causasportnews.com – 101/2026, 2. November 2026

(causasportnews / red. / 2. November 2026) Das war ein sportpolitischer und sportjuristischer Paukenschlag am letzten Freitagnachmittag (30. Oktober 2026): Es wurde bekannt, dass der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof (TAS; Tribunal Arbitral du Sport) per sofort die Reintegration Russischer Eishockey-Teams ins Welt-Eishockey angeordnet hatte. Russische Mannschaften dürfen also wieder auf der Weltbühne des Eishockeys, will heissen im organisierten Betrieb im Rahmen der IIHF (International Ice Hockey Federation) mit Sitz in Zürich, mittun, nachdem sie seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine vom Spielbetrieb der IIHF ausgeschlossen waren. Das TAS hiess eine entsprechende «Berufung» des Russischen Eishockey-Verbandes gegen die IIHF-Entscheidung gut, wonach Teams aus Russland auch in der Saison 2026/27 auf internationaler Ebene zum Zuschauen verurteilt wurden. Die Entscheidung aus Lausanne, dem Sitz des TAS, schlug in der Sportwelt wie eine Bombe ein. Innert Minuten wurde das Verdikt aus der Schweiz rund um den Globus bekannt. Die Medien berichteten mit Priorität, und das Unglaubliche wurde von «Krethi und Plethi» kommentiert. Es herrschte, mit Ausnahme in Russland und in den russen-freundlichen Ländern, geradezu Konsternation. Der (angefochtene) Beschluss der IIHF basierte auf dem Umstand, dass Russland mit dem im Februar 2022 (!) begonnen Krieg, der immer schlimmer wird, im internationalen Eishockey nicht mehr willkommen war. Unglücklicherweise begründete die IIHF die weitere Fernhaltung russischer Teams im internationalen Sport mit «Sicherheitsbedenken», eine Argumentation, die vom TAS mit einem Federstrich weggewischt wurde. So verneinte das TAS die ins Feld geführten «Sicherheitsbedenken», die angeblich als nicht hinreichend belegt qualifiziert wurden, von der IIHF jedoch zur Ausschliessung Russlands aus dem organisierten Eishockey herangezogen wurden und entschied einstimmig (!) zu Gunsten des russischen Verbandes. Es hätte natürlich aus vereinsrechtlicher Sicht (die IIHF ist ein Verein nach Schweizerischem Recht) eine Vielzahl von Argumenten gegeben, um einen Ausschluss Russlands aus dem internationalen Eishockey anders und wirksam zu begründen. Es bleibt das ungute Gefühl, dass die IIHF, nicht gerade als «russen-unfreundlich» bekannt, eine Begründung für den Ausschluss gewählt hat, um so den Russen doch zu ermöglichen, was jetzt geschehen ist, nämlich auf diese Weise der Sanktion der IIHF zu entgehen – ein Schelm, der Böses denkt…Eigenartig ist, dass die IIHF nach Bekanntgabe der TAS-Entscheidung umgehend erklärt hat, das Verdikt des TAS zu akzeptieren; das war ja wohl eine weltmeisterliche Leistung der IIHF-Funktionäre, das mehrseitige TAS-Urteil zu lesen und sich Gedanken über die Rechtslage und die Urteils-Anfechtungsmöglichkeiten zu machen. Es gäbe wohl gute Gründe, um diese TAS-Entscheidung vom Schweizerischen Bundesgericht aufheben zu lassen. Eher nicht in diesem Fall ist wohl das «Bonmot» zu bemühen, dass das TAS eben eine juristische «Wundertüte» sei. Der Sport-Schiedsgerichtshof ist jedenfalls eine Institution des Sportes, die mit den oft opportunistischen und rechtsbeugenden Entscheidungen immer wieder für ein «Gschmäckle» (im Sinne von wie auch immer wieder «fragwürdig») sorgt. Nicht ganz zufällig wurde wohl der Freitagnachmittag gewählt, um die Welt-Öffentlichkeit vom gefällten TAS-Urteil zu informieren (30. Oktober 2026). Nicht nur etwa die selbsternannten «Qualitätsjournalisten» der «Neuen Zürcher Zeitung» waren zu dieser Zeit irgendwo, nicht jedoch an der Arbeit im Redaktionsgebäude im Herzen Zürichs, einen Steinwurf von der IIHF-Zentrale entfernt. Erst am darauffolgenden Montag (2. November 2026) befasste sich die «alte Tante» von der «Falkenstrasse» in Zürich mit dem Thema und machte vor allem wegen des TAS-Entscheides in Betroffenheit. In der Samstags-Ausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung» fand sich keine Zeile zu diesem sport-juristischen Erdbeben!
Man darf nun gespannt sein, wie sich die Vorgänge in der IIHF nach der Reintegration Russlands in den Spielbetrieb des Weltverbandes entwickeln werden. Bereits im kommenden Mai wird also Russland anlässlich der Männer-Eishockey-WM in Deutschland wieder mit von der Partie sein, falls nicht noch Unglaubliches geschieht oder die Russen ihre Kriegshandlungen gegen die Ukraine einzustellen gewillt sind (was eher nicht anzunehmen ist). Vielleicht könnten die vom TAS weggewischten Sicherheitsbedenken bezüglich der WM in Deutschland zur realen Bedrohung des Anlasses werden, für den das TAS (und indirekt der Hauptträger des Gerichtshofs, das IOK) bei Schäden dann wohl mithaften würde (immerhin leben in Deutschland über eine Million Menschen ukrainischer Herkunft). In Deutschland (DEB, Deutscher Eishockey-Bund) wird nach dem TAS-Urteil bereits das Thema einer Rückgabe der WM 2027 als Option in Erwägung gezogen. Nehmen die Russen an der kommenden WM-Teil, könnten zudem allfällige Boykott-Drohungen anderer WM-Teilnehmer real werden.
Die TAS-Entscheidung bedeutet vor allem ein Sieg des Diktators im Kreml. Mit dem Krieg gegen die Ukraine hat er die Welt ins Chaos gestürzt und schafft es nun auch, im organisierten Welt-Eishockey ein veritables Hauen und Stechen zu inszenieren. Geradezu zynisch mutet der Umstand an, dass anlässlich der WM in Deutschland bei einer Teilnahme Russlands nun Russland die Ukraine am WM-Turnier ersetzen soll…
