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Erfolgreich unsympathischer FC Barcelona

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(causasportnews / red. / 24. August 2022) Wie schnell der Wind drehen kann: Während Jahrzehnten genoss der renommierte und erfolgreiche Klub FC Barcelona die Sympathien weit über Katalonien und Spanien hinaus, nicht nur wegen des langjährigen, altruistischen Zusammenwirkens mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen «unicef». Damit ist jetzt Schluss, zumindest für einen Moment. Die Ursache für diese emotionale Zäsur, die den Sympathieverlust bewirkt (hat), liegt natürlich im pekuniären Umfeld des Klubs. Dieser ist hoch verschuldete, und um das finanzielle Gleichgewicht nach Ligavorgaben zu erreichen, werden in der katalonischen Metropole auch nicht so feine Methoden angewandt (vgl. auch causasportnews vom 12. August 2022). Im Bestreben, die Neuzuzüge zu finanzieren und die Lohnliste gleichzeitig zu entlasten, kommen auch unorthodoxe, bzw. unfeine Methoden zur Anwendung. Weil die «Neuen» um jeden Preis gewollt sind und «Alte» sich aus langfristigen Verträgen nicht einfach so herausdrängen lassen wollen, wird ein probates Mittel im täglichen Arbeitskampf zu Hilfe genommen: Mobbing, im Sinne psychologischer Kriegsführung. In Barcelona wird dies seitens der Klubleitung praktiziert, und die «Barça»-Fans leisten ihre Beiträge auf den Tribünen, indem die Vertrags-Störefriede nach Möglichkeit gnadenlos ausgepfiffen und desavouiert sowie bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den sozialen Netzwerken attackiert werden. Einen Psycho-Krieg ganz schlimmer Art hat der 31jährige Dänische Spieler Martin Braithwaite, gegen den die Klubleitung und die Fans eine konzentrierte Kampagne führen, um ihn von der Lohnliste wegzumobben, zu ertragen. Nicht die stilvolle, spanische Art, aber was soll’s. Nachdem zu Beginn der spanischen Meisterschaft 2022/23 der FC Barcelona im ersten Ligaspiel der Saison nicht über ein torloses Unentschieden hinauskam, klappte es in Spiel Nummer 2 umso besser: Neuzuzug Robert Lewandowski steuerte gleich zwei Tore zum 4:1-Sieg des «neuen» FC Barcelona gegen Real Sociedad San Sebastian bei. Das bedeutet derzeit Rang 5 in der Tabelle. Der bemitleidenswerte Martin Braithwaite war schon gar nicht mehr im Einsatz. «Barça ist besonders – besonders unsympathisch», titelte etwa die Zürcher «Sonntags-Zeitung» (14. August 2022). Aber eben, was soll’s: Im aktuellen Fussball zählt der Erfolg; der Rest ist vernachlässigbar. Das gilt auch dann, wenn es um Sympathien oder Antipathien geht; Empathie sei dabei einmal ganz auf der Seite gelassen. Müsste die Sympathie als relevanter Gradmesser im Spitzensport qualifiziert werden, wäre der über München hinaus nicht gerade von externen Liebesbezeugungen aller Art verwöhnte FC Bayern München («mir san mir») wohl ein ganz gewöhnlicher Fussballklub. Davon kann etwa der ehemalige Bayern- und derzeitige Barcelona-Spieler Robert Lewandowski ein Lied singen.

Endlich wieder ein grosser Dopingfall!

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(causasportnews / red. / 23. August 2022) Das erklärte Saisonziel des Berner Mountainbike-Professionals Mathias Flückiger war der Gewinn des WM-Titels. Nach u.a. Olympia- und WM-Silber und weiteren, vielen Erfolgen in der Vergangenheit wollte der 33jährige Gesamtweltcupsieger heuer an einer Weltmeisterschaft zuoberst auf dem Podest stehen. Damit wird nun nichts. Die Meldung vom «Dopingfall Mathias Flückiger» schlug auch im internationalen Kontext wie eine Bombe ein. Anlässlich der Schweizer Meisterschaften im Juni hat der erfolgreiche Biker eine nun als positiv qualifizierte Dopingprobe abgegeben. Kurz vor wichtigen, internationalen Wettkämpfen und vor den Welttitelkämpfen erreichte die Hiobsbotschaft die Öffentlichkeit. Dass Mountainbike-Sportler in den Fängen den Dopingfahnder hängen bleiben, ist eher aussergewöhnlich. Ist der Radsport von Doping betroffen, geht es in der Regel um den Strassen-Rennsport.

