Schlagwort-Archive: Gianni Infantino

Bei der Klub-WM in den USA klingeln wenigstens die Team-Kassen

causasportnews.com – 55/2025, 16. Juni 2025

(causasportnews / red. / 16. Juni 2025) Am Tag, als das aktuelle Heft des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» auf dem Cover die Frage betreffend USA in den Raum stellte: «Will man da noch hin?», begann gleichzeitig ebenda das vom Weltfussballverband FIFA angekündigte und organisierte Top-Fussballereignis dieses Jahres: Die Klub-Weltmeisterschaft 2025. Simplifiziert ausgedrückt und auf den Sport gemünzt würde das «Spiegel»-Titelblatt (Nr. 25, 14. Juni 2025) dieser Konklusion entsprechen: «Niemand hat ‘Bock’ auf die USA». Auf die Verhältnisse in Deutschland fokussiert sei noch der Untertitel aus dem «Spiegel» zitiert: «Wie die Deutschen sich von den USA abwenden». Das alles hat wohl einen Zusammenhang mit dem kürzlich erfolgten Besuch des Deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz beim US-Präsidenten Donald Trump. In Form einer Geburtsurkunde aus dem Hause Trump belegte der clevere Regierungschef, dass Donald Trump seine Wurzeln in der Pfalz in Deutschland hat. Das alles hielt ihm Bundeskanzler Friedrich Merz, den Urkunden-Beweis edel in Gold gerahmt, vor die Nase. Donald Trump ist also ein deutsch-stämmiger US-Einwanderer; «einer von uns» also, zeigte ihm der kluge Taktiker aus Brilon im Sauerland auf. Das kam nun offenbar an beim offensichtlich geschockten US-Haudegen, der seither mit Deutschland pfleglich zurückhaltend und angepasst umgeht! Sicher keine schlechte Voraussetzung für die soeben in den USA begonnene Klub-Weltmeisterschaft (WM), die am 13. Juli mit dem Finalspiel zu Ende gehen wird. Organisiert wird dieses Klub-Turnier zwar vom Schweizer Verein FIFA und nicht etwa von Deutschen, was für Donald Trump kaum einen Unterschied macht. Schweiz oder Schweden – Hauptsache Westindien…

Mit der FIFA kann es der US-Präsident schon seit seiner ersten Präsidentschaft gut. Der aktuelle FIFA-Präsident Gianni Infantino gilt als einer seiner besten Freunde. Die Schweiz mögen Donald Trump und die USA vor allem deshalb gut, weil sich die Schweiz auf verschiedenen Ebenen trefflich ausnehmen lässt, nicht nur im Banken-Business; dabei ist zu sagen, dass der träge Opportunismus der Schweizer nicht den Amerikanern anzulasten ist. Der Schlag der USA gegen die FIFA und deren Funktionäre im Jahre 2015, als auf Ersuchen der Amerikaner reihenweise Fussball-Funktionäre im Zürcher Nobel-Hotel «Baur au Lac» verhaftet wurden, wird heute von allen Seiten so totgeschwiegen wie die, je nach US-Präsident, angekündigte, jedoch bis dato nicht realisierte Schliessung des US-Gefangenenlagers Guantanamo.

Jetzt freuen sich also Donald Trump und Gianni Infantino zusammen, dass im Vorfeld der Fussball-WM-Endrunde im kommenden Jahr in den USA, in Kanada und in Mexiko, nun eine Art WM-Hauptprobe während eines Monats in Amerika stattfindet, in einem Land, das tendenziell zu den Fussball-Entwicklungsländern gehört. 32 Klub-Teams machen bis zum 13. Juli 2025 den Klub-Weltmeister unter sich aus. Sportlich interessiert dieses Turnier kaum, die Stadien müssen geradezu auf listige Weise gefüllt werden. Bereits jetzt sprechen die Medien von «Zuschauerdebakel» und von einer «Flop-Veranstaltung». Das TV-Publikum mag gar nicht hinsehen, was sich in diesem Land auch in dieser sportlichen Hinsicht abspielt. Den Spielern «stinkt» die Teilnahme an der Klub-WM weitgehend. Einzig die teilnehmenden Klubs finden das Fussball-Ereignis in den USA «great». Immerhin spielen die 32 Teams um insgesamt eine Million US-Dollars, die in der Klub-WM-Kasse auf die Verteilung warten; Saudia-Arabien und die Rechteverwertung machen es möglich (Saudia-Arabien wird die Fussball-WM-Endrunde 2034 ausrichten). Die Hälfte des Geldes wird im Rahmen von Startprämien ausgeschüttet (an die Klubs aus Europa werden 13 bis 38 Millionen US-Dollars ausbezahlt, nach dem Motto: Mehr bekommt, wer bereits viel hat). Der Sieger kann über 100 Millionen US-Dollars einstreichen. Jeder Sieg an der Klub-WM zahlt zwei Millionen, der Achtelfinaleinzug ist rund acht Millionen wert, für das Erreichen des Viertelfinals werden 13 Millionen ausgeschüttet, usw.

Anmerkung: In der nächsten Meldung von «causasportnews» (56/2025) wird kurz erörtert, weshalb die Klub-WM ein Anachronismus darstellt und weshalb der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter überhaupt die Klub-WM ins Sportleben rief.

