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Sport – oder die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln?

causasportnews.com – 38/2025, 26. April 2025

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(causasportnews / red. / 26. April 2025) Momentan beherrschen kriegerische Ereignisse die Szenen. Russland-Krieg, Gaza-Krieg, Sudan-Krieg – und viele weitere Kriegsschauplätze machen die Welt zum Pulverfass. Die «Krone der Schöpfung», der Mensch, wütet, derzeit ungehemmt und skrupellos in einer Welt, die grundsätzlich gewaltbereiter, aggressiver, misanthropischer, eben kriegerischer geworden ist. Die Verhältnisse auf diesem Planeten präsentieren sich desaströser als je zuvor; seit der Beendigung des 2. Weltkrieges war es in dieser Welt nie mehr flächendeckend derart grauenhaft wie heute. Der Respekt der Menschen den anderen Menschen gegenüber ist fast nicht mehr zu unterbieten. Die Gesellschaft war noch nie so verroht wie heute, und wohl regierten noch nie derart viele krude Figuren und (folgenlos) zur Verhaftung ausgeschriebene politische Führer die Länder der Erde. Die Bereitschaft zur Einhaltung von Rechtsordnungen ist marginal geworden; das Völkerrecht und das Kriegsvölkerrecht wurden noch nie derart zur Makulatur gemacht wie dies aktuell der Fall ist. So fragte der Stundet seinen Rechtslehrer: «Was ist das Völker- und Kriegsvölkerrecht?». Da meinte der Rechtslehrer, wohl resignierend: «Ein Scherz, ein Scherz».

Dass die Verrohung des Menschen auch zur Perversion des Sportes führt, ist unter diesen Vorzeichen nachvollziehbar. Galt der Sport grundsätzlich seit jeher als Ventil für alles, was den Menschen bedrückte und irgendwie zur eruptiven Entladung führen soll, wird er immer wieder zur Verfolgung politischer Ziele missbraucht. Mit Sport lässt sich Stärke manifestieren; vgl. die Beispiele aus der Geschichte (von Adolf Hitler inszenierte Olympische Spiele 1936 in Berlin, der Missbrauch des teils manipulierten Sportes durch das DDR-Regime, inszeniertes Staatsdoping durch Russland in der Neuzeit, usw.). In der Gegenwart ist dies nicht anders (der Charakter des gewaltbereiten US-Präsidenten, lässt sich aufgrund seiner geradezu zelebrierten Affinitäten zu brutalen Kampfsportarten nachzeichnen: Politik muss mit den Gewalt-Mitteln von Stärke und Macht sowie menschen-verachtend durchgesetzt werden). Der Sport ist heute weitgehend zum Kriegsschauplatz geworden. Er ist längst nicht mehr die Fortsetzung von Kriegen mit anderen, nicht militärischen Mitteln, wie dies etwa im antiken Griechenland gang und gäbe war. Diese Pauschalierung ist selbstverständlich relativiert zu betrachten, doch sogar im Eiskunstlaufen herrscht nicht selten rund um das Eisfeld insbesondere ein entfesselter, regelrechter Krieg der Eltern und Angehörigen der Sportlerinnen und Sportler.

Ähnliches und teils noch Schlimmeres lässt sich bezüglich der Menschen in Europa bezüglich ihrer liebsten Sportart, dem Fussball, feststellen. Sowohl im Breiten- als auch im Professional-Sport bilden Zuschauer, teils immer noch liebevoll «Fans» genannt, das Gewalt-Hauptproblem. In den Zuschauer-Sektoren eskalieren die Verhältnisse immer wieder. Dass die Aktiven auf den Spielfeldern mit der zur Schau gestellten Aggression diese kriegerische Atmosphäre anheizen, ist eine andere Tatsache. Die kriegerischen Ereignisse im Fussball gehören auch ausserhalb der Stadien zur Tagesordnung. Nach dem klaren Sieg des FC Basel gegen den FC Zürich am 12. April 2025 kam «es vor dem Stadion ‘Letzigrund’ zu hässlichen Szenen. Mehrere Basler Fans kehrten zum Stadion zurück, wo es zu einer grösseren Schlägerei zwischen den beiden Fan-Lagern kam», berichteten die Medien. Solches gehört heute zur Normalität. Die Polizei in Kampf-Montur versucht, die Gewalt einzudämmen und wird nicht selten zum Ziel von «Fan»-Angriffen. Der Staat ist offensichtlich weder willens und in der Lage, diesem widerrechtlichen Treiben der ausser Rand und Band geratenen, menschlichen Kreatur Einhalt zu gebieten und die missbrauchten, rechtsfreien Räume zu eliminieren. Die verwilderte Gesellschaft mimt Verständnis für diese Form der Kriminalität. Sogar Politiker finden ab und zu, der Krieg unter und zwischen Fussball-Anhängern sei als «part oft the game» zu akzeptieren. Staat und Gesellschaft haben vor dieser Gewalt kapituliert. Die gestellte Frage, ob der Sport die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln sei, erübrigt sich wohl. Schön wäre es ja, wenn dem so wäre. Sport ist heute weitgehend Krieg. Auch beim «Fussballkrieg» zwischen Honduras und El Salvador 1969 ergaben sich vorerst politische und wirtschaftliche Probleme, die aus Anlass von WM-Qualifikationsspielen zur kriegerischen Auseinandersetzung führten.

Juristische Qualifikation des «OLMA-Säulirennens» weiterhin offen

causasportnews.com – 37/2025, 21. April 2025

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(causasportnews / red., rb., err. / 21. April 2025) Mitunter haben sich die obersten Gerichte eines Landes mit nicht Alltäglichem zu befassen, wie unlängst das Schweizerische Bundesgericht, mit dem berühmtesten «Säulirennen» der Schweiz. Ist das Gaudi, welches die Rennschweine, konkret in St. Gallen, bieten, ein Sportereignis, und sind die Wetten, die auf diese Rennen abgeschlossen werden, Sport-Wetten? Nicht nur diese Rechtsfragen sollte das Gericht beurteilen. Soweit kam es nach diesem Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2025 allerdings (noch) nicht abschliessend. «Zurück zum Start», hiess es vielmehr aus Lausanne. Damit sind nicht die Rennsäuli gemeint, sondern die Richterinnen und Richter des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen; diese Instanz muss den Vorgang nun materiell vorentscheiden.

