Ein Abgesang auf den Sport-Journalismus

causasportnews.com – 98/2026, 23. Oktober 2026

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(causasportnews / red. / 23. Oktober 2026) Was gibt es Schöneres, als sich mittels Tablets und Handys orientieren zu lassen? Die Informationsvermittlung wird so zum ultimativen Ereignis, isoliert und abgekapselt von der Umwelt und von jeder Zivilisation. Es ist die Stufe, auf welcher der Mensch als «Zoon politikon», als gemeinschaftsausgerichtetes Lebewesen» sein Heil im «Ego» sucht und durchwegs findet; und wenn das nicht reibungslos vor sich geht, ist für die Schaffung von Lebensqualität das Heer der Psychiater und Psychotherapeuten zuständig. Digitalisierung und Technik über alles, Bibliophie und papiererne Informationsvermittlung gehören auf den Scheiterhaufen, auf dem die Vergangenheit dem Zeitgeist geopfert wird.

So kommt es, dass an Zeitungen und Zeitschriften wohl nur noch aus Traditions- und Prestigegründen festgehalten wird. So meldete der Zürcher «Tages-Anzeiger» den Leserinnen und Lesern der Zeitung, dass sich der Medienmarkt in einem tiefgreifenden Wandel befinde und sich der «Tages-Anzeiger» diesem «neuen Umfeld» anpassen müsse («Tages-Anzeiger» vom 21. Oktober 2026). Will heissen: Der Verlag kündigt 41 Medienschaffenden und schickt sie in den Ruhestand oder auch sonst wohin. Versehen mit dem Bekenntnis: «Technologie (gemeint ist wohl KI) soll die Arbeit der Journalistinnen und Journalisten unterstützen, nicht den journalistischen Kern ersetzen.». Ein hehres Bekenntnis zum Sinkflug der Auflagenzahlen. Geradezu trotzig verkündet die «Neue Zürcher Zeitung» ihr Rezept gegen die kollabierende Auflage. Ein neuer Chefredaktor muss her («NZZ» vom 22. Oktober 2026). Nach dem glücklosen und starrsinnigen Eric Gujer, der nun den Markt Deutschland für die «NZZ» erschliessen soll, übernimmt Mark Dittli, der versuchen wird, die Print-Auflage der «NZZ», die 1780 erstmals erschienen ist, ins Jubiläumsjahr 2030 zu retten, bzw. diese nicht unter den Gefrierpunkt sinken zu lassen. Marc WHO?, wäre der Restposten der «NZZ»-Leserinnen und -Leser geneigt zu fragen. Mit den Chefredaktoren von Zeitungen ist es etwa dasselbe Kreuz wie mit den Bundesräten. Kaum jemand will, und am Schluss werden Nonames auf den Schild gehoben.

Mit dem Untergang der Print-Medien endet auch die Epoche des Sportjournalismus’. Die «NZZ» hat je länger desto mehr Mühe bekundet, den Sport dem ihm gebührenden Platz im Blatt zuzuordnen. Dies, obwohl der Sport heute ein Wirtschaftsfaktor ist, was die «NZZ»-Redaktion stets geflissentlich übersehen hat. Aktuell ist es keine Seltenheit, wenn der massiv geschrumpfte «NZZ»-Seitenumfang noch eine Zeitungsseite beträgt. «Meinung & Debatte», das sind die zauberhaften Wortschöpfungen, die Leserbriefschreibern und Besserwissern noch Publikationsmöglichkeiten gewähren. Die Zeitung wird nicht mehr mit Inseraten, aber mit Konsumwerbung aller Art gefüllt. Noch vor wenigen Jahren galt als oberste Maxime für die «NZZ»: Die «NZZ» muss zwingend sein, und die Leserschaft muss das Bedürfnis haben, zur «NZZ» greifen zu wollen. Dieses Motto hatte seinen Ursprung im Sport-Ressort, das heute von Deutschen und vorwiegend aus Berlin (!) gelenkt wird. Sowohl die «NZZ» im Allgemeinen und der Sport in der «NZZ» im Besonderen sind heute nicht mehr zwingend, sondern realistischerweise zum Vergessen. Die Strategen der Zeitung verkennen, dass auch die «NZZ»-Leserschaft den Sport und seine Hintergründe als spannender empfindet als irrelevante, und dennoch meistens in epischer Breite abgehandelte Wirtschaftsthemen. Durchhalten mindestens bis zum Jubiläumsjahr 2030 lautet die prestigeträchtige Devise, und aus Zürich soll nun nach den Intuitionen der «NZZ»-Macher der Deutsche (sic!) Medienmarkt aufgemischt werden.

Die Zeiten, dass mit dem Sport auch eine Zeitung verkauft wird, sind längst vorbei. Man darf schon gar nicht mehr von Zeitungen (in der Mehrzahl) sprechen, denn kontinuierlich werden es weniger. Signifikantes tut sich derzeit im Verlag der Boulevard-Zeitung «Blick». Seit Jahrzehnten verkaufte sich der «Sonntagsblick» vor allem dank und wegen der Sport-Berichterstattung. Damit hat es nun nach über 50 Jahren ein Ende. Die Abonnenten des jeden Tag erscheinenden «Blick» erhalten die Zeitung als Wochenend-Ausgabe am Samstag; erst am Montag erscheint dann die erste Werktags-Ausgabe des Blattes. So verabschiedet sich dieses Boulevard-Medium ab anfangs 2027 vor allem nicht nur von der aktuellen Sportberichterstattung am Sonntag.

Print-Medien ohne Sport-Berichterstattungen sind möglich, aber wohl sinnlos, bzw. wird so jede News-Lebensqualität der Medien-Konsumenten geschmälert. Der Abgesang auf den Sport-Journalismus muss nun dennoch ohne Wenn und Aber angestimmt werden.

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