Vom selbstgefälligen FIFA-Funktionär zur selbstgefälligen Nervensäge

causasportnews.com – 46/2025, 19. Mai 2025

D5-Presidence benin

(causasportnews / red. / 19. Mai 2025) Zu behaupten, der amtierende Präsident des Weltfussball-Verbandes, der 2016 gleichsam als «Notnagel» in das oberste Funktionärsamt der FIFA gewählt wurde, gehöre zu den beliebtesten Menschen im internationalen Sport, wäre wohl leicht übertrieben. Seit Gianni Infantino an Stelle der ehemaligen Fussball-Ikone Michel Platini, der für dieses Amt auserwählt war, diesen Posten regelrecht «erbte» und das Vermächtnis des Wallisers Joseph Blatter antrat, fliegen ihm relativ wenige Herzen entgegen. Zu sehr gebärdet sich der italienisch-schweizerische Doppelbürger als Fussball-Technokrat, der in den Augen des Publikums eher die eigenen, statt die Interessen des Weltfussballs im Auge hat. Der 55jährige Walliser, ein gelernter Jurist, nutzt die Präsidentschafts-Plattform seit seinem Amtsantritt insbesondere für sich und übt sich in dieser Funktion vor allem als Staatsmann, denn als oberster Diener des Fussballs und des Verbandes FIFA mit Sitz in Zürich. Russlands Wladimir Putin (Russland war WM-Ausrichter 2018), Saudi Arabiens Salman bin Abdulaziz Al Saud (in Saudi Arabien wird die WM-Endrunde 2034 ausgetragen), US-Präsident Donald Trump (Amerika sowie Kanada und Mexiko zeichnen zusammen für die Austragung der WM-Endrunde im kommenden Jahr verantwortlich) und andere, teils zwielichtige Gestalten, gehören zu seinen besten Freunden. Sein derzeit prominentester Weggefährte und «good guy», Donald Trump, hat letztlich aktuell die Ursache dafür gesetzt, dass es in der «FIFA-Familie», wie die Funktionärs-Kaste sich selber sieht, zu einem veritablen Eklat gekommen ist. Weil Gianni Infantino mit dem US-Präsidenten mit staatsmännischem Gehabe im Nahen Osten herumtourte, traf der FIFA-Präsident zum Kongress (Generalversammlung des Verbandes FIFA) erst mit mehrstündiger Verspätung in Paraguays Hauptstadt Asunción ein, mit dem Privatflugzeug, versteht sich. Die Güterabwägung zwischen der Wahrnehmung der präsidialen Kernaufgabe, die Leitung der FIFA-Generalversammlung, und das Bedürfnis, in der Weltpolitik Präsenz mit dem derzeit umstrittensten Politiker der Welt zu markieren, war für Gianni Infantino klar: Wenn Donald Trump ruft, muss die FIFA warten. Das gilt auch für die mehr als 200 Delegierten der Nationalverbände. Wobei nicht ganz klar war, ob sich der FIFA-Präsident dem US-Präsidenten aufgedrängt hatte.

Dieses Verhalten führte allerdings zu einem veritablen Eklat im Weltfussball. So blieben u.a. die Mitglieder des FIFA-Rates und andere Kongress-Delegierte aus Europa nach der Kaffeepause dem weiteren Kongress fern; es waren dies leitende Funktionäre des europäischen Fussballs, angeführt von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Aber auch etwa der Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), Bernd Neuendorf, verliess den Kongress vorzeitig. Noch nie seit der achtjährigen Präsidentschaft von Gianni Infantino wurde die Ablehnung gegenüber dem ungeliebten FIFA-Präsidenten derart offenkundig wir vor ein paar Tagen in Paraguays Hauptstadt. Nicht zu vergessen ist, dass der amtierende FIFA-Präsident ein ehemaliger Spitzen-Funktionär der UEFA war! Wäre nicht gewährleistet, dass die «Geldmaschine Fussball» auch unter dem Italo-Schweizer wie geölt funktioniert und die FIFA-Mitglieder (Nationalverbände) mit immer mehr Mitteln alimentiert werden (vgl. auch die aktuellen Finanzberichte des Weltverbandes), wären die Stunden von Gianni Infantino als FIFA-Präsident wohl nach dieser Geringschätzung des obersten FIFA-Organs (Kongress) durch den Präsidenten in Südamerika gezählt. Die Abreise der Kongress-Teilnehmer bleibt jedoch letztlich einzig eine hilflose Protestaktion, eine temporäre Störung des «Familienfriedens» in der «FIFA-Familie», so, wie es eben in jeder Familie, eben auch in der Fussball-Familie, vorkommen kann. Auch wenn der Auszug der Funktionäre am Kongress als ein Zeichen der flächendeckenden Ablehnung dieses Problem-Funktionärs durch den FIFA -Kongress einzustufen ist, wird dieser unschöne Vorgang in Paraguay folgenlos bleiben, aber doch einiges bestätigen. Bis jetzt wurde Gianni Infantino stets als «selbstgefälliger FIFA-Boss» qualifiziert (vgl. etwa den Zürcher «Tages-Anzeiger» vom 17. Mai 2025). Jetzt ist er zur selbstgefälligen Nervensäge geworden, mit der die FIFA weiterhin «leben» muss und letztlich will – und vor allem weiterhin gut leben wird.

Vorfreude auf die Fussball-WM-Endrunde 2026?