Das «Säulirennen» gehört zur OLMA (Ostschweizerische Land- und Milchwirtschaftliche Ausstellung; sie findet jährlich im Oktober in St. Gallen statt), wie Bratwurst, Umzug und Viehschau. Richtig zur Gaudi wird das tierische Treiben dabei dadurch, dass jedermann 5 Franken auf Sieg seines Favoriten (2 Läufe mit je 5 Schweinen) setzen darf. Da ein solcher Einsatz nur vor Ort an der OLMA möglich ist (d.h. weder automatisiert noch interkantonal noch online), handelt es sich dabei um ein sog. «Kleinspiel» i.S.v. Art. 3 lit. f des Bundesgesetzes über Geldspiele (BGS). Die Stadtpolizei St. Gallen qualifizierte das Spiel konkret, im Sinne des Gesuchs der OLMA für die Ausgabe 2021, als «lokale Sportwette», die in engem rechtlichem Rahmen zulässig ist (Art. 3 lit. c und Art. 35 BGS).

Die OLMA hatte die Rechnung dieses Mal aber ohne die neu formierte «Interkantonale Geldspielaufsicht» (Gespa; früher Comlot) gemacht, die das OLMA-Säulirennen nicht als Sportwette (wie beispielsweise die Pferderennen auf der Rennbahn im zürcherischen Dielsdorf; vgl. dazu auch causasportnews vom 25. Januar 2025) betrachtete. Die Gespa focht daher die Verfügung der Stadtpolizei an. Das kantonale Volkswirtschaftsdepartement wies den Rekurs ab (Entscheid vom 1. Juni 2022). Das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen trat auf die hiergegen gerichtete Beschwerde der Gespa seinerseits nicht ein mit der Begründung, die Gespa sei nicht beschwerdelegitimiert, da sie nach Art. 108 Abs. 1 lit. j BGS einzig «zur Erfüllung ihrer Aufgaben» Beschwerde erheben könne und die Überprüfung kantonaler Verfügungen auf deren allgemeine Bundesrechtskonformität nicht in ihren Aufgabenbereich falle. Die Gespa könne zwar, so das Verwaltungsgericht, prüfen, ob ein Grossspiel zu Unrecht als Kleinspiel qualifiziert worden sei, nicht aber, welche Art von Kleinspiel vorliege (Urteil B 2022/115 vom 8. Dezember 2022). Hiergegen erhob die Gespa Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Schweizerische Bundesgericht.

Das Bundesgericht gab nun der Gespa Recht und urteilte, dass die Aufsichtsbehörde sehr wohl beschwerdelegitimiert sei (Bundesgerichts-Urteil 2C_46/2023 vom 25. Februar 2025). Die Kantone hätten der Gespa auf dem Konkordatsweg (Art. 25 Abs. 6 und Abs. 7 des Gesamtschweizerischen Geldspielkonkordats GSK i.V.m. Art. 107 Abs. 2 BGS) generell die Aufgabe zugewiesen, kantonale Verfügungen im Bereich der Kleinspiele umfassend auf ihre Bundesrechtskonformität zu prüfen. Die Gespa ist daher berechtigt, gegen eine kantonale Verfügung einzuwenden, es handle sich um eine andere Art von (Klein-)Spiel. Das Verwaltungsgericht St. Gallen muss daher auf die Beschwerde der Gespa eintreten und prüfen, ob das OLMA-Säulirennen tatsächlich als Sportwette zu qualifizieren ist – und nicht etwa als Lotterie oder gar als Glücksspiel. Das Bundesgericht hob das Urteil des Verwaltungsgerichts St. Gallen demzufolge auf und wies die Sache an jenes zurück mit der Anweisung, den Fall materiell (in der Sache selber) zu beurteilen. Auch juristisch heisst das: «Zurück zum Start», hier an das kantonale Verwaltungsgericht.

(Dieses Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2025 wird in der demnächst erscheinenden Ausgabe 1/2025 von «Causa Sport» wiedergegeben und behandelt.).

Vor 20 Jahren: «Red Bull» lanciert Fussball-Klubs als Marketing-Vehikel

causasportnews.com – 36/2025, 19. April 2025

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(causasportnews / red./ 19. April 2025) Dieser Tage sind es 20 Jahre her, seit sich im Professional-Fussball fast Revolutionäres ereignete. Anfangs April 2005 erreichte die österreichische und europäische Sportwelt eine Meldung, die es in sich hatte und den kommerziellen, organisierten Fussball grundlegend erschüttern sollte. Der in argen Finanznöten steckende «SV Austria Salzburg» teilte mit, dass sich der Getränkekonzern «Red Bull» aus Salzburg nun auch in der österreichischen Bundesliga, im Klub «SV Austria Salzburg», engagieren werde. «Wunderbar», dachten damals vor allem die eingefleischten «Fans» des sportlich und wirtschaftlich in Bedrängnis geratenen Vereins. Doch es war nicht alles nur eine «wunderbare Rettung». Der Einstieg des Getränkekonzerns bedeutete eine Radikalveränderung im fussballerischen Sport-Marketing. «Red Bull» wurde nicht nur Sponsor des Vereins, sondern es war der Beginn eines Total-Umbaus des Salzburger Traditions-Klubs. «SV Austria Salzburg» wurde zum integralen Marketing-Vehikel des Konzerns aus Fuschl am Seer, einem malerischen Weiler in der Nähe von Salzburg. Der Klub erlebte eine Neu-Organisation und -Konzeption. Der Traditions-Klub «SV Austria Salzburg» wurde zum sportlichen Brause-Event. Dabei war die Namensänderung noch der minimste Sargnagel beim Begräbnis des konventionellen Sponsorings im Spitzen-Fussball. Aus dem Verein «SV Austria Salzburg» wurde das Marketing-Tool «Red Bull Salzburg». Der «SV Austria Salzburg» wurde, ungeschminkt betrachtet, in den ersten Tagen des Monats April 2005 regelrecht zu Grabe getragen und verlor nicht nur seine Identität, beweinten bald einmal die eingefleischten Fans des Traditions-Vereins, nachdem ihnen klar wurde, was mit «ihrem» Verein geschah. Mit «Red Bull Salzburg» entstand ein neuer Klub, ein Marketingvehikel, wie es danach noch einige in Europa und rund um den Globus geben sollte. «Red Bull» wurde in diesem Segment mit unzähligen «Red Bull»-Klubs zur eigenen Fussball-Welt, in der Synergien in wirtschaftlicher und sportlicher Hinsicht geschaffen und gepflegt wurden. Dies etwa im Bereich der Fussball-Akteure, in dem heute innerhalb der «Red Bull»-Gruppe ein regelrechtes «Spieler-Karussell» am Laufen gehalten wird. Auch die wirtschaftlichen Synergien unter den Klubs nehmen gigantische Ausmasse an.