Endlich wieder ein grosser Dopingfall, wären die Sportwelt und die Öffentlichkeit geneigt zu sagen. Weshalb? Wenn Dopingfälle ausbleiben, kann das (positiv) bedeuten, dass das Doping unter Kontrolle, bzw. als bekämpft, gilt, oder aber (negativ), dass die Dopingdelinquenten das Rennen gegenüber den Dopingfahndern definitiv für sich entschieden haben. Wie dem auch sei. Tatsache ist, dass Mathias Flückiger offensichtlich über ein Stück Fleisch gestolpert ist. Es wäre ein Szenarium, dass der Berner Super-Athlet ein mit der anabolen Substanz Zeranol, einem wachstumsfördernden Mittel, das in der Tiermast eingesetzt wird, verzehrt hat – bewusst oder unbewusst. Mit dem Anabolikum Zeranol wird der Muskelaufbau intensiviert und der Fettabbau aktiviert – sowohl beim (Mast-)Tier als auch beim Menschen. Im Moment stellen sich in diesem Dopingfall, von dem (wieder einmal) ein «Grosser» des Sports betroffen ist, erstens die Frage, ob überhaupt ein Dopingvergehen vorliegt, und zweitens, falls dem so sein sollte, die Frage nach dem Motiv des Sportlers. Ging es ihm allenfalls in Anbetracht seines Alters darum, die goldene WM-Medaille um jeden Preis und unter Ausklammerung jeglichen Zufalls anzuvisieren? Mathias Flückiger hat die Möglichkeit, eine sog. «B-Probe» zu verlangen. Falls diese den Befund der «A-Probe» bestätigen würde, wäre der «Dopingfall Mathias Flückiger» wohl gelaufen; in Anbetracht des Alters würde eine Sperre von wohl mindestens zwei Jahren das definitive Ende einer grossen Sportlerkarriere bedeuten. Etwa den Nachweis zu erbringen, dass dem Athleten z.B. ein kontaminiertes Stück Fleisch ohne sein Wissen auf den Speiseteller gezaubert worden sei, dürfte eher schwierig sein. Der Berner hat sich bis dato weder dazu geäussert, ob er den durch die «A-Probe» im Raum stehenden Dopingverdacht bestreitet oder nicht. Auch ist unbekannt, ob von ihm eine «B-Probe» verlangt worden ist oder wird. Aufgrund der aktuellen Situation ist der Radsportler provisorisch vom Wettkampfgeschehen ausgeschlossen worden. Vorsorglich ist er aufgrund des Anfangsverdachts überdies von seinem Radsportteam suspendiert worden. Für Mathias Flückiger gilt die Unschuldsvermutung.

Ist Schach Sport? Oder (nur) diesmal nicht?

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(causasportnews / red. / 19. August 2022) Die Diskussion, ob Schach als Sport zu qualifizieren sei (was gemeinhin so angenommen wird), ist zumindest nicht neu. Sie gewinnt jedoch derzeit aus einem traurigen Grund an Aktualität und flammt wieder auf. Seit Russland die Ukraine überfallen hat und einen blutigen Krieg, unter Verletzung aller denkbarer Völkerrechtsnormen, führt, ist auch der Sport gefordert. Soll Russland aus dem organisierten Sport ausgeschlossen werden? Allenfalls auch die russischen Athletinnen und Athleten? Haben russische Sportfunktionäre im organisierten Sport noch irgendetwas verloren? – Klar, der Sport in der zivilisierten Welt darf durch die Verbrecher-Clique im Kreml, welche sich des Rückhalts in der Bevölkerung sicher ist, keine Propaganda-Plattform erhalten. Der Sport ist, wie die Historie zeigt, grundsätzlich das ideale Medium, um durch üble Gesellen als Propagandamittel missbraucht zu werden. Dafür müssen nicht nur die Beispiele der Olympischen Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen und in Berlin bemüht werden. Es wäre ja aktuell noch schöner, nun dieser kriegstreibenden Nation zusätzlich eine Propagandabühne mit und im Sport zu bieten! Was die Sache noch schlimmer macht, ist der Umstand, dass das russische Volk diesen Krieg mehrheitlich stützt und billigt. «Fake News» also, welche die «Einzeltäter-Theorie» verbreiten, wenn es um die aktuelle Kriegs-Urheberschaft geht. Bereits kurz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine ergriff der organisierte Sport Sanktionen gegen russische Sportverbände, Teams und auch gegen Individual-Sportlerinnen und Sportler. Auch von im Sport aktiven und viel Geld zahlenden russischen Sponsoren verabschiedete sich der Sport zügig. So wurde etwa der Energie-Konzern «Gazprom» durchwegs als Sponsor im Sport in die Wüste geschickt. Rigoros verhielt sich der Fussball, der durch die Verbände FIFA und UEFA ein starkes Zeichen setzte. Russland wurde die Austragung des Champions League-Finals in St. Petersburg umgehend entzogen, und die russische Nationalmannschaft wurde aus dem Qualifikationsrennen um die Teilnahme an der WM-Endrunde Ende Jahr in Katar eliminiert. In anderen Sportarten war die Haltung in der «Russland-Frage» heterogen. Die eher liberale Tennis-Community musste jedenfalls zur Kenntnis nehmen, dass die (privaten) Wimbledon-Organisatoren des All England Lawn Tennis and Croquet Club russische Spielerinnen und Spieler heuer flugs vom heiligen Rasen verbannten; dass die eher auf Harmonie bedachten Professional-Tourorganisationen dem Turnier in Wimbledon die Weltranglistenpunkte versagten (mit dem Argument, die russischen Einzelathletinnen und -athleten könnten ja nichts für den Krieg), war nicht gerade ein mutiges Zeichen gegen Russlands Aggression (vgl. auch causasportnews vom 29. Mai 2022 und vom 12. Juli 2022).

