Die wahre Geschichte der Fussball-WM 2006 immer noch intransparent

(causasportnews / red. / 17. Oktober 2016) Vor genau einem Jahr schockte das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ den organisierten Sport und die internationale Öffentlichkeit mit der Titelstory „Das zerstörte Sommermärchen – Schwarze Kassen – Die wahre Geschichte der WM 2006“ („Der Spiegel“ vom 17. Oktober 2015). Kerngehalt der Geschichte war, dass im Deutschen Fussball-Bund (DFB) „schwarze Kassen“ existieren würden, aus denen Zahlungen zum „Kauf“ der Fussball-WM-Endrunde 2006 in Deutschland geleistet worden seien: Der Vergabeentscheid war 2000 durch das FIFA-Exekutivkomitee in Zürich getroffen worden; das Abstimmungsprozedere gab schon damals zu Diskussionen und Mutmassungen Anlass. Das Geld, das in der Geschichte des „Spiegel“ im Zentrum stand und der „schwarzen Kasse“ des DFB entnommen worden sein sollte – genau ging es um 6,7 Millionen Euro – habe der zwischenzeitlich verstorbene ehemalige Adidas-Manager Robert Louis-Dreyfus dem deutschen WM-Organisationskomitee zur Verfügung gestellt – der selbe Robert Louis-Dreyfus übrigens, der auch Uli Hoeness Geld geliehen hatte, das dieser für Spekulationsgeschäfte an der Börse einsetzte. Als Verantwortliche des Deals wurden u.a. der vor einem Jahr noch im Amt befindliche DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der im November 2015 nach medialem Druck zurückgetreten war, die deutsche Fussball-Ikone Franz Beckenbauer, der WM-Organisator Horst R. Schmidt sowie der Infront-Gesellschafter und ehemalige Top-Fussballspieler Günter Netzer ausgemacht.

Nach nunmehr einem Jahr kann auf Grund der Faktenlage das Fazit gezogen werden, dass im DFB (teils) intransparente Finanzvorgänge abgewickelt worden sind, aber bis heute ein schlüssiger Beweis dafür fehlt, dass die WM-Endrunde 2006 in Deutschland mit Blick auf den Vergabeentscheid der FIFA vom 6. Juli 2000 „gekauft“ worden sei. Trotz intensivster Nachforschungen, etwa durch eine grosse Anwaltskanzlei, die im Auftrag des DFB Licht ins Dunkle hätte bringen sollen, bleibt bis heute unklar, wofür die im Vordergrund stehenden 6,7 Millionen Euro durch den DFB bezahlt worden sein sollen. Obwohl der „Spiegel“ am 17. Oktober 2015 die „wahre Geschichte“ vom „zerstörten Sommermärchen“ angekündigt hatte (vgl. auch Causa Sport News vom 29. Oktober 2015), ist die Faktenlage insbesondere bezüglich der unstreitig aus einer DFB-Kasse bezahlten Summe von 6,7 Millionen Euro auch ein Jahr nach dem medialen Schlag aus Hamburg immer noch intransparent. Jedenfalls konnte bis heute kein Kausalzusammenhang zwischen der bezahlten Summe und einem Stimmenkauf für einen Zuschlag bei der WM-Vergabe an Deutschland nachgewiesen werden. Das „Sommermärchen“ lässt zwar in verschiedener Hinsicht Interpretationsspielraum, definitiv zerstört ist es auch ein Jahr nach den Enthüllungen durch den „Spiegel“ aber nicht. Oder anders: Es darf in Deutschland weiterhin davon geträumt werden, dass das Sommermärchen 2006 wirklich wahr geworden ist. Böse Zungen sehen alles ein wenig anders: Das einzige Märchen im Zusammenhang mit der WM-Vergabe für 2006 sei der Glaube daran, dass die WM-Endrunde 2006 nicht gekauft worden sei, wird immer wieder kolportiert. Beweise, welche die eine oder andere Version belegen würden, fehlen aber nach wie vor.

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