Die Krim-Liga – ein Unikum im organisierten Fussball

Einer der acht Krim-Klubs: FC Sevastopol

Einer der acht Krim-Klubs: FC Sevastopol

Am letzten Augustwochenende haben die acht Fussballklubs der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim zum ersten Mal ihre Spiele in einer eigenen Liga ausgetragen. Einige dieser Klubs hatten in der Vergangenheit zunächst unter der Ägide des russischen Fussballverbandes (RFA) in den entsprechenden russischen Ligen am Spielbetrieb teilgenommen, was jedoch zu heftigen Protesten des ukrainischen Fussballverbandes bei FIFA und UEFA geführt hat. Der ukrainische Verband machte dabei insbesondere geltend, dass gemäss Art. 84 der FIFA-Statuten Klubs, die einem FIFA-Mitglied angeschlossen sind, für die Teilnahme an einem Wettbewerb eines anderen FIFA-Mitglieds der Zustimmung der beiden betroffenen Verbände sowie der zuständigen Konföderation und der FIFA bedürfen. Dass bei einer Anwendung dieser Bestimmung der ukrainische Verband den betroffenen Klubs die entsprechende Zustimmung verweigert hätte, lag auf der Hand.

Im Dezember 2014 schloss die UEFA dann die fraglichen Klubs vom Spielbetreib der russischen Liga aus, erklärte aber die Krim gleichzeitig zu einer Fussball-„Sonderzone“, die ihrer direkten Kontrolle unterstehe und in der sie die Entwicklung des Fussballs kontrollieren wolle – ein im organisierten Fussball beispielloser Vorgang. In der Folge wurde in dieser „Sonderzone“ eine eigene Liga, bestehend aus den acht auf der Halbinsel Krim ansässigen Fussballklubs, etabliert. Die Finanzierung der Liga scheint vorläufig gesichert; der Umstand allerdings, dass dabei das russische Sportministerium dem neu formierten „Verband“ der Halbinsel Krim finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, wirft einige Fragen auf, ist es laut UEFA der RFA doch untersagt, sich auf der Halbinsel zu engagieren. Ebenfalls heikle Fragen stellen sich bspw. im Zusammenhang mit der Teilnahme der besagten Klubs an allfälligen internationalen Wettbewerben, der Spielberechtigung der betroffenen Spieler für Nationalmannschaften und nicht zuletzt auch bezüglich der Zuständigkeiten mit Blick auf den Status und Transfer der Spieler der Krim. Unklar ist schliesslich auch der Status der Krim-„Sonderzone“ im Rahmen von FIFA und UEFA. Jedenfalls wird keiner der Verbände einer – wie auch immer gearteten – Fussball-Organisation auf der Halbinsel auch nur ansatzweise Mitgliederrechte zugestehen, solange der politische bzw. völkerrechtliche Status der Krim nicht geklärt ist.

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