Jetzt sorgt der Weltschachverband (FIDE) für Schlagzeilen und Stirnerunzeln. Mit grosser Mehrheit (157 von 179 abgegeben Stimmen) wurde der 50jährige Russe Arkadi Wladimirowitsch Dworkowitsch vom Verbands-Kongress für eine weitere Amtsperiode zum FIDE-Präsidenten gewählt. Es spielte für die organisierte Schachwelt also keine Rolle, dass der Mann ein enger Vertrauter des Kreml-Herrschers ist und während Jahren einer seiner führenden Berater war! Die unterlegene Kongress-Minderheit war konsterniert. Zu dieser gehörte nicht etwa die Schweiz, welche ebenfalls für den ehemaligen Regime-Berater stimmte. Sofort wurde in Russland aus dieser Wahl politisches Kapital geschlagen: Das Wahlergebnis zeige, dass Russland in der Welt nicht isoliert sei, verlautete aus Moskau. Thematisiert wurde die Welt, nicht etwa die Sport-Welt. Beide Welten werden von Russen zumindest geprägt. Schach war stets auch eine starke Domäne der Russen. Kann demnach der Sport die Peinlichkeit der FIDE-Präsidentschaftswahl und der erneuten Installierung des Kreml-Freundes Arkadi Wladimirowitsch Dworkowitsch damit relativieren, indem es dem Schachsport die Qualifikation als Sport abspricht? Dann ginge es lediglich um Politik. Darum geht es aber in jedem Fall.

WM-Endrunde in Katar mit Fussball, Fernsehen – aber mit wenig Flaschenbier

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(causasportnews / red. / 15. August 2022) Die am 20. November 2022 mit dem Eröffnungsspiel beginnende Fussball-WM-Endrunde in Katar wird in vielerlei Hinsicht anders sein als WM-Endrunden zuvor. Das Turnier, das am 18. Dezember 2022 mit dem Finalspiel abgeschlossen wird, ist seit 1978 (in Argentinien) das kürzeste WM-Endrundenevent; innerhalb von lediglich 29 Tagen soll der Weltmeister gekürt werden. Als einmalig ist der Umstand zu werten, dass die beste Mannschaft der Welt nun aktuell in der Winterzeit ermittelt wird. Katar ist in vielerlei Hinsicht speziell. Vor allem wird im Wüstenstaat an der traditionellen Fussball-«Drei F– Trilogie» gerüttelt, die da seit jeher lautet: Insbesondere eine WM-Endrunde basiert auf drei Pfeilern: Auf Fussball, Fernsehen und Flaschenbier. Mit dem Bier ist es in diesem muslimisch geprägten Land nun allerdings so eine Sache. Das Fussball-Traditionsgetränk wird wohl während der WM-Endrunde grundsätzlich verboten werden. Damit dürften sich vor allem die englischen Fans, inklusive «Hooligans», schwertun. Aus Kreisen des WM-Gesamtorganisators FIFA verlautete, dass das Alkoholverbot während der WM-Endrunde nicht absolut gelten soll. In speziellen Fan-Bereichen wird der Alkoholkonsum wohl eingeschränkt möglich werden, und in den VIP-Logen der WM-Stadien sollen Bier, Champagner, Wein und Spirituosen zumindest moderat ausgeschenkt werden können. Das ist wohl insbesondere auch als Entgegenkommen gegenüber einem grossen FIFA-Biersponsor zu qualifizieren.

Verbote stossen selten auf Begeisterung. Vielleicht ist es jedoch gar nicht so schlecht, dass an einem solchen Anlass für einmal Alkohol-Fanexzesse zufolge religiöser Gepflogenheiten schon im Ansatz erstickt werden.

