„Corona“-Krise: Und nun das „Prinzip FIFA“

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(causasportnews / red. / 22. März 2020) Die Situation in der „Corona“-Krise spitzt sich weiter dramatisch zu. Über die Art von Massnahmen ist jedoch ein Meinungsdissens zwischen spezialisierten Medizinern und Politikern entbrannt. Noch immer lassen sich die Regierungen primär von wirtschaftlichen Interessen leiten – wie zu Beginn der Krise. Statt vor einem Monat die Grenze zu Italien abzuriegeln, wird bis heute in der Schweiz am Grenzverkehr mit Italien festgehalten. Es zeigt sich, dass mit Politikerinnen und Politikern, welche in Krisen- und Katastrophenfällen höchstens reagieren und selten agieren, keiner Katastrophe beizukommen ist – vor allem kann so der Kampf gegen das unsichtbare Virus nicht gewonnen werden. Insbesondere in der Schweiz mit erschreckenden Zahlen betreffend infizierten und verstorbenen Personen müsste die Führung in dieser Katastrophe längst der Armeespitze übertragen werden. Das wäre in der Schweiz möglich, etwa im Gegensatz zu Deutschland und Österreich (in Österreich ist Bundeskanzler Sebastian Kurz dem Land weiterhin ein souveräner Krisen-Manager, vgl. dazu auch causasportnews vom 15. März 2020).

Doch was macht die Schweizer Landesregierung, statt primär den Kampf gegen das verheerende Virus kompromisslos, effizient und ohne Rücksicht auf Partikularinteressen zu führen? Sie sorgt sich um die wirtschaftlichen Folgen der jetzigen Situation und schüttet schon einmal das Füllhorn über der Nation aus. Es könnte einem ob dieses angekündigten Milliarden-Geldsegens beinahe schwindlig werden. So stellt sich nun bereits die konkrete Frage, wer aus welchem Grund wann wieviel bekommen soll…Eigenartig ist nur, dass eine bis anhin derart hochgejubelte Wirtschaft nicht in der Lage sein soll, schon nach kurzer Zeit der Krise ohne Dritthilfe auszukommen. Die vielgepriesenen Unternehmens-Reserven scheinen plötzlich zur Makulatur geworden zu sein. Die deutsche Luftfahrt-Gesellschaft „Swiss“ wird diese Situation auszunützen wissen. Sie ist bereits an die Regierung in Bern gelangt.

Selbstverständlich soll bei der angekündigten Verteilung pekuniärer Mittel auch der organisierte Sport nicht zu kurz kommen: 100 Millionen Schweizer Franken sind ihm jetzt schon einmal versprochen worden. Der Bund übernimmt also zumindest teilweise schon einmal eine Ausfallgarantie für die TV-Rechteverwertungsgelder, die nun zweifelsfrei nicht mehr so exzessiv sprudeln werden wie in der Vergangenheit. Dass auch der Sport beglückt werden soll, ist nachvollziehbar: Der Sport verkörpert eine (auch politisch) potente Community, die es von Seite der Politik zu hegen und zu pflegen gilt. Es ist an sich das „Prinzip FIFA“: Wer den Mitgliedsverbänden des Weltfussballverbandes genügend Mittel verspricht, kann mit deren Unterstützung rechnen. So haben es die FIFA-Präsidenten in den letzten Jahren gehalten. Das Vorgehen im berühmtesten (und für viele berüchtigtesten) Sportverband der Welt erlebt in der helvetischen Politik eine Perpetuierung: Wer den Wählerinnen und Wählern am meisten verspricht, hält sich am erfolgreichsten an der Macht. „Brot und Spiele“ prävalieren also nach wie vor. „Panem et circenses“ (Brot und Spiele) – Brot haben wir aktuell (noch), Spiele wird es wieder geben (zur Situation bezüglich der geplanten und noch nicht abgesagten Olympischen Spiele in Tokio in diesem Sommer vgl. causasportnews vom 22. März 2020). Banale Mechanismen also im organisierten Sport und in der Politik. Wie sonst im Leben.

Nur dass sich in der aktuellen Krise verheerend auswirkt, dass die politische Führung der Schweiz nicht die kompromisslose Bekämpfung der Krise im Vordergrund sieht, sondern bei allen Massnahmen wirtschaftliche Aspekte stark mitgewichtet. Wieder einmal sei es mit Bertold Brecht gesagt: „Erst das Fressen – dann die Moral“. Wirtschaftliche Interessen sind offensichtlich immer noch wichtiger als die Bekämpfung des todbringenden Virus. Sonderbar mutet es auf jeden Fall an, dass in der Schweizer Landesregierung, einer vielgepriesenen Kollegialbehörde, der einzige Arzt im Gremium völlig inexistent zu sein scheint; klar, er ist ja auch „nur“ Aussenminister. In Krisenmanagement übt sich hingegen an vorderster Front eine ehemalige Klavierlehrerin: Das alles wird permanent von den Medien beklatscht. So (einmal mehr) nach dem Motto: „Lob der Schuldigen, Tadel der Unschuldigen“.

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