Ganz am Anfang war nicht Jürgen Klopp, aber jetzt schon – und für wie lange?

causasportnews.com – 69/2026, 27. Juli 2026

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(causasportnews / red. / 27. Juli 2026) Am Anfang war das Debakel. Konkret die schmachvolle Niederlage der deutschen Fussball-Nationalmannschaft gegen Paraguay im Sechzehntelfinale anlässlich der soeben zu Ende gegangenen Fussball-WM-Endrunde. Bundestrainer Julian Nagelsmanns rascher Abgang war mit dem Schlusspfiff dieser Partie so sicher wie das Amen in der Kirche. Als Messias des deutschen Fussballs zirkulierte nur ein Name in der Öffentlichkeit, derjenige von Jürgen Klopp. Kaum jemand in Deutschland tat sich als Häretiker hervor. Jürgen Klopp verkörpert die alternativlose Nationaltrainer-Variante im und für den Deutschen Fussball-Bund (DFB). Mit Bezug auf den bald 60jährigen mit Leistungsausweis im nationalen und internationalen Fussballgeschäft galt nur noch und exklusiv das mit dieser Person verbundene, fussballerische Glaubensbekenntnis. Obwohl nach dem Paraguay-Spiel weder bezüglich der sofortigen Trennung mit Julian Nagelsmann noch mit Blick auf dessen Nachfolge als 13. Bundestrainer seit 1936 eine zeitliche Dringlichkeit bestand, wurde der neue Heilsbringer im prestigeträchtigsten Amt im DFB umgehend als Fussball-Leitwolf installiert; vox populi vox dei. Bezüglich dieser Personalie waren weder Glaubenszweifel noch Diskussionen gewünscht und angebracht. Ein Bundestrainer ist an sich schon kein gewöhnlicher Arbeitnehmer des DFB. Das Arbeitsverhältnis zwischen dem Bundestrainer und dem Verband erfordert dennoch eine simple arbeitsvertragliche Regelung, natürlich versehen mit irdischen Eckpunkten. Dies auch mit Blick auf das relevanteste essentialium negotium im Vertrag, die Entlöhnung. Ein wenig mehr als Julian Nagelsmann wird Jürgen Klopp nun verdienen; etwas mehr als sieben Millionen Euro pro Vertragsjahr sollen es sein. Der noch mit «Red Bull» verhängte, neue Bundestrainer musste noch aus jenem Kontrakt herausgelöst werden. Der DFB verpflichtete sich offenbar, eine Million Euro als Vertragsauskaufs-Entschädigung in eine «Bullen-Stiftung» zu bezahlen- und frei war der neue Bundestrainer für den Verband. Wobei der unbefangene Betrachter den Eindruck nicht los wird, dass es Jürgen Klopp nicht so schwerfällt, den Fussball-Kosmos von «Red Bull» verlassen zu können; mit den Mannschaftssportarten, auch mit dem Fussball, tut sich die Brause-Unternehmung aus Fuschl am See nicht gerade leicht. Doch dass ein ideell ausgerichteter Verband (DFB) die Stiftung eines hoch-kommerziellen Unternehmens («Red Bull») alimentiert, ist zumindest als bemerkenswert zu qualifizieren (vgl. auch «Neue Zürcher Zeitung» vom 25. Juli 2026).

Jetzt wird also Jürgen Klopp der in letzter Zeit arg gebeutelten deutschen Nationalmannschaft zu neuem Glanz verhelfen. Dies ist die Erwartungshaltung gegenüber dem Messias des deutschen Fussballs. Die offizielle Inauguration und der erste Auftritt des Fussball-Gottes wurden mit Spannung erwartet. So geschah es vor ein paar Tagen. Was einigermassen demütig begann, entpuppte sich als Verkündigung eines von Selbstbewusstsein geprägten Dogmas mit Blick auf die Arbeitsvertragsdauer, die bis nach der WM-Endrunde 2030 terminiert wurde. Ein physisch und psychisch fit wirkender, bald 60jähriger Mann, an dem zwar die diversen, kosmetischen Optimierungen am auch sportlich-schlank gewordenen Körper unübersehbar waren, redete sich geradezu in Rage. Die Rede war davon, mit welchen Menschen sich der neue Bundestrainer in seiner Amtszeit umgeben wolle. Mit dabei sein im Bundestrainer-Gefüge soll etwa der langjährige «Berater» Marc Kosicke, was doch einigermassen speziell anmutet. Üblich ist es im Fussball, dass die Trainer mit ihrer Entourage ihre Arbeitgeber wie Hirten mit ihren Schafherden die Ställe und grünen Wiesen wechseln.

Danach galt es, das Verhältnis zu den Medien zu klären. Die erste Klarstellung betrachteten Teilnehmer am denkwürdigen Anlass in Frankfurt als «sonderbar». Wieder demütig geworden, sagte der Mann, der es künftig mit der deutschen Nationalmannschaft «richten» soll, nein, es richten wird: «Ich mache diesen Job nicht für mich. Ich mache ihn für euch» (sic!). Er mache diesen Job, «obwohl ich mitbekommen habe, wie ihr mit Julian Nagelsmann umgegangen seid». Und mit Blick auf die Funktionärskaste im DFB wurde der «Neue» ebenfalls deutlich: «Wenn der DFB sagt, der ist Scheisse, bin ich weg». Kaum im Amt, ist das «Weggehen» also ein zentrales Thema. Weiter blaffte er: «Wenn ihr meine Familie nicht in Ruhe lässt, bin ich weg.»

Was also mit Jürgen Klopp und der deutschen Nationalmannschaft werden wird, dürfte sich bald weisen. Wohl am 24. September 2026, wenn das Spiel in der UEFA Nations League gegen die Niederlande ansteht. «Schaun mer mal, dann sehen mer scho», würde der verstorbene Fussball-Säulenheilige Franz Beckenbauer an dieser Stelle sagen. Der Glaube an Jürgen Klopp ist grundsätzlich unerschütterlich. Mit seinen Äusserungen i.S. «Weggehen» lässt der Fussball-Messias aber durchaus menschliche Züge manifest werden. Er weiss wohl, wie schnell es gehen kann, wenn, auch im Fussball, gefordert wird: «Kreuzigt ihn!»

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