Die Besonderheiten des Fussballgeschäftes

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(causasportnews / red. / 12. August 2022) Dass das Fussballgeschäft ein besonderer Geschäftszweig darstellt, ist hinlänglich bekannt. In dieser Branche herrschen eigene Gesetzmässigkeiten. Im Zentrum stehen dabei selbstverständlich die Akteure, die Spieler (weniger – horribile est dictu – die Spielerinnen). Zudem wird der ökonomische Grundsatz, dass mehr Geld eingenommen werden soll als ausgegeben werden darf, regelmässig zumindest relativiert.

Das Beispiel FC Barcelona: Der katalanische Renommierklub ist seit Jahren ver- und überschuldet, offenbar im dreistelligen Millionenbereich. Das hindert jedoch die Spanier nicht, in jeder Transferperiode richtig Geld, das eigentlich nicht verfügbar ist, auszugeben. Auch jetzt wieder. So wurden Robert Lewandowski (vom FC Bayern München), Jules Koundé (vom FC Sevilla) und Raphael Dias Belloli, «Raphinha» genannt (von Leeds United), für ungefähr 160 Millionen Euro übernommen. Dass im Moment noch nicht alle Spielberechtigungen 2022/2023 für diese Akteure und auch für weitere Kaderspieler, die seit geraumer Zeit beim FC Barcelona unter Vertrag stehen, vorliegen, dürfte damit zusammenhängen, dass die Spanische Liga derzeit untersucht, ob der FC Barcelona auch tragbar wirtschaftet. Die wirtschaftliche Not macht erfinderisch, und der Klub hat nun offensichtlich künftige TV-Rechte verpfändet, um damit Kredite abzusichern. Das Tafelsilber von morgen wird also heute zur Erreichbarkeit tragbarer, wirtschaftlicher Verhältnisse verscherbelt. Wichtig ist zur Herbeiführung entspannterer, wirtschaftlicher Verhältnisse die Einhaltung von Gehalts-Obergrenzen. Aktuelle Spieler werden im Moment angehalten und im Weigerungsfall genötigt, zumindest auf Teile der vereinbarten Gehälter zu verzichten. Teure Spieler, auf die man tendenziell verzichten möchte, werden etwa regelrecht weggemobbt, um längerfristige Arbeitsverträge mit vereinbarten, horrenden Salärierungen nicht mehr erfüllen zu müssen. Diesbezüglich steht beispielsweise der Niederländer Frenkie De Jong auf der Abschussliste der Katalanen.

Das Beispiel Manchester United: In diesem Klub sorgt seit Wochen die «Personalie Cristiano Ronaldo» für Schlagzeilen. Nachdem Manchester United die Qualifikation für die Champions League verpasst hat, hat der 37jährigen Superstar, der sich im Herbst seiner Fussballkarriere befindet, das Interesse am Klub, für den er schon 2003 – 2006 tätig war, verloren. An sich will Cristiano Ronaldo weg. Derzeit existiert wohl kein Klub auf dieser Welt, der die pekuniären Vorstellungen des Portugiesen erfüllen möchte und Cristiano Ronaldo zudem, was ebenso wichtig ist, eine Fussball-Erfolgsgarantie geben könnte.

Nochmals Manchester United: Der englische Klub hat zweifelsfrei an Strahlkraft verloren, obwohl er immer noch eine edle Marke abgibt. Doch Sonderbares hat sich nun im Bereich des Marketings ereignet: Da wurde vor eineinhalb Jahren eine fünfjährige Partnerschaft zwischen dem englischen Klub und der Deutschen IT-Unternehmung «TeamViewer» mit Pauken und Trompeten aus der Taufe gehoben. Die Vereinbarung, die bis 2026 dauert, spült dem Klub jährlich 50 Millionen Euro in die Kasse. Nun ist kommuniziert worden, dass sich die Partner nach Ablauf der fünfjährigen Vertragszeit trennen würden. Welcher Marketing-Wert ein derartiger Deal, der noch fast vier Jahre dauern soll, beigemessen werden kann, bleibt wohl das Geheimnis vor allem von «TeamViewer». Fakt ist, dass die Aktienkurse des Deutschen Unternehmens seit der Bekanntgabe des Deals nur noch gesunken sind und sich nicht mehr erholt haben; die Aktien haben seither 80 Prozent an Wert verloren. Gewisse Vorkommnisse im Fussballgeschäft sind eben eigenen und besonderen Gesetzmässigkeiten unterworfen.