Was 2005 mit «SV Austria Salzburg» geschaffen und anderorts nachgeahmt wurde (etwa in Leipzig mit «RB Leipzig»,»RasenBallsport Leipzig e.V. -, «RB» steht zufälligerweise für «Red Bull»), stiess und stösst nicht überall auf Begeisterung. Ob Klubs im Fussball ihre «Seele» verlieren, wenn sie sich als «Red Bull»-Wirtschaftsmacht im Sport positionieren, ist eine Grundsatz-Frage, die ebensowenig schlüssig beantwortet werden kann wie die offenbar nebensächliche Frage, ob das Getränk «Red Bull» überhaupt schmeckt und die Gesundheit fördert. Man mag das Getränk «Red Bull» – oder man mag es nicht. Ob die «Red Bull»-Sportkonzeption goutiert wird, ist nochmals eine andere Frage. Einige Hardcore – Fans von «SV Austria Salzburg» konnten sich mit dem 2005 begonnen Umbau des Klubs, bei dem diesem Verein ihrer Meinung nach die sportliche Seele ausgehaucht wurde, nicht abfinden. Sie wandten sich vom «Brause-Klub» «Red Bull Salzburg» ab, gründeten den «SV Austria Salzburg» neu und nahmen den Wettspielbetrieb ganz unten in der Amateur-Liga auf. Aktuell stehen die «Red Bull»-Dissidenten aus Salzburg mit dem wieder auferstandenen Verein «SV Austria Salzburg» in der Regionalliga West an erster Stelle und peilen den Aufstieg in den professionellen Bundesliga-Betrieb an. Eigentlich, so die Fans, die mit Stolz erzählen, dass der Verein derzeit gegen 2000 eingeschriebene Mitglieder habe, sei der Klub nie untergegangen. Das Identifikationspotential mit dem Verein weise gigantische Züge auf.-

Fussball ist eben offenbar letztlich eine Herzensangelegenheit, im Rahmen von Sportkapitalgesellschaften werden Beteiligungspapiere z.B. als «Herz-Aktien» bezeichnet. Fussball ist vor allem nicht Dasselbe wie etwa der Formel 1-Rennsport, der insbesondere nur noch eine Marketing-Plattform abgibt. Die in der Formel 1 fahrenden «Red Bull»-Dosen auf vier Rädern sind dem hehren Sport derart entrückt, dass die Persönlichkeit des einzelnen Fahrers und das fahrerische Können nicht mehr viel zählen, die «Autos» im hoch-komplexen, automatisierten Ingenieurs-Wettbewerb somit auch von Schimpansen bewegt werden könnten, wie der frühere Rennstall-Eigentümer Peter Sauber einmal ausgeführt hat…

(Quellen: Verschiedene Medienberichte; zuletzt insbesondere «Sonntags-Zeitung» Zürich, 6. April 2025)

Das Dilemma der höchsten Schweizer Sportfunktionärin

causasportnews.com – 35/2025, 15. April 2025

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(causasportnews/red./ 15. April 2025) Im Sport ist es manchmal etwa gleich wie in der Medien-Industrie: Nur wer nicht publiziert, wird nicht widerlegt. Oder sport-bezogen: Wer sich im Sport in Szene setzt, bewegt sich öffentlich und wird angreifbar. Der Sport bietet unter anderem durchwegs eine Plattform für Aktive und Funktionäre. Erstere sind die Protagonisten des Sportes; sie sind für den realen Sport zuständig, an dem sich die Sport-Öffentlichkeit labt. Die Funktionäre hingegen organisieren, verwalten und halten den Sport am Laufen; sie stellen die Rahmenbedingungen des Sportes sicher. Oft werden ehemalige Athleten Funktionäre. Teils werden sie aktiv verwendet, teils sind sie einfach da und bilden einen Teil des öffentlichen Lebens, wie z.B. Boris Becker.

Für Nicht-Sportler, Ex-Sportler und Sport-Funktionäre ist der Sport eine Plattform, die einen hohen Beachtungsgrad erfährt. Früher kursierte im Schweizer Spitzen-Fussball diese Fragestellung: Weshalb stammen die meisten Vereinspräsidenten aus der Baubranche? Eine einfach zu beantwortende Frage: Bauunternehmer sind begütert und können sich mit dem Amt eines Vereinspräsidenten permanente Präsenz in der medialen Öffentlichkeit verschaffen. Wer würde sich sonst für einen Bauunternehmer interessieren, wäre er nicht Vereinspräsident in einem sportlichen Segment? Ein solches Amt ist letztlich (auch) ein Amt für’s Ego, mit hohem Beachtungsgrad.

