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Es grünt so grün – auf und neben dem Rasen

(causasportnews / red. / 21. Oktober 2019) Spricht ein Fussballsportler oder –anhänger von „grün“, meint er in der Regel den grünen Rasen auf dem Spielfeld. Momentan ist „grün“ aber auch in anderem Zusammenhang und auch für Sportler/innen ein aktuelles Schlagwort. Es geht um Politik und die grüne Ideologie, welche im Moment durch die wohlhabende Welt fegt. Der sog. „Greta-Effekt“ hinterlässt insbesondere in Europa Spuren; in Deutschland sowieso, und nun auch in der Schweiz, die ein eindrückliches Wahlwochenende hinter sich hat und gestern das eidgenössische Parlament neu bestellte. Die im teils krassen, linken Spektrum anzusiedelnden „Grünen“ und „Grünliberalen“ legten erwartungsgemäss zu (während die Sozialdemokraten, SP, abstürzten wie ihre deutschen Genossinnen und Genossen), doch im politischen Gesamt-Kontext wird sich in den kommenden vier Jahr, bis das Parlament wieder gewählt wird, kaum viel ändern; denn ohne Allianzen lässt sich auf Bundesebene nichts bewirken. Dafür wird etwa die nach wie vor massiv stärkste Partei in der Schweiz, die Schweizerische Volks-Partei (SVP), mit einem Wähleranteil von mehr als 25%, kaum zur Verfügung stehen (die „Grünen“ kommen auf 15%, die „Grünliberalen“ auf 7,9 %). Andere Parteien mit bürgerlicher Ausrichtung sind in der nationalen Politik der Schweiz nicht mehr auszumachen, und die an sich inexistent gewordene, politische Mitte ist in der Schweiz erodiert und schon längst im politischen Links-Spektrum anzusiedeln. Wie in Deutschland sind die Liberalen auch in der Schweiz (FDP) in ihrer Erfolglosigkeit und Verzweiflung noch unberechenbarer geworden und längst keine verlässlichen, rechten Partner mehr. So haben in der Schweiz die „Grünen“ zwar massiv zugelegt, auf die Sachpolitik wird das keinen markanten Einfluss haben, zumal auch etwa die SVP durchaus umweltbewusst politisiert – was an sich eine Selbstverständlichkeit ist. Erfreulich für die SVP – und quasi in eigener Sache auch für „Causa Sport“ und „causasportnews“: Mit einem Glanzresultat ist der Zürcher Rechtsprofessor und Parlamentarier, Hans-Ueli Vogt, wieder in den Nationalrat gewählt worden; er gehört auch dem Redaktions-Team von „Causa Sport“ und „causasportnews“ an.

Der Sport hatte in mehrfacher Hinsicht Einfluss auf die Wahlen. So dürften die Verluste etwa der SVP nicht unwesentlich darauf zurückzuführen sein, dass sie dem an sich unhaltbaren Bundesanwalt Michael Lauber, der in den FIFA-Ermittlungsstrudel hineingeraten ist, vor einem Monat zur Wiederwahl verholfen hat (causasportnews vom 25. September 2019). Apropos FIFA: So kandidierte der ehemalige Legal Director der FIFA, Eishockey-Fan und SVP-Regierungsrat, Heinz Tännler, im Kanton Zug für einen Sitz im Ständerat (Kantonsvertretung im helvetischen Parlament); und muss nun in einen zweiten Wahlgang. Nicht nur Polit-Auguren räumen dem ehemaligen FIFA-Funktionär kaum Chancen ein – eher weniger deswegen, weil eine FIFA-Vergangenheit in der Schweiz nicht gerade als Renommee gilt. Dem umtriebigen, langjährigen Politiker half auch nicht, dass er am grössten Sportanlass der Schweiz, dem kürzlich in Zug (!) durchgeführten Eidg. Schwing- und Älplerfest, als OK-Präsident amtete (causasportnews vom 26. August 2019). Die Zuger Wählerschaft liess sich von diesen plötzlichen Schwinger-Affinitäten des ehemaligen Sport-Funktionärs nicht gross beeindrucken und ignorierte dieses Engagement als Wahlkampfmittel offenbar weitgehend.

Nach soviel helvetischer Politik und nationalem Sport noch das: Noch immer warten die Betroffenen (Spieler, Klubs und Verbände) sowie die Öffentlichkeit auf die Bekanntgabe von Sanktionen nach Hitlergrüssen durch Zuschauer/innen anlässlich des EM-Qualifikationsspiels Bulgarien gegen England in Sofia vor einer Woche. Ebenso müss(t)en die Salutgrüsse türkischer oder türkisch-stämmiger Spieler in Richtung der türkischen Armee drastische Folgen nach sich ziehen, da der Sport massivst für politische Zwecke und zu Diskriminierungen missbraucht worden ist. Doch der Europäische Verband (UEFA) und der Weltfussballverband (FIFA) üben sich nicht ganz unerwartet in vornehmer Zurückhaltung – obwohl in diesen Bereichen eine „Nulltoleranz“-Politik herrschen soll…