Rad-WM 2024 in Zürich – unter besten Vorzeichen

(causasportnews / red. / 17. März 2019) Was auf den ersten Blick sensationell anmutet, ist bei genauerer Betrachtung als logische Entwicklung zu sehen: In Zürich wird im Jahr 2024 die Rad-WM ausgetragen. Die Bundeshauptstadt Bern hat sich ebenfalls für die Übernahme dieses Grossanlasses in Stellung gebracht, doch nun erfolgte der Zuschlag an Zürich diskussionslos (vgl. hierzu auch causasportnews vom 21. Februar 2019). Dafür, dass Zürich den Event austragen darf, lassen sich nun die Zürcher Politiker/innen feiern. Das Bekenntnis zur WM 2024 erfolgte jedenfalls durchwegs und über alle Parteigrenzen hinaus einhellig. Was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass mit seltener Einigkeit ein derartiger Grossanlass nach Zürich geholt werden konnte?

Zürich, das Herz der helvetischen Finanzdienstleistungsaktivitäten, ist zwar krass sozialistisch geprägt und geführt, hat sich aber in den letzten Jahren zur Event- und Party-Stadt gemausert; ähnlich wie beispielsweise Berlin. Da darf dann schon auch einmal ein Sport-Grossereignis nicht fehlen. Eine Rad-WM passt geradezu ideal zu Zürich. In der Stadt verfügen die Velofahrer/innen über Kultstatus; sie sind den Fussgänger/innen massiv überlegen. Wer sich dem Velofahren verschreibt, ist auf dem Weg zum zwinglianischen Himmel beinahe schon ganz oben angelangt. Radfahren ist umweltverträglich; deshalb liegt dieses lautlose Fortbewegungsmittel in der Gunst der Zürcher/innen weit vor jeder umweltbelastender Mobilität; Autofahrerinnen und –fahrer geben zwischenzeitlich die idealen Feindbilder ab. Der Kampf zwischen lautlosen, umweltschonenden Velocyclisten und umweltbelastenden Auto-Fans ist in Zürich längst entschieden. Und zwar so, dass künftig nicht einmal mehr ein Formel-E-Rennen an der Limmatstadt ausgetragen werden kann; dieses erstmals im vergangenen Jahr durchgeführte Spektakel erfährt die zweite Auflage in…Bern!

So freut sich derzeit die grün-rote Stadt Zürich geradezu überschwänglich darüber, dass 2024 ein grosser Sportanlass ohne Negativpunkte durchgeführt werden kann. Bis dann wird es zweifelsfrei möglich sein, eine Rad-WM ohne lärmigen, motorisierten Begleit- und Werbetross durchzuführen; die Teilnehmer/innen am Riesen-Spektakel werden eh mehrheitlich mit dem Fahrrad anreisen und umweltschädigende Pet-Flaschen und leere Red Bull-Büchsen sachgerecht entsorgen. Auch die Gefahr, dass gedopte Akteure vom Rad fallen werden, wird bis dann praktisch gebannt sein – wie auch die ganze Dopingproblematik dann nur noch, wie es seitens der Politik in Deutschland eingeschätzt würde, ein „Vogelschiss“ im sport-historischen Kontext abgeben wird. Eine Gefahr ist allerdings mit Blick auf 2024 nicht zu verkennen: Bis dann werden auch die Radfahrer/innen in der Gunst der Allgemeinheit an Goodwill eingebüsst haben. Der Trend wird in Richtung „Fussgänger/innen über alles“ gehen. Am Freitagmittag ist diese Tendenz in Zürich manifest geworden: Die Zukunft gehört einzig und alleine den Fussgängern! Die Jugend will (verständlicherweise) ein Zeichen setzen und ordnet dem Klimaschutz alles unter. Mehrere tausend Schülerinnen und Schüler verlangten an einer Klimaschutz-Demo u.a. in Zürich: „ Netto null Emissionen bis 2030“. Klar, wenn nun die Jugend darauf verzichtet, von den Eltern in Autos vor die Schulhäuser gekarrt zu werden, nur noch im Inland Ferien macht, auf Flugreisen jeglicher Art verzichtet und Schulabschlussreisen ab sofort zum Berner „Bärengraben“ und nicht mehr nach London, Stockholm oder Madrid führen werden, kann der Sport nicht abseits stehen. So steht die Durchführung der Rad-WM 2024 mit seinen ökologisch belastenden Begleiterscheinen in der rot-grünen Stadt Zürich mit der bekanntlich konsequenten Jugend wohl eher auf wackligen Beinen. Allerdings kann bis in fünf Jahren noch vieles geschehen – und sich ändern.

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