causasportnews.com – 23/2025, 10. März 2025

(causasportnews. / red. / 10. März 2025) Erst während ein paar Wochen wütet der aktuelle Präsident der Vereinigten Staaten im Weissen Haus und irritiert Freunde und Feinde auf der ganzen Welt mit seinen unberechenbaren Polit-Aktivitäten. Als am 13. Juni 2018 anlässlich des Kongresses (Mitgliederversammlung) des Weltfussballverbandes FIFA in Moskau (!) beschlossen wurde, die Endrunde der 23. Fussball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und in den USA auszutragen, hielt es kaum jemand für möglich, dass die Weltordnung sieben Jahre später aus den Fugen geraten würde. Doch nun ist es so. Ziemlich genau 15 Monate vor dem Beginn der WM-Endrunde in den drei Ländern wird eher besorgt als mit Vorfreude auf den wichtigsten Anlass im Weltsport des kommenden Jahres vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 geschaut. Denn zwischen den drei Austragungsländern herrscht eher eine gespannte bis feindliche Atmosphäre als sportliche Harmonie. «Zollkrieg» heisst neuerdings der aus dem Weissen Haus angezettelte «Sport» anderer Art zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Der einzige Mann auf der Erde, der diese Konstellation gut findet, ist der aktuelle FIFA-Präsident Gianni Infantino, welcher seiner neuen und besiegelten Freundschaft mit Donald Trump alles unterordnet, und fleissig am Wegzug der FIFA von Zürich in die USA arbeitet. Der Walliser wirft sich vor dem US-Präsidenten bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Staub. Ob es dem umstrittenen FIFA-Präsidenten jedoch auf diese Art und Weise gelingen wird, Kanada, Mexiko und die USA in den verbleibenden 15 Monaten bis zum Eröffnungsspiel in Mexiko-Stadt am 11. Juni 2026 harmonisch zu stimmen, bleibt abzuwarten; insbesondere wird er daran zu arbeiten haben, seinen Freund Donald Trump auf Linie zu bringen. Es muss nämlich wohl einiges geschehen, soll nach dem Eröffnungsspiel in Mexiko bis zum Finalspiel am 19. Juli 2026 in East Rutherford (New Jersey, USA) am 19. Juli 2026 das Woodstock-Feeling des globalen Fussballs erreicht werden. Die gewünschte Stimmung anlässlich der WM-Endrunde könnte auch dadurch getrübt werden, dass wohl im aufgeblähten WM-Turnier mit 48 Mannschaften in den drei Austragungsdestinationen und in den 104 Spielen auch Länder, die sich derzeit und wohl auch in den nächsten Monaten kriegerisch bekämpfen, aufeinandertreffen werden. Dass der internationale Fussball den praktisch überall herrschenden Kriegen ein Ende setzen könnte, hat zuletzt nur noch Gianni Infantinos Vorgänger als FIFA-Präsident, Joseph Blatter, geglaubt.

Gianni Infantino arbeitet schon einmal daran, dass die Fussball-Bespassung der Welt anlässlich des WM-Finalspiels am 19. Juli 2026 alle Probleme dieser Welt lösen wird. Für die Halbzeit-Pause hat er eine gigantische Show angekündigt, die er wohl zusammen mit Donald Trump bestreiten wird. Donald Trump und Wladimir Putin mit Schiedsrichter Gianni Infantino beim friedlichen Sackhüpfen also? Der Sieger, Donald Trump natürlich, dürfte dann den künftigen FIFA-Sitz bestimmen, die Zentrale für Frieden, Freude und Eierkuchen auf den Spielfeldern der Welt? Logisch also, wie dieser Wettbewerb ausgehen könnte. Ebenso logisch, dass der Friedensstifter Gianni Infantino mit dem Friedens-Nobelpreis geehrt würde. Der Fussball vermittelt also doch Hoffnung auf eine friedliche und bessere Welt.

Vorfreude auf die Fussball-WM-Endrunde im kommenden Jahr ist, zumindest derzeit, keine auszumachen, eher Besorgnis. Fussball-Funktionäre wünschten sich, auch wenn sie dies nicht öffentlich sagen, dass der Vergabe-Beschluss des FIFA-Kongresses vom 13. Juni 2018 in Moskau in dieser Form und mit diesem Ergebnis nie gefasst worden wäre…

Naht das Ende des FIFA-Sitzes in Zürich/Schweiz?

causasportnews.com – 17/2025, 22. Februar 2025

Photo by Pixabay on Pexels.com

(causasportnews / red. / 22. Februar 2025) Seit Jahren ist es ein vieldiskutiertes Thema: Der mögliche und von vielen Schweizerinnen und Schweizern geradezu ersehnte Wegzug des Internationalen Fussball-Verbandes (FIFA) aus Zürich. Nun scheint das Ende des Sitzes des Weltverbandes an der Limmatstadt zu nahen, wie das online-Medium «Inside Paradeplatz» des Wirtschaftsjournalisten Simon Lukas Hässig sinniert. Die Spekulation ist zweifellos nicht aus der Luft gegriffen. In der Tat lassen sich (weitere) Anzeichen ausmachen, dass nicht nur der Sitz des Weltverbandes in Zürich wegfallen wird, sondern der Verband in der Rechtsform eines Schweizerischen Vereins (Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB) bald der Vergangenheit angehören dürfte. Stattdessen könnte eine internationale Nachfolge-Organisation, wohl mit Sitz in den Vereinigten Staaten, gegründet und von Miami/Florida aus aktiv werden. Dass wohl das Ende des Sitzes der FIFA in der Schweiz bevorsteht, erhellt der Umstand, dass nun aus den FIFA-Statuten die Sitz-Stadt Zürich/Schweiz durch Kongress-Beschluss getilgt worden ist. Seit 1932 wurde der Sitz der FIFA statutarisch konkret bestimmt und «Zürich» explizit erwähnt: «Der Sitz der FIFA befindet sich in Zürich (Schweiz)» (bisher Art. 1 Abs. 2 der FIFA-Statuten). Es ist nun auch möglich, den Sitz durch Kongress-Beschluss überall hin auf der Welt zu verlegen, wobei beim Wegzug der Organisation aus der Schweiz und die Neu-Domizilierung des künftigen, globalen Fussball-Zentrums, wohl in den USA, auch nicht frei von zu bewältigenden, juristischen Klippen wären. Ob z.B. das Vermögen der FIFA bei einem Wegzug des Verbandes in der Schweiz bleiben würde, ist fraglich.

Es scheint also aufgrund der Anzeichen evident zu sein, dass der Sitz der FIFA ins Ausland verlegt wird und der Verband in der Rechtsform eines Vereins in der Schweiz zu existieren aufhören wird. Am wahrscheinlichsten ist offenbar, dass die FIFA-Protagonisten, insbesondere der aktuelle FIFA-Präsident, der italienisch-schweizerische Doppel-Bürger Gianni Infantino, an Stelle des Welt-Verbandes «FIFA» eine internationale Fussball-Sportorganisation mit Sitz in den USA schaffen wollen.