Es ist fast so, wie bei den Politikern, welche dank öffentlicher Ämter einen Beachtungsgrad erreichen, um nach Beendigung ihrer Polit-Karrieren wieder zu verglühen wie Sternschnuppen. Z.B. die ehemalige Schweizer Bundesrätin Ruth Metzler aus dem Mini-Kanton Appenzell Innerrhoden, die 1999 überraschend und im jungen Alter von 35 Jahren Bundesrätin und vier Jahre später nicht wieder gewählt wurde. Sie entstammte der «CVP», die stets für Personal-Filz und vor allem wirtschaftliche Verflechtungen stand, was heute für die Nachfolge-Partei «Die Mitte» immer noch gilt. Nachdem Ruth Metzler ihren Magistraten-Posten 2003 auf Bundesebene unglücklich verloren hatte, galt es, sie wenigstens mit Ämtchen und Pfründen schadlos zu halten. Ihre Partei machte es möglich. Sie zog in zahlreiche Verwaltungsräte ein und war in verschiedensten Funktionen tätig. Dank des «CVP»/»Mitte»-Filzes präsidierte sie die Stiftung der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan. Mit einer gewaltigen Ämter- und Funktionskumulation baute sich die nicht mehr als Bundesrätin aktive Ruth Metzler eine Karriere nach dem Bundesrats-Amt auf. Im letzten November erfolgte dann im Leben der 2024 60 Jahre alt gewordenen Luzernerin eine fast wundersame Wendung: Sie wurde zur höchsten Sport-Funktionärin gewählt, zur Präsidentin des Dachverbandes «Swiss Olympic» (SO). Ruth Metzler war nach dem Polit-Aus und einer Durststrecke ohne öffentliche Bedeutung wieder da! Vor ein paar Tagen breitete sie vor den Medien ihre Bilanz der ersten 100 Tage im SO-Amt aus. Nichts Konkretes war zu vernehmen, aber man soll ja stets die Zukunft im Auge behalten. Ruth Metzler will 2038 die Olympischen Winterspiele in die Schweiz holen! Applaus, aber auch Stirnerunzeln waren ihr nach diesem Ankündigungs-Coup sicher. Kaum waren die Schallmeienklänge in Richtung der SO-Präsidentin verstummt, wurde Ruth Metzler von ihrer Vergangenheit als junge Ex-Bundesrätin eingeholt. Die Ämter- und Funktionskumulation in der Nach-Bundesrats-Zeit förderten auch ein wirtschaftliches Kuckucksei zu Tage. Bis kurz vor ihrer Wahl gehörte die nun höchste Sportfunktionärin der Schweiz während acht Jahren dem Verwaltungsrat der schillernden Bank «Reyl» an. Ab 2021 verantwortete Ruth Metzler insbesondere die Bereiche «Good Governace» und «Compliance». Zufälligerweise nach ihrer 100-Tage-Bilanz als SO-Präsidentin kam bezüglich dieser Bank Unappetitliches ans Tageslicht. Die Ex-Bundesrätin war in dieser Bank also gerade für dieses (auch) brisante (Ethik-)Thema zuständig; im Dachverband des Schweizer Sportes schwingt sie seit Beginn ihrer Funktionärs-Tätigkeit im November 2024 gerne die Moralkeule. Gemeldet werden kann der Stiftung «Swiss Sport Integrity» von SO alles, was moralisch anrüchig ist. «Moral über alles», so lautet das Schlagwort nun auch bei der Inhaberin des obersten Sport-Funktionärsamtes.

Manchmal stehen Lebensweisheiten im Zentrum solcher Konstellationen. Wie steht es denn mit «Geld und Geist» (nicht nur nach Jeremias Gotthelf)? Oder wie verhält es sich damit (wohl im Sinne von Bertold Brecht): «Erst kommt das Fressen, dann die Moral»?

Das bekannt gewordene Desaster als (mit-)verantwortliche Verwaltungsrätin der kaum durchsichtigen Bank «Reyl» hat nun die Diskussion in der Öffentlichkeit befeuert, ob Ruth Metzler aufgrund dieses Verwaltungsrats-Mandats, mit dem sie sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben soll («Geld»), für das hehre, höchste Sport-Funktionärsamt im Schweizer Sport noch tragbar ist («Geist»). Was bei der Bank «Reyl» geschah, fasst die als umsichtig geltende Compliance-Spezialistin und Jura-Professorin Monika Roth wie folgt zusammen: «Ruth Metzler als Ex-Bundesrätin, Wirtschaftsprüferin und Juristin trägt in diesem Fall einen Teil der Verantwortung massgeblich mit.». Will heissen: Es könnten nun zivil- und/oder strafrechtliches Ungemach in dieser Banken-Causa auf die 61ährige Präsidentin von SO zukommen. Mit diesem Damoklesschwert lässt es sich jedenfalls nicht gerade bequem auf dem Präsidenten-Stuhl von «Swiss Olympic» sitzen.

Der Machtrausch der Präsidenten vor der Fussball-WM-Endrunde 2026

causasportnews.com – 34/2025, 14. April 2025

«Fussball – ein geiler Sport», findet US-Präsident Trump (Illustration Rudolf Widmer, Tages – Anzeiger vom 12. April 2025)

(causasportnews / red. / 14. April 2025) Wird an dieser Stelle vom «Machtrausch des Präsidenten» gesprochen, wäre die Zuordnung an sich klar: Die Rede ist nicht vom Präsidenten des Weltfussball-Verbandes FIFA, Gianni Infantino, sondern vom US-Präsidenten Donald Trump, der die Wirtschafts- und Global-Weltordnung derzeit so richtig durcheinanderwirbelt. Macht und Machtrausch sind zwei Attribute, die im Gleichschritt mit dem Amerikaner mit deutschen Wurzeln als auch mit dem Italo-Schweizer getrost genannt werden dürfen. Natürlich ist es nur ein Zufall, dass es die beiden Präsidenten sehr gut miteinander können, wie bei jeder Gelegenheit betont und visualisiert der Menschheit kommuniziert wird.