Von (ehemaligen) Fussballprofessionals, Kettensäge-Angreifern und Gewalttätern

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(causasportnes / red. / 10. August 2022) Im idyllischen Starnberg halten sich Menschen mit in der Regel viel Geld auf – oder sie erwecken zumindest diesen Anschein. Sonst geht es im beschaulichen Oberbayern oft auch menschlich, oder allzu menschlich, zu und her. Wenn sich diese menschlichen Dinge ereignen, wird darüber höchstens dann gesprochen, wenn es sich um involvierte Persönlichkeiten jeglicher Schattierung handelt.

Wenn jemand beispielsweise Jens Lehmann heisst und dieser ehemalige Deutsche Nationaltorhüter in Starnberg ausrastet, dann wird die Sache nicht nur für die Regenbogenpresse interessant. Wäre es nicht Jens Lehmann gewesen, der sich offenbar die Sicht auf den Starnberger See martialisch sichern wollte, wäre der Vorfall wohl unbekannt geblieben. So setzte es indessen einen Medienfüller ab. Offensichtlich ging es um eine nachbarschaftliche Auseinandersetzung, die dazu führte, dass der 52jährige Ex-Torwart die Nerven verlor und sich in Selbstjustiz mit einer Kettensäge einen Dachbalken einer Nachbar-Liegenschaft vornahm. Der Fussball-Rentner nervte sich über einen anderen, konventionellen Rentner, den 91jährigen Architekten Walter Winkelmann, der offenbar nach Ansicht von Nachbar Jens Lehmann etwas allzu exzessiv baute. Die Garage, welcher der Kettensäge-Angriff durch Jens Lehmann galt, versperrte offensichtlich die Sicht des Ex-Torhüters auf den See, weshalb dieser die Sache in Selbsthilfe zu regeln versuchte. Geht es um Garagen, erträgt es beim bejahrten Architekten mit bevorzugter Architektur-Disziplin «Garagen-Bau» keinen Spass. Erreicht hat die Fussball-Legende dadurch allerdings nichts, ausser, dass nun gegen ihn wegen Sachbeschädigung ermittelt wird. Unangenehm könnte die Attacke für den 61-fachen Nationalspieler vor allem auch deshalb werden, weil nun an seiner Schuldfähigkeit gezweifelt wird; immer wieder auftretende Wutausbrüche sind offenbar verbürgt. Zumindest titelt die «Bunte» schon einmal in diese Richtung: «Ausraster mit Kettensäge?», fragt die Zeitschrift, garniert mit einem Bild des Ehepaars Lehmann. Soweit ist die Angelegenheit allerdings noch nicht wie bei Schauspielerin Katja Bienert, die in der selben Klatsch-Zeitschrift gesteht «Ich kann meinen toten Mann spüren». Na ja.

Ist die Sache Jens Lehmann noch unter die Rubrik «Peinliches aus der Prominenten-Welt» zu subsumieren, mutet die «Causa Nico Schulz» weit unappetitlicher an. So soll die zuständige Staatsanwaltschaft derzeit auf Anzeige hin gegen den Spieler des Klubs Borussia Dortmund ermitteln. Die Vorwürfe an die Adresse des Fussballers sind geradezu abscheulich. Der 29jährige Verteidiger soll im Rahmen seiner Beziehung mit einer ehemaligen Freundin verschiedentlich gewalttätig geworden sein. Er habe die Frau, als sie schwanger war, zudem gegen den Bauch getreten. Sollten sich diese Vorhalte, welche die «Bild»-Zeitung umfassend öffentlich machte, als zutreffend erweisen, braucht der Verteidiger selber einen guten Verteidiger, jedoch anderer Art, um ihn vor Schuld und Strafe zu bewahren. Für Nico Schulz gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Fazit: Immer mehr ehemalige und aktuelle Sportler zeigen, wie tendenziell jedermann und jede Frau, vermehrt menschliche, allerdings auch abscheuliche Züge.

Katzenjammer nach der Frauen-Fussball-EM und ein beerdigter DFB-Marketing-Nonsens

