Nachhaltige Anachronismen – auch im Fussball

(causasportnews / red. / 31. März 2019) Nicht nur im Leben im Allgemeinen, sondern auch im organisierten Sport im Besonderen existieren Anachronismen zuhauf. Einer dieser Anachronismen betrifft den Fussball, bzw. den internationalen Fussball, exakt die sog. „Club-WM“ oder „Vereins-WM“, die seit 2005 regelmässig zum Jahresende durch den Weltfussballverband FIFA organisiert und derzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgetragen wird. Die Idee dieser Weltmeisterschaft geht angeblich zurück auf einen Geistesblitz des damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter, dem nachgesagt wurde, er wisse als eingefleischter Junggeselle kurz vor dem Jahresende nicht, wie er die Vorweihnachtszeit gestalten solle; deshalb sei für ihn die Club-WM im Dezember ein willkommener Zeitvertreib und eine willkommene Abwechslung gewesen. Wie dem auch sei: Über Sinn und Unsinn dieses Wettbewerbs, der aktuell jeweils von den sechs Kontinental-Meistermannschaften und einer Gastgeber-Mannschaft bestritten wird, sind die Meinungen geteilt. Systematisch passt er überhaupt nicht zur FIFA, welche weltweit den Nationalmannschafts-Fussball verantwortet und 211 Nationalverbände als Mitglieder zählt. Im Organisationsgefüge der FIFA spielen die Clubs (Vereine) keine direkte Rolle. Vereinsrechtlich können sie allenfalls als „indirekte“ Mitglieder des Weltfussball-Verbandes qualifiziert werden; deshalb steht ein von der FIFA organisiertes Turnier mit Club-Mannschaften so oder so relativ „schräg“ – und eben anachronistisch – in der Fussball-Landschaft. Bei den Clubs (und den Spielern) ist diese Meisterschaft relativ unbeliebt, doch regt sich nun grundsätzlicher, massierter Widerstand gegen das Turnier, seit die derzeitige FIFA-Spitze eine Format-Erweiterung nicht nur angedacht, sondern grundsätzlich beschlossen hat. Ab 2021 soll die Club-WM im Rahmen eines neuen Austragungs-Modus‘ mit 24 Mannschaften (derzeit sieben Teams) durchgeführt werden. Dieses Ansinnen, unter dem wohlklingenden Namen „Reform“ positioniert, ist nicht die Folge eines sportlich-philanthropischen Um- oder Weiterdenkens, sondern vor allem wirtschaftliches Kalkül. Mehr Mannschaften, mehr Fernsehen, mehr Erträge – so lautet die einfache Rechnung für das neue Konzept, das vor allem durch Mannschaften Europas, dem wichtigsten Fussball-Kontinentalmarkt, geprägt werden soll. Die bedeutendsten Clubs Europas, praktisch unisono durch die „European Club Association“ (ECA) vertreten, haben in ersten Stellungnahmen zur „Reform“ klar Position gegen einen aufgeblähten Wettbewerb in der Vorweihnachtszeit bezogen. Doch die einheitliche Front scheint bereits zu bröckeln: Real Madrid und der FC Bayern München haben bereits Diskussionsbereitschaft in der Grundsatzfrage, ob das Turnier Teilnehmer-Erweiterungen erfahren soll, signalisiert. Es darf gemutmasst werden: Fall sich die Club-WM auch für die Clubs rechnen sollte, ist deren Teilnahme so gut wie sicher. Stimmt die wirtschaftliche Komponente, ist Nachhaltigkeit auch bei solchen Vorgängen, wie bei einer einschneidenden Formatänderung im Rahmen von internationalen Fussball-Turnieren, von vordergründiger Bedeutung – Anachronismus hin oder her.

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