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Auf den Mann oder auf die Frau gespielt

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(causasportnews / red. / 27. Februar 2021) Die «neuen Medien» haben der Menschheit ungeahnte, neue Möglichkeiten der Information und Kommunikation eröffnet. Alles begann mit dem «Handy», eine Erscheinungsform moderner Begegnung, die wieder einmal in Anlehnung an «Loriot», mit bürgerlichem Namen Vicco von Bülow, vom Nutzen her auch etwa so qualifiziert werden könnte: «Ein Leben ohne Handy ist zwar möglich – aber sinnlos». Über die ratio moderner Kommunikationsmittel im Allgemeinen lässt es sich trefflich streiten. Unbestritten ist allerding, dass diese neue, schöne Kommunikationswelt erstens kaum mehr in ordentlichen und geordneten Bahnen verläuft, sondern regel(un)recht aus dem Ruder läuft. Eine Neuauflag des Zauberlehrlings also, der nicht mehr beherrschen kann, was er entfesselt hat.

Vor allem lässt diese neue Welt Hemmschwellen sinken und die Umgangsformen zwischen den Menschen niveaulos werden und verrohen. Dies wird vom Umstand begünstigt, dass mit den neuen Medien Kommunikationsmittel und -möglichkeiten für jedermann (und jede Frau) geschaffen werden. Wer sich noch vor wenigen Jahren über eine gewählte, korrekte und stilvolle Sprache auszuweisen hatte, falls er mit seiner Meinung in den konventionellen Medien publiziert werden wollte, kann heute auf den digitalen Kanälen und mit Hilfe der neuen Medin wild zuschlagen, beschimpfen, diffamieren und so richtig die «Sau» rauslassen. Die neuen Medien bilden eine Form der Perpetuierung des klassischen «Stammtisches». Der erste US-Twitter-Präsident hat es vorgelebt. Es kommt hinzu, dass das Mitteilungsbedürfnis der Menschen heute ins Unermessliche gestiegen ist. Man will um jeden Preis wahrgenommen werden – auch im privaten Umfeld. Das gilt ebenfalls für Personen des öffentlichen Lebens, an ihrem Leben soll ausserhalb von Bühne und Sportplatz teilgenommen werden. Dass Franck Ribéry in Dubai ein «Gold-Steak» verzehrt hat, sollte schliesslich die ganze Welt erfahren (Causa Sport 1/2019, 112). Die neuen Medien bilden neue Marketingkanäle für Berühmtheiten jeglicher Provenienz – auch wenn der «Schuss» dabei oft nach hinten losgeht und die Protagonisten für aus der Privatsphäre Kommuniziertes Schelte und Beschimpfungen zu gewärtigen haben (wie eben vor zwei Jahren Franck Ribéry) statt Applaus und Lob. Oft aus purer Dummheit wird noch Dümmlicheres und Unnötigeres kommuniziert, dies in der Erwartung, vom «tumben» Volk dafür beklatscht zu werden. «Promis» und Menschen, die sich auf diese Weise einen Stellenwert erkämpfen wollen, verkennen oft auch eine Eigenheit des Volkes: Neid und Missgunst. Das Thema der «Influencer/innen» sei an dieser Stelle einmal aussen vorgelassen.

Die nächste Eskalationsstufe in dieser Entwicklung bilden die zunehmenden Beschimpfungen, Bedrohungen, Schmähungen und Diffamierungen. Wer etwa als Athlet/in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, provoziert einiges. So wird dann als Reaktion zwangsläufig immer mehr auf den Mann (oder auf die Frau) gespielt. «Cyber-Mobbing» nennt sich das; eine Tendenz, die sich durch das Verhalten der belasteten und frustrierten Mitmenschen im «Corona»-Zeitalter zuspitzt. Nun gelangen Spitzensportler/innen an die Öffentlichkeit und verlangen Mässigung derer, welche sich im Netz austoben. So beklagt sich der Deutsche Fussballspieler Toni Kroos: «Cyber-Mobbing ist kein Kavaliersdelikt». Sein Agent, Volker Struth, fordert öffentlich, dass der Staat nun für Disziplin im Netz sorgen solle. Am Schluss soll es derzeit immer der Staat richten. Vielleicht wäre es jedoch angesagt, die neuen Medien etwas defensiver zu nutzen; was kümmern uns Privat-, Urlaubs- und Party-Fotos dekadenter Sportler/innen?