Es lebe der Sport!

Photo by Jedimentat44

causasportnews / red. / 1. März 2022) In Anbetracht des brutalen Aggressionskriegs, den Russland gegen die Ukraine führt, wird die Welt von einer Solidaritätswelle erfasst. Lichterketten, Friedenskundgebungen (durchwegs für den Frieden, nicht gegen den Krieg) und schöne Worte, vor allem durch die politische Garde, sind zwar gut und recht. Dennoch fühlt sich die Ukraine verständlicherweise im Stich gelassen. Wenn die Schweizer Regierung nach tagelangem Herumlavieren erst auf Druck der Europäischen Union halbherzige Sanktionen gegen russische Parasiten und Volksschädlinge beschliesst, obwohl die Schweiz zu einem grossen Teil von den Oligarchen und dubiosen Unternehmen aus Russland profitiert, ist das nur noch beschämend. Herausgeredet hat sich die Regierung mit einer längst antiquierter Neutralitätsduselei und beseelt vom Wunsch, im Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln (wohl mit den gleichen Vermittlern und Vermittlerinnen, welche nicht einmal befähigt sind, mit der EU Abkommen auszuhandeln!).

Stolpert FIFA-Präsident Gianni Infantino über die Freundschaft mit Wladimir Putin?
Photo by Présidence de la République du Bénin

Mit Erstaunen hat die Welt erlebt, und sie erlebt es immer noch, wie der Sport in dieser Kriegssituation Flagge zeigt. Fussballmannschaften wollen nicht mehr gegen russische Teams antreten, Tennisspielerinnen und -spieler weigern sich, sich mit der Gegnerschaft aus dem kriegsführenden Land zu messen, und Funktionäre aus aller Welt, meistens nicht als überaus mutig bekannt, wollen sogar von ihren russischen Kollegen nichts mehr wissen. Noch eindrücklicher: Der Sport bietet dem russischen Geldadel im Westen keine Bühne mehr zur Präsentation. Kein russischer Sponsor-Stein bleibt auf dem andern. Im Sport hat sich eine Bewegung gegen die russische Aggression formiert, die so weder erwartet wurde noch erahnt werden konnte. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass es Sportlerinnen und Sportler gewohnt sind, bis an die physischen und psychischen Limiten zu gehen. Der Kampf, den die Gebrüder Wladimir und Vitali Klitschko derzeit in der Ukraine führen, ist nicht nur heldenhaft, sondern erfordert geradezu Demut seitens der westlichen Zivilisation. Der Sport steht derzeit für mehr ein als für laue Solidarität mit schönen Worten, die aus den politischen Lagern zu vernehmen sind; er will die totale Isolation alles Russischen. Dieser Schulterschluss war nicht zu erwarten. Auch wenn die russische Tötungsmaschinerie weiterhin alles niederwalzt, kann in der schönsten Hauptsache der Welt dennoch nur eines festgestellt werden: Es lebe der Sport! Nach den ersten Massnahmen aus der Welt des Sports gegen Russland wird nun wohl die zweite Widerstandswelle aus dieser Sparte auf das kriegsführende Land zukommen: Die formellen Ausschlüsse aus Verbänden und Organisationen. Trotz Verquickungen zwischen Sport, Wirtschaft und Politik dürfte der Sport weiterhin ein starkes Zeichen gegen die abscheuliche Aggression setzen und die Integrität des Sportes durch Player, die sich ausserhalb dieser Sparte unmöglich und menschenverachtend verhalten, nicht besudeln lassen. Der Weltfussballverband FIFA mit Sitz in Zürich dürfte Russland wohl demnächst formell aus der Fussball-Gemeinschaft ausschliessen, ebenso der Europäische Verband UEFA. Das Internationale Olympische Komitee (IOK) wird wahrscheinlich Einzelmitglieder und Funktionäre aus Russland (Mitglieder des IOK sind nur natürliche Personen) in die Wüste schicken. Sport-Funktionäre, wie FIFA-Präsident Gianni Infantino, der sich seit Jahren mit der Freundschaft zu Wladimir Putin brüstet, werden Abbitte leisten müssen; sonst dürften sie von der politischen Bühne verbannt werden.

Immer wieder werden Sport und Kultur synonym genannt. Auch in der Kultur soll Russland weltweit isoliert werden, bis der rechtmässige Zustand in der Ukraine wieder hergestellt ist. So wird die Putin-Getreue Anna Netrebko Ende März nicht im Zürcher Opernhaus auftreten, wie soeben bekannt wurde. Die Star-Sopranistin will sich nicht vom Russen-Führer distanzieren. So etwas geht nicht einmal in der Stadt Zürich, die von Linken beherrscht wird. Die Kultur beginnt also auf den Spuren des Sportes zu wandeln.

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