causasportnews.com – 55/2026, 14. Juni 2026

(causasportnews / red. / 14. Juni 2026) Der 11. und der 12. Juni 2026 waren keine Glückstage für Präsidenten, zumindest nicht für den Vorsitzenden des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbandes (FIS). Eine Stimme fehlte dem amtierenden Präsidenten, Johan Eliasch, um sich in Belgrad für weitere vier Jahre als FIS-Präsident der Schneesportlerinnen und -sportler bestätigen lassen. Mit 65 Stimmen machte der Liechtensteiner Alexander Ospelt das Rennen und verdrängte damit Johan Eliasch vom FIS-Thron; der bisherige Präsident erhielt 64 Stimmen (vgl. auch causasportnews vom 12. Juni 2026). Der neue Präsident, der vor allem von den Skisport-Grossmächten Schweiz, Österreich, Deutschland, Norwegen und den USA unterstützt wurde, muss nun daran gehen, die Gräben zwischen grossen und kleinen Verbänden zuzuschütten und die finanzielle Schieflage der FIS wieder zu korrigieren. Unter Johan Eliasch, einem Milliardär (!), soll der Verband mit Sitz in Oberhofen im Kanton Bern 100 Millionen aus dem FIS-Vermögen verbraucht haben. Verwendungszweck: bisher unbekannt.
Ein anderer Weltverband, der Internationale Fussballverband (FIFA), macht in anderer Hinsicht von sich reden. Unter der Ägide dieses weltumspannenden Verbandes hat die Endrunde der Fussball-Weltmeisterschaft begonnen. Eigentlich spielt es keine Rolle, wer diesen Verband, ebenfalls ein Verein mit Sitz in der Schweiz (in Zürich), präsidiert. Der organisierte Fussball ist ein Selbstläufer. Die FIFA kann machen, was sie will, die Fussball-Vermarkungsmaschinerie läuft in jedem Fall wie geölt, und das Geld schneit geradezu zum Fenster des Home of FIFA in Zürich herein. Zwar wird der Weltverband der Fussballer immer wieder kritisiert, doch spätestens beim erfolgten Kickoff zu einer WM-Endrunde, wie jetzt in Mexiko, in den USA und in Kanada, verstummen alle Negativ-Stimmen um die früher als «schönste Nebensache der Welt» bezeichnete Angelegenheit, die längst zur Hauptsache geworden ist. Da kann der FIFA-Präsident den grössten Unsinn von sich geben, wie jetzt vor der WM-Endrunde wieder, wenn der Ball rollt, wird auch das zur Nebensache. Apropos Präsident: Mit Fug kann man feststellen, dass der FIFA-Präsident im Milliardengeschäft Fussball so auswechselbar ist wie eine Glühbirne. Wäre es anders, wäre der aktuelle, ungeliebte Präsident längst abgewählt, spätestens nach den irren und wirren Äusserungen vor der WM-Endrunde in Katar 2022. Mit unsinnigem und wahnsinnigem Gerede hat sich der FIFA-Präsident vor Beginn der laufenden WM-Endrunde erneut in Szene setzen wollen. Mit dem artikulierten Unsinn zur Teilnahme der Mannschaft Irans an der WM-Endrunde und den dümmlichen, verächtlichen Äusserungen zur nicht teilnahmeberechtigten Nationalmannschaft Italiens erntet der FIFA-Präsident höchstens noch Mitleid.
Damit wäre der Bogen zur (Sport-)Politik gespannt. Der beste Freund des FIFA-Präsidenten ist nach seinen eigenen Angaben der US-Präsident. Trotz einem Riesen-Brimborium nahm der Präsident der Amerikanerinnen und Amerikaner allerdings weder am WM-Eröffnungsmatch in Mexiko-City teil, noch verfolgte er das Auftakt-Spiel der US-Amerikaner gegen Paraguay (Schlussresultat 4:1). So, wie der FIFA-Präsident, ist auch der US-Präsident auswechselbar wie eine Glühbirne (vgl. oben). Zudem war eine WM-Endrunde noch nie so politisch wie das aktuelle WM-Turnier in den drei Ländern. Die Demütigungen durch den US-Präsidenten gegenüber der Mannschaft des Irans werden vom amerikanischen Präsidenten sowie von der amerikanischen Regierung geradezu zelebriert: Die USA und der Iran führen im Moment einen erbitterten Krieg gegeneinander. Die für die WM-Endrunde qualifizierten Iraner haben ihr WM-Quartier in Tijuana (Mexiko) aufgeschlagen und fliegen zur Austragung ihrer drei Qualifikationsspiele am 16. Juni und am 21. Juni nach Los Angeles sowie am 27. Juni nach Seattle. Gleich nach den Spielen muss die Mannschaft des Irans wieder in ihr WM-Quartier nach Tijuana zurückfliegen. Kein Zweifel: Die WM-Endrunde 2026 wird derart viele Fussball-Herzen erfreuen wie dies noch nie anlässlich eines solchen Turniers der Fall war; was selbstverständlich einigermassen nachvollziehbar ist: schliesslich haben noch nie so viele Mannschaften (48) an einer WM-Endrunde teilgenommen wie in diesem Jahr (2022 in Katar waren es noch 32 nationale Teams). So darf FIFA-Präsident Gianni Infantino schon jetzt vom grössten und grossartigsten WM-Turnier aller Zeiten schwärmen. Es ist in jedem Fall «die politischste WM der Geschichte», wie es die «Neue Zürcher Zeitung» (11. Juni 2026) sieht. Dies nicht nur wegen der grossen Freundschaft zwischen den Präsidenten der FIFA und der USA. In jedem Fall muss folgendes Fazit gezogen werden: Glückstage für Präsidenten sehen anders aus, wie an diesen Tagen im Juni 2026.
