causasportnews.com – 93/2026, 8. Oktober 2026

(causasportnews / red. / 8. Oktober 2026) Zürich ist nicht gerade ein Eldorado Internationaler Sportverbände, die in der rot-grünen Metropole an der Limmat ihr Domizil haben. Doch wird die Stadt im Zusammenhang mit dem Sport genannt, steht in erster Linie der Fussball-Weltverband (FIFA) im Fokus des Interesses. Der als Verein organisierte Weltverband hat seinen Sitz seit 1932 am Zürcher Sonnenhügel, auf dem «Sonnenberg». Gegründet wurde die FIFA 1904 in Paris. Seit dem Umzug des Weltverbandes nach Zürich, hat dieser Verband sein Domizil nur innerhalb der Stadt Zürich gewechselt. Seit 2006 nutzt die FIFA einen der Bedeutung des Verbandes gerecht werdenden Zweckbau (genannt das «Home of FIFA»), der das internationale «Herz» der weltumspannenden Vereinigung des Weltfussballs bildet. Die Zentrale des Verbandes sowie der mundiale Fussball werden seit anfangs 2016 geführt von Gianni Infantino, der nebst der Schweizer Staatsbürgerschaft auch diejenige Italiens und des Libanon besitzt. Wie auch «causasportnews» schon des öftern berichtet hat, gilt Gianni Infantino zwar noch als Favorit für die nächste Präsidentenwahl, die im kommenden März in Rabat durchgeführt wird. Dem Walliser erwächst aber seit der diesjährigen Weltmeisterschafts-Endrunde in den USA, in Mexiko und in Kanada immer stärkere Opposition, eine Nicht-Wahl des 56jährigen Funktionärs ist denkbar, aber – Stand heute – tendenziell eher unwahrscheinlich. Entscheidend wird für den Ausgang des Wahlgeschäfts wird sein, ob es der FIFA-Community gelingen wird, einen Gegenkandidaten zu Gianni Infantino aufzustellen. Zumindest theoretisch könnte der Fall eintreten, dass an der Spitze der FIFA kein Schweizer mehr in präsidialer Funktion oder in Organfunktionen im Rahmen der Exekutive tätig sein würde.
Im zweiten grossen, internationalen Sportverband mit Sitz in Zürich, nur wenige Kilometer vom FIFA-Hauptquartier entfernt, ist die Schweiz seit kurzer Zeit in der Exekutive des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) schon gar nicht mehr vertreten. Peter Zahner, der CEO des Zürcher Klubs ZSC Lions, dem auch Chancen auf das Präsidentenamt im Welt-Eishockeyverband eingeräumt wurden, schaffte nicht einmal die Einsitznahme in den IIHF-Council. Das bisherige Exekutiv-Mitglied, der Bündner Raeto Raffainer, trat zur Wiederwahr nicht mehr an. Künftig wird also das Exekutiv-Gremium der IIHF seine Sitzungen und Zusammenkünfte in einer alt-ehrwürdigen, erweiterten Villa im Zürcher Enge-Quartier ohne Schweizer Beteiligung abhalten. Neuer IIHF-Präsident ist der 71jährige Deutsche Franz Reindl, der den 73jährigen Kanadier Luc Tardif beerbt hat. Dass die Schweiz im internationalen Eishockey nun nur noch eine Aussenseiterrolle spielt, ist vor allem auf personelle Querelen zurückzuführen. Im internationalen Eishockey tobt im Funktionärs-Milieu zudem ein Kampf zwischen pro-russischen und anti-russischen Kräften.
Derzeit ist sicher, dass im Eishockey in absehbarer Zeit kein Schweizer Vertreter mehr auf Organ-Ebene die Geschicke des Weltverbandes in der Zentrale in Zürich mitgestalten wird. Ungewiss ist die personelle Lage aktuell in der FIFA. Falls Gianni Infantino im März des kommenden Jahres nicht mehr gewählt würde, könnten auch in der FIFA die Schweizer Einflüsse auf die Exekutive schwinden oder sogar verschwinden. Exekutiv-Organe der FIFA und der IIHF (vgl. dazu Art. 55 des Zivilgesetzbuches, ZGB) aus der Schweiz auf dem Platz Zürich hatten es auch schon einfacher als heute. Da es ist es auch ziemlich irrelevant, dass die Schweiz, im eigenen Land nota bene, auch in diesem Jahr und zum dritten Mal in Folge ziemlich knapp am Weltmeister-Titel vorbeischrammte (das Finalspiel 2026 wurde gegen Finnland in der Verlängerung 1 : 0 verloren), eigentlich in dieser Sparte eine Weltmacht ist.