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(causasportnews / red. / 4. August 2022) Während beinahe eines Monats, seit Beginn der Frauen-Fussball-Europameisterschaft in England, wurde diese Disziplin vor allem in Deutschland hochgepusht. Vor dem Finale im Wembley-Stadion in London erreichte die vor allem durch die Medien regelrecht verordnete Beliebtheit dieser Sportart einen einsamen Höhepunkt. Deshalb war sich die in dieser Sache geeinte Nation vor dem Finalspiel zwischen England und Deutschland bewusst, dass es nur eine Siegermannschaft geben könne: Deutschland. Die Medien sprachen, weshalb auch immer, vom «historischen Finale gegen England» und trieben die bemitleidenswerten Deutschen Frauen zum Sieg: «Auf sie (gemeint waren die Engländerinnen, Red.) mit Gebrüll» und verordneten schon einmal, vor dem Finale, wie das Fell des noch nicht erlegten Bären zu verteilen sei: «So belohnen sich die EM-Heldinnen für den Titel». Weil Deutschlands Kapitänin Alexandra Popp den EM-Titel geradezu versprach, zog vor allem die «Bild»-Zeitung auch noch die unterste, mediale Schublade: «Heute poppen wir England», heizte das Blatt die Stimmung in seiner eigenen Art an (alle obigen Zitate stammen aus der «Bild»-Zeitung vom 31. Juli 2022; «poppen» bedeutet dabei gemäss «Bild»-Doktrin übrigens «historisch siegen»…Ein Schelm, wer zweideutiges Gedankengut vermutet). Wie dann am Abend des 31. Juli 2022 alle Träume platzten, ist bekannt; der vor allem in der Heimat erzeugte Druck, der tonnenschwer auf den Deutschen Spielerinnen lastete, zeigte Negativ-Wirkung. Der nicht gerade als Glücksbringer bekannte Bundeskanzler Olaf Scholz, zwar an Niederlagen aller Art gewöhnt, zog belämmert aus dem Wembley-Stadion ab. Statt grosse Party der Deutschen im Mutterland des Fussballs setzte es für Deutschland einen veritablen Katzenjammer ab. Schuld an dieser sportlichen Ungerechtigkeit war ein nicht gegebener Elfmeter für die Deutschen Frauen. So gewannen die Engländerinnen, natürlich mit Schiedsrichterinnen-Hilfe. Eine Fussballweisheit besagt allerdings, dass nicht jeder geschossene Elfmeter auch Tor bedeutet. Weshalb auch noch die Urweisheit des Fussballs zu erwähnen sei: Wer ein Spiel gewinnen will, muss einfach ein Tor mehr als der Gegner, oder in diesem Fall die Gegnerinnen, schiessen; dann klappt’s. Trotz aller Widerwärtigkeiten in der entscheidenden Phase dieser Europameisterschaft lieferte das Deutsche Frauen-Fussball-Nationalteam, objektiv betrachtet, eine hervorragende Leistung ab, auch wenn es letztlich nicht ganz gereicht hat.

Apropos Nationalmannschaft sei an dieser Stelle der Fokus auch noch auf das männliche Pendant der Frauen gerichtet: Die Deutsche Fussball-Nationalmannschaft der Männer. Diese spielten zwar in letzter Zeit kaum, jedoch wurde nun seitens des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) eine regelrechte Bieridee, die eben dem DFB-Manager Oliver Bierhoff als Urheber zugeschrieben wird, beerdigt (vgl. auch causasportnews vom 27. Juni 2022). Die Deutsche Nationalmannschaft der Männer heisst ab sofort wieder «Deutsche Nationalmannschaft», und nicht nur «Die Mannschaft». Oliver Bierhoff und seinen DFB-Kollegen war die Bezeichnung «Nationalmannschaft» wohl zu politisch, weshalb man sich vom angeblich negativ besetzten Terminus «national» verabschiedete. Die nun während ein paar Jahren geführt Bezeichnung «Die Mannschaft» blieb stets ein Marketing-Rohrkrepierer, weshalb sich der DFB dieses Benennungs-Unsinns nun entledigt hat.