In letzter Zeit sind zwar die Kritiken an den Gebaren und Aktivitäten der FIFA in der Schweiz eher etwas verstummt, doch sie sind immer noch laut genug, um den Weg für einen Wegzugs-Beschluss zu ebnen. Natürlich würde es einerseits bedauert, dass die Verlegung der internationalen Fussball-Organisation zu geringeren Steuereinnahmen für den Schweizer Fiskus und einen beträchtlicher Abbau von Stellen im derzeitigen «Home of FIFA» am «Zürichberg» nach sich ziehen würden. Andererseits nähme das ewige Gezänke um die FIFA in der Schweiz ein Ende. Die Moral stünde also vor wirtschaftlichen Aspekten; gerade im links-rot-grünen Zürich könnte so ein grosser Erfolg der Ethik über den (Fussball-)Kommerz mit viel Verve gefeiert werden.

Ein baldiger Wegzug der FIFA käme nicht überraschend, zumal sich bereits jetzt ein Teil der FIFA-Administration in USA befindet. Dies nicht nur mit Blick auf die im kommenden Jahr stattfindende Fussball-WM-Endrunde (vom 11. Juni – 19. Juli 2026) mit 48 Teams. Die USA sowie Kanada und Mexiko werden die WM-Endrunde gemeinsam organisieren. Die Voraussetzungen für ein tolles Fussball-Fest sind gegeben. Dass der amerikanische Präsident gegen Kanada und Mexiko stichelt, Zölle erhebt und verbal um sich schlägt ist wohl eh nur ein Teil des (Polit-)Spiels ausserhalb des grünen oder des Kunst-Rasens. Diese WM-Endrunden-Vergabe an USA, Kanada und Mexiko wurde übrigens vom FIFA-Kongress 2018 in Moskau (!) beschlossen. Wenige Jahre vor dem Krieg Russlands gegen die Ukraine freute sich der amtierende FIFA-Präsident mit seinem (damaligen) Freund Wladimir Putin an der völkerverbindenden Bedeutung des internationalen Fussballs. Die Zeiten ändern sich, die Freunde und Sympathisanten lösen sich ab. Der beste, aktuelle Weggefährte und Freund von Gianni Infantino ist derzeit US-Präsident Donald Trump. Das wird wohl länger so bleiben – nicht nur wegen des möglichen künftigen Sitzes der globalen Fussball-Organisation in den USA, sondern weil die WM-Endrunden-Austragungen nach 2026 wieder in Europa und im arabischen Raum (2030 in Spanien, Portugal und Marokko, und 2034 in Saudi-Arabien) stattfinden werden. Das künftige «Mutterland» des Fussballs wird jedoch Amerika sein und bleiben. Natürlich ist es ein Gerücht, dass die Amerikaner am Fussball selber gar kein grosses Interesse hätten! Das ist im Rahmen dieser FIFA-Umbruch-Konstellation auch nicht nötig.

Zwei Sport(ler)-«Legenden» im Alterungs-Modus

causasportnews / Nr. 1181/09/2024, 16. September 2024

Photo by Pixabay on Pexels.com

(causasportnews / red. / 16. September 2024). Als der aktuelle Präsident des Welt-Fussballverbandes FIFA, Gianni Infantino, 2016 das Amt als Präsident der weltumspannenden Fussball-Organisation antrat, umgab er sich vor allem mit Fussball-«Legenden», um seine eigene Wichtigkeit im Zusammenhang mit der Symbolkraft dieser Fussball-Heroen zu unterstreichen. Dies geschah in Analogie zu Gaius Iulius Caesar, der im Theaterstück «Julius Cäsar» von William Shakespeare diese Forderung in den Raum stellte: «Lasst wohlbeleibte Männer um mich sein». Zeitgemäss waren es beim neuen FIFA-Präsidenten keine dicken Männer, sondern eben Fussball-«Legenden», mit denen er sich zu umgeben pflegte. Wahrscheinlich war unter diesen «Legenden», welche der FIFA-Präsident meinte, auch der soeben 80 Jahre alt gewordene Günter Netzer. Dieser feierte am 14. September seinen speziellen Geburtstag an seinem Wohnsitz in Zürich. Die Limmatstadt war auch die letzte, fussballerische Wirkungsstätte des sowohl rebellischen als auch genialen Spielers mit jeweils direktem Drang zum Tor; ansonsten liess er neben dem Spielfeld nichts anbrennen, fuhr schnelle Autos, trug extravagante Kleider, umgab sich mit attraktiven Frauen und erlangte mit seinen langen, blonden Haaren einen Kultstatus. Also in dieser Hinsicht nicht das, was Gianni Infantino gemeinhin favorisiert. Die Bestrebungen, sich mit «Legenden» zu umgeben, hat der etablierte Funktionär an der Spitze des Weltverbandes offenbar hinter sich gelassen; er ist nach acht Jahren im Amt überhaupt in der Anonymität verschwunden, getreu dem bewährten Funktionärs-Motto: «Geniessen und schweigen».

So wird Günter Netzer, zweifellos eine Fussball-«Legende», seinen speziellen Geburtstag im engsten Familienkreis gefeiert haben; vital, engagiert und abgeklärt. Sein Leben wird er weiterführen wie bis anhin, auch wenn er sich mit seinen 80 Jahren im eher fortgeschrittenen Alterungs-Modus befindet. Ähnlich verhält es sich aktuell mit der Bergsteiger-«Legende» Reinhold Messner. Am 17. September wird er ebenfalls 80 Jahre alt. Der Mann ist wie der Deutsche Fussball-Überflieger Günter Netzer top-fit und lässt derzeit in den Medien sein turbulentes Leben Revue passieren und bringt es auf den Punkt: «Ich kann nichts dafür, dass ich eine Legende bin»; das trifft natürlich zu. Der Alpinismus-Pionier hat Bergsteiger-Geschichte in jeder Hinsicht geschrieben. Mit seiner dritten Frau lebt der Held des Bergsteigens aktuell im Südtirol und vermarktet sein Leben, das er zu einem grossen Teil mit teils gigantischen Entbehrungen in den Bergen verbracht hat. Dazu gehört nun aber vor allem auch sein Familien- und Privatleben, das in letzter Zeit alles andere als gradlinig verlaufen ist. Kein Wunder, mit drei Frauen und einigen Kindern ist es zweifelsfrei nicht einfach, gemeinsame Lebens-Nenner zu finden. Auch beim Alpinismus-Übermenschen Reinhold Messner sind heute Erkenntnisse, wie sie «Normal-Sterbliche» auch machen müssen, an der Tagesordnung. Die Zwistigkeiten im familiären Umfeld führt das 80jährige Berg-Monument auf eine eigene, massive Fehlleistung zurück: «Mein grosser Fehler war, dass ich mein Erbe zu Lebzeiten verteilte», sagt er (z.B. gegenüber der Zürcher Sonntags-Zeitung vom 15. September 2024). Eigentlich ist das bekannt: Wer sein Leben friedvoll beenden will, darf nur mit kalten Händen vererben lassen.