Derzeit wird wegen seiner präsidialen Eskapaden Donald Trump mehrheitlich ins Pfefferland gewünscht; nicht ganz zu Recht auch nicht absolut gerechterweise. Immerhin hat das amerikanische Volk im demokratischsten System auf der Welt Donald Trump zum Ober-Cowboy gewählt. Also: Lob der Schuldigen, Tadel des Unschuldigen? Weil Donald Trump aktuell wie ein Berserker wütet, ist der auch nicht überall wahnsinnig geliebte FIFA-Präsident mit unbekanntem Aufenthaltsort mit Blick auf das Turnier im kommenden Jahr in den Hintergrund getreten. Dies ist nicht so exakt nachvollziehbar, haben die beiden Machtmenschen doch ein grosses, gemeinsames Ziel: Die Durchführung der Fussball-WM-Endrunde vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 in den drei Ländern USA, Kanada und Mexiko. Diese Co-Gastgeberschaft bedeutet an sich schon eine explosive Mischung, denn im derzeitigen «Zoll- und Wirtschaftskrieg» agieren die USA auch gegen die beiden Mit-Gastgeberländer der Fussball-WM-Endrunde im kommenden Jahr, Kanada und Mexiko. In knapp 14 Monaten soll der Event mit 48 Nationalmannschaften über die Bühne gehen (in Katar 2022 traten noch 32 Teams an; jetzt meint Gianni Infantino: «Mehr Spiele, mehr Geld»); doch im Moment scheint der Anlass weit entfernt zu sein, bzw.: Er wird regelrecht verdrängt. Wenn in den Staaten gespielt wird, kann das wohl nicht gerade als sportlicher Gross-Anlass unter Freunden bezeichnet werden. Vorfreude ist mit Blick auf die Endrunde im kommenden Jahr jedenfalls kaum spürbar (zweifellos auch deshalb nicht, weil zu befürchten ist, dass sich Mannschaften aus Ländern qualifizieren werden, die seit geraumer Zeit schmutzige Kriege führen und von Verbrechern geführt werden). Der Event scheint dem US-Präsidenten ziemlich egal zu sein; der FIFA-Präsident hat sich zurückgenommen und hofft wohl, dass sich in den nächsten rund 14 Monaten die globalen, wirtschaftlichen Verhältnisse zum Guten wenden werden. Die Kardinalfrage stellt sich weltweit so: Wie kann der Machtmensch im «weissen Haus» gnädig gestimmt werden? Mit Entschlossenheit (China), mit kollektivistischem Kriechen (EU) oder mit Anbiederungen (eine Vielzahl von Ländern)? Wie dem auch sei. Wahrscheinlich darf dieser von Donald Trump heraufbeschworene «Welt-Kindergarten» nicht allzu ernst genommen werden, auch nicht mit Blick auf die Fussball-WM-Endrunde in etwas mehr als einem Jahr. Den Leserinnen und Lesern soll jedenfalls eine Karikatur, welche die Sachlage auf etwas andere Art auf den Punkt bringt, nicht vorenthalten werden. «Die Fussball-WM 2026 ist schon in vollem Gange», überschreibt der Zeichner Rudolf Widmer sein Werk, das am 12. April 2025 im «Tages – Anzeiger» (Zürich) erschienen ist. Meint der Fussball spielende und die Weltkugel kickende US-Präsident: «Das ist ja ein geiler Sport». Kommentar der Zuschauenden: «Wenn der so herumrennt, können wir ihm ja gar nicht den Hintern küssen». Ab und zu darf es ja auch humorvoll sein…Oder ist alles doch sehr realistisch?

Finanzschlamassel im Nachgang zur Rad-Weltmeisterschaft 2024

causasportnews.com – 33/2025, 9. April 2025

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(causasportnews / red. / 9. April 2025) Wie nachhaltig ist die Rad-Weltmeisterschaft (WM) 2024, die vom 21. bis 29. September 2024 im Kanton Zürich, vornehmlich in der Stadt Zürich und Umgebung, stattfand? Sportlich war dieser Grossanlass top, organisatorisch ein Flop, vor allem in finanzieller Hinsicht, wie seit einiger Zeit bekannt ist. Der Organisations-Träger der Veranstaltung, der «Verein Rad- und Para-Cycling-WM 2024» zog kürzlich die Reissleine, um das sich abzeichnende WM-Finanz-Desaster in den Griff zu bekommen. Der Verein wurde in die provisorische Nachlassstundung geschickt. Von der öffentlichen Hand (Stadt und Kanton Zürich) werden nun Millionen eingeschossen, um wenigstens die Forderungen der Gläubiger erfüllen zu können. 23,5 Millionen Franken soll der Anlass bis jetzt gekostet haben; die Einnahmen belaufen sich lediglich auf 19 Millionen Franken. Damit resultiert ein Ausgaben-Defizit von 4,5 Millionen Franken. Die (für viel Geld) beauftragten Wirtschaftsprüfer von «Deloitte» haben das Finanzschlamassel überprüft und weisen in einem Bericht auf verschiedene Ursachen hin, die zum Desaster geführt hätten.

Die Finanz-Fachleute sehen eine Ursache in den schwerfälligen Strukturen im Rahmen eines Vereins gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB). Nicht, dass die Rechtsform des Vereins als Träger einer solchen Veranstaltung untauglich wäre. Im Gegenteil. Als verheerend erwies sich die (selbst verpasste) Struktur mit einem Steuerungsausschuss der öffentlichen Hand, in dem die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch das Sagen hatte. Weitere Personen der öffentlichen Hand waren über den Verein in die Organisation des Anlasses involviert. «Deloitte» drückte es im Bericht vornehm zurückhaltend aus: Die Einbeziehung der öffentlichen Hand sei komplex und eine Herausforderung mit Blick auf die diversen Entscheidebenen gewesen. Ungeschminkt heisst dies, dass die Stadtpräsidentin und die Entourage aus der Verwaltung unfähig waren, einen derartigen Grossanlass zu organisieren und durchzuführen. Das Budget sei «naiv» und mit zuwenig Reserven erstellt worden, wird festgehalten. Wohl hätte es sich aufgedrängt, diese Konklusion zu ziehen: Eine Rad-WM lässt sich nicht von Ideologien getrieben erfolgsversprechend organisieren und durchführen. So wird vor allem in der dunkel-rot-grünen Stadt Zürich durchwegs flächendeckend agiert. Nur im Sport werden Erfolge und Misserfolge umgehend manifest, wie jetzt aufgrund dieses Finanzschlamassels im Nachgang zur Rad-WM vom letzten Herbst. Insbesondere sind Politikerinnen und Politiker nicht im Stande, einen Anlass mit diesen Dimensionen so nebenbei zielführend und erfolgreich zu organisieren und durchzuführen. Apropos Politik in Zürich: Dass für die Rad-WM kein Hauptsponsor gefunden werden konnte und sich Sponsoringpakete nicht verkaufen liessen, ist zweifellos auf den Umstand zurückzuführen, dass die Wirtschaft, der man sonst klassen-kämpferisch begegnet, nicht bereit ist, einen von der rot-grünen Verwaltung diktierten Anlass zu alimentieren (dass auf Teufel komm’ raus diese Radsport-Veranstaltung nach Zürich geholt werden musste, ist mit dem Credo in der Limmat-Stadt als «Velo Stadt Zürich» zu erklären).