Der beste Schachspieler der Welt im Ausnahmezustand

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(causasportnews / red. / 1. August 2022) Die Genies der Schachwelt leben in einer anderen Sphäre, die weit über uns Sterblichen zu orten ist. Manchmal befinden sich allerdings auch sie, allzu menschlich, in Ausnahmezuständen. Das kommt in dieser Sparte immer wieder vor, wie die Schach-Historie zeigt. Die Liste der in unseren Augen teils durchgeknallten Schachspieler auf höchstem Niveau ist lang, Namen dieser Genies, die oft auch durch Skurrilität und Kauzhaftigkeit auf sich aufmerksam machten, seien höflichst verschwiegen. Nun steckt der aktuell beste Schachspieler der Welt, Magnus Carlsen, im Ausnahmezustand, offiziell befindet er sich in einer Motivationskrise. Der noch nicht 32jährige Weltmeister aus Norwegen mag nicht mehr; vor allem ist er gewillt, den Weltmeistertitel, den er seit 2013 mehrmals verteidigt hat, kampflos abzugeben. Er sei zu müde, um immerfort zu gewinnen, sagt der junge Norweger. Der Mann meint es ernst, und mit Arroganz hat seine Ausstiegsbegründung aus dem WM-Zirkus der Schachspieler (Spielerinnen?) rein gar nichts zu tun. Im Klartext: Es sind dem jugendlichen Weltmeister die Gegner ausgegangen. Die Aussicht, den Titel nun (erneut) gegen den offiziellen Herausforderer, den Russen Jan Nepomnjaschtschi, verteidigen zu müssen, lässt den Wunderspieler, der seit dem fünften Lebensjahr im Banne der 64 Felder befindet, geradezu in eine Depression sinken. Das alles hat nichts mit der Nationalität des Herausforderers und mit dem barbarischen Krieg, das dessen Land seit Monaten gegen die Ukraine führt und die Welt terrorisiert, zu tun. Der Russe habe ihn schlicht schon beim letzten WM-Kampf gelangweilt, liess Magnus Carlsen verlauten (vgl. auch causasportnews vom 14. Dezember 2021). Einen solchen Fight will sich der Weltmeister, der seine Krone freiwillig bald verlieren wird, also nicht mehr antun. Gegen das französisch-iranisch Wunderkind Alireza Firouzja würde Magnus Carlsen an sich noch gern antreten, doch der 19jährig Grossmeister und Newcomer in dieser Sportart ist eben nicht der offizielle Herausforderer. Eine Zeit ist allerdings nicht alle Zeit. Es darf drauf gewettet werden, dass Magnus Carlsen, wenn er seine vor allem mental bedingte Sieges-Müdigkeit überwunden hat, wieder ins Schach-Geschehen eingreifen wird. Es mag für ihn wohl ein «Kick» sein, auszuloten, ob sich auf dieser Welt doch noch ein Spieler finden wird, der ihn besiegen könnte.

War Reinhold Messer 14 mal ganz oben oder nicht?

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(causasportnews / red. / 29. Juli 2022) Fast immer wieder in der «Sauregurkenzeit» eilt den Medien der bald 70jährig Deutsche Eberhard Jurgalski zu Hilfe und hält der journalistischen Sommer-Ebbe entgegen, so wie letztes Jahr um etwa die gleiche Zeit (vgl. causasportnews vom 6. Juni 2021). Der, gemäss Eigenwerbung, führende Chronist zu den 8000ern, wiederholt heuer seine These, dass nicht die in den gängigen Chroniken geführten 44 Bergsteigerinnen und Bergsteiger alle 14 Berge der Welt über 8000 Meter erklommen hätten, sondern lediglich deren drei. Zu diesen Bergsteigern mit dem Erklimmungsmakel gehört auch der berühmteste Bergsteiger der Moderne, der heute 77jährige Südtiroler Reinhold Messner. Die Geschichte ist eigentlich längst abgekocht, aber eben, die «Sauregurkenzeit» macht’s möglich, dass Legenden zumindest in Frage gestellt, wenn nicht sogar zerstört werden. Denn mit der Besteigung der Top-Höhen dieser Welt ist es so eine Sache: Der Mount Everest (8849 m) ist nicht etwa mit dem Matterhorn (4478 m), mit der der Zugspitze (2962 m) oder mit dem Grossglockner (3798) gleichzusetzen; sowohl auf dem Matterhorn (ist nicht der höchste Berg der Schweiz) als auch auf der Zugspitze oder dem Grossglockner sind die höchsten Gipfel-Punkte vor Ort peinlichst genau markiert, gleichsam amtlich vermessen. Wer einen solchen Punkt auf Europas Bergen erreicht hat, wird ob der erzielten Leistung nicht mehr in Frage gestellt. Bei den 8000ern ist das alles nicht so einfach, denn selbstverständlich gibt es in der Regel ganz oben keine Markierung, welche den höchsten Punkt des Berges unverrückbar festhält. So kann es durchaus sein, dass sich ein Bergsteiger oder eine Bergsteigerin auf dem höchsten Punkt des Berges wähnt, jedoch sich effektiv auf einem leicht tiefer gelegenen Vorgipfel oder einem unebenen Grat befindet, allenfalls nur ein paar Meter unterhalb des Gipfels. Das von Eberhard Jurgalski längst ausgewertete Material führt zum Schluss, dass Reinhold Messner, der als erster Mensch auf allen 8000ern dieser Welt gestanden haben soll, sich effektiv «nur» auf 13 Gipfeln und somit nicht als erster Mensch auf allen 14 Gipfeln zuoberst befand. An der Annapurna (8091 m) habe er einige Meter vor dem Gipfel gestoppt, wird ihm entgegengehalten. Kann sein. Die Frage ist allerdings, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit ein 8000er als bestiegen gilt. Machen ein paar Meter Differenz zum effektiv höchsten Punkt eine Gipfelbesteigung also ungültig? Diese Frage wird derzeit in verschiedenen Medien ausführlich diskutiert, so etwa in der im linken Spektrum anzusiedelnden Zürcher Zeitung «Tages – Anzeiger» mit ihrer kontinuierlichen Neid-Berichterstattung. «Grössen wie Reinhold Messner waren gar nie auf allen 8000er-Gipfeln» titelt das Blatt kürzlich (21. Juli 2022) einigermassen genüsslich – und kramte die «olle Kamellen-Geschichte» von Eberhard Jurgalski hervor. Neben dem Südtiroler sollen von 44 Bergsteigern und Bergsteigerinnen 41 effektiv gar nicht, wie in den Chroniken geführt, auf allen Gipfeln über 8000 Metern gestanden haben; durchwegs aus Gründen, die damit zusammenhängen, dass die höchsten Punkte dieser Gipfel nicht einfach zu lokalisieren sind. Die «Sauregurkenzeit» bietet natürlich die ideale Gelegenheit, um ein mediales Pingpong zu starten. Entsprechend fiel die Antwort von Reinhold Messner (selbstverständlich ebenfalls) im «Tages-Anzeiger» vom 25. Juli 2022 aus: «Ich für meinen Teil war oben – und das nimmt mir niemand», erklärt sich der Top-Alpinist auf einer ganzen Zeitungsseite. Lehre aus der aufgewärmten Geschichte: In der Todeszone über 7000 Metern funktioniert Statistik wohl anders als auf dem Matterhorn, auf der Zugspitze oder auf dem Grossglockner…