Günter Netzer und Reinhold Messner – zwei Sportler, die nun 80 Jahre alt sind, sich also im Alterungs-Modus befinden, können uns kraft Vitalität und Lebenseinstellung zumindest Vorbilder sein. Nicht nur als Sport(ler)-«Legenden» vermitteln sie vor allem Hoffnung für «Normal-Sterbliche». Denn was wäre das Leben ohne Hoffnung? «Hoffnungslos», würden beide Sport-Cracks wohl unisono antworten.

FIFA so (un)sicher wie Wetterprognosen

causasportnews / Nr. 1142/05/2024, 19. Mai 2024

Photo by Adrien Olichon on Pexels.com

(causasportnews / red. / 19. Mai 2024). Mit dem Weltfussballverband (FIFA) verhält es sich ungefähr gleich wie mit den Wetterprognosen. Im Home of FIFA auf dem Zürcher Sonnenberg sind die Regeln der Sportpolitik einigermassen gleich geartet wie die Blicke auf künftige Wetterlagen. «Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist». Das einzig Sichere ist bei den Wetterprognosen und in der FIFA-Sportpolitik das Unsichere. Das geht im Weltfussball etwa so: Am soeben zu Ende gegangenen Kongress (Vereinsversammlung, Art. 64/65 ZGB) des Verbandes in Bangkok, der als Schweizer Verein gemäss Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuches (ZGB) organisiert ist, gab die Streichung des Sitzortes («Zürich») aus den Statuten des Weltverbandes zu reden, nämlich dergestalt, ob das nun das Ende der FIFA in Zürich und in der Schweiz sei. Bis anhin hiess es glasklar: «Der Sitz der FIFA befindet ich in Zürich (Schweiz). Er kann nur durch einen Kongressbeschluss verlegt werden.» Nun sind die Statuten so geändert worden, dass die «Zentrale» des Verbandes in Zürich liegt, bis der Kongress eine Entscheidung über den Hauptsitz getroffen hat.

Was ist nun neu an dieser Rechtslage? Nichts natürlich. Nur, dass der Sitz «Zürich» aus den Statuten eliminiert worden ist. Im Moment scheint auf den ersten Blick allenfalls unklar, wo sich der Sitz des Verbandes befindet – die Antwort kann dem Gesetz entnommen werden. Art. 56 ZGB sieht (eine statutarische Regelung vorbehalten) nämlich vor, dass sich der Sitz eines Vereins an dem Orte, wo seine Verwaltung geführt wird, befindet; das ist nun bezüglich der FIFA sicher Zürich (ohne dass die Bezeichnung «Zürich» in den Statuten vorkommen müsste). So hätte man formell getrost auf die nun angenommene Statutenänderung verzichten können und, bei Wegzugsgelüsten, dann einfach den entsprechenden Kongressbeschluss fassen können. Aber die Provokation um den Wegzug der FIFA war wohl gewollt. Der FIFA-Präsident Gianni Infantino, der sich ungeliebt, unverstanden, und von der Schweiz permanent ungerecht behandelt fühlt, und dem man, nach seinem Empfinden, die für ihn wichtige Ehrerbietung verweigert, ist seit Jahren betupft, wenn es um die in seinen Augen ungenügende Anerkennung seitens der Menschen und von Gott geht. Der Mann, der sich als «Büüchjurist» (Walliserdeutsch für «Bauchjurist, der seine Entscheidungen nach Bauchgefühl trifft) bezeichnet, identifiziert sich bekanntlich auch immer anders als andere. So fühlte er sich vor der WM-Endrunde in Katar eben katarisch, arabisch, behindert, homosexuell und als Wander-Arbeiter. Aktuell wird er sich als «Nemo» fühlen – in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes und was dem 54jährigen Walliser nun wohl den Ruf eines «Nemo» des Sportfunktionärswesens eintragen dürfte. Juristisch hat die aktuelle Sitzreform im Rahmen der FIFA-Statuten gar nichts gebracht. Die Rechtslage ist nach wie vor dieselbe als vor dem Kongress in Bangkok.