Der Finanz-Schlamassel um die Rad-WM 2024 könnte sich noch verschärfen, falls der Unfalltod der jungen Rennfahrerin Muriel Furrer am 27. September 2024 zu einer Haftung des organisierenden Träger-Vereins führen würde. Ein gutes halbes Jahr nach dem tragischen Vorfall anlässlich der Rad-WM sind die Ursachen des Unfalls mit Todesfolge noch immer nicht geklärt – oder, sie werden nicht offengelegt. Den Verein als juristische Person könnte eine Haftung treffen, ebenso beispielsweise die Organpersonen, die im Verein mitgewirkt haben (der Vereinsvorstand bestand zu je einem Drittel aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Zürich, des Kantons Zürich und des Radsportverbandes «Swiss Cycling», Personen also, die auch persönlich verantwortlich gemacht werden könnten: Art. 55 Abs. 3 ZGB). Ob ein Risiko, wie es sich beim Unfalltod von Muriel Furrer allenfalls eingetreten ist, versicherungstechnisch korrekt abgedeckt wurde, lässt sich im Moment nicht verifizieren. Wenn alles nicht so traurig wäre: Aktueller Vereinspräsident des Vereins «Rad- und Para-Cycling-WM 2024 ist der Leiter des kantonalen Sportamtes…

Ein «Opfer» des «Zollkrieges»: Laufschuh-Gigant «On» rutscht an der Börse aus

causasportnews.com – 32/2025, 6. April 2025

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(causasportnews / red. / 6. April 2025) Derzeit scheint in der Wirtschaftswelt nur noch ein Thema vorzuherrschen: Der vom US-Präsidenten Donald Trump entfesselte «Zollkrieg». Dieser Wirtschaftskrieg wird wohl den ganzen Globus erfassen. Letztlich könnte er auch die USA in eine veritable Krise stürzen. Die Auswirkungen der Anordnungen aus Amerika sind jedenfalls nicht abschätzbar. Sicher wird auch die Schweiz diese Situation nicht ungeschoren überleben können. Beim in Zürich ansässigen Laufschuh-Giganten «On» mit Tennis-Legende Roger Federer als Zugpferd stehen die Zeichen aktuell auf Sturm. Zufälligerweise am Tag, als «causasportnews» über das Unternehmen berichtete (vgl. causasportnews vom 3. April 2025) schmierten die Kurse des Zürcher Unternehmens richtig ab, bzw. rutschte «On» an der Börse regelrecht aus. Nach der Lancierung des «Zollkrieges» durch die US-Regierung sank der Kurs der «On»-Aktie an der New Yorker Börse um 16,2 Prozent. Es war dies der grösste Tagesverlust seit dem 5. Mai 2022, als die Aktie ein Minus von 16,8 Prozent notierte. Am 3. April 2025 wurde bei den «On»-Aktien ein Börsenwert von rund 3 Milliarden US-Dollar ausradiert! Der Laufschuh-Gigant wird vom «Zollkrieg» vor allem deshalb erfasst, weil die Schuhe in Vietnam und in Indonesien produziert werden. Für Produkte aus Vietnam macht dies ein Zollzuschlag von 46 Prozent aus. Für «On» sind die USA der wichtigste Verkaufsmarkt. 60% des Gesamtumsatzes generieren die Schweizer im Absatzmarkt Nordamerika. Es ist wohl nur ein schwacher Trost für die Sportschuhe-Industrie, dass auch die Konkurrenten von «On», z.B. «Nike», durchwegs in Billig-Ländern in Asien produzieren.

Betroffen vom losgetretenen «Zollkrieg» ist auch der Weltfussball, insbesondere könnten die Folgen für die Fussball-Weltmeisterschafts-Endrunde, die im kommenden Jahr vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026 in den USA (sowie in Kanada und in Mexiko) stattfinden soll, verheerend sein. Eine WM-Endrunde im Fussball ist auch ein wirtschaftlicher Kampf zwischen den Nationalmannschafts-Ausrüstern, die auch gigantische Summen in die Werbung für Schuhe und Ausrüstungen stecken. Falls der «Zollkrieg» bis dann nicht beendet ist, könnte der Weltfussball-Verband FIFA die WM-Endrunde den Amerikanern noch entziehen; Kanada und Mexiko wären wohl problemlos in der Lage, den Anlass ohne die USA durchzuführen. Die FIFA mit (noch) Sitz in Zürich, mit Ausnahme des obersten Repräsentanten Gianni Infantino, der «es» mit Donald Trump bekanntlich «gut» kann, dürfte dem Turnier 2026, an dem 48 (!) National-Mannschaften teilnehmen werden, jedenfalls mit Sorgen entgegenblicken. Die derzeitige Welt-Wirtschaftslage ist jedenfalls, Stand heute, nicht gerade dazu angetan, sich auf eine WM-Endrunde «bei Freunden» in den USA zu freuen.

«On» oder «Künzli» – mit welchen (Sport-)Schuhen läuft es sich besser?

causasportnews.com – 31/2025, 3. April 2025

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(causasportnews / red. / 3. April 2025) «Adidas» und «Puma», das waren jahrzehntelang die Flaggschiffe des internationalen Sport-Schuhgeschäftes. Hinter den beiden Marken standen die deutschen Unternehmer Adolf («Adi») Dassler (1900 – 1978) und Rudolf Dassler (1898 – 1974), welche zuerst vereint, danach im Streit getrennt den Sportartikelmarkt und insbesondere das Geschäft mit den Sport-Schuhen revolutionierten. Die Fussball-WM-Endrunde 1954 in Bern brachte «Adidas» an die Spitze dieses Marktes. Es war dies der Anfang der Erfolgsgeschichte der Schuhe mit den fünf Streifen. Das WM-Finalspiel vom 4. Juli 1954 mit dem Sieg Deutschlands gegen die favorisierten Ungarn wurde zur Sternstunde Deutschlands nach dem verlorenen Krieg; das «Wunder von Bern» gilt heute noch als Höhepunkt der Sport-Geschichte Deutschlands. Seither sind «Adidas» und der Deutsche Fussball-Bund (DFB) geradezu symbiotisch aktiv. «Adidas» ist das Mass aller (Sportartikel)-Dinge; «Puma» bildet die «Nummer zwei» im Deutschen Schuh- und Sportartikelmarkt.