Tour de France – ob das noch Sport ist?

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(causasportnews / red. / 27. Juli 2022) Das härteste Radrennen der Welt, die Tour de France (TdF), wird bisweilen auch «Tour der Leiden» und ähnlich genannt. Kein Sportanlass brachte soviele Helden hervor und liess unzählige Hoffnungen scheitern, wie die «Grande Boucle» in der über 100jährigen Geschichte. Die TdF bildet auch die Historie unzähliger Dramen, persönlicher Abstürze, mirakulöser Erfolge und spektakulärer Ereignisse. Sie ging vor ein paar Tagen mit dem Gesamtsieg des Dänen Jonas Vingegaard zu Ende. Die Veranstaltung ist seit Jahren umstritten, nicht erst, seit das Teilnehmerfeld so richtig durchgedopt worden ist. Anlässlich der Ausgabe 2022 gedachte vor allem Deutschland des Heldenaktes von Jan Ullrich, der vor genau 25 Jahren das Radrennen für sich entschied – um bald danach abzustürzen. In diesen Tagen erzählt das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» das Sportler- und Privatleben der revitalisierten Sport-Legende nach, dies aktuell unter dem Generaltitel «Die Tragik eines Betrügers» («Der Spiegel», 23. Juli 2022). Es ist eine Geschichte, die an sich eher in die Rubrik «Helden-Recycling» passen würde. So ist es mit den Medien: Sie fahren mit den Helden, die es werden wollen oder es schon sind, hoch oder noch höher, im «Fall Jan Ullrich» bezüglich seiner Gewaltsleistungen an der TdF mitjubelnd bis zur Alpe d’Huez hinauf und bis nach Paris; sie sind dann auch dabei, wenn es, in welcher Hinsicht auch immer, wieder bergab geht. So, wie dies bei Jan Ullrich nach seinen grössten Triumphen geschah.

Grundsätzlich war die aktuelle Auflage 2022 der TdF sportlich nichts aussergewöhnlich Spektakuläres. Das Übliche halt: courant normal à la Tour de France eben. Zwar rollte die Veranstaltung unter dem Damoklesschwert der drei Krisen, welche die Welt derzeit beherrschen und die allgemein mehr als nur stimmungsdämpfend sind: «Corona-Krise», «Ukraine-Krise», «Klima-Krise». Die letztgenannte Krise bekam das TdF-Peloton heuer besonders zu spüren. Bei 40 Grad Luft- und 60 Grad Asphalttemperaturen kam zur sportlichen Härte noch die brutale Hitz dazu – permanent aufgezeigt in stundenlangen TV-Übertragungen, welche dem Leiden der Fahrer ein Gesicht gaben. Auch wenn die Organisatoren der Rundfahrt die aufgeheizten Strassen mit Sprühfahrzeugen kühlten (sinnigerweise aber nicht die Fahrer), war die 109. Auflage der Tour etwas Besonderes und verlieh der «Klima-Krise» eine spezielle und sportliche Ausdrucksweise. Weshalb letztlich nicht nur die Medien die unbeantwortbare Frage in den Raum stellten, ob das denn alles noch Sport sei.