causasportnews.com – 52/2026, 7. Juni 2026

(causasportnews / red. / 7. Juni 2026) Der Frühling und die Wochen von Mitte Mai bis anfangs Juni sind die idealste Zeit für die Besteigung des höchsten Berges der Welt, den Mount Everest (8848 Meter ü. M.). In dieser Zeit herrscht global betrachtet am Berg der Berge ein regelrechter Dichtestress. Hunderte von Alpinistinnen und Alpinisten wollen nach oben, müssen sich oft in Kolonnen einordnen und auch ab und zu über Leichen gehen; im wahrsten Sinne des Wortes. Der Everest fordert seine Opfer, und aus der «Todeszone», damit wird die Höhe über 8000 Meter ü. M. bezeichnet, Leichen zu bergen ist meist ein hoffnungsloses Unterfangen. Die Toten säumen am Everest den Weg zum Gipfel. In dieser Idealzeit für den Bergsport im Himalaya-Gebiet, bevor der Monsun, das unberechenbare Windsystem aktiv wird, sind auch Rekordversuche aller Art am Berg angesagt. Neuerdings geht es um die «Fastest Known Time» (FKT), die schnellste (offiziell) bekannte Zeit. In diesem Frühjahr sorgte das Speed-Duell zwischen dem Schweizer Karl Egloff und dem Amerikaner Tyler Andrews wie im letzten Jahr für Schlagzeilen (vgl. auch causasportnews vom 17. April 2026).
In gewissen Bergsteigerkreisen ist die Geschwindigkeit am Berg oder in den Bergen alles. So hat es sich Karl Egloff zum Ziel gesetzt, die höchsten Gipfel der sieben Kontinente zu besteigen. Natürlich in Rekordzeiten und ohne Sauerstoff. Von den «Seven Summits» hat der 45jährige ecuadorianisch-schweizerische Extrembergsteiger mit Wohnsitz in Höri im Kanton Zürich bereits vier Gipfel in Rekordzeit bezwungen. In seiner «Sammlung» fehlen dem drahtigen Athleten noch die Carstensz-Pyramide in Ozeanien, der Mount Vinson in der Antarktis und eben der Mount Everest. Am höchsten Berg der Welt versuchte sich Karl Egloff mehrmals, auch im vergangenen Jahr wieder – und scheiterte letztmals Ende Mai dieses Jahres. 946 Höhenmeter vor dem Ziel brach er seinen letzten Versuch am Mount Everest ab. Sein Kletterpartner, Nicolas Miranda, fühlte sich nicht gut, weshalb Karl Egloff vorzeitig zum Rückzug blies. Damit bewies der Extrembergsteiger, dass Leistungen im alpinen Extrembereich nicht um jeden Preis angestrebt werden und die Ethik bei Güterabwägungen auch einmal an erster Stelle stehen darf. Ob er im kommenden Jahr einen weiteren, entsprechenden Versuch am Everest unternehmen wird, scheint noch nicht festzustehen. Ein paar Tage nach dem verpassten Speed-Rekord durch Karl Egloff liess sein amerikanischer Kontrahent Tyler Andrews, verlauten, er habe, unter Zuhilfenahme von Sauerstoff, den Everest ab Basislager bis zum Gipfel in einer neuen Spitzenzeit von 9 Stunden und 55 Minuten, bestiegen. Der 36jährige unterbot damit den bisherigen Rekord von 10 Stunden und 56 Minuten deutlich.
Der abgebrochene Versuch von Karl Egloff und der neue Speed-Rekord von Tyler Andrews haben die Diskussionen über die «FKT»-Vorgaben und -Bedingungen neu entfacht. Sind die Speed-Rekorde des Amerikaners ab Basislager bis zum Gipfel des Everest und mit Sauerstoff vergleichbar mit dem Rekordversuch des Schweizers ab Basislager auf den Gipfel des Everest und zurück ins Basislager ohne Sauerstoff in weniger als 24 Stunden? Kann Gleiches nur mit Gleichem und Ungleiches mit Ungleichem verglichen werden? Affaire à suivre, wäre man geneigt zukunftsgerichtet zu sagen.