Zweifelsfrei hat der FIFA-Präsident mit der Eliminierung Zürichs aus der FIFA-Verfassung eine symbolische Distanzierung zur Zwingli-Stadt gewollt. Vielleicht ist es sogar eine Drohgebärde. Das offizielle Zürich schweigt zu diesem Schritt der FIFA, zumal der Weltverband eine private, autonome Vereinigung des Privatrechts ist. Letztlich wird man zum Schluss kommen, wenn das Thema konkret werden sollte, dass man Reisende nicht aufhalten soll. Die Schweiz kann insofern in der «Causa FIFA» entspannt zurücklehnen, weil sich Befürworter und Gegner des Weltverbandes in der Schweiz eh etwa die Waage halten dürften. Realistischerweise dürfte es für die FIFA auch nicht leicht sein, ein Äquivalent zur Schweiz zu finden. Eine Sitzverlegung der FIFA zu den erklärten Freunden Gianni Infantinos in Russland, in Katar, in Saudi Arabien und an anderen lustigen Destinationen (vor allem Frankreich mit dem Hansdampf in allen Gassen, Emmanuel Macron) dürfte nicht so rasch eine Kongressmehrheit finden. Nach wie vor gilt die Schweiz als Hort der Stabilität und Sicherheit auch für internationale Sportverbände und -organisationen. Etabliert ist die Schweiz u.a. auch in der Sport-Verbandsrechtssprechung. In einem Punkt wird man aber ein gewisses Verständnis für die FIFA mit Blick auf die offenkundigen Abwanderungsgelüste aufbringen müsste. Bevölkerung, Parlamente aller Stufen und Politiker aller Provenienzen haben den Verband in den letzten zwanzig Jahren immer wieder und teils sehr ungerechtfertigt ins Kreuzfeuer genommen und in verschiedener Hinsicht ungerechtfertigt attackiert. Verständlicherweise nicht leicht zu verschmerzen ist die Haltung der Schweizer Regierung im Zuge der Korruptionsaffären um Fussball-Sportfunktionäre vor allem aus Südamerika. Die helvetische Exekutive hat den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden 2015 die FIFA-Funktionäre praktisch ans Messer geliefert und mit dem amerikanischen Justiz-Departement (Department of Justice) paktiert, mit dem Ergebnis, dass die Fussballfunktionäre gleich in Gruppenstärke im Hotel «Baur au Lac» in Zürich unter den Augen der Weltöffentlichkeit abgeführt werden konnten. Zwar liebt man den Verrat, aber die Verräter nicht. So ist es erklärbar und auch verständlich, dass sich die Aversionen der FIFA gegen die Schweiz und gegen Zürich nicht mehr so leicht abbauen lassen – und nun die Bezeichnung «Zürich» aus dem Grundgesetz des Weltverbandes getilgt worden ist.

Fussball-Legende und -Statistiken vor Gericht

causasportnews / Nr. 1107/02/2024, 7. Februar 2024

Photo by George Becker on Pexels.com

(causasportnews / red. / 7. Februar 2024) FIFA-Präsident Gianni Infantino lobt sich vor allem immer wieder selber für seinen Vorwärtsdrang in allen Lebenslagen. Im (Fussball-)Spiel, das er ab und zu nicht lassen kann, ist er für die allerdings bescheidene Tor-Produktion zuständig, bei seiner Funktionärsarbeit lautet die martialische Devise: «Immer vorwärts». Sowohl auf dem Spielfeld als auch in seinem Job als Präsident des Weltverbandes bekleckert sich der bald 54jährige Wallis allerdings nicht gerade mit Ruhm. Manchmal täte der Nachfolger von Joseph Blatter auf dem FIFA-Thron gut daran, auch einmal die Defensive zumindest ernst zu nehmen. Wie im «Fall Toni Polster», über den das Deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» kürzlich berichtete (5/2024, 27. Januar 2024). Der auch international bekannte Österreicher Toni Polster, zweifelsfrei eine Fussball-Legende, die in diesen Tagen 60 Jahre alt wird, sah seine Hoffnung zur Lösung seines Problems in Gianni Infantino – und scheiterte kläglich. Dies, obwohl sich der FIFA-Präsident liebend gerne mit Fussball-Legenden umgibt, in deren Aura er sich zu suhlen pflegt. Doch Toni Polster blitzte am Zürcher Sonnenberg ab, als sich der Österreicher an Gianni Infantino wandte. Nicht einmal eine Antwort habe er aus dem FIFA-Hauptquartier erhalten, monierte der Österreicher. So haben nun die Gerichte das Sagen, bzw., ein Vorgang, der wohl mit etwas Empathie auf dem kurzen Dienstweg hätte erledigt werden können, wird nun zum Juristen-Futter. Der Rechtsstreit dreht sich zwar nicht um Lebenswichtiges, aber immerhin um Statistisches. Toni Polster schoss im Verlaufe seiner Karriere 119 Tore für Austria Wien, 55 für den FC Sevilla und 79 für den 1. FC Köln. Gemäss offizieller Statistik der FIFA erzielte er für die Nationalmannschaft Österreichs 44 Treffer. Das könne nicht sein, ihm würden bei dieser Berechnungsweise drei Tore fehlen, es müssten 47 statt 44 sein. Die Differenz zwischen der offiziellen Statistik und der Zählart von Toni Polster liegt wohl im Umstand begründet, dass die drei Tore, um die Toni Polster nach seiner Auffassung statistisch geprellt wird, sog. «inoffizielle» Partien waren. Die in diesen Matches erzielten Tore von Toni Polster, eben drei an der Zahl, erscheinen in der entsprechenden, offiziellen Länderspiel-Statistik wegen des inoffiziellen Charakters der Partien nicht. Am Zivilgericht in Wien hat nun Toni Polsters Anwalt Klage gegen den Fussball-Verband Österreichs (ÖFB) angehoben. Das Klagefundament basiert auf der Tatsache, dass es nach Verbandsrecht keine inoffiziellen Spiele geben würde, in denen, konkret, Toni Polster die drei nicht in der Statistik erscheinenden Tore unbestrittenerweise erzielt hatte. Wie der Rechtsstreit ausgehen wird, ist nicht einfach abzuschätzen. So sicher ist sich offenbar auch Toni Polster nicht. Dessen Anwalt gibt freimütig zu: «Das ist juristisches Neuland».

FIFA-Agenten-Regelung auf Eis gelegt

causasportnews / Nr. 1097/01/2024, 4. Januar 2024

Home of FIFA, Zürich, © Ed Coyle

(causasportnews / red. / 4. Januar 2024) War es zuerst nur Pech – und dann fehlte noch das Glück? Oder wurde Gianni Infantinos FIFA schlicht von der Realität eingeholt?- Wie dem auch sei: Zum Jahresende schien der Fussball-Weltverband mit Sitz in Zürich mit seinem Präsidenten von jeglichem juristischen «Fortune» verlassen. Erst torpedierte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Attacken der FIFA gegen die Superliga-Pläne sezessionswilliger Klubs (vgl. auch causasportnews vom 25. Dezember 2023), dann kippte das Französische Verfassungsgericht die Steuererleichterungs-Pläne der Regierung mit Blick auf die Umzugspläne der FIFA und deren Mitarbeitenden nach Paris, und am vorletzten Tag des Jahres mussten sich Gianni Infantino & Co. dem Diktat des Landgerichts Dortmund beugen und die neue, umstrittene Agenten-Regelung auf Eis legen.