Adolf («Adi» genannt, weil man den Vornamen des «Führers» tilgen wollte) und Rudolf Dassler wirkten zu Beginn ihrer Aktivitäten zusammen in Herzogenaurach, im Ballungsraum von Nürnberg. Ein Streit um Brasiliens Spitzen-Fussballspieler Pelé (1940 – 2022) führte letztlich zum Zerwürfnis der beiden Brüder; die Unternehmung wurde aufgeteilt. Adi Dassler war «Adidas» (aus Adi und Dassler), Rudolf Dassler «Ruda» (aus Rudolf und Dassler), was nicht gerade zu einem Marketing-Schocker wurde: «Puma» klang schliesslich besser und wurde zur Weltmarke.

Für die Internationalität der Neuzeit im Bereich Sportartikel und Lifestyle steht seit wenigen Jahren die in Zürich ansässige Unternehmung «On», in der auch die Tennis-Ikone Roger Federer mitwirkt. Die Marke steht für hochwertiges Design und revolutionäre Entwicklungen im Bereich von Laufschuhen. Exorbitante Preise sichern hohe Margen und immense Gewinne für Roger Federer und Co. Weil in Vietnam und Indonesien produziert wird, steht «On» allerdings auch in der Kritik. Gewinne durch Ausnutzung billiger Arbeitskräfte passen eher nicht in die moderne, nachhaltig grün angelegte Lifestyle-Ideologie.- Diese Probleme kennt die Traditionsmarke «Künzli», welche vom Aargauer Schuh-Techniker Werner Künzli, der mit der Entwicklung und Produktion von Ski-Schuhen begann, eingeführt wurde, nicht. Sie existiert seit 1927, erlebte bis jetzt immer wieder Hochs und Tiefs und ist nun dank dem Zürcher Unternehmer Roberto Martullo nachhaltig gesichert. Der Ehemann von Magdalena Martullo – Blocher und Schwiegersohn von SVP-Übervater Christoph Blocher hat «Künzli» nicht nur kürzlich übernommen, sondern zukunftsgerichtet gerettet. Produziert werden die «Künzli»-Schuhe nicht in der Schweiz, sondern in modernsten Produktionsstätten in Albanien. Dank der Rettung dieser Marke durch Roberto Martullo wird das Traditionsunternehmen aus Windisch weiterhin qualitativ hochstehende, modische Schuhe für sportliche Belange sowie für den Medizinalbereich fertigen und vertreiben. Obwohl die beiden Unternehmungen «On» und «Künzli Swiss Schuh AG» in Ausrichtung und in quantitativer Hinsicht divergieren, ist der Wettbewerb mit dieser Fragestellung entbrannt: «Mit welchem Schuh läuft es sich besser»?

Skispringer als Betrüger mit nachvollziehbaren Geständnissen

causasportnews.com – 30/2025, 30. März 2025

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(causasportnewsw / red. / 30. März 2025) Norwegische Skispringer als Sport-Betrüger? Das kann aktuell wohl so gesagt werden. Als anlässlich der Skisprung-Weltmeisterschaft in Trondheim (Norwegen) anfangs März ein heimlich aufgenommenes Video publik wurde, das Manipulationen bei den Sprung-Anzügen norwegischer Sportler zeigte, dachte die schockierte Sportwelt wohl an ein Bonmot aus vergangenen Zeiten. Dieses wird der verstorbenen Fussball-Legende Franz Beckenbauer zugeschrieben. «Bschissen wird immer» (es wird immer betrogen), sagte er mehrmals und immer wieder – und Recht hatte er wohl. Die Aussage der sportlichen Lichtgestalt «Kaiser Franz» bezog sich selbstverständlich nicht nur auf den Sport. Betrogen wird bekanntlich in allen Lebensbereichen.

Und nun das: Auf dem bekannt gewordenen Video ist zu sehen, wie norwegische Trainer und Techniker die Anzüge der Stars Marius Lindvik und Johann André Forfang anlässlich der Heim-WM bearbeiteten, um die Anzugsflächen zu vergrössern. Ausgerechnet die Norweger, entfuhr es Kommentatoren im In- und Ausland. Norwegische Sportlerinnen und Sportler sind Garanten dafür, dass der Sport aus dem Land mit rund fünfeinhalb Millionen Bewohnerinnen und Bewohnern Weltklasse verkörpert. Der Fussball ist ein grosses Thema, jeder Fussball-Anhänger kennt den renommierten Fussball-Club Rosenborg Trondheim, der genialste Schachspieler der Welt, Magnus Carlsen, ist – quasi selbstverständlich – ein Norweger. Herausragende Leichtathletinnen und -athleten aus Norwegen sind stets für Medaillen und Titel an internationalen Wettkämpfen gut. Anlässlich Olympischer Winterspiele haben Norwegerinnen und Norweger bis heute über 400 Medaillen gewonnen. Weshalb also muss man bei einer solchen Erfolgsbilanz zu betrügerischen Mitteln Zuflucht nehmen, wenn es selbstverständlich auch auf lautere Art und Wise möglich ist, ausserordentliche Leistungen zu erbringen? Im Zuge des Manipulations-Skandals räumten drei ehemalige norwegische Springer ein, dass jahrelang betrogen worden sei. Wie weit zwischen Betrügereien und sportlichen Erfolgen adäquate Kausalitäten herzustellen sind, ist nicht verifizierbar. Was der Fussball-Säulenheilige Franz Beckenbauer diesbezüglich sagte, gilt selbstverständlich nicht nur mit Blick auf Norwegens Sport. Als höchstwahrscheinlich darf es angesehen werden, dass Norwegen so oder so eine erfolgreiche Sportnation ist. Wie und wo will das Schach-Superhirn Magnus Carlsen schon betrügen?

