causasportnews.com – 68/2026, 23. Juli 2026

(causasportnews / red. / 23. Juli 2026) Der Ausdruck «Ende Feuer» entstammt der Schweizer Militärsprache und bedeutet im übertragenen Sinn das Ende eines Vorgangs. Aktuell wird darüber diskutiert, ob der Einsatz von Angehörigen der Armee insbesondere bei sportlichen Grossanlässen bald ein Ende haben wird. Das Spannungsfeld in diesem Bereich ist offenkundig: Private Organisatoren von Sportanlässen lassen notwendige Aufgaben im Rahmen solcher Events durch die Armee erledigen, vor allem deshalb, weil diese Helferinnen und Helfer weitgehend ohne Kostenfolgen für Sport-Organisatoren tätig sind. Angehörige der Armee schaufeln beispielsweise an der Piste des Lauberhorns, schleppen und verarbeiten Baumaterialien für Schwinger- und Älplerfeste und regeln den Verkehr bei verschiedensten Sportanlässen. Im vergangenen Jahr wurden durch die Armee rund 26 000 Diensttage im Rahmen von Sport-Events aller Art für zivile und ausserdienstliche Tätigkeiten geleistet. Insgesamt 89 Anlässe, zudem einige Kultur-Events, wurden durch die Armee unterstützt. Angehörige der Armee leisteten etwa am Lauberhorn in Wengen (BE) 2296 Diensttage, am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Mollis (GL) 3532 Diensttage und anlässlich der Snowboard-, Freestyle- und Freeski-Weltmeisterschaften im Engadin (GR) 1270 Diensttage. Der Vorteil des Einsatzes der Armee für Sport-Veranstaltungen liegt auf der Hand. Woher sollten sonst Gratis-Arbeitskräfte rekrutiert werden, wenn nicht aus Beständen der Armee? Die Durchführung des Eidg. Schwing- und Älplerfestes 2028 auf der Allmend in Thun dürfte gemäss Fach-Personen schwierig werden, wenn der Grossanlass mit erwarteten rund 400 000 Besucherinnen und Besuchern ohne Gratis-Unterstützung der Armee durchgeführt werden soll. Dabei ist natürlich anzumerken, dass es einer Eigenheit der Schweizerinnen und Schweizer entspricht, schon einmal pessimistisch in die Zukunft zu blicken und auf Vorschuss zu jammern. Selbstverständlich würde das Fest in Thun zu einem grandiosen Erfolg – auch ohne Armee-Unterstützung. Nicht nur deshalb, weil die Schweiz über die «beste Armee der Welt» verfügt, wie der ehemalige Verteidigungs- und Sportminister Ueli Maurer 2008 verkündete, ist das Thema brisant; denn Truppen sollten nicht für verteidigungsfremde Einsätze vorgesehen werden. Ueli Maurer hat es damals im Gesamtkontext wohl richtig gedacht…Die Sozialdemokratin Andrea Zryd, eine ehemalige, aktive Skisportlerin und heute Sportlehrerin sowie Sportwissenschaftlerin, hat sich in den Medien so vernehmen lassen: «Ohne die Armee wären diverse Sportevents gar nicht mehr durchführbar», was aus dem Mund einer Links-Vertreterin doch eher erstaunt, zumal Linke und Grüne die Armee in ihrer Gesamtheit seit jeher verteufeln.
So ist bei dieser Thematik auch die Seite der Armee zu fokussieren, welche mit ihren Angehörigen die weitgehend kostenlosen Dienstleistungen für den Sport erbringt. Der Zustand der Armee ist, zurückhaltend ausgedrückt und unter Beachtung des Dissuasions-Aspektes, eher bescheiden. Selbst hartgesottene Armee-Befürworter geben zu, dass der Einsatz von Armee-Angehörigen kaum als Gewinn für die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz qualifiziert werden könne. Es kommt hinzu, dass die Kosten für diese Art von Armee-Einsätzen massiv sind, dies in einer Zeit, in der die Landesregierung aus Geldnot nicht in der Lage ist, ein paar neue Kampfflugzeuge finanzieren zu lassen. Das Militärgesetz legt grundsätzlich fest, dass die Truppe für derartige Einsätze erst eingesetzt werden darf, wenn ein Anlass «nachweisbar» weder aus eigener Kraft noch mit Hilfe von Vereinen oder dem Zivilschutz gestemmt werden kann.
Es ist davon auszugehen, dass die Unterstützungs-Thematik von Truppen auch zu Gunsten von Sportanlässen in nächster Zeit zu heftigen Diskussionen führen wird. Der Verteidigungsminister, Martin Pfister, sieht, vor allem in Anbetracht der desolaten Finanzsituation in der Schweiz sowie der Armee den Zeitpunkt gekommen, «um endlich und definitiv mit Unterstützungseinsätzen der Armee zugunsten von Sport- und Kulturanlässen aufzuhören». Was nichts anderes bedeutet als «Ende Feuer» in der Sport-Eventfinanzierung durch die Armee.
(Quellen: «Neue Zürcher Zeitung» vom, 17. Juli 2026; «Tages – Anzeiger» vom 18. Juli 2026)
