Rettet sich Gianni Infantino mit Pseudo-Reformen wiederum auf den FIFA-Thron?

causasportnews.com – 89/2026, 28. September 2026

(causaportnews / red. / 28. September 2026) Als FIFA-Präsident Gianni Infantino kurz nach der Fussball-Weltmeisterschafts-Endrunde in diesem Jahr die Öffentlichkeit und seine Freunde und Feinde mit einem kruden Investment-Projekt überraschte und die Fussball-Welt wegen dieses Husarenstücks erzürnte und gegen sich aufbrachte, erklärte der von den negativen Reaktionen auf sein Projekt hin überrumpelte Präsident den sofortigen «Übungsabbruch». Seither macht der 56jährige Italo-Schweizer mit zusätzlicher, libanesischer Staatsbürgerschaft in Schadensbegrenzung und ist bestrebt, den durch die undurchsichtigen Investorenpläne verursachten Scherbenhaufen geräuschlos zusammenzukehren. Mit guten Gründen: Der Nachfolger von Joseph Blatter hat kürzlich offiziell erklärt, am 18. März des nächsten Jahres nochmals als Präsident des Fussball-Weltverbandes kandidieren zu wollen; das ist juristisch und gemäss FIFA-Satzungsrecht möglich, obwohl ihm diese erneute Kandidatur, auch aus angeblich satzungsrechtlichen Gründen, versagt werden soll. Vor allem die Europäische Fussball-Konföderation UEFA (bzw. deren Mitgliedsverbände) und einzelne nationale Verbände (FIFA-Mitglieder) haben angekündigt, Gianni Infantino nicht mehr unterstützen, bzw. nicht mehr wählen zu wollen. Das Hauptproblem der Befürworter eines Wechsels auf dem FIFA-Präsidenten-Thron dürfte im Moment sein, dass ein geeigneter Gegenkandidat nicht auszumachen ist. Die UEFA will auch juristisch gegen den FIFA-Präsidenten vorgehen und insbesondere erreichen, dass Dokumente und Unterlagen, die das rasch wieder beerdigte Investment-Projekt erhellen könnten, nicht vernichtet werden. Mit Hilfe amerikanischer Rechtsanwälte soll dies erreicht werden. Das alles ist selbstverständlich nicht dazu angetan, die Kampfmoral von Gianni Infantino mit Blick auf den Kongress im nächsten März zu brechen.

Der gewiefte Taktiker weiss natürlich, wie eine Präsidenten-Wahl zu gewinnen ist: Mit den Stimmen der «kleinen» Verbände, in der FIFA sind dies immerhin 211 wahlberechtigte Mitglieder. So beurteilte schon Joseph Blatter die Stärkeverhältnisse im Verein FIFA, bei dem das «Kopfstimmen-Prinzip» gilt (jedes FIFA-Mitglied verfügt in der FIFA-Vereinsversammlung, im Kongress, über eine einzige Stimme), gewieft: Man muss die Schafe (Mitglieder) zählen und nicht wägen! So schickte sich der amtierend FIFA-Präsident an, u.a. alle 211 Mitglieds-Verbände des Weltverbandes einen Brief zu schreiben. Darin signalisierte Gianni Infantino die Bereitschaft, mit den «Schäfchen» der FIFA über die Strukturen in der FIFA und über Reformen zu sprechen. Jeder Mitgliedsverband habe das Recht, gehört zu werden, schwadronierte der FIFA-Präsident. Der Dialog im Verband sei nämlich auch möglich, falls Meinungsverschiedenheiten existierten (was innerhalb der FIFA in der Tat der Fall ist). Und wie verhält es ich mit den angesprochenen Reformen, die von den Gegnern des Präsidenten als «Pseudo-Reformen» bezeichnet werden? Diese Reformen wurden im Rahmen der FIFA bereit vor Jahren umgesetzt, vom FIFA-Präsidenten aber sukzessive «ausser Kraft» gesetzt und ad absurdum geführt (etwa durch das systematische Auswechseln von integren, unabhängigen Persönlichkeiten, welche in der FIFA-Ethikkommission wirkten und die durch Personen aus dem präsidialen Umfeld ersetzt wurden).

Die Deutsche «BILD»-Zeitung kommentierte auf wenigen Zeilen auf der ersten Seite des Blattes, was es von Gianni Infantinos Schreiben an die Verbände und von seinen Beteuerungen betreffend Reformen in der FIFA hält: Nichts. Er wurde flugs zum «Verlierer» erklärt. Das Blatt meinte dazu kurz und bündig: «Glaubwürdigkeit verspielt». Für die UEFA und einigen grossen Verbänden ist auch nach der jüngsten Aktion des FIFA-Präsidenten klar: Die Zukunft der FIFA soll eine Zukunft ohne Gianni Infantino werden. Die zentrale Frage wird jedoch sein: Wer soll den 56jährigen Funktionär aus dem Wallis auf dem FIFA-Präsidenten-Thron am 18. März 2027, am FIFA-Kongress in Rabat, ablösen?

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