Warten auf die Goldmedaillen – oder die Nachwehen von Sotschi 2014

(causasportnews / red. / 7. Januar 2019) Seit geraumer Zeit ist klar, dass der Medaillenspiegel nach den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi für die Schweiz massiv aufgewertet ist: Zwar belegten damals die Russen Alexander Subkow/Alexej Wojewoda im Zeierbob-Doppel im heimischen Sotschi den ersten Platz und wurden als Olympiasieger gefeiert, doch nach der Aufarbeitung des Dopingskandals um Russische Athletinnen und Athleten verloren die beiden siegreichen Russen ihre Goldmedaillen wieder bzw. wurden ihnen diese rechtsgültig aberkannt (vgl. auch causasportnews vom 27. November 2017). Sowohl das Internationale Olympische Komitee (IOK) als auch der mit der Sache befasste Court of Arbitration for Sport in Lausanne (CAS) haben entschieden, dass die resultatmässig in Russland siegreichen russischen Bobfahrer die Goldmedaillen zurückzugeben hätten. Als „Medaillen-Erbe“ kommen die Schweizer Beat Hefti und Alex Baumann zum Zuge. Bis heute denken die gedopten Bob-Fahrer aus Russland allerdings nicht daran, auf die betrügerisch errungenen Goldmedaillen zu verzichten. Vielmehr hat Alexander Subkow, inzwischen Präsident des Russischen Bobverbandes (!), allerdings im Dezember 2018 vom Internationalen Bob-Verband suspendiert, gerichtliche Schritte in Moskau eingeleitet, um die Goldmedaille behalten zu können; er bestreitet, in Sotschi betrogen zu haben. Der Grund für diesen Schritt ist nachvollziehbar: Als Nicht-Olympiasieger würde er einen in Russland für Olympiasieger/innen üblichen, lebenslangen Renten-Anspruch verlieren; Olympiasieger/innen erhalten vom Staat eine Rente bis zum Lebensende. So warten Hefti/Baumann weiterhin auf das redlich gewonnene Edelmetall. Beim ganzen Vorgang gibt das IOK eine schwache Figur ab. Es wäre wohl keine grosse Hexerei, Subkow/Wojewoda die übergebenen Goldmedaillen abzunehmen. Ebenso einfach wäre es alternativ, den ehrlichen Siegern von Sotschi neue Goldmedaillen auszuhändigen; an den Kosten dürfte es kaum liegen… Obwohl durchaus Chancen bestehen würden, könnten die beiden Schweizer Athleten das IOK auf gerichtlichem Wege zwingen, ihnen die beiden Goldmedaillen auszuhändigen. Brisant bei der ganzen Geschichte ist zudem, dass auch die ursprünglich auf dem fünften Rang platzierte Mannschaft Lettland 1 auf die Bronze-Medaillen wartet. Nachdem den in Sotschi viertplatzierten Russen Alexander Kasjanowund Maxim Belugin der dritte Platz, den sie durch „Nachrücken“ geerbt hatten, weil die ursprünglich viertplatzierten und danach auf den dritten Platz vorgerückten Russen die Bronze-Medaillen wieder verloren hatten, aberkannt worden ist, warten auch die tapferen Letten immer noch auf die Bronze-Medaillen, die von den Russen ohne Druck kaum zurückgegeben werden dürften. Wäre die Sache nicht zu ernst, könnten diese Nachwehen fünf Jahre nach Sotschi durchaus als „IOK-Posse“ bezeichnet werden. Grundsätzlich verwundert es auch, dass sich der Schweizerische Bobverband („Swiss Sliding“) nicht energisch dafür einsetzt, dass den siegreichen Piloten nun umgehend die Gold-Medaillen ausgehändigt werden. Von diesem Verband, der permanent von Geldnöten geplagt wird und sich in einem Dauer-Kampf gegen die Entwertung des Bob-Sportes befindet, kann realistischerweise kein grosser Support in diesem geradezu grotesken Vorgang erwartet werden.

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