Grundsätzlich ist es umstritten, ob die FIFA, ein Schweizer Verein gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB), überhaupt rechtlich befugt ist, den weltweiten Markt der Spieler-Agenten zu regulieren. Die neuste Regelung, die vom Weltverband im Dezember 2022 erlassen wurde und eine Totalkontrolle der FIFA über das lukrative Fussball-Agenten-Gewerbe bedeutet, wurde im Mai des letzten Jahres von einem Deutschen Gericht, dem Landgericht Dortmund, einstweilen ausser Kraft gesetzt. Der EuGH wird nun wohl nicht so rasch über die Europarechtskonformität der Regelung befinden. Die FIFA sah sich nun veranlasst, die erlassene, für den Weltfussball gültige Regulierung des Spieler-Agenten-Marktes gezwungenermassen freiwillig zurückzunehmen. Dies geschah am 30. Dezember 2023 mit «Zirkular Nr. 1873», der FIFA, das allen 211 Mitglieds-Verbänden (Nationalverbänden) der FIFA zugestellt wurde.

Die FIFA wäre nun nicht die FIFA, um einen Total-Abbruch der nicht nur juristisch unhaltbaren Regelungs-Übung vorzusehen. Beschönigend wird im zitierten Zirkular darauf hingewiesen, dass es neben dem Urteil des Landgerichts Dortmund auch andere Gerichtsinstanzen geben würde, welche die Agenten-Regulierung der FIFA gutgeheissen hätten, so etwa auch das Internationale Sport-Schiedsgericht (Tribunal Arbitral du Sport, TAS) in Lausannen (bezüglich dieser Gerichtsinstanz ist anzumerken, dass die FIFA als Partei kaum je ein Verfahren am TAS verliert – ein Schelm, der Böses denkt). In der Mitteilung bedauert der «Secretary General ad interim» (die einst hoch-gelobte FIFA-Generalsekretärin und Fussball-Quotenfrau Fatma Samoura wurde zum Jahresende 2023 abserviert), dass an diesem Regulierungs-Machwerk zum Schutz der Integrität des Fussballs und eines einwandfreien Funktionierens des globalen Fussball-Transfersystems (sic!) einstweilen nicht festgehalten werde. Einsicht sieht grundsätzlich anders aus.

Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um zusammenzureimen, dass dieser Versuch der FIFA, vor allem die wirtschaftlichen Belange des weltweiten Transferwesens mit der umstrittenen Regulierung (eines privaten Vereins) unter Kontrolle zu bringen, einigermassen kläglich gescheitert ist. Das alles hat zweifelsfrei jedoch nicht nur mit fehlendem «Fortune» zu tun…

Traum und Schaum zu FIFA-Rückkehr nach Paris?

causasportnews / Nr. 1082/11/2023, 21. November 2023

Photo by Pixabay on Pexels.com

(causasportnews / red. / 21. November 2023) In den letzten Tagen war einiges los auf staatsmännischem Parkett. Da besuchte der Türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Bundesrepublik Deutschland. Weshalb dieser von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeladen wurde, weiss wohl der Opportunist im Schloss Bellevue in Berlin selber nicht so genau. Ausser schlechter Stimmung rund um diesen Staatsbesuch war denn auch nichts Positives zu hören und zu spüren. Geschenke, wie das unter «Freunden» so üblich ist, wurden auch keine ausgetauscht. Das schönste Geschenk machte dem Türkischen Gast die «eigene» Fussball-Nationalmannschaft, welche Deutschland in Berlin gleich mit 2:3 abfertigte. Oder war es faktisch ein 3:2, da die Türken in Deutschland so etwas wie ein Heimspiel austrugen?- Diese sinnlose Visite wurde manifest nach der Rückkehr des Türkischen Gastes, als dieser nach seiner Rückkehr gegen die Deutschen tüchtig austeilte – oder, um es im Fussball-Jargon zu sagen, richtig «nachtrat».

Wenigstens freundschaftlicher verlief zur etwa gleichen Zeit der Besuch des Französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron in der Schweiz. Frankreich und die Schweiz sind nach Napoleon Bonapartes Wirken in Europa ziemlich beste Freunde; die Schweiz ist sich bewusst, dass es ohne den Kriegsherr Napoleon Bonaparte die Schweiz in ihrer heutigen Form nicht geben würde. Die Franzosen sind allgemein geradezu Wunderkinder, die immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. So auch nach dem zweiten Weltkrieg, als Frankreich zur Siegermacht wurde; weshalb, weiss eigentlich niemand so genau. Manchmal sind die Franzosen bei den «Grossen» unmittelbar ganz dabei, oder sie sind zumindest am «Katzentisch» präsent. Der Besuch des Französischen Staatspräsidenten war ein Besuch unter Abgesandten, die sich verstehen. Wenn nur der Zankapfel «FIFA» nicht wäre. Vor allem Emmanuel Macron versucht seit geraumer Zeit alles, um den Weltfussball-Verband FIFA von Zürich nach Paris zu lotsen. Die FIFA wurde 1904 nach Französischem Recht in Paris gegründet. Sie verlegte ihren Sitz in den Vorkriegs-Wirren 1932 nach Zürich. Die Schirmherrin des Weltfussballs ist seither ein Verband nach Schweizerischem Vereinsrecht (Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB). Vor allem seit Gianni Infantino, der sich von der Schweiz stets missverstanden und gemobbt fühlt, zum globalen Fussball-Präsidenten gewählt wurde (2016), wurden die Bemühungen hüben und drüben intensiviert, um den Sitz der FIFA von Zürich nach Paris zurückzuverlegen. Emmanuel Macron und Gianni Infantino sind beste Freunde, und der Walliser FIFA-Präsident ist natürlich ein begnadetes «Opfer», um den Schmeicheleien, Werbungen und Schalmeienklängen des Polit-Fuchses aus dem Elysée-Palast zu erliegen. Schon des öftern sollen sie sich in der Vergangenheit getroffen haben, um auch die «Causa FIFA / Sitzverlegung» zu bereden. Der schlaue Emmanuel Macron lockt vor allem mit steuerlichen Zugeständnissen. Auguren in der Schweizer Hauptstadt Bern sind davon ausgegangen, dass die FIFA und deren Rückkehr nach Paris ebenfalls ein Thema des Staatsbesuches von Emmanuel Macron würde, zumal auch der Weltsport völlig apolitisch ist. In diesem Segment ist auf Schweizer Seite Gianni Infantino zudem nicht der bedeutendste Aussenpolitiker der Schweiz, sondern es ist Bundespräsident Alain Berset, welcher derzeit und vor seinem Abgang Ende Jahr andere Baustellen aufzuräumen und wahrscheinlich die aufgetürmten Leichen im bundesrätlichen Keller zu entsorgen hat. In punkto FIFA wurde die Rückkehr des Weltverbandes nach Frankreich beim Staatsbesuch von Emmanuel Macron in der Schweiz kein Thema – es blieb bei Traum und Schaum…

