Sport-Agenda diktiert Krieg und Frieden

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(causasportnewes / red. / 25. Februar 2022) Noch keine Woche ist es her, seit das Olympische Feuer in Peking erloschen ist; und schon herrscht ein grausamer Krieg in Europa. Was kalkulierbar und evident war, wurde leider traurige Tatsache: Die Sport-Agenda diktiert Krieg und Frieden. Es war zwar nicht selbstverständlich, dass Wladimir Putin das eherne Gesetz, dass während den Olympischen Spiele kriegerische Handlungen zu ruhen haben, befolgen würde. Der Diktator und Kriegstreiber ist so unberechenbar wie jede Medaillen-Prognose. In den letzten Tagen war die Welt hauptsächlich damit beschäftigt zu eruieren, was der Kreml-Herrscher mit seinen abstrusen Äusserungen und wirren Gedankengängen wohl meinen könnte; das aufgedunsene Gesicht des ehemaligen KGB-Agenten liess schlimmes erahnen. Nicht mehr die Fakten zählten, sondern das Kaffeesatz-Lesen in den Niederungen diktatorischer Gefilde. Es wiederholt sich heute die Geschichte in Europa, die sich letztmals in dieser drastischen Form am 1. April 1932 zutrug, als der irre «Führer» am 1. September 1939 Polen überfiel und damit einen Flächenbrand in Europa und in der Welt entfachte. Wie damals, schaut heute die Welt tat- und machtlos zu. Hilflos und gedemütigt nahmen in den letzten Tagen Politikerinnen und Politiker jeglicher Schattierung am langen Tisch des selbstgefälligen Diktators im Kreml Platz und liessen sich verzwergen, vorführen und zu Polit-Clowns degradieren. So war es auch vor und im Jahr 1939. Schwache Politikerinnen und Politiker ermöglichen das Wirken von Diktatoren jedwelcher Schattierung. Die Politik im Westen gibt in der «Causa Russland» ein jämmerliches Bild ab. Es gibt, wie in solchen Situationen, offenbar kein Mittel gegen Aggressoren, die zur Erfüllung ihrer angeblichen Missionen Leichenberge und menschliches Elend in Kauf nehmen. Uneinige, schwache, egoistische und wankelmütige Politikerinnen und Politiker auf der ganzen, westlichen Welt begünstigen, dass nun nach rund 80 Jahren ein tragischer Russland-Feldzug in umgekehrter Richtung stattfindet. Idealverstecke, um nicht Farbe bekennen zu müssen, bilden wirtschaftliche Interessen, mangelnde Courage, Unfähigkeit, Feigheit und teils auch das Verschanzen hinter Neutralitätsduseleien (wie in der Schweiz). Im Gegensatz zum Drama, das 1939 seinen Anfang nahm und bis 1945 die Welt beherrschte, kann heute nicht einmal mehr auf potentielle Stauffenberg’s gesetzt werden. Mit der russischen Aggression wird, ein schwacher Trost, die Grundweisheit, dass jede Generation einen Krieg durchzustehen hat, bestätigt. Boykotte scheinen heute das einzige Mittel zu sein, um der russischen Aggression entgegenzuhalten; dabei wird konkret das Volk bestraft, nicht aber der Diktator. Eine andere Grundweisheit ist allerdings, dass Diktaturen ihre Legitimation vor allem auch in kommunistischen Demokratien kraft des durch Mehrheiten geschaffenen positiven Rechts erhalten. Recht und Moral finden dann allerdings auf zwei verschiedenen Ebenen statt.

Wie sehr sich Russland doch in kurzer Zeit verändert hat! Vor knapp vier Jahren stand im prächtigen Land der grösste und beste Sportanlass, den sich die Welt vorstellen kann, vor der Türe; bzw. putzte sich Russland für das Ereignis, das dann vor allem propagandistisch genutzt und ge- oder missbraucht wurde, heraus. Vier Jahre vor der Fussball-WM-Endrunde 2018 trug die «Olympische Familie» ihre Wettkämpfe in Sotschi aus; die Krim-Annexion im selben Jahr 2014 ist heute weit weg. Wegen Staatsdopings wurde Russland danach im Weltsport kaltgestellt, aber eigentlich doch nicht so ganz. Als Nationalmannschaft nahm die russische Mannschaft etwa an den vor knapp einer Woche beendeten Winterspielen in Peking nicht teil. Das als politisch agierende, wankelmütige Internationale Olympische Komitee (IOK), ein Verein mit Sitz in der Schweiz, liess das Land dann doch zu, unter dem (Umgehungs-)Titel «Team ROC» (Russian Olympic Committee). Gradlinigkeit und konsequentes Handeln sind nicht gerade die Attribute des IOK. Deshalb wird der Sport mit seinen schwachen und mutlosen Funktionären und Protagonisten nicht zum sportlichen Gegenschlag gegenüber den russischen Aggressoren antreten. Die Binsenweisheit, dass die Sport-Agenda Krieg und Frieden diktiert, scheint weit weg zu sein. Oder doch nicht? Etwas Hoffnung belässt im Moment der Europäische Fussballverband (UEFA). Er will Russland den vielbeachteten Champions League-Final vom 28. Mai 2022 in St. Petersburg in Russland entziehen. Ein Land, das einen ungerechtfertigten, brutalen Offensiv-Krieg führt, soll also nicht noch mit der Austragung eines der grössten Sportanlässe belohnt werden! Der Sport und die Sportpolitik könn(t)en bewirken, die russische Aggression wenigstens ein bisschen zu bekämpfen. Wladimir Putin trägt allerdings nur zufälligerweise den fast identischen Namen wie Grigori Rasputin

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