causasportnews.com – 77/2026, 22. August 2026

(causasportnews / red. / 22. August 2026) Das war zu erwarten und entspricht aktuellen Trends und dem Zeitgeist: Mehr Menschen sind in einem Fitnesscenter eingeschrieben als Sportvereine Mitglieder aufweisen. 22 Prozent der Schweizer Bevölkerung trainiert in Fitnesscentern; Lifestyle steht in der Gunst von Frau und Herr Schweizer zuvorderst. Die Branche, die eng an das Lebensgefühl des modernen Menschen gekoppelt ist (Work-Life-Balance, mehr Freizeit, weniger Arbeit, Gesundheitsaspekte, die Ausstrahlung des Menschen auf Dritte, Individualität über alles, usw.), boomt und verdrängt den Sport in den Vereinen in den Nebenbereich. Nur noch 19 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ordnen sich den Vereinsgefügen unter und betreiben den Sport kollektiv statt individuell in praktisch jederzeit zugänglichen Fitnesscentern. Der Individualismus prävaliert in der heutigen Welt. Das Fitnesscenter kommt diesem Trend entgegen. Es kann immer und überall nach Lust und Laune Sport getrieben werden. Anders im Sportverein: Hier findet die sportliche Betätigung so statt, wie es die betreffenden Vereinsstatuten zu lassen und wie das Vereinsrecht (vgl. Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB) den Rahmen absteckt. In den Sportverein ist das Vereinsmitglied durch das Mitgliedschaftsverhältnis gebunden. Die Sportausübung im Fitnesscenter basiert hingegen auf einem Vertragsverhältnis zwischen dem Fitnesscenterbetreiber und dem Nutzer. Dieses Vertragsverhältnis ist als gemischter Kontrakt zu qualifiziert und beinhaltet etwa Elemente des Miet- und Werkvertrags sowie des Auftrags. Wer im Fitnesscenter Sport treibt, ist an vertragsrechtliche Bestimmungen und oft Allgemeine Geschäftsbedingungen gebunden, der im Verein aktive Mensch jedoch an die «Verfassung» des Vereins, an die Vereinsstatuten. Im Sport erfolgt nun also die Einbindung freiheitlich auf vertraglicher Ebene gegenüber dem relativ engen Korsett, das von der jeweiligen Vereinsordnung vorgegeben wird. Das zeigt eine aktuelle Bundesstudie «Sport Schweiz», die soeben veröffentlicht worden ist. Das (knappe) Resultat, 22 Prozent pro Fitnesscenter und 19 Prozent pro Sportverein, ist zwar bemerkenswert, darf jedoch nicht erschrecken. Derartige Umfragen entsprechen eben auch dem Zeitgeist, der von Umfragen, Studien, Expertenmeinungen, usw. dominiert wird. Die jetzt vorgelegte Studie, die, was immer das heissen mag, als «repräsentativ» qualifiziert wird, basiert auf den Resultaten von Befragungen von rund 15’000 Personen in der Schweiz im Zeitraum zwischen 2020 und 2026. Wie dem auch sei, das Ergebnis zeigt vor allem auf, dass die Vereine, nicht nur im Sport, nicht gerade «Auslaufmodelle» sind, aber doch mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Insbesondere werden heute die ehrenamtlichen Tätigkeiten, welche Vereinen und Verbänden die Grundlagen für Vereinsaktivitäten garantieren, immer unbeliebter. Der Egoismus des Menschen wird dem Kollektivismus geopfert.
Die Studie belegt zudem, dass die Schweiz noch immer eine Sportnation ist, was sich letztlich auch an den internationalen Erfolgen helvetischer Sportlerinnen und Sportlern manifestiert. Die typische schweizerische Sportart Skifahren (die Basis wird in den Vereinen und Verbänden gelegt) konkurriert nun mit Krafttraining und Yoga (was im Fitnesscenter praktiziert wird). Interessant ist der Umstand, dass mehr als 50 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer mehrmals pro Woche einer sportlichen Aktivität nachgehen. Nur 17 Prozent betätigen sich gar nie sportlich.
Die beliebteste Sportart wird allerdings nicht im Fitnesscenter ausgeübt, jedoch dürfte wohl die physische Basis durch Fitnesstraining in den Centern gelegt werden: Das Wandern und Bergwandern. Beliebt ist auch das Radfahren (ohne Mountainbiking), das Schwimmen und das Skifahren. Herr und Frau Schweizer joggen und laufen zudem sehr gerne. Auffallend ist bei Betrachtung der Beliebtheitsskala der Sportarten, die ausgeübt werden, der Umstand, dass für diese Betätigungen keine exorbitant teuren Ausrüstungen benötigt werden (Schuhe und Sportkleidung zum Wandern, Badehose zum Schwimmen). Der Wanderboom dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass es sich unkompliziert in der Schweiz und in den Bergen wandern lässt und die Menschen teils auch davon absehen, sich den Mühsalen von Auslandreisen und -aufenthalten auszusetzen.
