FIS-Kongress wählt Alexander Ospelt mit dem knappsten aller möglichen Resultate zum neuen Präsidenten

causasportnews.com – 54/2026, 12. Juni 2026

Two men standing on a mountain trail with binoculars overlooking snow-covered alpine mountains

(causasportnews / red. / 12. Juni 2026) Oft gehen Skirennen knapper als knapp aus. Nicht selten entscheiden Hundertstelsekunden über Sieg oder Niederlage. Etwa gleich endete das wichtigste Geschäft anlässlich des FIS-Kongresses am 11. Juni 2026 in Belgrad. Mit einem Minimalvorsprung von einer Stimme (65 Stimmen) machte der Liechtensteiner Alexander Ospelt das Rennen und sorgte dafür, dass der bisherige Präsident des Internationalen Schnee- und Snowboardsport-Verbandes, Johan Eliasch, nach einer fünfjährigen Amtstätigkeit mit dem knappsten aller möglichen Resultate (64 Stimmen) nicht mehr gewählt wurde. Das Wahlresultat manifestiert, dass die FIS als globaler Dachverband zerrissen wie nie zuvor ist. Es ging nicht einfach darum, bei dieser Präsidentenwahl die «Schafe» (nationale Verbände) nicht zu wägen, sondern zu zählen; das machen mitunter die Eigenheiten eines Vereins, wie die FIS, nach Schweizerischem Recht aus. Dennoch dürfte ausschlaggebend gewesen sein, dass die wichtigsten Verbände der Schweiz und Österreichs sowie der USA keine Zukunft mehr mit dem umstrittenen und ziemlich unbeliebten britisch-schwedischen Doppelbürger Johan Eliasch sahen, der sich für die Präsidentenwahl vom Verband Georgiens portieren lassen musste, weil weder Schweden noch Grossbritannien den Strippenzieher der Skimarke «Head», nicht nur wegen des Vorwurfs von Interessenkollisionen, als Präsident nicht nominieren wollten (vgl. auch causasportnews vom 9. Juni 2026).

Nun wird also der 58jährige Rechtsanwalt und Doktor der Rechtswissenschaften, Alexander Ospelt, das Steuer des unter Johan Eliasch ins Schlingern geratenen FIS- Verbandsschiffs für mindestens die nächsten vier Jahre übernehmen. Wie er in einer ersten Stellungnahm nach der knappen Wahl ausführte, will er Gräben (innerhalb der FIS) zuschütten und den Verband einen («Wir sind immer noch gespalten»). Insbesondere wird er Transparenz bei den finanziellen Belangen der FIS schaffen müssen. Ein wesentlicher Punkt wird sein, die Entschädigungsthematik (höhere Erfolgsprämien) für Athletinnen und Athleten zur Zufriedenheit aller im Schneesport aktiven Player zu lösen. Im Moment unklar ist, ob der vor ein par Tagen zurückgetretene CEO des Verbandes, der ehemalige Schweizer Abfahrtsweltmeister Urs Lehmann, wieder auf diesen Posten zurückkehren wird. Dies wird die Exekutive des Verbandes demnächst entscheiden. Der Schweizer könnte also zum Profiteur des Johan Eliasch-Abgangs werden.

Für den faktisch abgewählten, formell nicht wiedergewählten Johan Eliasch ist dieser 11. Juni 2026 ein denkwürdiger Tag. Dass ein amtierender Präsident eines Monopol-Weltverbandes nicht mehr gewählt wird, ist eher als ausserordentliches Ereignis zu qualifizieren. Doch es kam letztlich einiges zusammen, was gegen eine Wiederwahl des  Amtsinhabers sprach. Der 64jährige Milliardär nahm seine Niederlage in Belgrad relativ sportlich hin, sparte aber nach dem Wahlgeschäft nicht mit einigen Vorwürfen an die Adresse des Internationalen Olympischen Komitees (IOK). Was er ausser Acht liess: Wahlen werden auch aufgrund von Sympathien und Antipathien gewonnen oder verloren. Diesbezüglich hat sich Johan Eliasch sowohl gegenüber dem IOK als auch im Umgang mit anderen wichtigen Protagonistinnen und Protagonisten des Schnee-Weltsports nicht gerade mit Ruhm bekleckert und sich nicht immer besonders klug verhalten. Sein ruppiger und selbstherrlicher Führungsstil innerhalb der FIS wirkte dann auch allgemein nicht gerade imagefördernd…

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