davon. Mitte März dieses Jahres äusserte sich Patrick Fischer gegenüber einem Journalisten des Schweizer Fernsehens dergestalt, dass er vor Olympia eine Urkundenfälschung begangen habe und deswegen per Strafbefehl sanktioniert worden sei. Diese «Beichte» geschah während eines Mittagessens zwischen dem Coach und dem TV-Mitarbeiter. Der Journalist machte die Angelegenheit flugs publik. Die Folge davon: Patrick Fischer wurde letztlich vom Verband entlassen und darf die Eishockey-Nationalmannschaft an der in der Schweiz stattfindenden Weltmeisterschaft in den letzten beiden Mai-Wochen nicht mehr betreuen. Seit Patrick Fischers Verfehlung bekannt geworden ist, steht die Sport-Nation Schweiz «Kopf». Die Tat des Ex-Nationaltrainers ist unentschuldbar; seine Ablösung in dieser Funktion vertretbar bis notwendig, aber die geschürte, öffentliche Empörung müsste nun ein Ende haben, meint des Volkes Stimme, der «Boulevard». Ist sie aber nicht, wobei sich etwa diese Frage stellen:

Weshalb hat der Schweizerische Verband (Swiss Ice Hockey Federation, SIHF) vor den Olympischen Spielen 2022 u.a. das Covid-Zertifikat seines wichtigsten Angestellten Patrick Fischer nicht überprüft? Schon damals war bekannt, dass der Nationaltrainer ein Impfskeptiker war. Hier hätte der Verband seine Führungsaufgaben wahrnehmen müssen. Wäre diese «Affäre Patrick Fischer» ohne diesen Führungsfehler zu verhindern gewesen? In diesem Zusammenhang bleibt zu sagen, dass der damalige Präsident des Verbandes eine umstrittene Persönlichkeit war und bald einmal seinen Posten verlor. Dem aktuellen Verbandspräsidenten können diesbezüglich keine Vorwürfe gemacht werden. Eher einem Verzweiflungsakt kommt der soeben kommunizierte Schritt des Verbandes gleich. Der «Fischer-Skandal» wird im Auftrag des Verbandes von einer renommierten Anwaltskanzlei (sic!) aus Zürich «unabhängig» aufgearbeitet. Nicht nur ein Anwalt dieser Kanzlei ist allerdings seit Jahren im professionellen Eishockey-Business tätig. Das zum Thema «Unabhängigkeit von Anwälten». Was letztlich mit dem Ergebnis dieser von der SIHF in Auftrag gegebenen Untersuchung, mit der wohl zehntausende von Franken in den Sand gesetzt werden, bewirkt werden soll, weiss wohl nicht einmal die Swiss Ice Hockey Federation.

Einigermassen speziell mutet die Rolle des TV-Journalisten an, der sich nach dem Mittagessen mit Patrick Fischer flugs an die Veröffentlichung dieser brisanten Geschichte gemacht hat. Vertrauensmissbrauch oder journalistisch gebotene Verpflichtung, einen solchen «Primeur» an die Öffentlichkeit zu bringen? Diese Frage wird derzeit von Experten aller Art, von Publizistik-Professoren, von Medienethikern, usw. geradezu seziert, so etwa in der «Sonntags-Zeitung», Zürich vom 19. April 2026 («Hat SRF das Vertrauen von Patrick Fischer missbraucht?»). In der gleichen Zeitung vom gleichen Datum findet sich dann zwei Seiten nach dem obgenannten Bericht ein Inserat (!) der «Schweizer Medien». «Es gibt gute und schlechte Nachrichten: Die mit und die ohne Faktencheck. Glaubwürdigkeit wirkt besser. Stärken Sie die Glaubwürdigkeit Ihrer Marke». Nun, so sei es denn. Die Lehre aus der Geschichte: Man überlege es sich als Sportler, Funktionär, usw., zweimal, was bei einem Lunch oder bei einem Dinner mit einem Journalisten besprochen werden soll. Und: Vertrauen gegenüber Medienschaffenden ist gut, Misstrauen ist besser.

Spätestens am 15. Mai, wenn der Start zur Eishockey-WM in der Schweiz erfolgt, sollte die «Causa Patrick Fischer» jedoch in jedem Fall der Vergangenheit angehören. An der Bande der Schweizer Nationalmannschaft steht dann bekanntlich Patrick Fischers Nachfolger, Jan Cadieux. Resultatmässig kann es dann für die Schweizer wohl kaum besser kommen als mit Patrick Fischer an der Bande. Aber die Ethik muss natürlich, wie sonst im Leben, auch im Sport prävalieren.

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