WM-Endrunden-Zuschlag an Saudi-Arabien – nur ein nichtiger «Bauchjuristen»-Entscheid»

causasportnews Nr. 1076/11/2023, 4. November 2023

Photo by Haydan As-soendawy on Pexels.com

(causasportnewes / red. 4. November 2023) Vom ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter wurde dessen Aussage kolportiert, Juristen seien so notwendig wie ein Kropf. Ab und zu brauchte der Nicht-Jurist aus dem Wallis allerdings dann doch juristischen Beistand. Beim aktuellen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino präsentiert sich die Ausgangslage anders: Der Walliser ist gelernter Jurist, was er allerdings meist gekonnt kaschiert. Geht es um’s Recht, relativiert der 53jährige Chef des Weltfussballverbandes den juristischen Wert seiner Person gleich selber. So soll er immer wieder gesagt haben, Formal-Juristen seien ihm ein Graus. Er fühle sich vielmehr als «Büüüchjurist», was aus dem Walliser-Deutsch übersetzt «Bauchjurist» bedeutet; will sagen, ein Jurist, der die Klippen auch auf den juristischen Weltmeeren vornehmlich mit Gefühl, Cleverness und Schlauheit umschifft.

Das alles könnte sich nun nach dem faktisch erfolgten Zuschlag der Fussball-WM-Endrunde 2034 ändern. Triefend vor Selbstgefälligkeit hat der «Bauchjurist» Gianni Infantino der Welt verkündet, die WM-Endrunde2034 finde in Saudi-Arabien statt – auch mangels Bewerbungs-Alternativen. Die Welt ist bestürzt, Journalisten sprechen von einem Taschenspieler-Trick, der diese Vergabe möglich gemacht habe, doch weitgehend herrscht Resignation nach dem durchexerzierten «Bauchjuristentum». Doch hat Gianni Infantino seinen Vergabe-Entscheid zu früh kommuniziert und gefeiert? Ein Blick auf die formelle Rechtslage zeigt, dass die Vergabe des bedeutendsten Sportanlasses der Welt an Saudi-Arabien, das von vielen Beobachtern immerhin als «Schurkenstaat» bezeichnet wird, noch keineswegs besiegelt ist – wenn sich dann oder wann Opposition regt.

Wahrscheinlich hat der FIFA-Präsident die Statuten «seines» Verbandes zuwenig genau beachtet oder sich einfach darüber hinweggesetzt. Die Kompetenz zur Bestimmung (Beschlussfassung) des Austragungsortes der WM-Endrunde liegt klar und unmissverständlich beim FIFA-Kongress, der Vereinsversammlung der FIFA-Mitglieder (211 nationale Fussball-Verbände). So lautet Art. 28 Abs. 2 lit. s) der Vereinsstatuten wie folgt (zwingende Geschäfte des FIFA-Kongresses): «Abstimmung zur Bestimmung des Austragungsortes der Endrunde der Fussball-Weltmeisterschaft.» (ein weiterer, klarer Hinweise in den Statuten findet sich, in holpriger Sprache, in Art. 34 Abs. 10: «Dies gilt nicht für die Bestimmung des Austragungsortes der Endrunde der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft, der vom Kongress durch Abstimmung bestimmt wird). Diese zwingende Kompetenz(zu)ordnung wurde im Zuge der FIFA-Reformen festgelegt, nachdem sich das Vergabe-System, das die Bestimmung des WM-Endrunden-Austragungsortes durch die Exekutive (FIFA-Exekutivkomitee) vorsah, in der Vergangenheit als manipulations- und korruptionsanfällig erwiesen hatte (211 Nationalverbände, juristische Personen, sind weniger bestechungsanfällig als eine Handvoll Exekutivmitglieder, natürliche Personen). Nach dem aktuellen Vergabe-Verdikt des Präsidenten verletzt dieses die zwingend festgelegte, statutarische Kompetenzordnung des Verbandes; die kommunizierte Vergabe-Entscheidung ist zufolge der Verletzung der FIFA-Kompetenzordnung nichtig, und nicht nur anfechtbar.

Die Entscheidung des FIFA-Präsidenten präsentiert sich so, als wäre sie nicht geschehen, d.h, sie hat formell keinen Bestand. In der Konsequenz bedeutet dies, dass eine Vergabe eben nicht erfolgt ist. Diese Nichtigkeit könnte auf Antrag eines jeden FIFA-Mitglieds gerichtlich festgestellt werden. Gianni Infantino wäre allerdings nicht Gianni Infantino, wenn er diesen Entscheid früher oder später nicht vom FIFA-Kongress bestätigen lassen würde. Auf diesem Wege könnte er einen formell einwandfreien Kongress-Beschluss bezüglich der WM-Endrunden-Vergabe 2034 an Saudi-Arabien bewirken. Lediglich «Büüüchjuristerei» hilft ihm in dieser Causa im Moment aber nicht.