Norwegen Sportlerinnen und Sportler gelten seit jeher als fair und integer. Mit dem Manipulationsskandal im Skispringen starb «der Mythos von den anständigen Norwegern», wie es das Deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» schrieb. Vielleicht ein bisschen ist das so. Die Realität dürfte jedoch die sein, dass der Sport nirgends und in keinem Land ein manipulationsfreies Segment darstellt; dies meinte wohl Franz Beckenbauer mit seiner Äusserung. Bezeichnenderweise haben die nach dem Aufdecken des Skisprung-Manipulationsskandals sofort geständigen Sportler und Funktionäre eine alte, kriminalistische Weisheit bestätigt: Delinquiert wird nicht wegen der Folgen, die sich aus dem deliktischen Verhalten ergeben können, inkl. Strafandrohungen (im Sport sind dies vor allem einschneidende Sanktionen), sondern weil Täter über den (fast) unerschütterlichen Glauben verfügen, nicht erwischt zu werden.

2 x «Sepp» im Zentrum

causasportnews.com – 29/2025, 25. März 2025

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(causasportnews / red. / 25. März 2025) Der Name «Joseph» oder «Josef» steht nicht gerade an erster Stelle im modernen, männlichen Namens-Ranking. Doch in diesen Tagen machen gleich zwei Persönlichkeiten aus der Welt des Sportes mit dem entsprechenden Kürzel-Namen «Sepp» auf sich aufmerksam; einmal mit einem einigermassen guten Ende, einmal in dramatischer Art und Weise.

Einmal geht es um den 89jährigen, langjährigen FIFA-Präsidenten Joseph «Sepp» Blatter. Nach seinem Abgang mit Getöse 2016 beim Fussball-Weltverband wurde er vor allem von der FIFA mit Gianni Infantino und seiner Entourage in vielerlei Hinsicht geplagt. Neben anderen Vorkommnissen ging es um eine Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken, welche die FIFA dem designierten Präsidenten-Nachfolger Michel Platini zahlte. Diese Zahlung wurde 2025 publik und führte letztlich dazu, dass der ehemalige, französische Star-Fussballspieler und UEFA-Präsident seine Ambitionen für das FIFA-Präsidium begraben musste. So ganz klar ist es bis heute nicht, für was genau diese Summe von der FIFA (Verein) an Michel Platini bezahlt worden ist. Auf Betreiben des Weltverbandes wurden bald einmal die schweizerische Bundesanwaltschaft in Marsch gesetzt. Betrug und Urkundenfälschungen waren die Delikts-Vorhalte, welche von der Ermittlungsbehörde des Bundes mit dem Support der FIFA als angeblich Geschädigte gegen Joseph «Sepp» Blatter, der vor ein paar Tagen 89 Jahre alt geworden ist, erhoben wurden. 2022 wurden der Walliser «Sepp» Blatter und der nun bald 70jährige Michel Platini vom Bundesstrafgericht in Bellinzona in dieser «Causa» freigesprochen. Die Bundesanwaltschaft und die FIFA wollten es nicht bei den Freisprüchen bewenden lassen und gingen in die Berufung. Soeben bestätigte die ausserordentliche Berufungskammer des Bundesstrafgerichts in Muttenz die beiden Freisprüche «in dubio pro reo – «im Zweifel für die Angeklagten»; dieser Grundsatz betrifft die Sachverhaltslage und nicht die Rechtsanwendung). Dieser erneute Freispruch bedeutet eine schallende Ohrfeige für die Anklagebehörde des Bundes und für die FIFA unter Gianni Infantino. Vor allem der Weltverband muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, einen alten, weitgehend hilf- und wehrlosen Ex-Präsidenten bis auf’s Blut mit unsinnigen Verfahren zu quälen. Nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat sich die FIFA unter dem damaligen Präsidenten Joseph «Sepp» Blatter in einem Punkt, nämlich, dass sie nie dafür gesorgt hat, dass die Tat- und Rechtsgründe für die Millionen-Zahlungen an Michel Platini vollumfänglich transparent wurden. «Beschämend» nannten Prozessbeobachter die Rechtshandlungen der FIFA nach dem Freispruch für den Ex-Präsidenten sowie den Ex-UEFA-Präsidenten Michel Platini. Dennoch nahm der Rachefeldzug der FIFA gegen den Walliser Joseph «Sepp» Blatter für diesen letztlich ein gutes Ende.

Weniger glücklich ging dieser Tage eine Berufs-Tätigkeit für einen anderen «Sepp» aus. Nur allmählich sickerte durch, dass einer der erfolgreichsten Kunstturner, welcher die Schweiz je hatte, dem personellen Kahlschlag einer ehemals renommierten Privatbank zum Opfer fiel. Der 61jährige Josef «Sepp» Zellweger war nach seiner Aktiv-Laufbahn während rund 30 Jahren in der Finanzbranche tätig. Er verliess die untergehende, sport(ler)freundliche «Credit Suisse» vor zwei Jahren und wechselte zur Bank Julius Bär, die seit den Flops mit dem österreichischen Finanz-Jongleur René Benko nicht mehr zur Ruhe kommt. Nun ist die sympathische und beliebte Sportler-Legende Josef «Sepp» Zellweger bereits wieder weg. «Tschau Sepp» könnte also in Anlehnung an eine bekannte Schweizer Jassregel gesagt werden; wenn es nur nicht so traurig wäre. Die Trennung der Bank vom ehemaligen Top-Turner ist ein Indiz dafür, dass dieses Geldinstitut wohl kaum mehr selber an eine Besserung der Lage glaubt. Für Josef «Sepp» Zellweger ist dieser Rauswurf ein Schlag, wie er ihn in seiner ganzen Sportler-Karriere nie erlebt hatte. Im Banken-Umfeld glaubt niemand mehr realistisch daran, dass der aus St. Margrethen (SG) stammende, ehemalige Top-Sportler mit 61 Jahren nochmals in der Finanzindustrie wird Fuss fassen können.