„Wetten machen den Sport nicht kaputt“ – Wirklich nicht?

(causasportnews / red. / 15. Oktober 2016) (Sport-) Wetten machen den Sport nicht kaputt – vielmehr stellen (wettbedingte) Manipulationen sportlicher Wettkämpfe die grösste Gefahr für die Integrität des Sports dar. Dass ein solches Fazit an einer Diskussionsveranstaltung gezogen wird, die vom Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB), der Vereinigung der Lottogesellschaften der deutschen Bundesländer zur Veranstaltung von Glücksspielen, organisiert wird (so kürzlich in Berlin), ist nun nicht weiter überraschend. Bei einer strikt kausalen Betrachtung lässt es sich aber schon nicht leugnen, dass es ohne die Existenz von Sportwetten auch keine wettbedingten Sportmanipulationen geben würde. Nun sind Sportwetten und andere Glücksspiele aber ein Faktum, und die Gesetzgeber sowie die Selbstregulierer aus den Bereichen des Sports und des Glücksspiels müssen versuchen, der mit den Wetten verbundenen Manipulationen des Sports Herr zu werden.

Was die Gesetzgeber anbelangt, sind derzeit sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz – nicht zuletzt im Nachgang zur Annahme der „Sportmanipulationskonvention“ des Europarates (siehe dazu Causa Sport 2016, 3 ff.) – Bestrebungen zur Einführung von entsprechenden Straftatbeständen im Gang. In Deutschland bildet das fragliche Vorhaben Gegenstand eines eigenständigen Gesetzgebungsprojekts, während in der Schweiz Normen zur Bestrafung von (wettbedingten) Sportmanipulationen im Zuge einer umfassenden Revision des Glücks- bzw. Geldspielrechts eingeführt werden sollen.

Die Einführung von Straftatbeständen ist jedoch nur eines von mehreren Mitteln, um Sportmanipulationen zu bekämpfen. So sah der Vertreter von Transparency International Deutschland e.V., Dr. Adrian Fiedler, an der erwähnen DLTB-Veranstaltung eine adäquate Regulierung des Sportwettenmarktes als ebenso wichtig an, um Manipulationen – die im Übrigen nicht nur dem Sport, sondern auch den Wettanbietern schaden würden – einzudämmen. Dass in diesem Punkt insbesondere in Deutschland nicht unerhebliche Probleme bestehen, wurde im Zusammenhang mit der DLTB-Veranstaltung einmal mehr betont: „Es gibt bis heute keinen rechtskonformen Glücksspielstaatsvertrag und keine Lizenzen für seriöse Anbieter“, sagte Adrian Fiedler. Auch der Deutsche Sportwettenverband fordert, dass der Markt, auch zum Schutze der Integrität des Sports, sachgerecht reguliert werden müsse. Der Verband rief die Landesregierungen daher auf, die Sportwettenregulierung endlich europarechts- und marktkonform auszugestalten und den Glücksspielstaatsvertrag grundlegend zu novellieren.

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