Bundesanwaltschaft gegen Fussball: Nun fertig mit Gemütlichkeit…

(causasportnews / red. / 13. Februar 2019) Es ist, wie es fast immer ist: Die Schweizerische Bundesanwaltschaft beginnt Ermittlungen mit allen möglichen Mitteln, wenn es opportun ist auch medienwirksam. Das ist seit Jahren so und nicht nur unter dem jetzigen Bundesanwalt, und nun bekommt es auch der organisierte Fussball zu spüren. Seit 2015 wird gegen Fussball-Funktionäre ermittelt. Die Aktionen, die Auslieferung von Funktionären an die USA und die Eröffnung von Verfahren waren die spätere Folge einer Show, welche die Schweizer Behörden kurz vor dem FIFA-Kongress Ende Mai 2015 in Zürich devot im Auftrag der USA und begleitet von amerikanischen Medien in der Schweiz inszenierten. Nicht nur die zwischen den USA und der zuständigen Schweizer Bundesrätin abgestimmten, unnötigen Verhaftungs-Aktionen in Zürich und später weitere Untersuchungen an verschiedenen Orten der Schweiz verursachten Reputationsschäden zu Lasten des organisierten Fussballs im Allgemeinen und vor allem zum Nachteil des Weltfussballverbandes FIFA. Danach wurden Ermittlungen im „Komplex Fussball“ ausgeweitet, vor allem seit der „Spiegel“ im Herbst 2015 berichtete, dass das sog. „Sommermärchen“ 2006 in Deutschland mehr oder weniger gekauft gewesen sei. Seither ist der WM-Vergabe-Zuschlag an Deutschland zum Thema auch für die Bundesanwaltschaft geworden; doch bis heute hat der Berg nicht einmal eine Maus geboren. Kein Wunder, dass sich nun vor allem ein Beschuldigter der Bundesanwaltschaft gewaltig über die Ermittlungsbehörde des Bundes ärgert: Dr. Theo Zwanziger, ehemaliger Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), kluger, streitbarer Jurist und nicht so leicht einzuschüchtern, beklagt sich derzeit bitterlich, dass man zuerst durch spektakulär ausgebreitete Aktionen und Verlautbarungen durch die Medien getrieben werde – und dann geschehe über Jahre nichts mehr. Die Fakten sprechen für die Sachdarstellung von Theo Zwanziger. Es geht exakt vor allem um eine ominöse Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die 2005 erfolgte und gemäss dem „Spiegel“ – zwischenzeitlich durch offenkundig gewordenen Betrugs-Journalismus allerdings selber unglaubwürdig geworden – das „Sommermärchen 2006“ in Deutschland zerstört haben soll. In der Tat mutet es eigenartig an, dass die Umstände einer Zahlung von 6,7 Millionen Euro auch nach mehr als drei Jahren Untersuchung offenbar nicht zu klären sein sollen. Entweder die (Behörden) können oder wollen nicht, lassen sich die Kritikpunkte von Theo Zwanziger zusammenfassen. Nun droht gemäss einem Artikel in der „Neuen Zürcher Zeitung“ von gestern sogar die Verjährung, die für die Tatbestände, die in Frage kommen, Ende April 2020 eintreten könnte. In der Tat stellt sich die Frage, was die Bundesanwaltschaft während mehr als drei Jahren gemacht hat, um den Sachverhalt vor allem um die vieldiskutierte Zahlung, die über die FIFA in Zürich lief, zu erhellen. Und obwohl die Verjährung droht, bleibt mehr als ein Jahr Zeit, um die Vorhalte zur Anklage zu bringen. Natürlich gibt es immer wieder strafprozessuale Klippen im Komplex „Fussball-Ermittlungen“ zu umschiffen, wie unlängst die Entscheidung des Bundesgerichts in einem Entsiegelungsentscheid bezüglich des ehemaligen FIFA-Generalsekretärs zeigte (Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2018; 1B_196/2018; vgl. auch causasportnews vom 15. Januar 2019). Dann aber werden Vorgänge im Zusammenhang mit der Bundesanwaltschaft publik, die dem Vertrauen in diese Behörde nicht gerade zuträglich sind: Da treffen sich Exponenten der Behörden mit Fussball-Funktionären in Hotels und Restaurants, werden bezüglich Vorgängen im Rahmen von Ermittlungen nicht einmal (lapidare) Aktennotizen erstellt und scheint den Behörden an medienwirksamen Auftritten und Aktionen eher gelegen zu sein als an in derartigen Untersuchungen notwendiger Knochenarbeit.

Alles in allem ist die Kritik aus Deutschland an den Untersuchungshandlungen wohl berechtigt, vor allem was das zeitliche Element betrifft. Sonderbar ist dabei, dass die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft offenbar inexistent ist. Dieses Gremium amtet formell einigermassen unabhängig nebenbei; ihm gehören jedoch vor allem ausgewählte Vertreter/innen der politischen Parteien, die von der Vereinigten Bundesversammlung bestimmt werden, an; dieselbe Bundesversammlung wählt auch den Bundesanwalt – streng nach Berücksichtigung von politischen Partei-Interessen, wobei markant ist, dass vor allem eine Partei und deren Umfeld im „Komplex Bundesanwaltschaft“ breitgefächert vertreten ist. Offensichtlich ist der Wunsch nach einer starken Bundesanwaltschaft allgemein nicht übermässig gross. Zu denken gibt derzeit vor allem auch der Umstand, dass in den zu untersuchenden Fussball-Fällen bis zur Verjährung immerhin noch mehr als ein Jahr Zeit bleibt. Vielleicht müsste jetzt die Marschrichtung in den Untersuchungen drastisch geändert und von der im „Dschungelbuch“ von Bär „Baloo“ beschworenen Gemütlichkeit abgerückt werden. Man könnte es ja nun mal mit harter Arbeit versuchen; so schwierig dürfte es an sich nicht sein, einen Geldmittelfluss von ein paar Millionen aufzudecken. Wohl aufgeschreckt durch den von Theo Zwanziger erzeugten Druck, scheint die Bundesanwaltschaft ein wenig erwacht zu sein und will nun Ende März den ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter zur ominösen Zahlung befragen, wie die „Neue Zürcher Zeitung“ heute berichtet. Weshalb nun erst in eineinhalb Monaten, wenn Verjährung droht, dürfte sich (nicht nur) der Mann von der Strasse fragen.

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